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Monatsarchiv für Dezember 2007

Stiftung und Business im gleichen Kleid

Donnerstag, den 27. Dezember 2007 um 11:08

Die Bank Vontobel hat eine wechselhafte Geschichte. Sie gilt als alte Schweizer Privatbank, obwohl erst in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gegründet. “Vater” Vontobel hat eine grosse Leistung vollbracht, nach dem 2. Weltkrieg gross in deutsche Aktien einzusteigen und damit ein Vermögen zu verdienen. Als langjähriger Präsident der Handelskammer Deutschland-Schweiz wusste er seine Beziehungen zum “grossen Kanton” früh bestens zu kapitalisieren. Seine Nachfolge glich mangels geeignetem Nachfahr eher einem Schleuderkurs, der seit wenigen Jahren wieder mehr Stetigkeit gewonnen hat. Eine der Schönheiten dieser einstigen Familienbank ist die Vontobel-Stiftung, deren gekonnte Publikationen nur Lob verdienen. Ich greife stets begeistert zu ihnen und es fällt mir schwer, sie als nicht geeignet zu entsorgen. Dieser Tage tappte ich jedoch in eine Grafikfalle: Als ich, wieder einmal, eine Publikation der Vontobel Stiftung vor mir sah, stellte sich dies auf den zweiten Blick als ein Investment-Angebot heraus. Das edle Bild der Stiftung verwandelte sich in eine Marketingmassnahme. Merke: Wer die Identitäten nicht beherrscht, sie aufbaut und trennt, wird leicht Enttäuschung auslösen.

Neues Parlament: Nicht repräsentativ

Donnerstag, den 27. Dezember 2007 um 10:22

Es ist einigermassen erschreckend, wie unser neues Parlament personell zusammengesetzt ist: 25 Vertretern der Landwirtschaft stehen acht Vertreter aus Industrie, Gewerbe, Technik und Informatik gegenüber. Das Baugewerbe hat einen Vertreter, das Gastgewerbe keinen. Banken und Versicherungen haben immerhin einen Ständerat. 37 Manager werden in den Räten ergänzt mit 45 Juristen. Kunst und Kultur, Sport und Unterhaltung haben je einen Vertreter. Die modernen internationalen Wirtschaftswelten sind krass unterrepräsentiert, die Vergangenheit der Schweiz ist übervertreten. Auch der Bundesrat macht heute einen sehr ländlichen Eindruck, zumal Dr. Christoph Blocher – leider nur das – der perfekte Wirtschaftsvertreter war. Seine Nachfolgerin wird nicht viel anders machen als er und gelegentlich einen sozialen Funken einbringen. Pascal Couchepin und Doris Leuthard sind pragmatische Umsetzer ohne grosse Visionen. Das gilt auch für die anderen Bundesräte, von denen wohl kaum Grosses erwartet werden darf. “La Suisse primitive”, wie die Franzosen sagen, hat sich wieder voll durchgesetzt.

Weltmacht-Träume

Donnerstag, den 27. Dezember 2007 um 9:52

Wie zwei Millionen Portugiesen einmal davon träumten, die Welt zu erobern und viel davon auch erreichten, haben sich die Muslime im umkämpften Ferghana-Tal zum Ziel gesetzt, ein “califat mondial” zu errichten. Wir, weit im Westen, können natürlich sagen, wie einst die Kalifen in Baghdad, dies sei unrealistisch. Wer weiss? Unsere Kinder, unsere Männer, werden zu anpasserischem Verhalten erzogen. Sie nehmen keine Positionen ein, sondern suchen die Verhandlung, bevor sie eine Position haben. Westeuropa, davon bin ich heute tief überzeugt, hat seit über 50 Jahren die falschen Erziehungssysteme entwickelt; mindestens für Männer, denn die Frauen haben seither zu kämpfen gelernt und ihre gesellschaftliche Position deutlich verbessert. Unsere Medien schreiben selbstverständlich im gleichen “weichen” Stil. Wer kämpfen will, löst Misstrauen aus, wer “cool” ist, weckt Begeisterung. Vielleicht haben die Männer im Ferghana-Tal so unrecht nicht mit ihrer Hoffnung, es könne wieder einmal gen Westen geritten werden. Tausend Jahre sind wie ein Tag. Merke: Auch Afrika wird in gut vierzig Jahren zwei Milliarden Einwohner haben. Ob die Sahara und das Mittelmeer uns dann weiterhin vor einem Ansturm aus dem Süden schützen können, ist zu bezweifeln. Das könnte bedeuten, dass die Anreise aus dem Ferghana-Tal dann zu spät kommt.

