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Weblog
Tagesarchiv für 29. Februar 2008
Freitag, den 29. Februar 2008 um 15:10
Man könnte der Meinung sein, dass die katholische Kirche seit der Aufklärung bis zum II. Vatikanischen Konzil einen Modernisierungsschub erlebt hat, der auch ihren mindestens partiellen Niedergang auslöste. Seit dem polnischen und jetzt dem bayerischen Papst wird die Uhr massiv zurückgedreht, was bei den Konservativen Frohlocken, bei den Modernisten Entsetzen auslöst. Gerade in der Schweiz gibt es immer noch viele Katholiken, die den Dialog zwischen beiden Lagern suchen, aber wie es aussieht, hat diese Fraktion wenig Zukunft. Die Bischöfe haben sich im ultramontanen Lager eingegraben. Sie haben sich ebenso in ihren Argumentationsgräben verbarrikadiert wie ihre modernistischen Gegner, sei dies in Baselland oder im Kanton Zürich. Gesamtgesellschaftlich betrachtet, handelt es sich um einen Scheinkrieg, denn die Mehrheit der Bevölkerung hat kaum noch Interesse an der “offiziellen Kirche”, die offensichtlich auch kein Interesse mehr an der, zum Teil immer noch Kirchensteuer zahlenden, Masse der Bevölkerung hat. Die Menschen in den Gottesdiensten sind zumeist alt und entsprechen dem Altersdurchschnitt der Zuschauer des Schweizer Fernsehens: über Sechzigjährig. Schade, wie unsere einst lebendigen Institutionen verfallen.
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Freitag, den 29. Februar 2008 um 15:08
Während in Deutschland schon wieder jeder dritte Gymnasiast Latein lernt, weil damit eine hervorragende Sprach- und Denkperformance verbunden ist, stirbt der Lateinunterricht bei uns fast aus, das Griechisch ist de facto bereits unter gegangen. Das Französische und das Italienische, beides offizielle Landessprachen, stagnieren; dafür boomt das Spanische. Sollen wir darüber traurig sein? Kaum, denn der Markt setzt sich durch. Wer Englisch und Spanisch kann, findet überall ein Engagement. Wer jetzt jung ist, soll sich auch früh mit dem Mandarin beschäftigen, denn Chinesen brauchen demnächst viele Schweizer Dienstleister. Sie sind allerdings keine angenehmen Chefs.
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Freitag, den 29. Februar 2008 um 14:20
Der amtierende SBB-Präsident Pierre Lalive d’Epinay, der trotz seines schönen Namens kein Wort Französisch spricht, ist in meinen Augen ein aufrechter, wenn auch nicht sonderlich talentierter Schweizer Manager, auf keinen Fall der internationalen Elite gewachsen. Während Jahren stand er im Schatten von Benedikt Weibel, der als Strahlemann auch jene Tausende von SBB-Mitarbeiter entliess, die man Lalive d’Epinay heute zum Vorwurf macht. PLd’E ist ein klassischer Chrampfer, der wunderbare Präsentationen aufbauen und vortragen konnte. Zusammen mit seiner mehr attraktiven als politisch erfolgreichen Ehefrau suchte er den Weg nach oben und blieb dabei (ETH Foundation) manchmal im Gestrüpp hängen. Noch vor zwanzig Jahren wäre dies in unserem Land kein Problem gewesen, da die alte Schule viele PLd’E's aufwies. An seinem Beispiel zeigt sich, wie scharf die Winde geworden sind. Der neue CEO der SBB sucht sich jetzt einen anderen Präsidenten.
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Freitag, den 29. Februar 2008 um 14:17
Die junge Generation weiss nicht mehr, was Inflation ist, denn die letzte 10-12prozentige Inflationswelle hatten wir vor fast dreissig Jahren. Wenn in den USA heute 4,2% Inflation ausgewiesen werden, bedeutet dies, dass ein Einkommen von USD 100 000 nach sieben Jahren nur noch USD 70 000 wert ist. In Wirklichkeit liegt die Inflation in den USA bei über sechs Prozent, was den Entwertungsprozess nochmals enorm beschleunigt. Die US-Regierung hat bereits damit begonnen, ihre Staatsschulden mit dem Instrument der Inflation abzubauen; die Rechnung bezahlen die Armen und die Alten (Pensionierten). In der Schweiz haben wir jetzt gut 2% Inflation, was in Wirklichkeit gegen drei Prozent entsprechen sollte. Schon mit der Normalverzinsung der Vermögen durch die Banken werden wir laufend ärmer.
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Freitag, den 29. Februar 2008 um 13:55
Die Liechtensteiner wollten nie sagen, wie reich sie wirklich sind. Sie haben seit Jahren ein Geheimnis aus ihren Einkommen gemacht. Jetzt, im Rahmen des liechtensteinisch-deutschen Steuerkriegs, stellt sich heraus, dass die Liechtensteiner ein pro Kopf-Einkommen von über Euro 83 000 haben, das entspricht etwas Fr. 130 000.–, doppelt so hoch wie das eines durchschnittlichen Schweizers, der auch nicht arm ist. Noch mehr verdienen die zahlenmässig gleich starken Monegassen mit Euro 91 800.– pro Kopf, rund Fr. 150 000.– pro Jahr.
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Freitag, den 29. Februar 2008 um 11:34
Am Beispiel der Universität Zürich kann man vieles lernen, vor allem aber, dass Chaos eine wichtige Grundlage für den Fortschritt ist. Sie ist in den letzten Jahren derart gewaltig gewachsen, dass viele Studenten sich dort nicht richtig zuhause fühlen. Deshalb wird heute die Uni-Maschine mehr gefeiert als die Uni der Menschen. Ein gutes Beispiel für die inneren Spannungen ist der Kampf um die Anschaffung eines neuen Linearbeschleunigers zur Behandlung von krebskranken Tieren. Man kann sich natürlich fragen, ob man krebskranke Tiere nicht einfach einschläfern sollte, aber da Tiere bei vielen Einzelpersonen und Familien ein realer Kindersatz sind, muss auch diese Aberration unserer Gesellschaft hingenommen werden. Was geschah an der Uni Zürich? Die Professorin Barbara Kaser-Hotz, die sich schon 2005 eine derartige Maschine zulegen wollte, wurde aus der Uni geekelt, baute sich dann in Hünenberg eine eigene Privatklinik mit Linearbeschleuniger und bot der Uni die Zusammenarbeit an. Vetsuisse-Dekan Felix Althaus, der sich nun an der Uni Zürich einen eigenen Linearbeschleuniger zulegen will, gab der international renommierten Professorin eine Absage. Merke: An den Universitäten entscheiden die Institutschefs, Rektoren dienen meist nur dazu, die Konflikte zu verkleistern. Ergebnis: Studenten kommen meist aus Akademikerfamilien, welche derartiges gewohnt sind. Das einfache Schweizer Volk zahlt und finanziert damit nicht nur einen globalisierten Hochschulbetrieb, sondern auch die späteren hohen Einkommen der erfolgreichen Absolventen. Durch Chaos zum Fortschritt.
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