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Tagesarchiv für 31. Januar 2008

Dürfen wir zu den Grossbanken Fragen stellen?

Donnerstag, den 31. Januar 2008 um 12:27

Abgesehen davon, dass ich UBS-Aktionär bin, heute, Gott sei dank, weniger als früher, wird mir häufig die Frage gestellt, warum ich mich derart viel mit unseren beiden verbliebenen Grossbanken beschäftige; die Jugend weiss nicht mehr, dass wir vor dreissig Jahren noch fünf Grossbanken hatten. Nun sie sind ganz eifach wichtig für uns als Kunden, für die Städte, Kantone und den Bund. Daher sollten wir wissen, wem die beiden Grossbanken gehören, zumal sich in beiden Fällen bis zu 40 % der Aktionäre nicht deklarieren. Grösster Eigentümer der Credit Suisse sind nicht mehr die alten Züricher Familien; es ist der französische Axa-Konzern, dem auch die Winterthur-Versicherung gehört. Er hält acht Prozent der CS-Aktien. Im nächsten Monat muss die saudi-arabische Olayan-Gruppe deklarieren, was sie an der CS hält. Ihr Chef, Aziz Syriani, ist im VR Vorsitzender des Salär-Ausschusses der CS und bestimmt daher die Einkommen “unserer” Banker. Kauft nun auch der Wüstenstaat Katar sich bei der CS ein, was seine Absicht ist, dann muss die Frage nicht mehr gestellt werden, wem Walter Kielholz dient, dessen CEO ohnehin ein Amerikaner ist, der keine Zeit hat, Deutsch zu lernen. Was an der CS noch schweizerisch ist, formuliert Kielholz wie folgt: “Da sie stark in der Schweiz verwurzelt ist und dort ihren Hauptsitz hat, ist sie typisch schweizerisch”.

Die UBS ist in den Händen zweier US-Gesellschaften, deren eigentliche Eigentümer unbekannt sind. Sie erhält mit höchster Wahrscheinlichkeit neue Grossaktionäre aus Saudi-Arabien und Singapur. Demnächst werden wir erfahren, wie lange sie Marcel Ospel noch die Stange halten. Diese Generation von “gambler bankers” hat ganz offiziell in den USA dort “Lügner-Hypotheken” genannte Instrumente gekauft, deren Besitzer nicht einmal über ein regelmässiges Einkommen verfügen mussten. In der Schweiz hätte man dies “ungetreue Geschäftsführung” genannt; in den USA hat man mit grosszügigen Wahlspenden verhindert, dass Gestzesentwürfe behandelt wurden, welche diese Praxis unterbunden hätten. Die Rechnung zahlen nun die dummen Europäer, die den Amerkanern diese “Gammelwürste” (Quelle: Dr. Konrad Hummler, Bank Wegelin & Co.) abgekauft haben.

Der von den beiden Grossbanken standhaft geleugnete schlechte Ruf ihrer Häuser hat auch zu Folge, dass die UBS seit Monaten ohne Erfolg einen neuen Chef für ihre Investmentbank sucht. CEO Marcel Rohner (“der kleine Marcel”), dem direkt 22’000 Investmentbanker unterstehen, hat bisher Reorganisationsentwürfe vorgeletgt, die offensichtlich nicht überzeugen. Das könnte das Ende seiner Karriere bedeuten.

Mittal wie Nokia: Globalisierungs-Gewinner

Donnerstag, den 31. Januar 2008 um 12:12

Viel Lärm um den finnischen Nokia-Konzern, der in Bochum/D 2’300 Mitarbeiter auf die Strasse stellen will. Das ist nicht elegant, zumal die Subventionen gerade beendet wurden, aber das ist heute “in”. Weniger auffällig: Der Inder Lakshmi Mittal, der kürzlich Arcelor übernommen hat, entlässt im Moselgebiet in Frankreich schon 600 Mitarbeiter. Die Proteste nützen weder in Bochum noch in Gandrange in Frankreich. Wir Schweizer kümmern uns auch nie darum, wenn Nestlé irgendwo Menschen entlässt oder die UBS und die Credit Suisse, wie dies jetzt wieder der Fall ist. Die Politiker, in Frankreich, Brüssel wie in Bern sind auf der Seite der Konzerne; dort macht das Leben mehr Spass.

Wie top ist die Schweiz wirklich?