Kosovaren wollen bleiben

Donnerstag, den 27. Dezember 2007 um 9:45

Es gibt zwei Gründe, weshalb jeder zehnte Kosovare, 200 000 Menschen, in der Schweiz leben: Die Bauindustrie in den 60er Jahren, die dringend viele und billige Mitarbeiter brauchte, und Micheline Calmy-Rey, die zusammen mit UNO-Botschafter Peter Maurer als erste die Unabhängigkeit des Kosovo einforderte. Der daraus entstandene Krieg trieb flüchtende Frauen und Kinder in die Schweiz. Seit zehn Jahren zahlt die Eidgenossenschaft Millionen (genaue Beträge unbekannt), um den Kosovo wieder aufzubauen und die Heimführung der Balkanbewohner zu erleichtern.
Die meisten Kosovaren arbeiten zwischen Zürich und St. Gallen. Sie fühlen sich, mit ihren in der Schweiz aufgewachsenen Kindern, hier auch wohl und wollen nicht zurück in ihr armes Land. SP-Nationalrat Ueli Leuenberger hat in Genf, wo allerdings nur 9000 Kosovaren leben, mitgeholfen, eine „Université populaire albanaise“ zu gründen. Aus der Schweiz stammt auch der ehemalige Zürcher Student, H.Thaci, damals mit einer Schweizerin zusammen lebend, der demnächst Regierungschef des Kleinstaats werden soll. Jeder 40ste Schweizer ist ein Kosovare, nach den Italienern in der Schweiz heute die grösste ausländische Volksgruppe. Darüber wollen die Politiker nicht sprechen, denn deren Integration ist nach Meinung der Deutschweizer Bevölkerung nicht gelungen. Der Bauindustrie und Frau Calmy-Rey ist dies ziemlich egal.

Ausverkauf der Firmen – Ende des Nationalstaats

Freitag, den 21. Dezember 2007 um 14:42

Was bei uns als Staatsgeheimnis gehütet wird, wird in Deutschland offen diskutiert. Die dreissig grössten Konzerne Deutschlands, die an der Börse kotiert sind, gehören mehrheitlich Ausländern: Die Deutsche Börse zu 84%, adidas zu 79%, Bayer zu 78%. Das gilt auch für die Allianz Versicherung (59%), Daimler (63%) oder die Münchner Rück (69%). Die ausländischen Investoren haben, wie in der Schweiz auch, wenig Interesse daran, die nationale Bindung ihrer Firmen ganz aufzugeben. In der Praxis findet, wie wir auch bei uns beobachten können, zunehmend eine Fremdführung durch Ausländer statt, die dann auch andere Ausländer nachziehen. Wer heute in unseren schnellen, grossen und guten Firmen nicht sehr gut Englisch kann, wird auf eine Karriere verzichten müssen. Schwyzerdütsch als Weltsprache spielt sich nur in den Kantinen ab. Der Nationalstaat verliert damit an Bedeutung, sind die durch Ausländer bestimmten Firmen doch in erster Linie daran interessiert, ihre Gewinne zu steigern. Sie verlangen daher Subventionen aller Art, Steuervergünstigungen und billige wie flexible Arbeitskräfte. Was sie an “sweeties”, meist in Form von Sponsoring, zurückgeben, richtet sich wiederum vorwiegend nur an eng begrenzte Kreise, die den jeweiligen Häusern “nahe stehen”. Die 1. Augustfeier auf dem Rütli wurde in diesem Jahr von sehr schweizerischen Unternehmern gerettet; eine GE Capital oder eine Xstrata hätten solches mangels kultureller Zuordnung nie getan. Der Nationalstaat wird reduziert auf eine Verwaltungsorganisation, eine Art Zubringer-Plattform, die den Konzernen die Manövrierfähigkeit bewahrt. Dieser Prozess steht erst am Beginn.

SVP so einig wie ihre Gegner uneinig.

Freitag, den 21. Dezember 2007 um 14:39

Die Koalition der SVP-Gegner im Parlament ist ungefähr so einig wie die Internationale angesichts der Truppen Francos in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ob Christophe Darbellay dort die Führung übernimmt oder jemand anders, ist offen. Tut Darbellay dies nicht, der zwischen links und rechts rotiert, dann gibt es keinen echten Kandidaten mehr für die Mitte-Links-Koalition. Die Pelli-FDP sucht einen Weg, angesichts einer oppositionellen SVP, sich neu als Wirtschaftspartei zu behaupten. Ob sie die Chance wahrnehmen kann, muss bis zum Frühjahr offen bleiben. Die SVP selber steht vor grossen Entscheiden: Wer soll sie künftig als Präsident führen, Christoph Blocher selber oder Toni Brunner, der von Woche zu Woche stärker geworden ist? Peter Spuhler hat sich zum neuen Sprecher Wirtschaft gemacht und Vernunft dort angemahnt, wo alte Anarchie auszubrechen drohte. Im Prinzip ist die SVP so einig wie ihre Gegner uneinig sind. Dieser Zustand der politischen Machtlosigkeit, einer Stabilität der Geschwächten, mag über die Weihnachtsfeiertage anhalten, ab Januar braucht das Land wieder Führung.

