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Monatsarchiv für November 2007

Dem Bündner Steinbock fehlt ein Horn.

Donnerstag, den 29. November 2007 um 16:29

Geben wir es zu: Die Walliser Touristiker unter Leitung von Urs Zenhäusern sind den Bündner Touristikern seit einem Jahr um Längen voraus. Während die Walliser die Trommel schlagen, um die Zürcher, die Innerschweizer und die Aargauer in den Südkanton zu bringen, kommen aus dem Bündnerland nur Signale der Verwirrung. Lange ist es her, seit Dr. Peter Danuser, der beste Verkehrsdirektor der Schweiz, die Kommunikationslage beherrschte. Die Bünder Touristiker haben sich auf einen Steinbock als Symbol geeinigt, aber die wichtigste Bündner Destination, St. Moritz-Engadin, will sich nicht beteiligen. Einst wollte man die Bernina-Gruppe als Symbol gegen das Matterhorn zur Weltmarke machen, was aber schlicht misslang, da die wenig ausgeprägten Formen des Bündner Spitzenberges dem Matterhorn nicht standhielten. Solcher Zerfall der Kommunikation kommt vor. Wenn der Lötschberg-Basistunnel in wenigen Tagen offiziell eröffnet wird, stehen uns neue Walliser Feuerwerke bevor. Die Bündner müssen halt sehen, wo sie bleiben.

Franz Blankart löst Edouard Brunner ab.

Donnerstag, den 29. November 2007 um 15:05

Einer unserer erfolgreichsten Chefbeamten der letzten vierzig Jahre, Staatssekretär a.D. Franz Blankart, hat als Nachfolger von Edouard Brunner, nicht minder brillant, als Präsident die Leitung des Schweizer Forums für Internationale Politik übernommen. Blankart, der die Öffnung der Schweiz in die Globalisierung ganz massgeblich verantwortet hat und als Befürworter eines EWR-Beitritts ehrenhaft an Dr. Christoph Blocher scheiterte, wird den über 500 Mitgliedern der Gesellschaft aufzeigen, wohin der Weg der Schweiz in die Zukunft führen kann. Seine feinsinnigen Analysen sind heute nötiger denn je.

Neues von Thomas Bechtler: Schiesser.

Donnerstag, den 29. November 2007 um 12:17

Was Thomas Bechtler als Unternehmer wirklich geleistet hat, wird bei uns im Land nicht thematisiert. Die Heimatstation der Bechtlers, die Stadt Uster, ist im Immobilienboom, wobei auch die ehemaligen Industriellen kräftig mit verdienen. Das letzte Industrieunternehmen der Bechtlers, die Schiesser-Gruppe, bleibt jedoch im Leistungstief. Der drittgrösste deutsche Hersteller von Unterwäsche und Strümpfen, schreibt anhaltend Verluste. Boni und Saläre der über 600 Mitarbeiter sind gekürzt worden. Ob dies eine unternehmerische Leistung ist, darf bezweifelt werden.

Streiks stehen vor der Tür.

Donnerstag, den 29. November 2007 um 11:01

Nicht nur die französischen und deutschen Eisenbahner liefern ihren Hausherren harte Streiks, jetzt melden auch die deutschen Beamten an, sie seien extrem streikwillig. Vorläufig verlangt man eine Salärerhöhung von 6-7%, das ist deutlich mehr, als den Arbeitnehmern sonst gewährt wird. Als Vorbild nennen die deutschen Beamten die Bundestagsabgeordneten (Nationalräte), die sich zweimal 4,7% bewilligt haben. Weil die Inflation im EU-Raum bereits gegen 3% steigt, ist jeder ein Verlierer, der tiefer abschliesst. Wir stehen vor einem stürmischen Jahr, denn soziale Unruhen gelten als grösste Gefahr für die Globalisierung, gefolgt von Protektionismus, eine andere Form der sozialen Unruhe. Wird die Globalisierung gestoppt, brechen die Systeme unserer Banken und Grosskonzerne rasch zusammen. Kriege und Terroranschläge sind einfacher zu bekämpfen als die Unruhe in den eigenen Ländern.

Western Union kassiert Gastarbeiter ab.

Donnerstag, den 29. November 2007 um 9:18

Wer in Europa als Gastarbeiter Geld nach Hause überweist, muss bei der amerikanischen Finanzgesellschaft Western Union mit Gebühren von bis zu 20% rechnen. Dies beunruhigt die Finanzminister in ganz Europa, die kein Interesse daran haben, dass Umgehungsgeschäfte (Koffer-Transfer) gemacht werden. Western Union will nun anbieten, via Handy billigere Überweisungen möglich zu machen. In den USA protestieren die Gastarbeiter schon öffentlich über diese Abriss-Tarife.

Keine Olympiade in der Schweiz. Kein Aufschrei.

Mittwoch, den 28. November 2007 um 18:12

Es gibt viele Gründe: Die Fussball-WM 08 löst rundherum keine Freudenschreie aus. Was sollen wir auch mit diesen Hooligans, diesen hochbezahlten Gladiatoren, die sich anspucken, kleine Mädchen verführen und von den Massenmedien das Ego pflegen lassen? Und dann noch eine echte Olympiade? Im Land herrscht Missmut, Pessimusmus, eine zwinglianische Unterkühltheit und eine weit verbreitete Unwissenheit um die Wohltaten des Sports. Ergo haben unsere obersten Olympioniken darauf verzichtet, sich für eine Winterolympiade im Jahr 2018 zu bewerben. Die Walliser wollten nicht, die Berner auch nicht, die Zürcher mit den Bündnern zusammen noch weniger. Die Genfer möchten gerne mit den Franzosen fremd gehen; dann haben wir wenigstens den Bruchteil einer Olympiade im Land. Der Mut des Dölf Ogi ist verflogen; es ist niemand mehr da, der uns Schwung vermittelt.

