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Monatsarchiv für Oktober 2007

Deutsche Zuwanderer in der Imagekrise.

Dienstag, den 30. Oktober 2007 um 16:17

Wenn einer der besten Chefredaktoren unseres Landes, Peter Rothenbühler, sich darüber beklagt, er werde im Zug zwischen Genf und Bern, dort am liebsten Französisch sprechend, von einem SBB-Kondukteur in deutscher Sprache angefahren: “Wir können auch anders.” dann hat nicht Rothenbühler, dann haben die Deutschen in der Schweiz ein Problem. Wenn dann die deutschen Polizisten, die uns zur Euro 08 beschützen sollen, nicht in Zivilschutzanlagen, sondern in Vier-Bett-Zimmern übernachten möchten, haben die Deutschen schon wieder ein Image-Problem. Wenn sich Schweizer allmählich von Deutschen überall eingekesselt fühlen, ist dies ein Problem, das uns die Schul- und die Gesundheitsindustrie auferlegt haben, auch die Gastronomie und die Hotellerie, der Hoch- und der Tiefbau. Sogar aus unseren Behörden vernehmen wir immer mehr hochdeutsche Stimmen. Was machen eigentlich die Urschweizer? Spielen sie nur noch Golf? Hier braut sich etwas zusammen, das kluger Lösung bedarf.

Schutzhunde greifen die Schafe an.

Dienstag, den 30. Oktober 2007 um 16:16

Im Unterwalliser Val d’Illiez fressen nicht nur die Wölfe die Schafe; jetzt tun es die von Bern gesponserten Schutzhunde selber. Bauer Gustave Perrin beklagt den Verlust von zwei Schafen, die von den Hunden gerissen wurden, und das eines Kitzes, das sie gleich ganz auffrassen. Gibt er seinen Schutzhunden zu wenig zu fressen? Nein, denn die von ihm selbst beschafften Bergamasker-Hunde taten ihren Dienst friedlich. Erst die von Bern gelieferten Maremma-Hunde taten es den Wölfen nach. Auch Ehefrau Simone bemerkt: “Die Tiere machen wie wild. Alle haben Angst vor ihnen, auch unsere Kinder.” Merke: Wir leisten uns den Luxus von Wölfen, weil die Städte die Tiere verteidigen. Wölfe auf der Zürcher Bahnhofstrasse und vor dem Bundeshaus würden das Problem sofort erledigen.

Florierende AmCham, ein gutes Zeichen.

Dienstag, den 30. Oktober 2007 um 12:58

Wenn ich sehe, wie die Swiss-American Chamber of Commerce floriert und sich für den Ausbau der globalen Wirtschaft in der Schweiz einsetzt, freue ich mich. Die AmCham und die Handelskammer Deutschland-Schweiz haben viel dazu beigetragen, unser Land reich zu machen. In Bern ist deren Einfluss bedeutend. Umso mehr freut es mich, dies war eine meiner Initiativen in den 80er Jahren, dass die AmCham ihren Weg auch in den USA gemacht hat. Ursprünglich war ich der erste, der eine AmCham in den USA gründen wollte, was alt Direktor Walter Diggelmann derart in Rage versetzte, dass er sofort auf die gleiche Idee kam. Nun, dies ist der Fortschritt; die einen haben die guten Ideen, die anderen die Macht.

Das Wettrennen in den Bergen verschärft sich.

Dienstag, den 30. Oktober 2007 um 11:26

In Zermatt wurden seit Anfang dieses Jahrhunderts über Fr. 400 Mio. in die touristische Infrastruktur investiert, um damit die jährlich zwei Mio. Gäste, darunter 40 000 Russen, die gut zahlen, zufrieden zu stellen. Im kommenden Frühling soll das Baugesuch für den turmartigen Aufbau auf dem Kleinen Matterhorn eingereicht werden, damit das geplante Drehrestaurant auf über 4000 Meter gebaut werden kann. Kurdirektor Daniel Luggen, ein Berner Oberländer, ist skeptisch, ob die Berner mithalten können, die Walliser seien “vifer”. Mit zwei Drittel beschneiter Pisten sei Zermatt der Rekordhalter im ganzen Alpengebiet.

