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Tagesarchiv für 6. Februar 2008

Lonza: Gewerkschaften auf dem falschen Bein

Mittwoch, den 6. Februar 2008 um 14:34

Seit fast 20 Jahren verfolge ich das Schicksal der Visper Lonza, manchmal atemlos, denn schon lange habe ich befürchtet, dass die Produktion in der Schweiz zu teuer ist und nach Asien ausgelagert werden könnte. Dies wäre für das Oberwallis eine schlimmere Katastrophe als der Auszug von Nokia aus Bochum. Jetzt verlangt der Lonza-Konzern von den Mitarbeitern eine Weiterbildungs-Initiative und eine Stunde mehr Arbeit pro Woche. Das bringt die Gewerkschaften auf die Barrikade. An dieser Stelle müssen wir umdenken: Aus der Sicht indischer Unternehmer, die gerne einen Lonza-Standort in Kerala aufbauen würden, arbeiten wir Westeuropäer zu wenig, sind faul geworden und verdienen ohnehin zuviel Geld. Was vor 50 oder 100 Jahren für die Gewerkschaften noch richtig war, muss heute nicht mehr gelten. Die fleissigen Asiaten nehmen uns die Arbeit gerne ab. Wenn wir nicht etwas mehr arbeiten, werden wir bald viel ärmer sein. Das gilt auch für die Mitarbeiter der Lonza.

Hänsel und Gretel im Elysée.

Mittwoch, den 6. Februar 2008 um 14:30

Schauen wir uns Nicolas Sarkozy und Carla Bruni einmal genauer an. Er, dem der Zutritt zu den besten französischen Schulen verweigert wurde, hat sensible Lippen und den Blick eines Raubvogels. Der talentierte Secondo ist ziemlich weit von unten gekommen und hat sich entschlossen durchgesetzt. Carla Bruni, Seconda, verwöhnte Tochter aus einem nicht ganz gefestigten elterlichen Haushalt, brachte einen hübschen Körper und eine erträgliche Stimme mit. Jetzt sitzen sie gemeinsam im Elysée, höher geht es nimmer. Wie mögen sie lachen aber das kapaunenhafte französische Establishment, das ihnen nichts entgegenzusetzen wusste. Hänsel und Gretel haben das Haus der alten Hexe erobert. Die Hexe sitzt vor der Tür und wundert sich.

Die Wiederkehr des alten Schreibens

Mittwoch, den 6. Februar 2008 um 11:08

Lese ich die ersten Kapitel von Jonathan Littell’s „Die Wohlgesinnten“, steige ich vielmehr in den Fluss seiner Sprache ein, dann wird in mir Mika Waltari lebendig, dessen „Sinuhe, der Ägypter“ heute noch gerne gelesen wird, wenn auch nur als Taschenbuch und nicht mehr in den schönen Ausgaben der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit festem Deckel. Wie Mika Waltari seinen Arzt an der Küste des Meeres sich niederlassen lässt, um sein Leben zu beschreiben, beginnt Littell mit der Selbstbeschreibung seines Autors im Leben nach dem Krieg. Ganz langsam, wie ein sinkendes U-Boot taucht der Roman mit seinem Leser in die schreckliche Geschichte eines homosexuellen SS-Mörders ein. Die Wiederkehr des alten Schreibens, ganz ohne Erregung und falschen Duktus, ist ein gutes Zeichen für jene, die noch zu lesen vermögen. Von daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch andere Künste sich älterer Moden wieder besinnen und zu einer Darstellung zurückkehren, die der Menschenwürde angemessen ist.