FDP: Vom Formtief in den freien Fall

Freitag, den 21. Dezember 2007 um 14:35

Wie CVP-Präsident Christophe Darbellay die Pelli-FDP auf Distanz setzt, verrät grosse Meisterschaft. Ganz kühl meint er im “Blick”, die FDP solle ihn nicht mehr “anmachen”. Die CVP habe den bilateralen Weg entworfen und regiere in den steuergünstigsten Schweizer Kantonen. Pelli kommt mit seinen Liberalen des letzten Aufgebots kaum mehr voran. Sogar in der “Arena” muss die FDP jetzt in die zweite Reihe rücken. Es ist nur eine Frage der Zeit bis der elegante Walliser Darbellay definitiv aus dem Schatten des im freien Fall befindlichen Freisinnigen tritt. Dieser war schon nicht in der Lage, einen intelligenten Wahlkampf zu führen; wie will er die FDP, die er zerstört hat, indem er sie “Wir Liberalen” nannte, wieder zu altem Glanz führen? Mission impossible. Mir tun nur die guten Freisinnigen wie Prof. Dr. Felix Gutzwiller leid, die dazu gezwungen sind, an einer Seitenlinie der Politik zu stehen.

Noch mehr Deutsche in der Schweiz

Donnerstag, den 20. Dezember 2007 um 9:36

Offensichtlich scheint die Schweiz ohne den Beizug qualifizierter deutscher Gastarbeiter nicht mehr zu funktionieren:

- Deutsche Polizisten sollen in Zürich die EM-Spiele schützen
- Deutsche Professoren werden immer häufiger an die Uni Zürich berufen
- Die Postfinance steigt bei der UBS aus und finanziert Schweizer Hypotheken jetzt mit einer deutschen Bank, die ein Drittel billiger ist.

Es gibt, wie ich beobachte, in allen Fällen einen gemeinsamen Nenner: Unseren Leuten geht es zu gut, sie sind träge, zum Teil depressiv, beziehen hohe bis sehr hohe Saläre und lassen gerne (Outsourcing) andere für sich arbeiten. In den beiden ersten Fällen geht dies zu Lasten der Steuerzahlers, im dritten Fall zulasten einer Bank, deren Kader mehr zur Überheblichkeit als zur Überleistung neigen.

Es werde Licht

Donnerstag, den 20. Dezember 2007 um 8:27

Das Licht hat es schwer in unseren Tagen, ganz besonders in den Schweizer Städten. Obwohl wir den Luxus, der sich vom Begriff des Lichts ableitet, feiern wie nie zuvor, sind die Befürworter des dunklen Nachthimmels und des Energiesparens ernsthafte Lichtgegner. Ganz im Gegensatz dazu hat seit Jahren Lyon optisch aufgerüstet und ist zu einer Attraktion für die dunklen Monate geworden. In aller Stille hat auch Wien nachgezogen und ist zur bestbeleuchteten Stadt Europas geworden. Dort sind 3000 km städtischer Strassen mit Weihnachtslichtern ausgestattet, dies alles mit dem Energieaufwand, der dem von 7000 Wohnungen vergleichbar ist. Während Lyon und Wien leuchten, sieht das reiche Zürich noch dunkel aus. Schüchtern werden einzelne Gebäude und Brücken ins Licht gesetzt. Das Lichtdebakel an der weltberühmten Zürcher Bahnhofstrasse ist symbolisch dafür, dass wir mit Licht und Luxus nicht wirklich umzugehen wissen.

+GF+ legt Daimler lahm

Mittwoch, den 19. Dezember 2007 um 13:48

Sonderferien bis Mitte Januar im Daimler-LKW-Werk in pfälzischen Wörth. Der Grund: Unser Schweizer +GF+-Konzern kann aufgrund des LKW-Verkaufsbooms nicht genügend Gussteile von Lagern, Radträgern und Querlenkern liefern; im Frühjahr hat Daimler zu wenig bestellt. Lieferengpässe, wenn auch geringeren Umfangs, treten bereits auch in der PKW-Produktion von Daimler auf. Merke: Derartige Fehlplanungen sind teuer. Was kostet wohl ein Tag Produktionsausfall im grössten LKW-Werk Europas?

 
     
     
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