Diese Studenten-Revolutionen sind einfach langweilig.

Dienstag, den 30. Oktober 2007 um 11:10

Schon bei den 68er Studenten-Revolutionären hiess es, sie seien von der internationalen Ölindustrie finanziert, um der Kernenergie in der Welt die Leitungen zu kürzen. Als dann die Orange-Revolution in Osteuropa in Gang kam, waren es wieder die Studenten, oft finanziert von US-Interessengruppen, die sich an vorderster Front bemerkbar machten. Jetzt haben wir in Burma die gleiche Situation. Studenten, deren Hintermänner niemand kennt, die aber klar US-freundlich sind, flüchten mit falschen Dokumenten und Kruzifixen ins benachbarte Thailand. Merke: Wenn Studenten revoltieren, muss man die Hintermänner suchen. In Europa ist derzeit alles ruhig, weil man die Studenten ganz einfach nicht braucht. Mögen sie doch bitte ein wenig lernen.

Ist das “Handelsblatt” seriös?

Dienstag, den 30. Oktober 2007 um 10:09

Das deutsche “Handelsblatt” ist Pflichtlektüre für Bankiers, Unternehmer und Manager. Ich schätze die umfassende Berichterstattung und die guten Kommentare. Jedoch, in der Magazin-Beilage “Perspektiven” wird Mike de Vries genannt als der Mann, der Deutschland zur Marke gemacht hat. So ein Unsinn. Deutschland war immer schon eine Marke. De Vries hat so wenig wie Johannes Matyassy in der Schweiz die Landesmarke signifikant verändert. Auch der talentierten Dr. Gerlinde Manz-Christ ist dies für das Fürstentum Liechtenstein nur beschränkt gelungen. Die Gründe dafür sind alle gleich: Das Establishment will derlei Schnickschnack nicht wirklich. Es sind Aktionen zur Beruhigung der Volksseele. Staaten verändern ihr Image durch Kriege, durch wirtschaftlichen Auf- oder Abstieg oder durch strukturelle Veränderungen. Der Rest ist Image-Folklore.

Wozu dient Reputation? Zum Geldverdienen.

Dienstag, den 30. Oktober 2007 um 9:23

Manche Menschen brauchen Reputation, weil sie sonst nichts haben: alte Adlige, Bischöfe, Politiker, Umwelt-Propheten. Andere brauchen Reputation, um damit Geld zu verdienen: Banken, Headhunter, Anwälte, Ärzte. Wozu dient Reputation? Sie setzt, mindestens vermutetes Können und bestimmte Fähigkeiten voraus. Reputation dient in diesen Fällen zum Geldverdienen, wobei offen bleiben muss, was später mit dem Geld geschieht. Wer also Reputation aufbauen kann, wird mit dieser relativ günstig zu erwerbenden Münze bald grössere Scheine verdienen. Derzeit bauen die Energiefirmen wegen der steigenden Preise ihre Reputation laufend ab. Das ist sinnvoll, denn mit zuviel Reputation wird man unbeweglich. Auch UBS und CS-Group machen beispielhaft vor, wie man einerseits Reputation abbaut, um anderseits in deren Aufbau wieder zu investieren. Siemens, einst ein Reputationsriese, steht heute nackt da, macht aber dennoch seht gute Geschäfte. Hedge Funds und Private Equity-Firmen haben überhaupt keine Reputation, es sei denn bei den sie finanzierenden Banken. Das spielt aber keine Rolle, denn bei beiden stimmte bisher die Kasse.

Merke: Wer seine Reputation früh aufbaut, kann diesen Wert in schwierigen Zeiten aktivieren.

Armin (scheinheilig) Walpen klammert.

