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Monatsarchiv für Juli 2007

Oekumene: Kirchen- oder Klassenfeind?

Dienstag, den 31. Juli 2007 um 15:42

Die Katholiken waren auch in der Schweiz bis zur Reformation die herrschende Kaste. Die römischen Caesaren haben das katholische Christentum zuletzt gefördert, um damit ihre Macht und das römische Reich zu stabilisieren. Aus der Sklavenreligion war damit die Religion der Herrschenden geworden. Die Luthersche Reformation, dies sagen die Wissenschaftler heute, wurde begünstigt, weil sie eine billigere Religion war, ganz konkret in wirtschaftlicher Hinsicht. Die katholischen Christen mussten vor Luther Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen, vom Peterspfennig zu nicht reden, sehr teuer und oft an der Schmerzgrenze bezahlen. Die Geistlichkeit rührte keinen Finger mehr, wurde sie nicht in „cash“ honoriert. Luthers Kirche war deshalb die billigere Kirche, was manche Landesfürsten begrüssten, da sie alleine das Recht haben wollten, ihre Landeskinder auszurauben.
Die Zürcher Katholiken waren immer die weniger Bedeutenden im Kanton, die Ärmeren, die Zugewanderten. Erst mit den eingebürgerten Italienern, Spaniern, Portugiesen und jetzt Serben wurden die Katholiken im Kanton Zürich zur Mehrheit. Es ist nicht nur ein geistlich-philosophischer Konflikt, der beide Religionen trennt: Katholische Pfarrer im Kanton Zürich sind immer noch schlechter bezahlt als reformierte Geistliche; mit katholischen Steuern wird auch die reformierte Staatskirche finanziert.
Wirtschaftliche Gründe sind es auch, welche die Schismen in anderen Religionen begünstigt haben: Die Wahabiten kamen den aufsteigenden Saudis gerade recht, um ihre Herrschaft zu legitimieren. Der Hinduismus ist eine Religion der Herrschenden, die damit das Kastensystem legitimieren. Auch das sozialistische China führt jetzt wieder die alten Religionen ein, um dem Volk einen seelischen Halt zu geben.
Abt Martin Werlen in Einsiedeln hat soeben aufgerufen, „die Unterschiede als solche zu benennen und Defizite anzugehen“. Das könnte eine spannende Aufgabe werden.

Wer sichert die Stabilität des Landes?

Dienstag, den 31. Juli 2007 um 15:22

Es kann nicht angenommen werden, dass sich die politische Lage des Landes in den kommenden Jahren erheblich verändern wird. Die Sozialdemokraten sind eine neo-bürgerliche Partei geworden; das haben wir schon 1995 geschrieben. Sie verteidigt die bürgerlichen Werte der Verwaltungen aller Stufen und will dafür eine Gewinnbeteiligung an den Leistungen der Konzerne und anderer erfolgreicher Firmen in Form von beruflichem Aufstieg und politischen Einfluss. Das klappt besonders gut in Basel, wo die Konzerne zwei Drittel der Steuerleistungen erbringen, und in Zürich, wo die Banken, direkt und indirekt, die Hälfte aller Steuern bezahlen. Die Linke verlangt auch Gegenleistungen in Form von kulturellem Engagement und, um das Gesicht nicht zu verlieren, für soziale Leistungen. Dies ist nicht gegen die Interessen der grossen Wirtschaft, denn diese brauchen Kultur für Mitarbeiter und Kunden; sie braucht auch Sicherheit auf den Strassen, diese wird mit Sozialleistungen, die nicht zu teuer werden dürfen, erzielt.
Die Abstimmungen, an welcher regelmässig nur 20-40% der Bevölkerung teilnehmen (Franzosen und Türken bringen es auf über 80% Stimmbeteiligung), werden dominiert von älteren, besser ausgebildeten und wohlhabenderen Bürgerinnen und Bürgern, die zumeist verheiratet und Führungskräfte sind. Es sind also die wohlhabenden Schweizer, die verstehen, weshalb sie an die Urne müssen. Weil Geld konservativ macht, werden die Grünen und Grünliberalen geduldet, manchmal auch gefördert, denn die idyllische Umgebung, in welcher gerade dieser Teil der Bevölkerung wohnt, soll erhalten bleiben.

