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Monatsarchiv für März 2008

Der Iran: geliebt und gehasst.

Montag, den 31. März 2008 um 13:19

Gemessen am Franco-Spanien, ist der heutige Iran gesellschaftspolitisch ein fast fortschrittliches Land. Präsident Ahmedi Nejad, der offensichtlich nicht zu den radikalsten Schiitenführern zählt, wirkt eher wie ein jüngerer McCain, der seine Kriege noch hundert Jahre weiterfechten möchte. Weil der Iran mit Öl und Gas bestens versehen ist, stehen die Staaten Schlange, um mit Teheran ins Geschäft zu kommen. Trotz eines US-Embargos haben die Deutschen dort im letzten Jahr für über Euro 3,5 Mia. Waren abgesetzt, die Österreicher kommen immerhin auf Euro 400 Mio. Jetzt hat Micheline Calmy-Rey dort einen Gasliefervertrag abgesegnet, der hohe Wellen schlägt. Im neuen „tachles“, der jüdischen Schweizer Wochenzeitschrift, heisst es dazu: „Es sind derartige Geschäfte, die jegliche Sanktions- und Isolationsbemühungen gegenüber dem antisemitischen Apokalyptiker-Regime in Teheran verurteilen und dadurch einen Krieg in der Region immer wahrscheinlicher werden lassen.“ Das ist starker Tobak aus Tel Aviv, zumal, wie am Wochenende auch bekannt wurde, Israel offensichtlich seit Jahren Öl aus dem Iran über eine Genfer Firma bezieht. Ob diese Calmy-Rey’schen Offensiven wirklich auf einer konsequenten Aussenpolitik beruhen, ist eher zweifelhaft; vielleicht will sie uns in ein neues „age of enlightment“ führen, welches sie sieht, aber sonst niemand.

Brauchen Sie wirklich einen Coach?

Montag, den 31. März 2008 um 12:06

Entweder sind unsere Führungskräfte heute in einem ganz besonders schlechten Zustand, weil sie zu einseitig ausgebildet und gefordert wurden, oder es entsteht derzeit ein neuer völlig überflüssiger Beruf, der des persönlichen Coachs. Sie sollen, gerade in kritischen Phasen, bei M&A’s z. Bsp., mithelfen, dass die Manager das Beste und das Letzte ihrer Kraft geben. Viel vom Business sollen diese Coachs nicht verstehen, aber in der Lage sein, die Psyche ihres Schützlings stabil zu halten, wenn sie am Zusammenbrechen ist. Das „Handelsblatt“, eine eigentlich seriöse Wirtschaftstageszeitung, illustriert dies mit einem Jungmanager in Lackschuhen, der in Hemd und Krawatte eine steile Treppe hochsprintet, angefeuert von einer Art Leichtathletiktrainer mit Stoppuhr in der Hand. Stimmt dieses Bild? Ich meine, nein, denn genau diese Sturmtruppen der Finanzbranche haben soeben Milliardenschäden ausgelöst. Die Coiffeusen müssen mit ihren Steuern zurückzahlen, was die Chefs verspielt haben. Die wirklich guten Unternehmer, die ich kenne, sind zumeist ganz ruhige Persönlichkeiten, sie planen mittel- und langfristig, sie prüfen Schwachstellen ganz genau und ändern radikal, meist das Management, wenn notwendig. Sie mit einem Coach in Schwung bringen zu wollen, ist mehr als lachhaft. Vielmehr erweckt dieser neue Beruf den Anschein, als wolle man aus Schwachstrom-Managern noch mehr herausholen als sie zu leisten imstande sind. Das kann nur schief gehen.

Winterthur, Bezirk Komik des Kantons Zürich.

Montag, den 31. März 2008 um 10:53

Zwei bedeutende Merkmale weist die bald 100 000 Menschen zählende Stadt Winterthur schon heute auf:
– Sie lebt in höchstem Masse von Finanzmitteln, die in Küsnacht, Zumikon und Zollikon verdient werden.
– Sie ist die Hauptstadt der Giacobbo-Fraktion, der Chefkomiker unseres Landes.

