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Monatsarchiv für Februar 2008

Kaufe nur Anlagen, die Du verstehst

Mittwoch, den 27. Februar 2008 um 16:25

Die Bankiers, Wirtschaftsprofessoren und Volkswirte machen es sich leicht, wenn sie Privaten stets raten “Kaufe nur Anlagen, die Du verstehst.” Obwohl ich mich schon vierzig Jahre mit Anlagen beschäftige, habe ich von vielen Produkten keine Ahnung, weil ich einfach keine Zeit und keine Lust habe, mich damit zu beschäftigen. Verlasse ich mich nun auf meinen Bankberater, der mir sagt: “In fünf Jahren sind wir wieder in den schwarzen Zahlen”, dann müsste ich eigentlich die Bank wechseln. Jedoch, wer berät mich wirklich besser? Merke: Es gibt nur wenige Wege zum echten Gewinn, aber viele Wege in den finanziellen Abgrund. Wenn die meisten UBS-Privatkunden, wie manche Tabellen beweisen, im vergangenen Jahr nur Verluste gemacht haben sollen, warum organisieren sich diese nicht? Anlagefehler kann man machen, aber eine Dienstleistung zu verkaufen, die anstelle Gewinnen nur Verluste bringt, verstösst gegen Treu und Glauben. Ob immer “nach bestem Wissen und Gewissen” gehandelt wird, wenn ein Anlageberater seine Dispositionen vornimmt, bezweifle ich jedenfalls stark. Wären gerade die Grossbanken immer korrekt, müssten sie nicht jene überaus starken juristischen Abteilungen entwickelt haben, die als legale Defensive der Banken sehr effizient sind.

Die USA der Aufklärung vor dem Untergang

Mittwoch, den 27. Februar 2008 um 10:14

Amerika ist eine artifizielle Schöpfung aus dem Geist der europäischen Aufklärung mit einer Verfassung, die wesentlich von Freimaurern formuliert wurde. Was Amerika attraktiv gemacht hat, waren die europäischen Ideen der Gleichheit, der unveräusserlichen Menschenrechte, des Strebens nach Selbstverwirklichung und der religiösen Toleranz. Von diesen ist wenig übriggeblieben, wie die jüngere Geschichte der USA und der jetzige Wahlkampf zeigen. Von den WASP’s, dem Ostküstenvolk der Gründerväter, ist nur noch ein 71jähriger McCain übriggeblieben, der mehr ein Skelett der amerikanischen Geistesgeschichte ist denn ein Mann des Aufbruchs. Barack Obama wäre der erste Afroamerikaner als US-Präsident; sollte er es nicht ins Amt schaffen, wird es einer seiner Nachfolger sein oder ein Latino-Amerikaner. Schon “Arnie” Schwarzenegger muss zur politischen Exoten-Generation amerikanischer Politiker gerechnet werden, der erfolgreich wurde, weil er für alle wählbar war, eine hybride Persönlichkeit, die sich im Amt des kalifornischen Gouverneurs bewährte. Was gefährdet das “alte” Amerika?
- Die Re-Ethnisierung des Kontinents, welche die Assimilation ablehnt (so sprach auch der türkische Präsident Erdogan in Köln, der auf die eigene Kultur der Deutschlandtürken bestand)
- Der Triumph des “weissen” Kapitalismus im Osten des Landes, der Nihilismus und neue Mythenbildungen zur Folge hat.
Dies bedeutet den Abschied von der Aufklärung, die in Europa das Bürgertum begründete und den USA zu einem globalen Aufstieg verholfen hat, dessen Ende nun absehbar wird.

Schweizer Freiheit – von Bonaparte

Mittwoch, den 27. Februar 2008 um 9:59

Jetzt werden die Schweizer Rechte, seit 1291 verbrieft (“Unsere Demokratie ist älter als die deutschen Ansprüche”), wieder ins Gefecht geführt. Das gleiche Volk, das eine Million seiner jungen Männer während 300 Jahren ins Ausland verkaufte, um daraus Landsitze, Schlösser und Adelstitel zu machen, will nun nicht wahrhaben, dass seine Funktion als Freibeuter-Insel wieder einmal bedroht ist. Was das Schweizer Volk an Rechten gewonnen hatte, wurde ihm von Napoléon zugesprochen, nämlich Freiheit, Gleichheit und politische Rechte. Vielleicht dachte er ein wenig an seine korsische Heimat, der schon der Genfer Jean-Jacques Rousseau ein Verfassungsprojekt gewidmet hatte. Wo zuvor nur das “Bärnditsch” regierte, machte er das Französische und Italienische zur gleichberechtigten Landessprache; wir sollten daher den Welschen verzeihen, dass sie mehr nach Paris als nach Zürich schauen. Die Berner Geschichtsschreibung war falsch, die in Napoléon nur den Eroberer sah; er war ein Freund der Schweiz. Wenn die Deutschen nun darum bitten, man möge ihren flüchtenden Reichen keine bessere steuerliche Behandlung anergehen lassen wie diese uns Einheimischen gewährt wird, ist dies verständlich. Anderseits ist die Praxis der steuerbegünstigten Ansiedlung auch in Deutschland nicht unbekannt. Bleibt der Schweizer Mittelstand damit einverstanden, die Infrastruktur des Landes zu finanzieren, während im Land lebende reiche Deutsche, Russen, Griechen, Italiener und Franzosen dies nicht müssen, sind Bund und Kantone innenpolitisch abgesichert.