Merke: Es geht uns gut; wer dies ändern will, ist unser Feind.

Der multifunktionale Befreiungs-Witz

Dienstag, den 31. Juli 2007 um 14:00

Ob die bulgarischen Krankenschwestern die kleinen Libyer mit Aids angesteckt haben, wird man so wenig erfahren wie die Absturzursache unserer Rekruten an der Jungfrau. Mit dem bösen Obersten Ghaddafi will niemand zu tun haben, wohl aber mit dem Öl- und Gasreichen Regierungschef Ghaddafi, der die Krankenschwestern „aus humanitären Gründen“ freiliess. Damit bleiben sie für ihn schuldig. Das hinderte Nicolas I. Sarkozy nicht, seine egomanisch unterbeschäftigte Ehefrau Cécilia zu Ghaddafi zu senden, um die Befreiung der Bulgarinnen zu – ja was? – koordinieren. Lug und Trug. Der Deal wurde gemacht von EU-Aussenkommissarin Benita Ferrero-Waldner zusammen mit dem deutschen Aussenminister Frank-Walter Steinmeier. José-Manuel Barroso will natürlich auch mitgewirkt haben. In Wirklichkeit geht es um: Öl- und Gas, Rüstungs- und Nuklearlieferungen. Sarkozy selber will die EU im Mittelmeerraum endlich in Gang bringen. Nur wir Schweizer waren nicht dabei – und das war gut so.

Gut wohnt sich nur in Altwohnungen.

Dienstag, den 31. Juli 2007 um 7:12

Wer es sich in den Ballungszentren der Schweiz nicht leisten kann, eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus ab Fr. 1,5 Mio. zu bauen, wird meist nicht glücklich. Die modernen „Toskana-Wohnungen“ mit grossem Wohnzimmer und kleinen Schlafzimmern entsprechen nicht den Bedürfnissen einer Familie, sondern den Ansprüchen hedonistischer Performer und Konsum-Materialisten, die vorzeigen wollen, wie gut sie leben. Gut lebt sich nur in Altwohnungen aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts oder noch älteren Wohnungen oder Häusern aus dem 19. Jahrhundert. Da der Jahrgang 1980 meist keine Ahnung mehr hat, was gutes Wohnen heisst, fühlt er sich in diesen Luxuskäfigen glücklich. Der Mensch ist bekanntlich sehr anpassungsfähig.

Doris Leuthard, von Gott beschenkt

Montag, den 30. Juli 2007 um 15:28

Bekanntlich waren wir die ersten, die ein halbes Jahr vor ihrer Kandidatur laut und deutlich sagten: Doris Leuthard will Bundesrätin werden; sie tut dies mit Unterstützung aller Ringier-Redaktionen. Dies löste ein Wutgeheul ihrer Aargauer Freundinnen aus, welche dies lauthals dementierten. Es handelte sich dabei um nicht mehr als einen üblichen politischen Schachzug. Jetzt wissen wir auch, warum Doris Leuthard als Bundesrätin derart erfolgreich gestartet ist. Sie hat bisher gar nichts besonderes getan, ist aber offensichtlich dauerhaft von Gott beschenkt worden. Schon in ihrer Studentenverbindung trug sie den Übernamen „Charis“. Dieses Charisma, das bekanntlich nur von Gott geschenkt und nicht durch eigene Leistung erworben werden kann, ist es, das sie auszeichnet.

Merke: Sie darf die Zuneigung der Götter nicht verlieren, ob sie nun an der Dufourstrasse sitzen oder andernorts.

