Dr. Thomas “Faustus” Held dicit.
6. August 2007 um 13:56Seine Gesichtszüge drücken die Zerrissenheit dieser Welt besser aus als die triumphale Fassade von Pascal Couchepin oder das bauernschlaue Milchgesicht von Dr. Christoph Blocher. Die Rede ist von Dr. Thomas Held, dem struwwelköpfigen Chef von Avenir Suisse. Sein Gretchen, das er seiner Karriere opferte, sind seine frühen sozialistischen Ideen. Heute geht er soweit zu sagen, der Schutz, den die KMU in unserem förderalistischen System geniessen, mache die Schweiz verletzbar (“vulnerable”). Er will auch aufgrund einer Art Laffer-Kurve beweisen, dass wirtschaftliches Wachstum nur dann optimal sein kann, wenn die Volksrechte nur zur Hälfte genutzt würden; der Weg zur “full democracy” bedeute eine Zerstörung wirtschaftlichen Wachstums. Damit die Schweizer sich mit weniger Demokratie abfinden, würde man den Regionen Tunnel, Strassen und Agrarsubventionen schenken. Held ist ein moderner Dr. Faustus, der als trojanisches Pferd der Konzerne dient und von daher seine Bedeutung ableitet. Dies hinderte die siegreichen Griechen nicht, das stolze Ross, nachdem es seine Pflicht erfüllt hatte, sang- und klanglos zu verbrennen.


am 6. August 2007 um 16:02 Uhr.
Ich habe kürzlich geschrieben: China widerlegt das bis heute geltende westliche Axiom, wonach es für eine florierende Wirtschaft, wissenschaftlichen Fortschritt, bürgerliche Freiheitsrechte, ein demokratisches System, freie Forschungstätigkeit, die offene, pluralistische Gesellschaft, gepaart mit Innovationskraft, braucht.
http://arlesheimreloaded.ch/article/china
Vielleicht hat sich Herr Held doch nicht so weit von seinem Gretchen entfernt, wie er glauben machen will.
am 7. August 2007 um 23:47 Uhr.
Dazu hat sich auch einer der Väter des Neoliberalismus, Milton Friedman im NZZFolio 04/06 geäussert:
«Ich habe im Laufe meiner Karriere oft über die Verbindung zwischen wirtschaftlicher und politischer Freiheit geschrieben. Heute würde ich das etwas feiner auffächern und drei Arten von Freiheit unterscheiden: wirtschaftliche, politische und schliesslich die Freiheit des Bürgers. Hongkong ist der Beweis dafür, dass politische Freiheit keine notwendige Bedingung für wirtschaftliche Freiheit ist.
[…]
Die Frage, ob freie Märkte automatisch zu einer freien Gesellschaftsordnung führen, lässt sich nur schwer beantworten. Sie führen in vielen Fällen zu mehr Demokratie. Nehmen wir zum Beispiel China. Die Entwicklung freier Märkte führt dort zu etwas, was ich zwar nicht unbedingt Demokratie nennen möchte, denn dieses Wort hat so viele Dimensionen, aber die freien Märkte erfüllen eine viel fundamentalere Funktion. Sie erlauben es Menschen, selbst wenn sie einander hassen oder verachten, miteinander umzugehen, Verträge zu schliessen. Sie sind der einzige Mechanismus, um Menschen aus unterschiedlichsten Lebensbereichen zur Zusammenarbeit zu bewegen.»