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Weblog
Monatsarchiv für September 2007
Freitag, den 28. September 2007 um 9:57
Nicolas G. Hayek wird in diesem Blog als bedeutendster Schweizer Industrieller so oft gelobt, dass Ernst Thomke, der ewige Zweite, dies nur noch grimmig zur Kenntnis nimmt. Ich kann es nicht ändern: Vater Hayek, der vom Libanon vernünftigerseise an den Hallwyler See auswanderte, ist ein Stolz nicht nur der Schweiz, sondern auch seines Herkunftslandes. Es ist sicher kein Zufall, dass auch der reichste Mann der Welt (nein, nicht mehr Bill Gates) ein Mexikaner libanesischer Herkunft ist: Carlos Slim, ein Secondo. Was uns alle erstaunen sollte, ist die Aussage beider Libanesen, Hayek wie Slim, dass sie sich von Künstlern inspirieren lassen und selbst als Künstler fühlen. Lassen wir uns von den Libanesen inspirieren, ein Händlervolk seit fünf Jahrtausenden, die Phönizier mit gerechnet.
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Freitag, den 28. September 2007 um 9:44
Während einer unserer Politiker seinen Wählern “paintball”-Spiele anbietet, würde er besser einen Vorstoss unternehmen, um von der Schweiz ausgehende Tätigkeiten der internationalen Fremdenlegionärsfirmen zu unterbinden. Die Pistoleros, 48 000 davon alleine im Irak, gehören zu den Armeen von Blackwater
(mit 20 000 Fremdenlegionären und 20 Flugzeugen und Helis Nr. 1 der Branche), Aegis, GlobalRisk, DynCorp und Armor Group. Eric Prince, Inhaber von Blackwater und christlicher Fundamentalist, grosser Sponsor von George W. Bush, bildet die Vorhut im Kampf der westlichen Armeen gegen die bösen oder vielleicht nur wirren Islamisten. Nach dem Motto “shit happens” sollten etliche seiner Männer bereits vor Gericht stehen, aber Paul Bremer hat ihnen schon Jahr 2004 per Gesetz totale Immunität vor dem irakischen Gesetzgeber verschafft. Die Tagessätze für die Pistoleros beginnen bei USD 600.–, das ist etwas mehr als das Tageshonorar eines freien Journalisten. Angesichts einer korrupten irakischen Polizei und eines zusammengebrochenen Justizsystems haben die US-Cowboys, die in aller Welt rekrutieren, freie Bahn. Wir könnten uns allerdings auch entscheiden, diesen hochrentablen Firmen Asyl zu bieten, denn die Schweiz war selbst Jahrhunderte Lieferant der besten Landsknechte der Welt; etliche Schlösser erzählen heute noch davon, einige Vermögen auch.
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Freitag, den 28. September 2007 um 9:42
Wie oft üblich, lässt sich die Lage in englischer Sprache präziser ausdrücken als in der deutschen. Mehr Lagerkapazität, weniger Hirnkapazität, ist weitaus weniger “sexy” als die englisch-amerikanische Formulierung. Gemeint ist damit, dass die Menschen immer mehr auf irgendwelche Infolager zurückgreifen, um sich zu orientieren. Das eigene Hirn und dessen Lernfähigkeit wird vernachlässigt. Übertreibe ich? Kaum. Nur wer sich täglich durch laufenden Umgang und, dies vor allem, Verarbeitung von Informationen müht, wird ein global konkurrenzfähiges eigenes Hirn haben. Es ist die Grundlage für Verhandlungen, Auge in Auge, wo, oft in Sekunden, wichtige Entscheide getroffen werden müssen. Wer nicht über die richtige Information verfügt, wird als Zweiter aus dem Raum gehen. Immer mehr begegnet es mir, dass einer meiner Gegenüber bei einer Frage zu seinem Blackberry greift, um die Antwort zu suchen. In der Zwischenzeit, mögen es auch nur zehn Sekunden sein, langweilige ich mich schrecklich; meist würde ich am liebsten sofort aufstehen und gehen.
Merke: Viel IT-Lagerkapazität hilft meist nicht weiter; bedrückende Beispiele solchen Verhaltens gaben Swissair-Bruggisser und CS-Mühlemann ab. Verlangt man von solchen Menschen einen Gedanken über seine Zahlenwelt hinaus, wird man auf Abwehr, Desinteresse und Unverständnis stossen. Diese Welt breitet sich aus.