Küsnacht-Zürich: Vormarsch der „working poor“

Montag, den 30. Juli 2007 um 14:29

Die reichen Küsnachter unterstützen nicht nur die armen Winterthurer mit jährlich über Fr. 70 Mio. Sie haben auch im eigenen Dorf immer mehr „working poor“, was auf den ersten Blick viele zu überraschen vermag. Das reiche Dorf mit den 51 Armen, die arbeiten, aber davon nicht leben können, ist jedoch keine Ausnahme. Das noch reichere Basel zeigt bei einer Stadtwanderung auf den ersten Blick, dass dort viele Menschen in der Armutszone angesiedelt sind. Das gilt auch für Vevey in der Waadt, wo zwar einer unserer grössten Konzerne, Nestlé, sitzt, aber dennoch Arbeitslosigkeit wie Armut überdurchschnittlich sind. Les extrèmes se touchent.

Schweizer Städte, wo niemand hin will.

Montag, den 30. Juli 2007 um 13:31

Wo wollen ausländische Touristen unter keinen Umständen hin: Chur, St. Gallen, Biel und Winterthur. Dort sind die Logiernächte pro Einwohner am niedrigsten. Chur und St. Gallen sind klar unterschätzt, verkaufen sich auch schlecht. Biel hat es trotz „expo“ nicht geschafft, einen eigenen Stil zu entwickeln. Winterthur hat zwar vieles erreicht, ist aber eine Arbeiterstadt geblieben, die sich die Lippen schminkt.

Die vor dem Bundeshaus sitzt: Lea Schneller.

Montag, den 30. Juli 2007 um 9:44

Küsnacht am Zürisee hat eine 28jährige Jungfreisinnige, die sich jetzt schon als kommende Bundesrätin sieht: die Juristin Lea Schneller. Sie liess sich, vor dem Bundeshaus sitzend, fotografieren und demonstrierte damit – lächelnd – ihren Anspruch. Dies erinnert mich an Gerhard Schröder, der einmal an den Eisenpfählen des Kanzleramts in Bonn rüttelte und sagte: „Ich will hinein.“ Derartige Symbolik lässt sich später gut den Erben verkaufen.
Die Idee eines freisinnigen Zürcher Bundesrats ist so schlecht nicht. Wenn Christoph Blocher einmal zurücktritt, stehen die freisinnigen Kandidaten vor der Tür: Gutzwiller, Noser, Walti, Schneller. Das wird eine stürmische Auseinandersetzung.

Schönwetterflieger André Dosé ist zurück in der Heimat.

Freitag, den 27. Juli 2007 um 13:57

Nun ist er auch bei der Gulf Air abgestürzt, Schönwetterflieger André Dosé. Er war knapp vier Monate im Amt und wollte den Arabern beweisen, dass man operative Fehler verbessern kann. Die aber haben viel Geld, kennen das Wort „Fehler“ in ihrem Sprachschatz nicht, sondern haben von ihm nur Nachbesserungen verlangt. Dosé wollte aber seine „second chance“ wahrnehmen und beweisen, dass er die Gulf Air sicherer führt als die Swiss, die er gnadenlos groundete.

Merke: Die Araber denken nur an sich, wie André Dosé auch. Welcome home. Ich würde an seiner Stelle jetzt auf der Strasse bleiben.

Warum hebt Didier Cuche die Faust?

Freitag, den 27. Juli 2007 um 12:55

Es war einmal ein US-Sprinter, der gegen den Vietnamkrieg und für die Befreiung der schwarzen Amerikaner von weisser Vorherrschaft bei der olympischen Auszeichnung die geballte Faust hob: Er wurde dann jahrelang boykottiert. Jetzt sehe ich Didier Cuche, den derzeit besten Schweizer Abfahrer, wie er mit gleich geballter Faust etwas mitteilt. Was wohl? Sieg? Wenn ja, Sieg für wen? Für die Vietnamesen oder die Schwarzen oder nur für ihn? Es ist merkwürdig, wie die Symbole im Lauf der Zeit ihre Inhalte variieren.

 
     
     
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