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Tagesarchiv für 13. Juli 2007

Buchpreisbindung: Ein Flop für alle.

Freitag, den 13. Juli 2007 um 16:11

Die Freigabe der Buchpreisbindung, verfügt durch BR Pascal Couchepin, unterstützt von der Bärenstreichlerin Doris Leuthard, erweist sich allseits als Flop. Niemand möchte eigentlich den neuen Harry Potter verkaufen, denn der Buchhandel verdient daran nichts mehr; ganz im Gegensatz zu früheren Massenauflagen auch vergleichbarer Werke. Sie schenkten noch ein; heute ist das nicht mehr der Fall. Um dies auszugleichen, haben die Buchhändler erwartungsgemäss die Verkaufspreise für Nicht-Bestseller – ganz vorsichtig – leicht angehoben. Alle Nicht-Bestseller werden teurer. Was dies den Verlegern, den Distributoren oder den Buchhändlern bringen soll, ist mir rätselhaft. Ein Bundesrat, der im “Blick” unter seinem Namen Kulturaufsätze veröffentlichen lässt, hat unserer wirklichen Buchkultur nur geschadet. Das gilt auch für jene Aktionsangebote (Ex Libris, Orell Füssli), mit denen sich grössere Buchhandlungen billig einen Markt erkaufen wollen. Wie lange sie dies finanziell durchhalten, ist noch offen.

Wo darf man USD 282 Mio. in Cash stehlen?

Freitag, den 13. Juli 2007 um 16:10

Natürlich hat “Georgieboy” Bush im Irak alles unter Kontrolle. “Mission accomplished” können aber jene Bankräuber melden, die aus der Bagdader Privatbank Dar al Salam gerade – in Cash – USD 282 Mio. stahlen. Es war übrigens die bankeigene Sicherheitsmannschaft, die solches getan hat. Es wird sich bei uns schon jemand finden, der im Zeichen der globalen Solidarität dies wieder ausgleicht, ebenso wie unsere Hilfstätigkeit im Tsunami-geschädigten Sri Lanka Millionen Franken kostete, aber mehr Betrüger als Geschädigte damit förderte.

Mehr Verständnis für Mergers, bitte.

Freitag, den 13. Juli 2007 um 16:09

Wenn der französische Axa-Konzern oder die deutsche Allianz sich in der Schweiz einkaufen, wenn die Schweizer Versicherungskonzerne, wie Swiss Re oder “Zurich” global expandieren, ist dies einem Mann zu verdanken, der heute vielfach in Vergessenheit geraten ist: alt Staatssekretär Prof. Dr. Franz Blankart. Soeben las ich nochmals “Das Versicherungsabkommen Schweiz/EG” aus dem Jahr 1989, worin es heisst: “Das Ergebnis der Liberalisierung soll ausländischen Operateuren den Marktzugang im Sinne gleicher Marktopportunitäten ermöglichen.” Im Gegenzug wurden Fr. 18 Mia. an technischen Rückstellungs-Geldern von EG-Auflagen befreit, die damit besser investiert werden konnten. Damit begann der letzte Aufschwung der Schweizer Versicherungswirtschaft, aber auch die Zeit der Uebernahmen, die sich nun vollendet.

Prof. Dr. F. Malik bringt die Kybernetik zurück.

Freitag, den 13. Juli 2007 um 16:09

Unser bestbekannter Schweizer Management-Lehrer, Prof. Dr. Fredmund Malik, aus St. Gallen, ist produktiv mit der Gleichmässigkeit einer Schweizer Pendule. Er erzielt mit seinen Büchern (“Management ist ein Handwerk”) Spitzenauflagen. Seit langem schon hat er die vergessenen Gesetze der Kybernetik wieder in die Aktualität zurück geholt, denn die heutige Komplexität, der ein Management ausgesetzt ist, verlange deren Kenntnis wie Handhabung. Und? Malik wird in Kürze eine neue Buchreihe in sechs Bänden vorlegen, worin er die Fähigkeit des “Komplexität meistern” vermitteln wird. Er lehrt, in Krisen nicht Gleiches, wie früher, weiter zu tun, sondern empfiehlt den Sprung in Neuland. Das wird uns fordern.

Gisela Blau: Juden fehlt es an Toleranz.

Freitag, den 13. Juli 2007 um 16:08

Gisela Blau, eine Schweizer Journalistin der Spitzenklasse, schreibt im von mir heiss geliebten “tachles”: “Toleranz und die Bereitschaft zur Öffnung sind nicht gerade die herausragendsten Eigenschaften der jüdischen Gemeinde in der Schweiz.” Würde ich dies sagen, wäre ich des Rassismus’ verdächtig, so bleibt mir nur, Gisela Blau zu bestätigen. Da ich manchmal freiwillig jüdische Anlässe besuche, weil deren Literatur und Musik mich sehr anspricht, wundert es mich stets, wie wenige Nichtjuden dort vertreten sind. Umgekehrt werde ich staunend befragt: “Wieso kommen Sie zu uns?” Deshalb erlebe ich Juden in erster Linie als meist geschickte Geschäftsleute. Man sollte sich dann aber auch nicht wundern, wenn viele Schweizer ein latentes Misstrauen und sogar eine Abneigung gegen “das auserwählte Volk” haben. Die selbst gewählte Isolation schlägt zurück.

Junge Menschen verlassen Basel.

