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Monatsarchiv für August 2007

SVP-Politik: Klamauk ohne Realitätsbezug.

Freitag, den 31. August 2007 um 16:22

Bundesrat Dr. Christoph Blocher, der jetzt durch die Grenzregionen der Schweiz tourt, vor allem die Westschweiz, um dort Potential für seine SVP für die kommenden Herbstwahlen zu gewinnen, macht, wie üblich, Klamauk-Politik ohne realen Hintergrund. Trotz 30 Jahren Blocher-SVP werden in spätestens zehn Jahren in der Region Genf mehr Franzosen als Schweizer leben. Genf wurde bereits als regionales Zentrum Frankreichs akzeptiert – und Blocher schwieg dazu. Der gleiche Prozess spielt sich in der Region Basel und rund um Schaffhausen ab, wo bis zu 80% der Mitarbeiter bereits aus dem Elsass oder Baden-Württemberg kommen. Derzeit wird unser Bürohaus in Zollikon von strammen SVP-nahen Unternehmern renoviert; aber deren Mitarbeiter kommen aus Deutschland, wie ich den Gesprächen entnehme. Ich halte deshalb den SVP-Wahlklamauk für eine billige Bauernfängerei ohne realen Hintergrund. Blocher will seine Macht bestätigt wissen; „Königin Silvia“ fährt in der Limousine mit staatlich bezahlten Leibwächtern, ihren Mann propagierend, durch die Lande. Es ist ein Jammer, wie die Schweiz diesen Zirkus hinnimmt.

Unser Gesundheitssystem ist mir teuer.

Freitag, den 31. August 2007 um 14:12

Nie möchte ich krank werden in den USA oder China. Die USA hatte nie ein vernünftiges Gesundheitssystem für den Normalbewohner. Wer in China ernsthaft krank wird, kann gleich von der Familie Abschied nehmen. Den Amerikanern werfe ich vor, dass sie ein schlimmes Klassensystem haben, den Chinesen, dass sie lieber Milliarden für die kommende Olympiade ausgeben als für einige anständige Spitäler. Zugegeben, in Italien und England sind die Zustände ebenfalls katastrophal. Unsere Schweiz ist immer noch, wenn auch abnehmend, ein Himmel für die Kranken. Wenn nun der Chef der Helsana-Versicherung, Manfred Manser, 50 Spitäler in der Schweiz schliessen möchte, liegt dies im Geist der Zeit, ist aber für viele schlecht. Gefördert wird damit die Zentralisierung des beweglichen Teils der Bevölkerung; niemand, der älter wird, sollte mehr als 30 Autominuten vom nächsten Spital entfernt sein, weil er sonst Gefahr läuft, die Fahrt nicht zu überleben. Wie schon Prof. Dr. Felix Gutzwiller sagte: „Unser System ist teuer, aber hervorragend.“

Warum die UBS mit Bundesrat Merz einer Meinung ist.

Freitag, den 31. August 2007 um 12:20

Als Leser des UBS-Gratismagazins „Wealth Management“, das unsere geschätzte Grossbank mir jetzt zugestellt hat, lese ich mit Aufmerksamkeit „Die Entwicklung der Finanzen im Lebenszyklus der Anleger“. Wie sieht dieser Lebenszyklus in den Augen einer Schweizer Grossbank aus?

– Bis 30: Konkubinat (Jungfrauen, Jungmänner, normale Ehepaare gibt es nicht mehr)
– Mit 30: Heirat
– Bis 45: Familie
– Ab 45 : Scheidung
– Dann : Wiederverheiratung
– Mit 66 : Alleinstehend
– Ab 73 : Alters-Konkubinat

Diese hochpräzisen Informationen entsprechen wohl eher dem Bild gestresster Finanzmanager, angeführt von VR-Präsident Marcel Ospel, der jetzt schon die dritte Ehe führt. Mein Lebenszyklus ist eher konventionell.

Jedoch sehe ich mich in der Minderheit. Bundesrat Hans-Rudolf Merz wünscht sich zusätzliche Scheidungsferien für die Bundesbeamten, denn Scheidungen seien eine aufwändige Angelegenheit. Die Bundesbeamten haben nicht nur 5-6 Wochen Jahresurlaub, sondern jetzt auch 5 Tage Vaterschaftsurlaub, dazu Urlaub für politische „Betätigungen“ (was soll das heissen – ein Gummibegriff) und für Sport. Unsere KMU-Eigentümer müssen sich doch dumm vorkommen, wie sie ein zur Dekadenz neigendes Beamten-Luxussystem finanzieren.

