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Weblog
Monatsarchiv für Januar 2008
Dienstag, den 29. Januar 2008 um 17:00
Kaum haben die Grünen und Grünliberalen in Zürich gewonnen, verlangen sie auch Einsitz in die Richterämter. Deshalb kommt es, was selten ist, im Kanton Zürich um Kampfwahlen um den Einsitz der Parteivertreter in die Bezirksrichter-Ämter. Die von ihrem Wahlerfolg messianisch vorangetragenen “Grünen” und “Grünliberalen” wollen sofort in den Kampf um gut bezahlte Posten eintreten und würden dort, bei Wahl, auch ihre “grünen” Ideen nicht an der Garderobe abgeben. Diesem politischen Sendungsbewusstsein stellen sich die anderen bürgerlichen Parteien entgegen, die ihre eigenen Richter nicht im Stich lassen wollen. Vergessen wird dabei, dass der politische Ämterschacher bei uns im Land eine traurige Tradition hat. Niemand mache mir vor, die “linken” Richter würden in Fragen “Kapitalismus contra Sozialismus” nicht “links” entscheiden. Sie tun dies und sind noch stolz darauf. Umgekehrt gibt es natürlich auch eine “rechte” Justiz, die Vergehen gegen Personen geringer bewertet als Vergehen gegen Eigentum. Merke: Es ist ein alter Hut, Richter von Parteien aufstellen zu lassen. Die Grünen und Grünliberalen machen dies mit ihren Ansprüchen überdeutlich und beweisen damit auch, dass sie keine Spur anders sind als ihre politischen Konkurrenten: Es geht um Einfluss, Macht und Geld.
Politik | 2 Kommentare »
Dienstag, den 29. Januar 2008 um 15:23
Will man Forschung betreiben, die an der Grenze einer möglichen Rufschädigung arbeitet, gliedert man das Unternehmen aus. Die Research & Consulting Company (RCC), eines der grössten Unternehmen im Kanton Baselland, sind ein solcher Fall. Es ist heute im Besitz einer kalifornischen PE-Gesellschaft und gibt praktisch keine Informationen über seine Tätigkeit. Es kann sich dabei auch nur um einen konsequenten Versuch der Ausgliederung handeln; wer dort das Kapital hält, ist eine andere Frage. Wie skrupellos man in solchen Gesellschaften vorgeht, zeigt das Engagement des Verantwortlichen für den Doping-Sport in der ehemaligen DDR. Rüdiger Häcker, jener Mann, der für das “Sportwunder” der DDR ebenso verantwortlich war wie für den Rufverlust “seiner” Sportler, arbeitet nun bei RCC. Die Pharmabranche schweigt zu solchen Praktiken.
Wirtschaft | 1 Kommentar »
Dienstag, den 29. Januar 2008 um 14:44
Weil ich unsere Banken schon 1975 gegen die Banken-Initiative der Sozialdemokraten verteidigen durfte, ist mir natürlich geläufig, wie oft seither das Banken-Image in den Keller gestürzt ist, so, wie dies gerade jetzt wieder bei den marktbeherrschenden Grossbanken der Fall ist. Eigentlich ist der regelmässig wiederkehrende schlechte Ruf, wie dies jetzt wieder bei UBS und CS Group auftritt, den Banken nie schlecht bekommen. Die Kunden vergessen unter dem Druck der Eignisse gerne. Letztlich sind sie vom Markt gecornert, denn meist ist es hü wie hott, bei welcher Bank man sein Geld verliert. Gerade komme ich aus einer Sitzung mit 12 Managern, wo ich fragte, wer von Euch hat im letzten Jahr als Privatkunde bei seiner Bank Geld verdient? Ein müdes Lächeln von allen Seiten. Es ist nicht das Bankkunden-Geheimnis, sondern die Bankkunden-Diskretion, die unseren Banken Schutz bietet. Sie spekulieren mit den Volksersparnissen, UBS und Société Générale lassen grüssen, und bauen darauf Gewinnpyramiden auf, die ausser den Spitzenspekulanten niemand gut findet. Marcel Ospel verteidigt sich mit dem Satz, er habe doch fünf Jahre sehr gut verdient und Geld verteilt. Das zählt nicht: Seeräuber können fünfmal gewinnen; beim sechsten Mal gehen sie doch unter.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Dienstag, den 29. Januar 2008 um 14:15