Wo bleibt die Schweizer Seele?

Mittwoch, den 27. Februar 2008 um 9:40

Unter dem Druck der Globalisierung ist die Schweiz im Begriff, ihre alte alemannisch-keltische Seele auf dem Altar des Fortschritts zu opfern. Von 3’100 Schweizer Professoren an Schweizer Hochschulen sind bereits 1’400 ausländischer Herkunft. An vielen wichtigen Schweizer Universitäten, wie Basel, Zürich und St. Gallen, machen die ausländischen Professoren bereits knapp 50 % oder mehr aus. Gleiches spielt sich in der Wirtschaft ab: Viele und immer mehr oberste Führungskräfte der Schweizer Wirtschaft kommen aus dem Ausland. Kulturell sind wir zu 90 % abhängig von Produkten aus den USA und den EU-Staaten. Was schweizerisch einmal war, sinkt in den Untergrund ab, sammelt sich noch in Randkantonen wie den beiden Appenzell oder im Jura. Doch der Trend ist klar: Von Trogen bis Moutier trägt der Fortschritt die Zeichen der Globalisierung. Das alte Schweizer Volk erregt sich darüber, das junge Schweizer Volk ist längst global unterwegs.

UBS will keine Kleinaktionäre mehr

Dienstag, den 26. Februar 2008 um 16:19

Nach dem schönen Satz “You get what you see”, dürfen wir von der Annahme ausgehen, dass der UBS-Konzern künftig keine Schweizer Kleinaktionäre mehr will. Die Beweise:
- Verzicht auf die Bar-Dividende
- Äusserst magere und einseitige Information
- Keine Verkehrsunterstützung bei der morgigen GV (Verkehrschaos ist einprogrammiert)
- Kein Buffet mehr, sondern magere Lunchpakete

Wer derart behandelt wird, obwohl sich sein UBS-Vermögen in letzter Zeit nahezu halbierte, ist nicht mehr willkommen. Im Gegensatz dazu erhalten die Bankchefs weiterhin hohe Prämien und gefeiert wird mit “Deep Purple”.

Muss man Wirtschaftswissenschaften ernst nehmen?

Dienstag, den 26. Februar 2008 um 16:08

BWL und VWL sind nützliche Studienfächer, aber braucht es die Wirtschaftswissenschaften wirklich? Nachdem ich seit 40 Jahren lese und diskutiere, was unsere Professoren von sich geben, halte ich grosse Teile der Wirtschaftswissenschaften unterdessen für ein Orchideenfach, Bestärkt werde ich darin, wenn ich von Prof. em. Dr. Franz Jaeger lese, die “Staaten werden nicht mehr oder nur im äussersten Notfall” Staatsgelder in eine Firma einschiessen. Gerade ist dies in England im Falle einer Bank wieder geschehen. Gerade beteiligen sich drei Staatsfonds an der UBS und der CS-Gruppe. Da sie es tun, muss es sich, wie Franz Jaeger sagt, um einen “Notfall” handeln, was von Marcel Ospel bisher nicht so gesagt wurde, Weiss ein Wirtschaftsprofessor nicht mehr weiter, zitiert er Murphys Law: “Es geht alles schief, was schief gehen kann.” Muss man, um dies zu erkennen, in St. Gallen studieren?

Ein oberpeinliches Thema: Judentum

Dienstag, den 26. Februar 2008 um 15:48

“Dröhnendes Schweigen” stellt Gisela Blau im “tachles” fest, wenn “der deutsche Papst Benedikt XVI.” es den “Ewiggestrigen” in seiner Kirche erlaubt, den alten und lateinischen Ritus wieder zu benutzen. Darin gehe es wieder um die Missionierung von Juden, werde doch das Paradies auf Erden nach Auffassung der katholischen Kirche erst ausbrechen, wenn die Juden sich zum Christentum bekehrt haben. Ehrenwort, ich (katholisch) wusste dies nicht und muss mir nun ernsthaft Gedanken machen, ob ich jemals das Paradies erreichen werde, in welchem ich etliche Mitglieder meiner Familie, mich erwartend, schon vermute. Gisela Blau, wortgewaltig, fordert die Schweizerische Bischofskonferenz zur Stellungnahme auf. Was ich weiss und mich laufend verwirrt: Juden kommunizieren einfach besser und oft aggressiver als Nichtjuden. Es ist doch unglaublich, wie intensiv wir uns in der 7,6 Mio. Einwohner zählenden Schweiz mit den 18 000 Juden beschäftigen (müssen), die bei uns leben. Diese jüdische Präsenz lässt sehr viele Schweizer, denen es das Wort verschlagen hat, die Faust im Sack machen. Im Radio, und ich höre gerne DRS 2, wimmelt es von jüdischen Schriftstellern und Künstlern, die dort vorstellt werden, sodass ich mich manchmal frage, ob es auch nichtjüdische gibt. Nun stelle ich fest, dass wir demnächst auch eine jüdische Kommunikationsschule im Land haben werden, die ein “Jewish Leadership Program” anbietet. Es steht auch Nichtjuden offen, ist mit 1800 Franken pro Semester sogar recht günstig, und wir könnten endlich lernen, was unsere jüdischen Freunde so gut und mit Lust beherrschen, die Kunst der Kommunikation und Führung.