Das Pentagon im Kriegsrausch

Mittwoch, den 6. Februar 2008 um 10:10

Erstmals werden die USA im kommenden Jahr mehr Geld für den Krieg ausgeben, als sie der 2. Weltkrieg kostete. Die Anträge des Pentagon sprechen von einem „Peak Budget“, das anschliessend wieder kleiner werde. In einer Zeit, wo die amerikanische Wirtschaft verdächtig nahe an einer Rezession steht, wird der Wahnsinn zweier bereits verlorener Kriege (Irak, Afghanistan) überdeutlich. Das amerikanische Volk, davon 40 Mio. Menschen ohne Krankenversicherung und jetzt 2-3 Millionen, die ihre Häuser wieder abgeben müssen, mit rasch steigenden Arbeitslosenzahlen, muss diese Kriege gegen seinen Willen finanzieren. Angesichts der bevorstehenden Wahlen, wäre das Paar Obama gegen McCain ideal für das Volk, ob es Krieg oder Frieden will. McCain ist eine alte Kriegsgurgel (wer will schon einen Präsidenten, der 71 Jahre alt alt?) und Hillary Clinton wird mit Sicherheit Katharina die Grosse oder Elisabeth I. nachspielen wollen. Die Clintons waren immer tricky und spielten mit dem Volk Hase und Igel. Obama wäre eine Chance, wenn er eine Wahl überleben würde.

Die Banken und die Coiffeure

Mittwoch, den 6. Februar 2008 um 9:41

Jerome Kerviels Vater war ein Coiffeur. Das erinnert mich daran, dass unsere Banken in Zeiten des Booms immer wieder Coiffeure engagierten, dies war lange Zeit sprichwörtlich an der Bahnhofstrasse, um ihre Handelsetagen auszubauen. Versetze man sich in die Haut dieses 30jährigen Sohn eines Coiffeurs, der beweisen wollte, dass er zu den Besten gehört. Diese jungen Männer sind aufgewachsen in einer Kultur, wo es bei ihren Kollegen um riesige Einkommen geht. Er wollte in die gleiche Klasse aufrücken, beantragte auch sehr grosse Jahresend-Boni, die er nie erhielt, und wollte es allen zeigen. Immerhin erzielte er Gewinne von zuerrst Euro 600 Mio., dann von Euro 1,3 Mia., die er aber nicht zeigen konnte. Erst als der Trend im Januar 08 kehrte, wurde er Opfer seiner Strategie. Es ist ohnehin faszinierend, dass eine Grossbank weder merkt, wenn sie solche Gewinne macht, und die Verluste ihr ebenfalls entgehen. Solche Geschichten sind nicht neu und erinnern an die jungen Leutnants, die sich nicht an die Befehle ihrer Oberen hielten. Gewannen sie die Attacke, erhielten sie einen Orden, manchmal auch den ersehnten Aufstieg; verloren sie, wurden sie erschossen. Jerome Kerviel droht wohl das zweite Schicksal, wenn er auch die härteste Konsequenz nicht ertragen muss. Ich bin davon überzeugt, dass er sich bis heute für einen ganz ausgezeichneten Trader hält.

Wer Aktien kauft, will auch das Wissen

Mittwoch, den 6. Februar 2008 um 8:34

Dmitri Medwedew, der nächste russische Präsident, hat es in einem Appell in Krasnodar an seine russischen Unternehmer gesagt: „Machen wir es wie die Chinesen, investieren wir in ausländische Unternehmen, damit wir deren Wissen erwerben und damit stärker werden.“ Genau dies tut der „arbeitslose“ Viktor Vekselberg, der in der Schweiz kaum Steuern zahlt und dafür das Wissen wichtiger Schweizer Technologiekonzerne erwirbt. In der Schweiz sagt er, er helfe den grossen russischen Markt zu öffnen; in Russland sagt ihm Medwedew, was er von Vekselberg erwartet: „Technisches Wissen für Russlands Fortschritt.“ Nicht anders werden sich die Staatsfonds verhalten, die sich jetzt in die UBS einkaufen. Singapur will das Bankenwissen der Schweiz möglichst umfassend erwerben, um den eigenen Standort stärker zu machen, ganz nach dem Motto Lenins: „Die Kapitalisten verkaufen den Strick, an dem sie aufgehängt werden.“

 
     
     
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