Dienstag, den 30. Oktober 2007 um 8:27

Dieser Mann lebt zwischen Himmel und Hölle, während die Schatten länger werden. Als CVP-Mann bekämpfte SRG-Chef Armin Walpen mit Erfolg die linkslastige Personalpolitik in seinem Sender. Als Walliser liess er sich von einem Bündner Architekten sein Chalet im Oberwallis bauen. Den Porsche Cayenne, den er sich wegen seiner Erfolge zusprach, musste er wieder abgeben. Armin Walpen will nichts zu tun haben mit höheren Honoraren für die SRG-Verwaltungsräte. Er liess bis zu diesem Wochenende auch nichts darüber hören, dass er selber und seine ranghöchsten Manager im kommenden Jahr auch wieder höhere Saläre wollen – bei sinkenden Einschaltquoten. Alle Parteien sind wegen der SRG-Wahlkampfberichterstattung sauer. An seiner holländischen Programmdirektorin will Walpen weiterhin festhalten. Die Lage fasst er zusammen mit den Worten: “Wir wirken arrogant.” Tatsächlich, das könnte zutreffen.

Oberklassen-Kampf in London

Montag, den 29. Oktober 2007 um 17:20

Bekanntlich wurde der Klassenkampf von Karl Marx in London erfunden. Wie kreativ die Themse-Stadt ist, zeigt der nun dort ausgebrochene Oberklassen-Kampf. Die alte britische Aristokratie, die ihr Geld in Indien oder Afrika stahl, fühlt sich bedrängt von den globalen Neureichen, wie dem Inder Lakshmi Mittal oder dem Schweizer Urs E. Schwarzenbach, die mit überzahlten Preisen die alten Schlösser und Jagdgebiete aufkaufen und ihre Kinder in Schulen einkaufen, die bisher nur dem alten Adel zugänglich waren.

Von 23 in London ansässigen Milliardären sind nur 12 Engländer. Dann folgen hundert superreiche Ausländer, darunter auch “unser” Dr. Tito Tettamanti und Möwenpick-Gründer Ueli Prager, der sich ganz als Gentleman gibt. Immerhin 2 600 Haushalte in London haben ein durchschnittliches Vermögen von je £ 14 Mio. Solche Zahlen machen bei uns jedoch keinen Eindruck mehr und kennzeichnen eher die “ärmeren” Reichen. Merke: Adel vergeht, Leistung bleibt.

Pellis Intriganten-Stadel im freien Sturz

Montag, den 29. Oktober 2007 um 16:36

Fulvio Pelli freute sich noch am Wochenende, wie sehr man Pascal Couchepin zum Sündenbock für die Pelli’sche Wahlniederlage gemacht habe. Ueli Maurer hatte er zuvor grünes Licht gegeben, gegen Couchepin zu schiessen und dessen Rücktritt einzufordern, worauf auch die SVP-nahestehenden FDP-Nationalräte Filippo Leutengger und Otto Ineichen den Rücktritt ihres eigenen Bundesrates forderten. Darüber könnte sich nur Dr. Christoph Blocher freuen, der seinen einzigen valablen Gegner im Bundesrat elegant ausmanövriert hätte.

Daraus wird vorläufig nichts, denn die FDPelli befindet sich ohnehin im freien Fall. Pelli sucht zu beweisen, dass seine radikale Politik in einigen Randkantonen Wirkung gezeigt habe. Seine Angriffe gelten vor allem der Zürcher FDP, wo sein Vizepräsident Prof. Dr. Felix Gutzwiller, der mit Ueli Maurer ein Päckli zur Wahl in den Ständerat gemacht hatte, geschont wird zum Nachteil der kantonalen Parteipräsidentin Doris Fiala, der die Nähe zur SVP vorgeworfen wird.

In Wirklichkeit haben sich FDP-Parlamentarier, so in Zürich und Basel-Stadt, dort durchgesetzt, wo sie Persönlichkeit und Profil hatten. Die Wahlkampagne selber, die Pellis Handschrift trägt, die Inserate, die Plakate, die unsäglich falschen Botschaften und Slogans, die das Team Pelli-Schommer verantwortet, liessen die Partei “on corporate level” in den Abgrund rutschen. Davon will Pelli natürlich nichts wissen, ist es doch immer noch sein Traum, Pascal Couchepin abzuschiessen und selber in den Bundesrat gewählt zu werden.

An diesen Egoismen geht die seit Franz Steinegger schlecht geführte Partei definitiv zugrunde, zumal sich in Zürich die Alt-Freisinnigen mit den Sozial-Freisinnigen und den SVP-nahen Freisinnigen mehr denn je in den Haaren liegen. Zeichen des Niedergangs, der niemand froh machen kann, allerorten.

 
     
     
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