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Weblog
Tagesarchiv für 11. Januar 2008
Freitag, den 11. Januar 2008 um 16:20
Die Belgier brauchen offensichtlich keine Regierung mehr, denn die Flamen wollen ebenso nach ihrem Stil leben wie die Wallonen gemäss ihrer Vergangenheit, die gross war. Die Einwohner von Brüssel, ihrer gemeinsamen Hauptstadt, sehen sich als urbane Weltstädter, denen die EU-Zentrale wichtiger ist. In Europa bricht die Anarchie aus: Die Österreicher wollen schon wieder eine neue Regierung, nachdem die alte es nicht kann. In Italien schleudert Prodi über die politische Piste, vom Parlament nur knapp gehalten gegen die auf ihre Chance wartenden Rechten. In Deutschland hat man mit Merkel eigentlich nicht mehr viel im Sinn; sie glänzt mehr als sie Inhalte bietet, die sozialpolitischen Entscheide ihrer Regierung sind lieb, aber falsch. Und bei uns in der Schweiz? Wir sind wirtschaftlich derart erfolgreich, dass wir uns eine Regierung leisten können, auch wenn sie für immer mehr Menschen immer unbedeutender wird.
Politik | Keine Kommentare »
Freitag, den 11. Januar 2008 um 16:20
Nach der verlorenen Zeit mit Hugo Bütler spürt der aufmerksame Leser allmählich, wie die NZZ-Redaktion wieder zubeissen kann. Das gilt vor allem für die Wirtschaftsredaktion, die seit einigen Monaten Berichte und Kommentare zum Finanzplatz veröffentlicht, die an Eleganz und Schärfe lange vermisst wurden. Die Inlandredaktion pflegt ihr ungetrübtes Selbstbewusstsein, vermeidet aber tunlichst genauere Analysen und Berichte, welche die Neugier jeden morgen anstacheln würden. Die Einbindung der Auslandredaktion in das US-amerikanische Beziehungsnetzwerk ist der Qualität der Berichterstattung oft nicht förderlich, gleiches lässt sich vom Lokalteil sagen, der mit allen anderen Bünden darin wetteifert, das Land und die Leser nicht zu beunruhigen. Deshalb sagt es Björn Johansson, auch kein klassischer Freisinniger, lieber im Tagi: “In der heutigen dynamischen Zeit spielt die Loyalität ohnehin keine grosse Rolle mehr, weder auf der Seite des Arbeitnehmers noch auf der Seite des Arbeitgebers. Länger als über drei Jahre kann man heute nicht mehr planen.” Die NZZ erweckt den Eindruck, als ginge es doch länger. Aus der Höhe dieses Medienflaggschiffs, dessen internationale Bedeutung gerne überschätzt wird, spielt es dann keine Rolle, wenn “.ch” oder “News” dem Untergang zutreiben. Die NZZ hat schon mehr gesehen.
Dazu passt das Urteil von Dr. Jürgen Dunsch, seit einem Jahr Korrespondent der FAZ in der Schweiz, der meint: “Der Schweizer Journalismus ist zahm.” Wir blieben als Schweiz in Europa unterhalb der Wahrnehmungsschwelle, auch weil wir in den europäischen Statistiken kaum präsent seien. Bundesrat Moritz Leuenberger empfiehlt er in Berlin in Sachen Südanflüge ein “mannhafteres Auftreten” (wer lacht hier?). Es sei nicht an den Schweizern, vorauseilenden Gehorsam zu beweisen. Dies würden die Deutschen überhaupt nicht verstehen, zumal sie grösste Schwierigkeiten haben, den politischen Prozess in der Schweiz zu verstehen. Eines hätten deutsche und Schweizer Manager gemeinsam: Sie würden mit “willfähriger Besoffenheit” mit englischsprachigen Medien sprechen und die Qualität wie Wirkung der deutschsprachigen Medien gerne vergessen. NZZ oder FAZ? Ich lese beide gerne und als Muss.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Freitag, den 11. Januar 2008 um 15:23
Was Nicolas G. Hayek eigentlich verwirklichen wollte, die Schaffung eines “neuen Autos für die Zukunft” (und ihm entglitt), ist nun Ratan Tata gelungen, dem Agnelli Indiens, wobei gleich zu sagen ist, dass die Agnellis, unterstützt von Sergio Marchionne, erst einmal zeigen müssen, dass sie industriell wieder erste Klasse sind. Vater Hayek, längst mit neuen Plänen unterwegs, wird dies wenig kümmern. Im unweit gelegenen Vevey muss Peter Brabeck immer noch beweisen, dass er Nestlé in Schwung gebracht hat; der Aktienkurs kann es jedenfalls nicht sein, der solches beweist. In Zürich wundern wir uns alle, was mit Marcel Ospel wird; die UBS-Aktie ist jedenfalls ein Jammer. Wer seine Schweizer Aktionäre derart demütigt und sie dann noch zwingt, einen asiatischen Diktator als bevorteilten Mitaktionär in Kauf zu nehmen, lebt gefährlich. “Joe” Ackermann wird als sein Nachfolger gehandelt, das ist nicht überraschend; schon eher der Name Philipp Hildebrand. Die hochpräzise Nr. 2 der Schweizer Nationalbank könnte ich mir gut als neuen UBS-Chef vorstellen; Hildebrand ist ohnehin ein Glückskind.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Freitag, den 11. Januar 2008 um 15:14
Jürgen Klinsmann wird neuer Bayern-Trainer. Diese Ehe kann nicht gut gehen. Folgende Punkte sprechen gegen ihn:
Klinsmann hat noch nie einen Klub trainiert.