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Freitag, den 28. September 2007 um 9:25
Bider ist die Schweizer Werbung für den Wahlkampf. Beobachtet man die Anzeigen der Parteien mal genau, dann gibt es wieder einmal nur einen, der mit allergrösstem Vergnügen und Ausstrahlung das Wahlkampftheater beherrscht: Bundesrat Christoph Blocher. Im Gegensatz ist der Unternehmer Ruedi Noser mit einer Miene abgelichtet, bei der man Mitleid mit dem Herrn kriegt. Und dann ist da noch der eitle Felix Gutzwiller, der mit grossem Vergnügen posiert aber eben, ohne besonderen Ausdruck. Gewonnen hat er trotzdem schon und das weiss er auch. Aber nicht nur die Fotos der FDP-Kandidaten sind mittelmässig bis schlecht, auch Werbesprüche wie “Entfalten Sie sich” sind platt und inhaltsfrei. Das Plakat, worauf der Spruch steht, ist auch nicht gefaltet sondern zerknittert. Die FDP hält uns Bürger also für zerknittert. Eine falsche Botschaft würde ich sagen.
Die SP-Kandidaten Fehr, Jositsch und Galladé kommen unverbraucht, jung geblieben und sympathisch rüber. Dani Vischer nimmt man wahr.
Fidel Stöhlker
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Donnerstag, den 27. September 2007 um 10:37
Nun soll mit Steuergeldern erhellt werden, was die beiden Landeskirchen selbst nicht zu leisten vermögen: die Erforschung der religiösen Landschaft der Schweiz. Der Nationalfonds hat zehn Mio. Franken bereitgestellt, um innert drei Jahren herauszufinden, welche Religionen hier ausgeübt werden und was dies bedeutet. An dieser Stelle können wir den hoch besoldeten Professoren und Spezialberatern zu Hilfe kommen:
- Die Gewinnung und Ausbildung des Nachwuchses wurde vernachlässigt.
- Die einseitige Ausbildung und Wahl der Kirchenoberen begünstigte Formen der Inzucht, die zum Niedergang der Landeskirchen beitrugen.
- Die überaus gute Bezahlung der reformierten Geistlichkeit machte diese zu Beamten, die den Kontakt mit dem Volk kaum noch suchten.
- Die, jetzt nochmals zunehmende, Abhängigkeit der katholischen Kirche von Rom lähmte alle Erneuerungen von unten her.
- Die überaus guten Steuereinnahmen führten zu einer Verfettung der religiösen Institutionen; ich kann mich vor Einladungen zur Kirchenapéros kaum retten. Geld ist genügend da.
- Eine Trennung von Kirche und Staat, wie dies am Beispiel des Klosters Einsiedeln übrigens der Fall ist, kam leider nicht zustande. Dies hätte die kirchlichen Strukturen enorm belebt.
- Der Unwille der Landeskirchen, angemessen zu kommunizieren, wie es der Zeit entspricht, förderte die Entfremdung zwischen Kirche und Volk. Das Volk sank zurück zu “Chillebank-Christen”.
- Die zunehmende Zahl islamischer Gläubiger ist zurückzuführen auf die Forderungen von Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft, aus diesen Ländern billige Arbeitskräfte einzuführen. Gleiches gilt, vor allem in der Westschweiz, für die animistischen Gläubigen aus Afrika.
Universitäten, Fachhochschulen und politisch genehme “private Büros” werden nun dieses Forschungsprogramm NFP 58 in Angriff nehmen.
Merke: Dient es auch der Religiosität nicht, so doch unserer Wissenschafts-Struktur.
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Donnerstag, den 27. September 2007 um 10:17
Heute haben es die meisten bereits vergessen: Die US-Truppen wollten strahlend in Bagdad einziehen, Schoggi, Kaugummi und CocaCola verteilen und dann demonstrieren, wie man Demokratie macht. Donald Rumsfeld (Familie stammt aus Bremen) sagte: “Ganz wie in Deutschland damals.” Offensichtlich sind die Iraker entweder keine Deutschen oder auch in Deutschland lief es zur Zeit des Ersten und des Zweiten Weltkriegs anders. Blicken wir einmal genauer hin:
1. Der innere Widerstand gegen Adolf Hitler wie gegen Saddam Hussein wurde von den Amerikanern wie den Engländern nie ernst genommen und unterstützt.
2. Die Deutschen wie die Iraker wurden von den Siegern unnötig gedemütigt. Churchill behandelte die Deutschen wie Kaffer, wo er seine ersten Erfahrungen machte, und liess sie bombardieren. Rumsfeld (“Haben die so viele Vasen?”) fühlte sich als Herrenmensch.
3. Eine neue Ordnung wurde nach dem Ersten Weltkrieg nicht hergestellt; nach dem 2. Weltkrieg gelang es, weil Konrad Adenauer mitmachte. Ich sehe keinen Adenauer in Bagdad.
Merke: Es gibt keinen Grund zu übertriebener Zuversicht; die Räder der Geschichte mahlen langsam.