FDP im freien Fall.

Mittwoch, den 28. November 2007 um 18:12

Die Domestizierung der FDP durch die Banken, deren Regradierung als reine Lobbying-Truppe des Finanzplatzes, hat gravierende Folgen: Die Partei stürzt ab, beschönigende Worte hin und her. Parteichef Fulvio Pelli, der keine Interviews mehr gibt, weil er nichts zu sagen hat, steht voll im Regen, auch wenn seine Getreuen ihm versichern, hinter ihm stehen. Die Wahrheit sagt, wieder einmal, ein Walliser. Léonard Bender verlangt ultimativ, die FDP müsse eine volksnahe Linie bewahren, um politisch glaubwürdig zu bleiben. Das erinnert sehr stark an die unterdessen beerdigten “Freunde der FDP” von Peter Wuffli, Daniel Vasella und Freunden, die stets auch “einfache Mitglieder” schätzten, um die eigene Glaubwürdigkeit zu bewahren.

Merke: Diese Tragödie gilt es weiter zu verfolgen.

Kritik: Bologna-Programm eine Sparübung.

Mittwoch, den 28. November 2007 um 16:15

Was an unseren Universitäten abläuft, ist mehrheitlich eine Blackbox, dies, obwohl wir jährlich Milliarden aufwenden, um global den Anschluss zu halten. Aus Deutschland kommt bereits schärfste Kritik an den Bachelor-Programmen, wo man Privatdozenten einsetze, die brutto Euro 1600 verdienen, zu wenig, um an den meisten Standorten die Miete zu bezahlen. “Lehrkräfte für besondere Aufgaben” müssten die Lehre übernehmen, eine “Mindestlohnreserve”, die es den Professoren erlaube, der Forschung oder anderen Aufgaben nachzugehen. Die Studierenden würden aufgefordert, selbst einen Weg durch den Lehrdschungel zu finden. Bologna, so die Folgerungen, sei ein riesiges und sehr kompliziertes Sparprogramm.

Merke: Wir sollten einmal einen Bericht darüber erhalten, was die Bologna-Umstellung bisher an Leistungen erbracht hat. Die Krise im ETH-Rat ist jedenfalls kein gutes Indiz dafür, dass man dafür Zeit hat.

Warum die US-Amerikaner dumm sind.

Mittwoch, den 28. November 2007 um 14:21

53% aller erwachsenen US-Amerikaner haben im vergangenen Jahr kein einziges belletristisches Buch gelesen. Was die Minderheit der Leser aufgenommen hat, können wir an Stephen King und Harry Potter messen. Deutschsprachige Bücher, die man ins Amerikanische übersetzt, lesen noch weniger Amerikaner. 3500 Übersetzungen jährlich aus dem amerikanischen ins Deutsche stehen achtzig Übersetzungen aus dem Deutschen ins Amerikanische gegenüber, Sach- und Fachliteratur eingeschlossen. Die Franzosen, Spanier, Italiener etc. machen ganz ähnliche Erfahrungen. Lateinamerikanische und asiatische Literatur steht in den USA ebenso wenig zur Debatte.
Man sollte sich deshalb nicht wundern, wenn das US-amerikanische Voll nicht versteht, was in Europa, im Irak oder in Afghanistan vorgeht. Wie kann sich ein Land demokratisch nennen, wenn die dort lebenden sogenannten Demokraten keine Ahnung haben, was die Welt bewegt, es sei denn aus dem Fernsehen, das in den USA zumeist zu reinen Werbesendern verkommen ist? Jedoch, wenn wir Europäer derart viel US-amerikanische Literatur zu uns nehmen, sind wir dann klüger? Ich bezweifle dies, vielmehr handelt es sich um eine kulturelle Abhängigkeit von einem im ganzen gesehen unglücklichen Volk, das von seinen Eliten ausgebeutet wird.

Merke: Es gibt kluge US-Amerikaner, aber diese sind offensichtlich auch im eigenen Land bedeutungslos. Wir sollten uns daher weniger von allen anderen beeindrucken lassen.

Menschenschmuggler sind keine Millionäre.

Mittwoch, den 28. November 2007 um 9:56

Will ein junger Pashtune aus einem Land fliehen, weil sein Vater erschossen wurde und er dort keine Zukunft mehr für sich sieht, kostet ihn die Reise in den Westen etwa USD 6000 bis 8000.- . Seine im Land gebliebene Familie ist nicht dumm. Sie zahlt dies in Raten über die US-Firma Western Union, die für ihre hohen Tarife bekannt ist, immer dann, wenn eine bestimmte Station auf der Reise erreicht wurde. Auf der Reise durch sein eigenes Land, den Iran, die Türkei, Italien und Frankreich bis an den Kanal, verdienen viele an ihm; dem Organisator der Reise bleiben vielleicht USD 1000.- . Jetzt, wo die Al Akhsa-Moschee hat wissen lassen, jeder Moslem, der auf der Flucht nach Europa falle, sei ein Glaubenskrieger, wird der Zustrom nochmals zunehmen. Wie Israel den Zaun gegen die arabischen Staaten immer höher ziehen muss, werden wir auch die Grenzen des Schengen-Raums besser befestigen müssen. Intellektuelle Verteidiger des Abendlands haben wir eigentlich keine mehr, nur noch materielle.

 
     
     
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