Jetzt setzt sich diese Komik, Seldwyla gleich, fort, indem der 84jährige Immobilienkönig Bruno Stefanini, Besitzer maroder Häuser, verschiedener Schlösser und einer nicht unbedeutenden Sammlung Schweizer Künstler, sich weigert, die Kosten für eine zweite Ausstellung zu übernehmen. Grund: zu teuer. Wenn Geiz eine schwere und unheilbare Krankheit ist, dann ebenso die Beschränktheit der Winterthurer Kunstszene, die dem Stefanininschen Bilderschatz nicht traut. Was fehlt, ist eine Persönlichkeit, die Stefanini und die ihres Images nicht bewusste Stadt Winterthur zusammenbringt. Weil eine konstruktive Lösung derzeit nicht erkennbar ist, bleiben wir bei der Feststellung: Winterthur, Bezirk Komik des Kantons Zürich.

Von Carla Bruni lernen.

Montag, den 31. März 2008 um 9:38

Einen Firmenmerger kann man ab sofort den Mitarbeitern wie folgt erklären: „Je suis le thé, tu est la tasse.“ Es handelt sich um ein Lied von Carla Bruni, von der man zwar optisch viel, sonst aber wenig weiss. Erstmals angewendet hat diese Formel Edgar Rappold, CEO der Winterthurer Firma „Winterthur Technology“, nach der Übernahme der deutschen Wendt-Gruppe. Da ich beim Schreiben dieses Textes gerade einen sehr schönen Tee trinke, weiss ich, dass die Tasse bleibt, der Tee aber bald verschwunden sein wird. Das genau hat der Texter von Carla Bruni verstanden: Bei einer Übernahme gibt es nie einen „merger of equals“, sondern nur einen Teil, der verschwindet und einen anderen, der bleibt.

Die Transhumanisten kommen.

Montag, den 31. März 2008 um 9:10

„Der Mensch wird alles tun, um seine individuelle Leistung zu verbessern“, sagt der Neuro-Psychologe Prof. Dr. Lutz Jäncke von der Uni Zürich. Ganz auf diesem Weg sind die Transhumanisten, der „World Transhumanist Organization“, die den Übermenschen schaffen wollen. Ihre Gegner sehen sie in überzeugten Christen, technologiekritischen Linken und anderen Romantikern, von denen es in Europa viele gibt. Die dazu passende Wissenschaft heisst „Neuro-Enhancement“. Sie beginnt mit den üblichen Psychopharmaka, den grössten Verkaufsrennern der leidenden Pharmaindustrie, gefolgt von Benzodiazepinen, die uns und unsere Kinder beruhen sollen (vor was eigentlich?), dem relativ harmlosen Alkohol, Drogen aller Art etc. Merke: Unser Körper ist eine noch viel zu individuelle Einrichtung; seine Leistungen entsprechen oft nicht dem, was Wirtschaft, Sport und Unterhaltungsindustrie verlangen. Gut 80% der westlichen Bevölkerung dürften aus wirtschaftlichen und psychischen Gründen ziemlich gut steuerbar sein, aber die 20% Unsicheren sind ebenso ein Risikofaktor wie es eine Chance ist, das in uns ruhende Potential zu steigern. Daraus entsteht jetzt eine neue Industrie.

Visionäre und unterschätzte Schweizer.

Montag, den 31. März 2008 um 8:21

Zwei Schweizer, die jetzt gerade Jubiläen feiern, haben für den guten Ruf unseres Landes mehr getan als viele, denen wir landläufig begegnen:

– Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Küng, Sempach/LU, 80, ist heute der wohl weltberühmteste Theologe. Er hat das geistige Gerüst nicht nur für eine römisch-katholische Kirche geschaffen, wie sie sein könnte, sondern mit seinen Schriften und Büchern ethische Massstäbe von globaler Wucht formuliert. Seine Wirkung beruht nicht nur in seiner Nachfolge des Origines, Thomas von Aquin und Martin Luther, sondern ebenso auf seiner Zeitverbundenheit, die ihn davor bewahrt hat, ein dogmatischer katholischer Christ zu werden, wie dies im Falle der beiden letzten Päpste erfolgt ist. Seine Offenheit bedeutet für viele Gläubige eine Chance für eine menschenwürdige Zukunft.
– Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Maurice E. Müller, Bern, 90, Orthopäde, hat als Erfinder des künstlichen Hüftgelenks Millionen von Menschen ein beschwerdefreies Leben ermöglicht. Der weltberühmte Schweizer „Knochenschlosser“ beweist, wie Prof. Dr. Hans Küng auch, Schweizertum in seiner Idealform, verbindet sich doch höchstes Können mit applizierter Humanität. Als Sponsor des Berner Klee-Museums hat er dem bescheidenen Künstler eine grosse Walhalla bauen lassen.

