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Ringier Schweiz bröckelt.

16. Juli 2007 um 10:10

Es gibt Interviews, die man lieber nicht hätte geben sollen. Die gefährlichsten Interviewgeber sind Journalisten ohne echte Management-Erfahrung. Ein solches Beispiel liefert brandheiss Daniel Pillard, der neue Verlagschef von Ringier Schweiz, der über sein Verlagshaus auf “Persönlich.com” aussagt:

- “In der herrschenden schwierigen Situation von Ringier helfe ich aber gerne aus.” Noch nie hat ein Mitglied des Ringier-Managements extern von einer “schwierigen Situation” gesprochen. Der neue Topmann will auch nur “aushelfen”. Ob das hilft?
- “Während sechs Monaten wurde in der Geschäftsleitungs-Sitzung kaum einmal über Inhalte gesprochen.” Genau so haben wir uns Ringier Schweiz vorgestellt; von medialen Inhalten hat dort niemand mehr eine Ahnung.
- “Der herrschende Zustand hat negative Auswirkungen auf die Mitarbeiter.” Genau das wollte jedermann hören, um bei Ringier intern wieder Sicherheit herzustellen.
- “Im September müssen Form und Inhalt des neuen ‘Blick’ stehen.” Das sind noch gut sechs Wochen. Mit dieser Aussage hat er sich den Strick um die Gurgel gelegt. Wird nicht geliefert – neue Redaktionsleitung, neue Inhalte – sieht es schwach aus.
- “Michael Ringier ist immer noch voller Ideen und Projekte.” Ja, genau das ist das Problem. Nicht er sollte voller neuer Ideen und Projekte sein, sondern seine gut bezahlten Mitarbeiter; die hat er aber während Jahren ausgegrenzt und oft verjagt.

Dieses Interview des neuen Ringier-Chefs Schweiz ist eine Bankrott-Erklärung. Wäre Ringier an der Börse, müssten die Aktien sofort sinken. Krisen im Redaktionsmanagement werden offen gelegt. Wenn dies Dritte tun, ist dies kein Problem; tut dies ein Insider, wird es heiss. Pillard sucht die Lösung für den “Blick”, übrigens wie Fulvio Pelli für die FDP, bei urbanen, jungen und weiblichen Schweizern. Wenn die beiden Herren mit diesem sehr ähnlichen Modell nur keinen Schiffbruch erleiden. Er will auch den “sozial angehauchten Boulevard” des “Blick” und “SoBli” weiterführen. Hat sich bei Ringier noch niemand gefragt, was “sozial angehaucht” eigentlich bedeutet? Dies bedeutet keine echte Haltung, sondern eine vorgetäuschte soziale Haltung.

Merke: Wenn alte Männer den Fortschritt suchen (oder den Sprung aus der Falle) suchen sie Schönes und Überraschendes, aber auf keinen Fall etwas, das sie aus dem Gleichgewicht bringen darf. Schlechte Zeiten für Ringier – und Springer wartet wie die Katze vor dem Mäuseloch.

6 Kommentare zu “Ringier Schweiz bröckelt.”

  1. Klaus

    Monsieur Pillard ist der einzige des Ringier-Top-Managments ,der einigermassen offen kommuniziert. In Klartext sagt er: Ich habe mich erbarmt und konnte nach 22 Jahren bei Ringier leider nicht nein sagen. Kurzum: Ringier Schweiz ist publizistisch am Rumpf.
    Die guten Leute gehen oder sind schon gegangen. Ein Medienhaus, das sich von ernstzunehmendem Journalismus mehr und mehr verabschiedet, kann zumindest in der deutschen Schweiz keine guten Leute mehr an sich binden – und muss sich die Nothelfer in der Romandie besorgen. Das ist wirklich eine Bankrotterklärung. Wer in dieser chaotischen Situation die Blick-Chefredakton freiwillig übernimmt, ist selber schuld. Das Gleiche gilt für den Sonntagsblick, ein Blatt, wo einem nach der “Neukonzeption” schon die Figer schmutzig werden, wenn man es in die Hand nimmt. Die Ringier-Wirtschaftsmedien werden kaum noch ernst genommen. “heute” ist eine juvenile Schülerzeitung, die bei der Werbung trotz allen Anbiederns kaum ankommt.Und der grosse On-Line-Innovator des Verlags, Thomas Trüb, der uns mit grossartigen Worten”eine Weltpremiere on line” versprochen”hat, setzte sich nach China ab, wo er die Abteilung “Pacific” verantwortet (ca. 4 % vom Gesamtumsatz). In so kurzer Zeit Ringier Schweiz herunterzuwirtschaften,ist schon eine grandiose Leistung.

  2. Chef vom Dienst

    Ich habe mich auch über die Freizügigkeit gewundert. Ringier hätte doch eigentlich eine verantwortliche Kommunikationsstelle für die Koordination solcher Auftritte. Und gerade ein Journalist müsste doch wissen, dass man Interviews gegenlesen darf und auch sollte.

    Ich bin aber sicher, dass es nicht wenigen Ringier-Mitarbeitern auch gut tut, wenn der Chef klar und deutlich und damit auch ehrlich sagt und zugibt, wies steht um den Laden.

  3. David Vonplon

    Zur Info: Daniel Pillard hat das Interview gegengelesen und in dieser Form autorisiert. David Vonplon “persoenlich.com”.

  4. Philippe

    Tja, das ist eben der Unterschied zwischen einem Journalisten und einem PR-Berater. Es sind die Feinheiten der Unternehmenskommunikation, die den Journalisten oft abgehen. Das Beispiel Pillard ist nur eines von vielen.

  5. Chef vom Dienst

    @David Vonplon

    Ja, er schon, aber der Kommunikationsverantwortliche wahrscheinlich nicht.

  6. Robert

    Mag sein, aber die Frage ist, ob diese Direktheit dem Haus Ringier eher nützt als schadet. Zumindest nach innen nützt es wohl eher. Da dürften jetzt auch andere mutiger werden, die bisher den Mund gehalten haben. Manchmal löst sowas ja eine heilsame Revolte aus. Mal sehen. Wenn Pillard offen sagt, sowohl der Geschäftsführer von Ringier Schweiz als auch der Zeitungschef seien “gefeuert worden” – und man müsse froh sein, dass der Zeitungschef wenigstens noch als Berater im Haus sei, nur er kenne alle Zahlen, muss das Tohuwabohu doch ziemlich gross sein.

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