Heute, 12.30 Uhr, die Mittagsnachrichten von Radio DRS. Wie schwerfällig geht den Sprechern die Dramatik des Weltgeschehens von der Zunge. Die Sätze sind zu lang. Sie werden verlesen mit einem bedeutungsvollen Hintersinn, nicht medial, sondern ganz wie ein Staatssender. Man merkt, die Sprecher geben sich Mühe. Als Zuhörer bin ich gelangweilt. Die Welt ist schnell geworden, aber in dieser Sendung habe ich nichts davon gespürt.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Montag, den 28. Januar 2008 um 16:50
In Frankreich, Deutschland und Italien ist die Ausländerpolitik gescheitert. Im deutschen Hessen haben die Deutsch-Türken aus Protest nun erstmals massiv sozialdemokratisch gewählt, was die herrschende CDU-Regierung sofort in eine Wahlniederlage stürzte. In der Schweiz ist die Lage nur leicht besser: Weil die Schweizer nette Menschen sind, haben sie Ausländer in einem Masse aufgenommen, wie wenige andere Staaten. Dennoch ist der Graben geblieben: Der Schweizer Mittelstand, von der materiell ausgerichteten Oberklasse nicht zu sprechen, bleibt lieber unter sich. Es ist ebenso ein Klassen- wie ein Kulturkonflikt. Sollten jetzt noch weitere 100’000 Kosovaren in die Schweiz einreisen, müssen diese von den Kantonen blitzartig in gute Kellner, Bau- und Landarbeiter sowie medizinische Hilfskräfte verwandelt werden. Eine Einreise in die Schweiz kostet via Schlepper nur gut 12’000 Franken, in die USA sind dies gut 40’000 Franken. Zudem müssen wir dann noch mehr Geld in den Kosovo pumpen, weil es immer die Besten sind, die Notstandsgebiete rasch verlassen. Dessen Chef, Bassam Thaci, einst ein Zürcher Student, der ohnehin mit unseren Steuergeldern ausgebildet wurde, sollte seinen Landsleuten erklären, dass 350’000 Ex-Jugos, die heute in der Schweiz leben, viele davon bestens integriert, mindestens noch eine Generation eine Belastung bleiben werden.
Politik | 1 Kommentar »
Montag, den 28. Januar 2008 um 15:30
Der chinesische Staats- und Parteichef Hu Jintao war sich nicht zu schade, zu Jahresbeginn seine Propagandafunktionäre zu mehr Realitätssinn und Volksnähe aufzufordern. Was Jintao sagte, lässt sich 1:1 auf die Schweiz und Pascal Couchepin übertragen; so könnte unser Bundespräsident aufrufen: “Die Schweizer Ideologie muss sich in der Haltung der Parteien widerspiegeln. Die Zufriedenheit des Volkes muss Massstab der Arbeit sein. Vielfalt und Pluralität des Landes müssen in der geistigen Kultur zum Ausdruck kommen.” Jintao: “Nur wer am Puls der Zeit ist, darf als Avantgarde betrachtet werden.” Sind denn die Unterschiede zwischen China und der Schweiz so klein geworden? Offensichtlich haben die Regierungschefs überall Schwierigkeiten, sich ihren Völkern verständlich zu machen, siehe Merkel, Sarkozy, Brown, Bush II. oder Prodi. Grund: Die Beamten beherrschen die Kommunikation nicht wirklich. Sie sind nicht in der Lage, die real vorhandenen Widersprüche rhetorisch zu überbrücken. Daran sind auch unsere Schweizer Topmanager gescheitert: Vasella, Brabeck, Humer, Ospel, Kielholz konnten ihre hohen Saläre nicht erläutern. Jetzt gelingt es Brabeck und Vasella nicht, die dauerhafte Stagnation ihrer Aktien (Nestlé und Novartis) zu erklären. Merke: Wir leben in armen Zeiten.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Montag, den 28. Januar 2008 um 13:38