Armes Basel – reiches Zürich

Dienstag, den 26. Februar 2008 um 15:34

Was in Basel jetzt missglückte, der Verkauf von Zwei-Mio-Franken-Wohnungen in der Innenstadt, wäre in Zürich kein Thema. Solche Wohnungen gibt es rund um den Zürisee zuhauf und sie gehen weiterhin weg wie arme Semmeli. In Basel musste dies missglücken, weil tatsächlich viel weniger Basler viel Geld haben als man sich dies vorstellt. Die wenigen wirklich reichen Basler haben ihre Häuser und Wohnungen in der Stadt und im Kanton, z.B. in Riehen oder in Binningen. Wohnungen gelten bei den reichen jungen Baslern ohnehin als wenig chic; ein Haus bleibt ein Haus. In Zürich ist der Wohlstand der Bestverdienenden viel ausgeprägter. Sofern man von einer Basler Politik sprechen darf, muss diese sich bald einmal ändern, soll die Stadt nicht weiter verarmen.

SVP: mehr Klarheit

Dienstag, den 26. Februar 2008 um 11:29

Die Krisenzeichen innerhalb der SVP Schweiz sind unübersehbar. Die grösste Schweizer Partei ist zusehends mehr mit sich selber als mit der Durchsetzung politischer Programme beschäftigt. In wesentlichen Fragen gehen die Meinungen der Parteigrössen auseinander. Der Nimbus von Dr. Christoph Blocher, Multimilliardär und alt Bundesrat, beginnt zu verblassen. Wenn es zutrifft, was alt Bundesrat Rudolf Friedrich behauptete, die SVP werde “weitgehend aus den privaten Schatullen von Christoph Blocher und Walter Frey finanziert”, dann sollte dies klargestellt werden. Dies würde nämlich bedeuten, dass das Schweizer Volk, sofern sich Geld mit Kalkül verbindet, gekauft werden kann. Wie bei der SVP, beruht die Schwäche anderer bürgerlicher Parteien entscheidend darin, dass man nicht weiss, wie sie sich finanzieren. Eine transparente Buchhaltung sollte man nicht nur von der Privatwirtschaft verlangen dürfen, sondern vor allem auch von den Parteien. Die FDP ist keine Spur besser: Gehen nun die Freisinnigen mit den Liberalen zusammen, möchte man wissen, was geht da eigentlich zusammen? Die Liberale Partei macht den Eindruck, als sei sie nur noch virtuell vorhanden. Um Vertrauen zu gewinnen, ist eine Bilanz beider Parteien dringend notwendig.

Japans Krise als Signal

Dienstag, den 26. Februar 2008 um 10:59

Während Singapur unter dem 84jährigen Staatsgründer Lee Kuan Yew blüht und zu einer Weltmetropole werden möchte, ist das erste asiatische Tigerland Japan weiterhin im Absturz. Der Norden, Hokkaido, entvölkert sich wie bei uns das Bündnerland. Ein Land, dessen Bevölkerung sich reich und homogen fühlte bis zum Immobilienkrach vor 15 Jahren, hat seither den Aufschwung nicht mehr geschafft. Neun von zehn Japanern fühlten sich einst dem gehobenen Mittelstand zugeordnet, heute sieht die Bevölkerung nur noch den drohenden Absturz. Die Parallelen zur Schweiz sind unübersehbar: Eine politische Elite, welche diesen Namen nicht mehr verdient, hat sich auf die Erhaltung der eigenen Macht und der Strukturen der Vergangenheit ausgerichtet. Japans Stagnation, die nun bald eine Generation dauert, Änderung nicht in Sicht, wird begleitet vom Aufstieg neuer reicher Staaten, nicht zuletzt Chinas. Die Schweiz ist in grossen Teilen, aber nicht mehr durchgängig reich; auch wir müssen uns Gedanken machen, ob die soziale Geschlossenheit unseres Landes noch existiert oder nur noch eine Vorstellung ist, der wir immer weniger nachleben.

 
     
     
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