Im Unterschied zur landläufigen Entwicklung, die sich vor allem in Zürich ausprägt, messen beide dem Geld keine grosse Bedeutung zu. Die geistige Enge der Spitzenvertreter unseres Finanzplatzes wird erst dann deutlich, vergleicht man sie mit den beiden Jubilaren aus Luzern und Bern.

UBS-Krise: teurer als die NEAT

Freitag, den 28. März 2008 um 14:32

Was wird bei uns darüber gestritten, ob die NEAT nun teuer ist oder nicht. Tatsache ist, dass das Marcel Ospel-Team ungestraft und wieder mit Milliarden Franken belohnt in riskanten Kreditgeschäften, ausgelöst von der subprime-crisis, heute schon mehr Geld verspielt hat als uns die NEAT kostete. Immerhin gibt es nun keinen Schweizer Bankier mehr, der uns darüber belehrt, wie der Staat Schweiz zu führen ist. Die Lukas Mühlemann und Peter Wuffli haben sich mit vielen Millionen Franken abfinden lassen, zum Teil auch von Prozessrisiken (Swissair) befreien lassen und sind auf den Golfplätzen der Welt verschwunden. Diese Entsorgungsräume für überflüssige Superreiche erfüllen mindestens damit einen guten Zweck.
Weil soeben auch der neue UBS-Geschäftsbericht bei mir eingetroffen ist, lohnt sich ein kurzer Blick auf dieses über 300seitige Werk, das ich auf keinen Fall lesen werde, weil mir Prof. Dr. Hans Küngs Lebenserinnerungen 3. Teil viel wichtiger sind. Ich frage mich allerdings, mit welchem Recht gerade die UBS über Nachhaltigkeit berichtet, wo sie doch besser als jede andere europäische Grossbank unter Beweis gestellt hat, dass sie genau diese Leistung nicht zu erbringen imstande ist. Und Corporate Governance? Es ist doch zum Lachen, wenn 300 Mitarbeiter, angeführt von CEO Marcel Ospel, den ganzen Konzern auf die Schlachtbank führen können. Marcel Ospel ist deshalb auch optisch neben Marcel Rohner abgebildet wie der Preisbulle neben seinem Schellenhalter.
Wie verzweifelt die UBS-Mitarbeiter im Land um ihre Kunden und damit um ihre Karriere kämpfen, wird überdeutlich an Äusserungen wie:
– „Die Kundengelder sind bei uns sicher, das haben Bankenkommission und Nationalbank bestätigt.“ Es ist die halbe Wahrheit, denn dem Präsidenten der Bankenkommission wird vorgeworfen, er schütze die UBS zu sehr und die Nationalbank wahrt deutliche Distanz.
– „In der Schweiz brauchen wir die strengen Finanzierungsregeln für Immobiliengeschäfte. Wir dürfen dies mit den Vorgängen in den USA nicht vergleichen.“
– „Wir veranstalten Lunchgespräche, wo Kunden und Mitarbeiter auch Emotionen zeigen dürfen.“ Diese Aussage finde ich besonders grossartig.
– „Wir verlieren Kundengelder, dies soll aber nur temporär sein.“

Als UBS-Aktionär sollte ich jetzt vielleicht doch den ganzen Geschäftsbericht des Jahres 2007 lesen, aber vielleicht besser gegen Abend, wenn ich mit einem Highland Malt meine Emotionen hinabspülen kann. Nochmals zurück zur NEAT: Diese dient dem ganzen Land auf lange Zeit. Ob es uns jedoch gelingt, uns künftig von Spekulanten fern zu halten, die unser Geld verspielen?
Ich zweifle daran, denn Marcel Ospel war nichts anderes als ene Wiedergeburt des Pfeifers von Hameln. Bei aller uns auferlegten Höflichkeit dürfte sein Rücktritt nun wirklich nur noch eine Frage der kurzen Zeit sein.

„Angie“ Merkel, kommt sie oder doch nicht?