Wenn wir in Europa den CO2-Ausstoss drosseln, also weniger fossile Brennstoffe importieren, dann werden die Amerikaner sich überhaupt nicht darum kümmern, sondern noch mehr schwere Geländewagen kaufen. Die Araber sind überhaupt nicht amüsiert über unsere Sparprogramme, wie sie auch in der Schweiz propagiert werden, denn sie wollen ihr Öl an den Mann bringen; sie pumpen also noch schneller als zuvor. Die Chinesen und Inder wollen sich überhaupt nicht an die Spar- und Schutzprogramme halten. Müssen wir also in gutem Glauben etwas tun, was andere nicht interessiert? Im Gegenteil, je mehr wir tun, umso mehr wird von anderen Staaten ausgeschleudert. Kein Politiker ist ehrlich genug zu sagen: Der Kampf um die Energie ist jetzt voll entbrannt. Wer Geld und Macht hat, wird über genügend Energie verfügen; für den Rest sieht es schwarz aus. Die “Grünen” können deshalb einpacken. Wir retten unsere Gletscher nicht, wenn wir alle “smart” fahren. Die Besitzer von Privatflugzeugen kümmern sich ohnehin nicht um derart erdgebundene Diskussionen.
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Montag, den 28. Januar 2008 um 11:30
Roger Köppel, Verleger und Chefredaktor der “Weltwoche” ist stolz darauf, dass er in Zürich eine Sozialdebatte ausgelöst hat, die Stadträtin Monika Stocker den Kopf kosten kann. So hübsch und notwendig diese Geschichte mit Lokalkolorit auch ist, für eine “Weltwoche”, die in ihrem Namen schon den globalen Anspruch stellt, scheint es mir nur eine B-Story zu sein; ernsthafte Recherchen würden in Basel, Bern und Genf jederzeit ähnliche Skandale zutage fördern. Ist es das, was wir von der “Weltwoche” erwarten? Etwas näher im Zielkorridor lag das Interview mit US-General Peträus, Truppenkommandant in Bagdad, der Anfang Januar in der gleichen Publikation seine Erfolge aufzählen durfte. Auffallend ist, dass neben der USA-treuen “Weltwoche” nur die USA-treue FAZ das Interview übernahm, was Chefredaktor Köppel einen Erfolg nennt. Ich nenne es einen geschickten PR-Coup der US-Diplomatie und hätte mir dazu ein Interview mit Daniele Ganser vom Zürcher “Center for Security Studies” gewünscht. Nun, Grossdenker Roger Köppel wird auch dies meistern.
Wie gerne Chefredaktoren an ihren Nachdrucken gemessen werden, zeigt auch Finn Canonica vom “Tagi-Magi”, der darauf besteht, dass “SZ-Magazin” (eine alte und bewährte Kooperation), die “ZEIT” und “Brand Eins” gerne seine Artikel reproduzieren. Sicher, Qualität ist eine Voraussetzung dafür, aber das Prinzip der Kostenteilung ist es auch. Das “SZ-Magazin” war einmal hervorragend, ist heute aber beliebig und liest sich immer rascher. Die “ZEIT” hat nach Roger de Weck wieder Profil gewonnen und ist wieder eine Muss-Lektüre geworden. “Brand Eins” ist eine Wundertüte, die gelegentlich Erhellendes publiziert, so jüngst das bisher beste Portrait des St. Galler Bankiers Dr. Konrad Hummler, der als Privatbankier in die intellektuellen Schuhe Alfred Sarasins und Hans J. Bärs getreten ist.