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Donnerstag, den 27. September 2007 um 9:12
Wie manisch kämpfen meine Nachbarn um ihre Gesundheit, sei es beim Essen, Trinken, Wandern, Joggen oder Golfspielen. Dabei stelle ich fest, dass die Angst vor einem frühen Gesundheitsschaden oder Tod nicht nachlässt. Daher empfehle ich über 70jährigen einen einfachen Test: Nehmen Sie eine 400-Meter-Strecke, einmal um ein Stadion. Schaffen Sie diese Strecke zu Fuss nicht in fünf Minuten, sind Sie ernsthaft gefährdet. Schaffen Sie es unter fünf Minuten, müssen Sie vor einem Herzinfarkt keine Angst haben. Wer länger als fünf Minuten braucht, erhöht mit jeder Minute sein Risiko.
Merke: Es geht nur um Bewegung und Kraft.
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Donnerstag, den 27. September 2007 um 7:31
Wenn derzeit Königin Silvia B. durch die Lande reist und – meist vor älteren Menschen – Vorträge über ihre Herkunft und den Einsatz für ihren Ehemann (wer wohl?) hält, könnte man der Meinung sein, sie würde den Wahlkampf ihres Mannes und ihrer Partei unterstützen. Dies leugnet die ehemalige Lehrerin, die sich gerne als bester Coach ihres prominenten Mannes bezeichnen lässt. “Ihre Miene verdüsterte sich”, wird aus Solothurn berichtet, und sie korrigiert die Gastgeberin: “Ich mache keinen Wahlkampf.” Was denn sonst, liebe Frau Blocher?
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Mittwoch, den 26. September 2007 um 16:09
Hosni Mubarak ist 79 und gibt sich alle Mühe, weil ohne Vizepräsident, dass sein Sohn Hamal reif für die Nachfolge wird. Journalisten, welche dies nicht richtig verstehen wollen, landen in Ägypten im Gefängnis, denn als treue Verbündete der USA kann man nicht zulassen, dass die “Achse des Guten” unterwandert wird. Ägyptisch stark unterwandert wird jedoch schon seit einiger Zeit die Schweiz. Ein kompetenter Leser dieses Blogs hat gestern berichtet: “Der grösste Aktionär der CS ist (neben der CS selbst) die saudiarabische Olayan-Group, die u.a. von Lubna Olayan geführt wird und deren Interessenvertreter , ein Türke, Mr.Siriany, immerhin Vizepräsident des CS-Verwaltungsrats ist. Lady Lubna ist die wichtigste Frau hinter der CS. Hat man von diesem Hintergrund je mal was in Schweizer Medien gelesen? Oder darüber, was das vielleicht umittelbar für Schweizer Interessen im Nahen und Mittleren Osten und anderswo bedeuten könnte? Natürlich nicht. Da befasst man sich doch lieber mit irgendwelchen “Geheimplänli” in Bern und Umgebung. Oder feiert Rainer E.Gut als grossen Patrioten und übergrossen Wirtschaftlenker, der nur immer das Beste für sein Vaterland im Sinn hatte. Diese Art von Journalismus macht wenig Arbeit und ist zudem risikofrei.”
Bekannt ist auch Samih Sawiris, der beschlossen hat, unser total verschlafenes Andermatt wieder zu wecken wie der Prinz die Prinzessin. Mit einer Investition, die von einer Milliarde Franken nicht weit entfernt ist, will er dem wenig lawinensicheren Schattental globale Prominenz verschaffen. Das freut die Gemeinde, die Grundstücksbesitzer, vor allem aber die Treuhänder und Anwälte, die einen pyramidalen Schnitt damit machen.
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Mittwoch, den 26. September 2007 um 16:05
Die “Schweizer Illustrierte” mit dem Fotografen Marcel Nöcker hat uns das traurigste Bild des Jahres 2007 geschenkt. Es ist nicht minder dramatisch als die Fotos von Überfällen und Explosionen im Irak und in Afghanistan, weil es den Zustand eines Teils unserer Gesellschaft in absoluter Perfektion wiedergibt. Die Aufnahme zeigt den Bankier Rainer E. Gut, einen der lange Zeit einflussreichsten Männer der Schweizer Wirtschaft, strahlend im eleganten Interieur des Restaurants “0815″ sitzend. Er ist stolz über die Huldigung seines CS-Haushistorikers, der ihm ein Buch gewidmet hat. Das ist die eine Seite des Meisterfotos. Die andere Seite zeigt Mike Gut, den Sohn des Bankiers, wie er seinem Vater einen latte macchiato serviert, ganz Boy. Ohne die Bildlegende würde niemand wahrnehmen, dass die beiden Männer etwas verbindet. Der Kellner und der Bankier, ein ironisch gemeintes Foto, zeigt die Unfähigkeit des Vaters, diese soziale Spannung als befremdlich zu empfinden. Es sind zwei Welten, die sich in diesem Familienbild begegnen. Der “lonely wolf” Rainer E. Gut geniesst seinen Triumph, der Sohn lebt nicht in der gleichen Welt wie der Vater. Das ist unsere moderne Gesellschaft, die immer härtere Schatten wirft.
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