Wohin entwickelt sich die Schweiz?

Freitag, den 31. August 2007 um 9:48

Eine gewisse Ratlosigkeit macht sich breit, wie die Schweiz in 10-20 Jahren aussehen soll. Bleibt unser Finanzplatz wirklich wettbewerbsfähig angesichts des Wachstums von Singapur und Dubai? Nun, Singapur macht sich derzeit Gedanken, wie es sich gegen die mit der Klimaerwärmung verbundenen hohen Wellen schützen kann. Dubai wiederum hat eine unterschätzte Landschaft, aber ein Klima, das man nur im Ausnahmezustand und mit hohen Boni überleben kann.

Was sind unsere Perspektiven?
– Wir werden ein hoch spezialisierter Dienstleistungs-Staat nach dem Beispiel Singapurs.
– Wir werden ein High Tech-Land wie Finnland.
– Wir werden das Florida Europas und ziehen die reichen Alten der Welt an.
– Wir werden ein City State, wie vom Bankier Dr. Konrad Hummler (Wegelin & Co.) vorgeschlagen, nach dem Beispiel Londons (Finanzen) oder Mailands (Mode).

Unser Bundesrat und unsere Parteien halten sich aus dieser Diskussion heraus. Auch Avenir Suisse hatte dazu bisher nichts Substantielles zu sagen. Derzeit leben viele von uns auf einem fliegenden Teppich und denken nicht daran, wo sie eines Tages landen werden.

Unsere Bildungspolitik „est non-existante“.

Freitag, den 31. August 2007 um 8:31

Es ist schön, wenn der Zürcher Unternehmer Branco Weiss der ETH Zürich laufend Millionengeschenke macht; das ändert nichts daran, dass ihre Impulse allmählich erlahmen. Patrick Aebischer, der Chef der ETH Lausanne, hat sich die Konstellation zunutze gemacht und zusammen mit Bundesrat Pascal Couchepin den Westschweizer Konkurrenten gestärkt. Gut gehalten hat sich auch die Universität St. Gallen, die nur kantonal finanziert ist, die mit Prof. Gomez als Rektor einen Aufschwung erlebt hat, der jetzt mit seinem Nachfolger weniger ersichtlich wird.

Dies täuscht nicht darüber hinweg, dass wir eine Reihe überflüssiger Universitäten haben: Allen voran Luzern, wo man die Theologie bewahren wollte und dann einige populäre Disziplinen hinzufügte. Lugano hat mindestens dazu beigetragen, dass nicht alle nach Milano gingen: Mit Mario Botta und seinem Institut für Architektur sowie der Fakultät Kommunikation wird dort Gutes geleistet. Dennoch, brauchen wir diese Mini-Unis?

Die Schweiz hat, seit Dreifuss und Kleiber, kein wirkliches Hochschulkonzept entwickelt. Mme. Dreifuss war in jeder Beziehung eine Katastrophe, nicht minder ihr Zögling, Staatssekretär Charles Kleiber, der klüger wirkte als er wirkte. Der bekennende Marxist hat mir „futuribles“ vermacht, ein französisches Magazin für Intellektuelle; das ist eine seiner besseren Leistungen. Mit seinem Abgang wurde er vergessen.

Die Schweiz hat weiterhin keine Bildungspolitik. Bund und Kantone stehen sich wie Schwinger gegenüber, von denen keiner umfallen darf. Gibt es überhaupt Modelle?

1. Eine nationale Hochschule von Weltrang? Die ETH Zürich hat einen besseren Ruf als sie Leistungen aufweisen kann. An ihrem Beispiel müsste entschieden werden, ob wir mehr Geistes- oder Sozialwissenschafter brauchen, wie sie Rektor Weder wünscht, oder mehr Natur- und Ingenieurwissenschafter, wie sie in Lausanne ausgebildet werden. Natürlich soll jeder studieren wollen, was er will, aber die derzeitige Fehlallokation von Studenten riskiert deren Karriere und den Staat Milliarden.
2. Wollen wir Voll-Universitäten und Spezialisten-Universitäten? Eine Voll-Universität haben wir mit der ETH Zürich nur eine; die Kosten für die Noch-Universitäten wie Bern oder Fribourg sind hoch, deren Ergebnisse zu diskutieren.
3. Was sollen Universitäten liefern, was die Fachhochschulen? Derzeit wollen Letztere auch Master-Lehrgänge anbieten; wo bleiben dann die Unterschiede? So bietet die Fachhochschule Luzern mit 1000 Studenten 15 Masterstudien an, St. Gallen mit 5000 Studenten nur elf Master-Lehrgänge. Wer schaut nach der Qualität?