Donnerstag, den 31. Januar 2008 um 10:50

Ständig reden wir uns ein, wie grossartig die Schweiz im internationalen Vergleich dasteht. Dies lässt auf einen Minderwertigkeitskomplex schliessen, den der Zürcher “Tages-Anzeiger” in einem Interview mit dem Luxemburger Staatschef Jean-Claude Juncker, der auch ein grosser Europäer ist, glanzvoll bestätigte. Gleich drei “Tagi”-Redaktoren wollten
- zu Beginn unbedingt herausfinden, warum die EU die Schweiz in Steuerfragen derart bedränge. Jucker: “Das Thema ist auf der oberen Ebene noch gar nicht aktuell.” Als Staatsmann, der sich diesen Titel nicht anmassen muss, findet er unsere Aufregung übertrieben.
- dann fragen die Journalisten: “Die Schweiz als Trittbrettfahrer?” Juncker weist diese Formulierung sofort zurück (“würde mich nie zu einer solchen Formulierung versteigern”)
- die Schweizer Frage “Sie laden Herrn Merz nach Brüssel ein?” wird als wenig fachmännisch zurückgewiesen (“Ich habe niemanden einzuladen.”)
- schliesslich die Frage “Kommt mit der französischen EU-Präsidentschaft eine Führung ins Spiel, die nicht mehr so freundlich mit der Schweiz umgehen wird?” Auch dies weist Juncker zurück.

Zusammengefasst: Die drei Journalisten, darunter auch der Chefredaktor, standen nicht europäisch-elegant über der Sache, sondern liefen dem Befragten laufend ins Messer. Der Schweizer Minderwertigkeitskomplex par excellence tragt an den Tag.

Wo stehen wir wirklich im Weltmassstab?
- Nr. 5 im BIP pro Kopf der Bevölkerung, gerade noch knapp vor Island und Österreich.
- Nr. 5 im UNO-Programm “dévéloppement humain”, nach Irland und Schweden.
- Nr. 5 gemäss der frz. Cepi-Studie zum Lebensniveau, vor den USA und Frankreich.
- Nr. 1 gemäss WEF in der Umweltschutz-Performance vor Schweden und Costa Rica. Um Irrtümern vorzubeugen, das macht die Wasserkraft Bündens, des Urnerlandes und des Wallis.

Hoteliers und Wirte finden keine Mitarbeiter

Donnerstag, den 31. Januar 2008 um 10:35

Während die Schweizer Hoteliers und Wirte ziemlich verzweifelt Mitarbeiter suchen, sind 13’000 Gastgewerbler ohne Arbeit. Eigentlich wundere ich mich nicht darüber: Jeder Hotelier und Wirt betrachtet sich als König, als Gastgeber der Schweiz, ist aber zumeist ein mieser Arbeitgeber. Hoteliers und Wirte klagen darüber, die Bewerber seien zu schlecht ausgebildet oder zu alt. Sie führen an, über 40jährige hätten sich nie weitergebildet. Über 50jährige werden von ihnen praktisch nicht mehr angestellt. Die Realität sieht anders aus: In Wirklichkeit suchen Hoteliers und Wirte billige Arbeitskräfte, im Service aus Deutschland, in der Küche aus Asien. Sie wollen den älteren Mitarbeiter keine angemessenen Saläre bezahlen und haben Angst vor deren Erfahrung und Intelligenz. Wir haben bei den Chefs ein Problem, nicht bei den Mitarbeitern.

Schweizer Cannabis-Lobby im abseits

Donnerstag, den 31. Januar 2008 um 9:46

Unsere Schweizer Cannabis-Lobby, deren Namen zu nennen ich mich schäme, weil zu viele anständige Menschen darunter sind, setzt sich weiterhin für die Freigabe dieses Rauschgifts ein. Dabei wissen wir längst, dass bei Langzeitgebrauch die Schäden im Hirn beträchtlich sein können, grösser als beim Rauchen von Zigaretten, von Cigarren nicht zu sprechen. Neuseeländische Forscher haben jetzt berichtet, der Rauch eines Joints sei so krebserregend wie der aus zwanzig Zigaretten. Die Wellingtoner Forscher nennen die Ergebnisse “alarmierend”, was bei uns in Bern aber niemand aus dem Schlaf weckt. Je länger man Cannabis rauche, so unsere Antipoden, umso grösser sei das Risiko von Lungenkrebs. Das Bundesamt für Gesundheit könnte uns bald mit einer neuen Kampagne überraschen, wären da nicht unsere lieben bürgerlich-sozialdemokratisch-grünen Parlamentarier.

 
     
     
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