Ergo: Roger Köppel hat einen schweren Job, aber er macht stets neugierig, was alleine schon eine Leistung ist. Das “Tagi-Magi” hat Gewicht, könnte aber wieder spritziger werden und uns die Schweiz wieder in Grossreportagen besser als andere erklären, wie dies in den 70er Jahren legendär geschah.
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Montag, den 28. Januar 2008 um 10:11
Was die Lösung der grossen Welträtsel angeht, wird das jüngste WEF bald vergessen sein. Der Pflichtbesuch von Condi, die Auftritte Mittals, der Murdochs und vieler anderen “global leaders” lassen nur hoffen, dass in den Suiten auch Geschäfte gemacht wurden, die der globalen Konjunktur dienlich sind. André Schneider als Dompteur des Davosr Zirkus’ macht seine Sache immer besser, während Prof. Klaus Schwab, noch immer des Friedens-Nobelpreises harrend, in die “senior statesman” -Situation hinüber gleitet, eine Art Gandhi der Wirtschaftsführer, denn die Politiker sind in Davos immer nur die Würze in der makro-ökonomischen Suppe. Ein Aufsteiger des jüngsten WEF war auch der Genfer Verleger John Béguin, dessen privatwirtschaftliches Magazin “Swiss Style” sich wohltuend von den staatlichen Werbepostillen unseres Landes abhebt. Mit “Swiss Style” richtet sich John Beguin, der die richtige Nase hat, an die rasch wachsende Zahl ausländischer Manager in der Schweiz, die weder “NZZ” noch “Tagi” lesen können und wollen. Die Aufgabe der Schweiz an diesem WEF, das von unseren Truppen tapfer gegen nicht vorhandene Gegner verteidigt wurde, umriss Bundespräsident Pascal Couchepin trefflich: “Wir können die Menschen aus aller Welt empfangen, disponibel sein und einen Beitrag leisten.” Wie ich schon immer sagte: Wir fallen langsam aber sicher wieder in die Rolle des Hoteldirektors zurück, dorthin, wo die Schweiz im 19. Jahrhundert ihre Karriere einmal begonnen hat. Die Unternehmen, seien es Banken, Versicherungen oder Handelsgesellschaften, gehören Ausländern. Wir bleiben, wie Couchepin sagt, disponibel.
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Freitag, den 25. Januar 2008 um 14:19
Die Amerikaner haben die besten Denkfabriken der Welt, die Deutschen und Franzosen können sehr knapp mithalten. Mit Indro Montanelli hat Italien vor einiger Zeit seine letzte Ein-Mann-Denkfabrik verloren. Englische Denkfabriken haben sich in “spin doctor”-Ressorts verwandelt. Jetzt wollen auch Wladimir Putin und Dmitri Medwedjew eigene russische Denkfabriken. In der Schweiz haben wir bereits “Avenir Suisse”, die soweit vorausdenkt, dass wenige ihr zu folgen vermögen. Roger de Weck baut in Genf gerade eine neue Denkfabrik für internationale Beziehungen auf. Da in Basel der “Daig” zusammengebrochen ist, kommen vom Rheinknie keine weiteren Erkenntnisse. Kurz, warum sollte nicht auch Zürich eine eigene Denkfabrik haben? Ich finde den seit 20 Jahren relativ erfolglosen Club of Rome eine Marke wie den Schweizer Film der Sechziger Jahre: Schön, aber wenig aktuell. Wenn Eberhard von Koerber, der zwar in Küsnacht/ZH wohnt, wirklich nachweisen kann, dass er liefert, ist er sein Geld wert. Ich habe allerdings meinem Zweifel; er ist eine Art “König Silberzunge”, dessen Substanz zu überprüfen ist. Zürich braucht junges Denken und nicht Altmänner-Stories.
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