Unsere teuer bezahlte so genannte Hochschulpolitik bleibt solange eine Farce als die Politiker sich nicht darin einig werden können, was sie zum Wohl des Landes wollen. Der Föderalismus tötet die globale Effizienz.

Gibt es die Schweizer Armee noch?

Donnerstag, den 30. August 2007 um 16:08

Die Schweizer Armee hat nicht nur verlernt zu kämpfen, sie hat auch verlernt, sich positiv bemerkbar zu machen. Kaum noch höre ich Manager, die sich offen zur Armee bekennen oder die Armee, wie dies früher der Fall gewesen ist, zu einem positiven Thema machen. Ganz offensichtlich haben die Keckeis’schen Reformen die Armee in ein Führungschaos gestürzt, das kurzfristig nicht auszuräumen ist. Der Absturz der jungen Soldaten im Jungfraugebiet haben der Armee den Rest gegeben; das Volk will von diesem „Sauhaufen“, der nur das Leben ihrer Kinder fordert, nichts mehr wissen. Auch unsere UNO-Blauhelm-Einsätze im Ausland leiden unter dem schlechten Ruf der UNO-Soldaten, die weltweit als Förderer von Bordellen einen besseren Ruf geniessen denn als Friedensförderer. Merke: Wenn die Schweizer Armee jetzt wieder einen Jahrmarkt durch die grösseren Messen und Ausstellungen der Schweiz schickt, ist dies genau der falsche Ansatz. Der Fisch stinkt vom Kopf her; dort ist neues Denken gefragt.

Sind unsere Redaktionen wirklich nur schlecht?

Donnerstag, den 30. August 2007 um 13:04

Eine benachbarte PR-Agentur, der ich als junger Mann auch einmal acht Jahre diente, liess sich mit der überraschenden These vernehmen, die Schweizer Redaktionen litten vielfach unter „Immunschwäche“, vor allem aber unter schlechter Ausbildung. Ich halte dies nicht für eine neuere Entwicklung, sondern habe solches schon vor über 30 Jahren festgestellt, nur waren die Themen andere:

– Heute haben wir viele ungenaue Recherchen über unseren Finanzplatz, damals galt der „Schweizer Igel“ noch als zu verteidigendes Heiligtum.
– Heute haben wir (auch bei den grossen Redaktionen) die Trennung zwischen Bericht und Kommentar immer noch nicht angemessen realisiert. Das ist eine Frage des Wollens und der Kontrolle durch die Chefredaktion.
– Heute haben wir im Regionalteil weiterhin eine grosse und zum Teil zunehmende Abhängigkeit von örtlichen Inserenten; das war früher nicht anders.
– Damals hatten wir mehr nationale Spitzenfedern; heute brauchen wir weniger davon, weil die Welt global geworden ist. Dort fehlt es uns an genügend eigenem Nachwuchs, weshalb wir Deutsche und Holländer einkaufen.
– Die Qualität vieler „Schreiber und Sprecher“ ist tatsächlich miserabel, weil sie oft weder schreiben, sprechen noch fragen können. Sie werden „on the work“ verbrannt, was den meisten Verlegern aber gleichgültig ist.
– Die Zahl der Verleger mit „Herzblut“ dürfte weiter abnehmen, denn der Markt wird zu eng. Niemand will Verleger sein, wenn er damit Geld verliert; deshalb ist mit noch mehr Ausländern im Schweizer Markt zu rechnen.

Merke: Wir sollten lernen, unsere Ansprüche an Schweizer Medien herabzuschrauben. Lesen wir die besten Artikel, sehen und hören wir die besten Beiträge und internationalisieren wir unsere Lektüre, dann wissen wir immer noch sehr gut, was in Wirtschaft, Politik und Kultur läuft. Besser jedenfalls als die meisten Amerikaner, Asiaten oder Afrikaner.

Moritz Leuenberger hat Personalprobleme.