Freitag, den 13. Juli 2007 um 16:07

Nicht nur fahren jeden Vormittag zwei SBB-Zugkompositionen mit rund 2 500 Baslern nach Zürich zur Arbeit, immer mehr junge Basler verlassen die Stadt am Rheinknie ganz, um nach Zürich zu ziehen. Zürich gilt bei den jungen Baslern als jugendlicher und vielfältiger, wobei sie das benachbarte Winterthur als eine Art Zürcher Vorstadt gleich mit einbeziehen. Basel droht die gesellschaftliche Überalterung. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass viele junge Menschen bei den “chemischen” Arbeiten, denn sie haben wenig direkten Bezug zur Basler Alltagswirklichkeit.

Weniger Magazine in der Schweiz, mehr Schweizer Magazine in Afrika.

Freitag, den 13. Juli 2007 um 16:05

Seit es “Facts” und “Cash” nicht mehr gibt, ist das mediale Leben bei uns etwas ruhiger geworden. Es lässt sich leicht vorstellen, was Dirk Schütz in “Cash” aus der jüngsten UBS-Wuffli-Affäre gemacht hätte. Jetzt bleibt Marcel Opsel dies erspart. “Facts” ist noch unauffälliger verdampft; dessen meist hoch spekulativen Artikel neben anderen von enormer Bedeutungslosigkeit haben wirklich niemand beeindruckt. Jedoch, was sehen wir? Der Genfer Banquier Michel Juvet startet im September mit Unterstützung unserer Berner Regierung die Wochenzeitung “Les Afriques” für Afrika, aber auch für uns in der Schweiz. Didier Planche, ein bestens bekannter Westschweizer Journalist, kommt gleichzeitig mit dem Monatsmagazin “FinancEco en Afrique centrale” heraus. Was bedeutet dies? In Afrika, wo Inflation und Schulden langsam sinken, erwartet man demnächst einen Aufschwung. Die Börsen von Libreville, Douala und Abidjan sind bereits im Aufschwung.

Wichtige Infos kommen oft aus der Provinz: Goldach/SG.

Freitag, den 13. Juli 2007 um 15:25

Die Zürcher und Berner Politiker sind viel zu trainiert, um derlei offen zu sagen, was Jeannette Schlegel aus Goldach/SG von sich gibt. Sie ist SVP-Kantonsrätin und im Vorstand der SVP-Frauen Schweiz und sagt: “Besorgniserregend ist die Tendenz in den Westschweizer Kantonen, das Ausländerstimmrecht einzuführen. Die ausländische Mehrheit eines Gemeinderats oder einer Einbürgerungs-Kommission könnte so künftig über die Einbürgerung von Landsleuten entscheiden.” Ja, das ist des Pudels Kern. Wenn im Zeichen der Globalisierung intellektuell mittelprächtige und manchmal auch nur faule oder der Günstlingswirtschaft verfallene Ureinwohner in der freien Konkurrenz gegen Ausländer stehen, dann könnte das jetzige System der gegenseitigen Vorteilsnahme ernsthaft beschädigt werden. Intelligente SVP-Mitglieder, wie Bundesrat Dr. Christoph Blocher, haben dieses Problem natürlich nicht, aber in Goldach gilt es die Reihen zu schliessen.

Wieviel Salär verdienen wir wirklich?

Freitag, den 13. Juli 2007 um 14:19

Im Pays de Gex, das in Frankreich hinter dem Flughafen Cointrin liegt, können sich Franzosen den Aufenthalt nicht mehr leisten, weil sie bei einem dort durchaus realistischen Normaleinkommen von netto Euro 1400.— für einfache Zimmer eine Monatsmiete von mindestens Fr. 500.—bezahlen müssen. Die Mieten explodieren in diesem verlorenen Tal mit 60 000 Einwohnern, seit Schweizer aus dem Raum Genf zuzügeln, die dort wegen der Ueberhitzung des Marktes keine Wohnung mehr finden. Schweizer haben, im Unterschied zu den Franzosen, ein drei- bis viermal höheres Nettoeinkommen.

Wie also unsere Bergbevölkerung aus ihren Gemeinden durch reiche Ausländer vertrieben wird, die dort Wohnsitz nehmen, vertreiben “nos compatriotes romands” die ärmeren Franzosen aus ihren Stammgebieten.
Es geht weiter: Der Präsident des Textilverbandes Schweiz, Max R. Hungerbühler, auch CEO der renommierten Bischoff Textil AG in St. Gallen, sagt für seine Arbeitnehmer: “In Zeiten der Globalisierung kann die Lösung dieses Salärproblems nur in einer bescheidenen Erhöhung für alle, gekoppelt mit einer Einmalzahlung, bestehen.” Was lernen wir daraus?
- Die Globalisierung drückt tatsächlich die Einkommen der einheimischen Arbeitnehmer.
- Die damit verstärkte Nomadisierung grosser Teile der Weltbevölkerung löst Druck nach allen Seiten aus.
- Wir Schweizer (und Westeuropäer) verdienen in den Augen der Osteuropäer, Inder und grösster Teile der Weltbevölkerung insofern zuviel Geld, als wir dafür zu wenig leisten (z.B. Initiative für sechs Wochen Ferien).

Merke: Wir müssen unsere Leistung steigern. Jedermann muss lernen, um sein individuelles Einkommen zu kämpfen. Die Zeit der Geschenke geht zuende.

Zeitungsleser sterben aus – langsam.

Freitag, den 13. Juli 2007 um 14:19

Noch knapp die Hälfte aller 14- 29jährigen liest noch Zeitungen, vor zehn Jahren waren es noch mehr als die Hälfte. Es sind vor allem besser gebildete und eher vermögende junge Frauen, die das Bild der Leser optimieren. Sie nutzen auch das Internet zu 88%, suchen dort aber Nachrichten, Recherchen und andere zweckgebundene Inhalte. Keine Rede also von Chats etc.

 
     
     
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