Es ist schön, wenn der Zürcher Unternehmer Branco Weiss der ETH Zürich laufend Millionengeschenke macht; das ändert nichts daran, dass ihre Impulse allmählich erlahmen. Patrick Aebischer, der Chef der ETH Lausanne, hat sich die Konstellation zunutze gemacht und zusammen mit Bundesrat Pascal Couchepin den Westschweizer Konkurrenten gestärkt. Gut gehalten hat sich auch die Universität St. Gallen, die nur kantonal finanziert ist, die mit Prof. Gomez als Rektor einen Aufschwung erlebt hat, der jetzt mit seinem Nachfolger weniger ersichtlich wird.
Dies täuscht nicht darüber hinweg, dass wir eine Reihe überflüssiger Universitäten haben: Allen voran Luzern, wo man die Theologie bewahren wollte und dann einige populäre Disziplinen hinzufügte. Lugano hat mindestens dazu beigetragen, dass nicht alle nach Milano gingen: Mit Mario Botta und seinem Institut für Architektur sowie der Fakultät Kommunikation wird dort Gutes geleistet. Dennoch, brauchen wir diese Mini-Unis?
Die Schweiz hat, seit Dreifuss und Kleiber, kein wirkliches Hochschulkonzept entwickelt. Mme. Dreifuss war in jeder Beziehung eine Katastrophe, nicht minder ihr Zögling, Staatssekretär Charles Kleiber, der klüger wirkte als er wirkte. Der bekennende Marxist hat mir “futuribles” vermacht, ein französisches Magazin für Intellektuelle; das ist eine seiner besseren Leistungen. Mit seinem Abgang wurde er vergessen.
Die Schweiz hat weiterhin keine Bildungspolitik. Bund und Kantone stehen sich wie Schwinger gegenüber, von denen keiner umfallen darf. Gibt es überhaupt Modelle?
1. Eine nationale Hochschule von Weltrang? Die ETH Zürich hat einen besseren Ruf als sie Leistungen aufweisen kann. An ihrem Beispiel müsste entschieden werden, ob wir mehr Geistes- oder Sozialwissenschafter brauchen, wie sie Rektor Weder wünscht, oder mehr Natur- und Ingenieurwissenschafter, wie sie in Lausanne ausgebildet werden. Natürlich soll jeder studieren wollen, was er will, aber die derzeitige Fehlallokation von Studenten riskiert deren Karriere und den Staat Milliarden.
2. Wollen wir Voll-Universitäten und Spezialisten-Universitäten? Eine Voll-Universität haben wir mit der ETH Zürich nur eine; die Kosten für die Noch-Universitäten wie Bern oder Fribourg sind hoch, deren Ergebnisse zu diskutieren.
3. Was sollen Universitäten liefern, was die Fachhochschulen? Derzeit wollen Letztere auch Master-Lehrgänge anbieten; wo bleiben dann die Unterschiede? So bietet die Fachhochschule Luzern mit 1000 Studenten 15 Masterstudien an, St. Gallen mit 5000 Studenten nur elf Master-Lehrgänge. Wer schaut nach der Qualität?
Unsere teuer bezahlte so genannte Hochschulpolitik bleibt solange eine Farce als die Politiker sich nicht darin einig werden können, was sie zum Wohl des Landes wollen. Der Föderalismus tötet die globale Effizienz.