Donnerstag, den 30. August 2007 um 9:41

Wie Bundesrat Moritz Leuenberger seine Personalprobleme auszusitzen sucht, ist einigermassen erstaunlich:

– Seine Unterstützung für den verurteilten Raymond Cron, Direktor des BAZL, gilt unterdessen als Klassenjustiz. Ethikprofessor Helmut Kaiser von der Uni Zürich nennt Leuenbergers Aussagen zu Cron „verharmlosend“. Richtig sei, dass Cron weniger hart angefasst werde als „der Mann von der Strasse“, weil er in höherem Masse strafempfindlich sei. Leuenberger hat Angst davor, seien Amtsdirektor auf die Strasse zu stellen, wie er dies einst im Fall von Elisabeth Kopp begünstigt hat, deren Sturz seine eigene Karriere überhaupt erst möglich machte. Er sagt, Cron habe „einen Fehler“ gemacht, das sei es nun.
– SP-Mitglied Walter Steinmann, Direktor des Bundesamtes für Energie, wurde wegen Mismanagements soeben ebenfalls kostenpflichtig verurteilt. Im Unterschied zu Cron nahm Steinmann das Urteil sofort an. Leuenberger liess mitteilen, die beiden Fälle hätten nichts miteinander zu tun.

Als Wähler, Stimmbürger und Steuerzahler muss man sich fragen, welcher Art von Chefbeamten werden in Bern die Karrieretüren geöffnet? Sind dies wirklich diese hoch qualifizierten besonderen Persönlichkeiten, die unser Vertrauen und das ihrer Mitarbeiter verdienen? Ich glaube nicht, dass Moritz Leuenberger in diesen Fällen nur Pech hatte. Es ist vielmehr diese besondere urbane Leichtigkeit, der er sich verpflichtet weiss, die den Wiederholungsfall begünstigt.

Im Zeitungsmarkt findet die Reformation statt.

Donnerstag, den 30. August 2007 um 7:52

Wie die reformierte Kirche zur Zeit Martin Luthers die katholische Kirche in Bedrängnis brachte und vielerorts ablöste, holen sich die Gratiszeitungen rasch wachsende Marktanteile. Der Grund ist der gleiche: Die reformierte Kirche bot ihre Dienstleistungen den Gläubigen wesentlich günstiger an als dies die katholische Kirche damals getan hat. Wer vom katholischen Pfarrer als Gläubiger etwas wollte, musste von der Wiege bis zur Bahre erhebliche Gebühren bezahlen. Die Reformierten schränkten diese Praxis massiv ein. Genau so die Gratiszeitungen: Sie bieten sich zum Nullpreis an und ziehen damit Leser von den klassischen Medien ab. Die katholische Kirche verlor deshalb nicht alles, weil sie auf ihrer Kernkompetenz bestand, der Vermittlung des wahren Glaubens. Diese Fachkompetenz müssen die klassischen Zeitungen verstärken; das bedeutet härteste Arbeit für Verlage wie Chefredaktionen, denn in die Kompetenz der Kommentatoren und Rechercheure wurde 20 Jahre zu wenig investiert.

Marc Faber und Dirk Schröder sind einer Meinung.

Mittwoch, den 29. August 2007 um 16:15

Marc Faber kennt man einfach, seit er viermal richtig den Zusammenbruch der Börsen vorausgesagt hat. Jetzt sieht er einen grossen Zusammenbruch folgen, will sich aber nicht – klug wie er ist – auf einen Termin festlegen lassen. Der Grund: Die grosse Verschuldung, in erster Linie ausgelöst durch die Amerikaner und die US-Regierung. Faber hat in der Schweiz einen kongenialen Co-Denker, der weniger bekannt ist: Dirk Schröder, Herausgeber des „Bieler Wirtschaftsbriefes“. Der Privatgelehrte aus dem Berner Seeland fällt durch originelles Denken und lesenswerte Schriften auf. Vor wenigen Tagen meinte er, der „Schwarze Obelisk“ von Ninive, ein Roman von E.M.Remarque, worin er die Inflationsjahre 1923-24 beschrieb, sei eine Parallele zur PE-Firma „Blackstone“, die mit ihrem „going public“ grandios Geld machte, während der Rest der Welt zugrunde geht. Das Schweizer Fernsehen bereite mit seiner Pfahlbauer-Sendung uns alle auf die kommende neue Armut vor. Merke: Auch hinter dem verrücktesten Gedanken steckt ein Stück Wahrheit. Faber und Schröder denken weitaus komplexer als die meisten von uns.

 
     
     
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