Dass die deutsche Nationalelf den WM-Halbfinal erreichte, war vor allem Jogi Löws Verdienst.
Er ist ein kein Taktiker, sondern vor allem Motivator wie Hanspeter Latour und Christoph Daum. Als solcher nützt er sich schnell ab.
Klinsmann kommt aus dem Kleinbürgertum und passt so nicht wirklich zum FC Bayern-Hollywood.
Das Engagement Klinsmann zeugt von wenig Weitsicht. Den Ansprüchen des FC Bayern, ein Weltklasseverein zu sein, hätte beispielsweise José Mourinho genügt, der nicht nur Erfolge aufzuweisen hat, sondern sich auch gegen die übermächtige Bayern-Führungsetage mit der Lichtgestalt Franz Beckenbauer und Uli Hoeness & Co hätte durchsetzen können. Mit Jürgen Klinsmann ging die Vereinsführung den Weg des geringsten Widerstandes, was von wenig Mut zeugt.
Philippe Welti
Sport | Keine Kommentare »
Freitag, den 11. Januar 2008 um 12:06
Von meiner ersten Hochzeit in diesem Jahr zurückkommend, fiel mir beim hüftlangen Schleier der Braut sofort die bei uns unbeliebte Djellabah ein. Eigentlich ist es das gleiche, nur etwas durchsichtiger. Es war wieder einmal eine Liebesehe zwischen einem reichen Mädchen und einem etwas undurchsichtigen Bräutigam, ein Brauch, der bei uns ohnehin erst 150 Jahr alt ist; zuvor heiratete man unter sich, wie dies heute noch bei den orthodoxen Juden üblich ist. Die Zwangsehe, man könnte auch sagen, Ehe unter leichtem Druck beider Elternpaare, hat wieder Zukunft, wenn die Zeiten schlechter werden, weil dann die Risiken zunehmen. Wo dieser innere Zusammenhalt fehlt, tun es die Frauen wie im Libanon: Sie gehen zur Bank und nehmen einen Kredit auf, um sich nach Shakira oder Madonna modellieren zu lassen. Bei uns liebt nicht jede Frau den Couchepin’schen Haken im Gesicht und lässt ihr Näschen konkav formen. Leben wir nicht in einer wunderbaren Welt?
Gesellschaft | Keine Kommentare »
Freitag, den 11. Januar 2008 um 11:59
Die beiden Schweizer Staatskirchen leiden weniger unter dem Islam als unter der Abwanderung ihrer Gläubigen, seien dies Katholiken oder Protestanten. Noch gut jeder dritte Schweizer ist Katholik, gut jeder vierte ein Protestant. Zusammen machen sie nur noch gut 50 % der Schweizer Bevölkerung aus. Das ist nicht weiter schlimm, denn die katholische Kirche hat bald keine einheimischen Priester mehr, wenn dies so weiter geht. Prof. Dr. Hans Küng, mein liebster Luzerner, hat dies schon seit 30 Jahren vorausgesagt: Rom verweigere seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Erneuerung, was eine Vergreisung der Kirche zur Folge habe. Unterdessen hat die spanische Regierung die Scientologen als Kirche anerkannt, was bei uns noch als unmöglich gilt. In Basel kämpfen Unia und ehemalige Ciba-Mitarbeiter gegen ihre mormonischen Eigentümer Peter und Jon Huntsman, die sie für 12 Milliarden Franken an eine “Heuschrecke” verschachern wollen. Unter diesen Aspekten scheint mir der Islam relativ harmlos.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
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