Freitag, den 28. März 2008 um 13:25

Seit Wochen gehen die Gerüchte um, die deutsche Bundeskanzlerin werde Ende April die Schweiz besuchen. In Bern will man nichts davon wissen, in Berlin wird der Besuch zur Hälfte bestätigt, zur anderen Hälfte verneint. Kommt „Angie“ in Kürze nach Bern, wird die Frage des Bankgeheimnisses sicher eine zentrale Rolle spielen. Wie zu vernehmen ist, bereiten deutsche Spitzendiplomaten eine Offensive gegen den offshore-Platz Schweiz vor, worin die Zahl der Vorwürfe gegen unser Land belegt und massiv ausgeweitet werden soll. Ob Bern unter solchen Voraussetzungen einem hohen Besuch aus Berlin zustimmen wird? Wahrscheinlich ist man sich über die Tagesordnung noch nicht einig, denn die deutsche Weltpolitikerin wird natürlich nur kommen, wenn sie uns a) Vorwürfe machen kann und b) sicher sein darf, einen Sieg mit nach Hause zu tragen. Angesichts solcher Angriffe von aussen habe ich ein wenig Verständnis für die Chinesen, die sich einfach immer ärgern, spricht man sie auf Randzonen-Konflikte, wie Tibet, an. Bedrückend mag die Lage auch für viele Liechtensteiner sein, wurden doch gerade 390 Italiener, darunter 100 aus Milano, entdeckt, die schwarze Konten in Vaduz hatten. Wo die Norditaliener von einigem Vermögen, wie die Familie von Silvio Berlusconi, doch ohnehin schon grosse Teile des schweizerischen Engadin gekauft haben, warum sollten sie dann nicht ein wenig Geld rheinabwärts nach Vaduz schwimmen lassen? Es ist dieses Kleinliche, welches bestürzt. Sind wir schon eine Weltverantwortungs-Gesellschaft oder doch noch Stämme, die den Mehrwert der anderen wollen?

Wunderbares Bern

Freitag, den 28. März 2008 um 10:39

Unsere Bundeshauptstadt lebt ein einer verschämten Armut. 20 % aller Einwohner zahlen gar keine Steuern, weitere 60 % der Bevölkerung verdienen maximal Fr. 60’000.—im Jahr. Die Hälfte aller KMU zahlt ebenfalls keine Steuern. Wen wundert es, dass grosse Teile der Stadt immer mehr aussehen wie Lissabon vor der grossen Renovation. Wir alle haben das alte, leicht vergammelte Lissabon geliebt. Wird es Bern eines Tages auch so gehen, dass einige wenige Standorte glänzen, das Bellevue, das Klee-Museum, das Bundeshaus, der Rest aber der Zähringer-Nostalgie verfällt? Während die alten Familien und die Chefbeamten des Bundes in grossen Villen im städtischen Umland wohnen, bleibt die Stadt selber eine Zone für Absteiger. Die Bahnverbindung nach Zürich ist jetzt ohnehin schneller geworden.

Neue Reiche verdrängen alte Arme

Freitag, den 28. März 2008 um 9:43

In den Steueroasen des Kantons Schwyz am oberen Zürisee, in Freienbach und Lachen, kann die Feuerwehr nicht immer ausrücken, weil deren Mitglieder es sich nicht mehr leisten können in jenen Orten zu wohnen, die sie schützen sollen. Die Vereinsvorstände überaltern und brechen gleich ganz zusammen, weil Marcel Ospel und tausende anderer Neureicher, die sich dort in Millionenvillen und Edelwohnungen angesiedelt haben, abends natürlich keine Lust haben, im Männergesangverein mitzumachen. Bedauern wird dies nur, wer die dumpfe Tonlage schätzt, die kennzeichnend war für die alte Dorfkultur. Früher hockte man einfach beieinander, wiederkäute die ewig gleichen Themen und kam nie recht vorwärts; das nennt sich Tradition. Die neuen Schicken brausen aus Zürichs City in 25 Minuten über die Autobahn heran, wenn kein Eisregen die schnelle Fahrt verdirbt, holen tief Luft über dem See und freuen sich daran, dass dies alles aus ersparten Steuerleistungen finanziert wird. Dennoch, die Häuser stehen ziemlich eng und wirken daher wenig elegant; es fehlt an Raum. Abt Martin Werlen vom Kloster Einsiedeln, das dort über grosse Uferzonen verfügt, hat schon lange begriffen, wie der Hase läuft. Er verlangt jetzt angemessene Pachtzinsen für die Nutzung der klösterlichen Ufer. Recht hat er.

 
     
     
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