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Monatsarchiv für Juni 2007

Die Berner Beamtenflucht – ein Skandal.

Freitag, den 29. Juni 2007 um 7:22

Normale Beamte mögen mich wenig, denn ich halte sie seit langem für faul, eingebildet und zu gut bezahlt. Zu meiner Meinung, die unverrückbar ist, bin ich gekommen durch Beobachtungen im Bundeshaus und einer Reihe von Kantons- wie städtischen Verwaltungen. Der ehemalige SP-Personalchef der Bundesverwaltung sagte selbst einmal: “Wenn ein Drittel aller Beamten in Bern gehen, merkt man gar nichts.” Jetzt gehen 2 300 Berner Beamte vorzeitig, weil sie ihre (zu) hohen Pensionen kassieren möchten, und das ohne Einschränkung, wie das Gesetz es neuerdings verlangt. Dies ist ein Skandal, weil sie einerseits dem Staat gegenüber zu besonderer Treue verpflichtet sind, was diesen 2 300 egal ist, und anderseits geben sie dem Bürger ein Beispiel übergrossen Egoismus’. Natürlich sind einige darunter, die sich unserem Staat wirklich verpflichtet fühlen. Sie gründen mit Fr. 20 000 eine GmbH und stellen sich – mit voller Pension – dem Staat als Berater – gegen Rechnung – wieder zur Verfügung.

Merke: Moralisch nähern wir uns dem Nullpunkt.

Was Stalin recht war, ist Fillon lieb.

Freitag, den 29. Juni 2007 um 7:20

Francois Fillon, neuer frz. Premierminister, bediente sich gleich bei Amtsantritt einer Kommunikationstechnik, für welche schon “Väterchen” Stalin berüchtigt war : Er liess von offiziellen Fotos unliebe Personen verschwinden, wegretuschieren. Dieser Stil “à la mode soviétique”, weil ein Parlamentarier aus Frankreichs Norden, der heftig gegen Frankreichs Homosexuelle argumentiert hatte, nicht legitimiert werden sollte, kann Schule machen.

Merke: Wir sind in dieser Angelegenheit vorsichtiger. Wer nicht passt, wird nicht geladen.

“New Europe” ist eine Tatsache.

Freitag, den 29. Juni 2007 um 7:18

Unsere Politiker und Unternehmer fühlen sich ganz frisch, aber die US-Administration lässt nicht nach: Für sie bleiben wir “Old Europe”, während die Länder Osteuropas unter “New Europe” figurieren. So stellen die Amerikaner gerade fest, dass sie – ganz aktuell – von den “New Europeans” weiterhin eher geliebt werden. Dies beschränkt sich aber, blickt man genauer hin, auf die Polen und Weissrussen. Wir “Old Europeans”, vor allem die Schweizer und die Deutschen, halten die US-Amerikaner gemäss amerikanischen Umfragen eher für unglaubwürdig, soweit es sich um die Regierung handelt. Nur die Afrikaner lieben die Amerikaner wirklich, wahrscheinlich, weil wir Europäer sie stets enttäuschen und die Chinesen solches noch nicht beweisen konnten. Merke: Nicht wir, sondern die USA, setzen heute die Begriffe. Who is going to change this?

Bezahlter Naturschutz bringt nichts.

Freitag, den 29. Juni 2007 um 7:18

Sechs Jahre wurden mit Steuergeldern Bauern im Zürcher Oberland finanziert, die eine naturnahe Landwirtschaft gestalten wollten. Sie haben dies auch geschafft, müssen jedoch aufgeben, weil der Staat nicht auf alle Zeiten die Hobbies einzelner Landwirte finanzieren kann, mögen sie es auch noch sie gut meinen. Merke: Bezahlter Naturschutz bringt auf Dauer nichts. Wir müssen die Natur auch ohne Zusatzsubventionen schützen. Merke: Die grössten Naturzerstörer in unserem Land waren immer schon die Bauern, die mit ihrer industriellen Landwirtschaft der Umwelt mehr schadeten als die Autofahrer.

Lan Lan und die Folgen.

Freitag, den 29. Juni 2007 um 7:17

Hinter dem erfolgreichen chinesischen Pianisten Lan Lan stehen 20 Millionen Chinesen, die derzeit Europas Klavierklassiker ernsthaft üben. Wie viele Chopins werden wohl darunter sein? Unser ständiger Vorwurf, die Asiaten seien mehr zur Repetition als der kreativen Neuerung fähig, wird wohl bald nicht mehr haltbar sein. An der weltberühmten Piano Akademie am Comer See meint William G. Naboré: “Europäer wollen nicht mehr acht Stunden am Tag üben.” Niemand will den Ernst der Lage begreifen: Unsere erfolgreichsten Unternehmen lagern seit langem ins Ausland aus, weil unsere Staaten zu teuer und die Menschen weniger motiviert produzieren. Unsere Wohlstandszonen, die wir selber schaffen, werden kleiner. Der Wohlstand kommt immer mehr von aussen in unser Land herein.

Sind wir oder sind wir nicht – in der EU?

Freitag, den 29. Juni 2007 um 7:16

Jetzt sagt auch Pascal Couchepin, was hier schon lange zu lesen ist: “Eines morgens werden wir aufwachen und uns in der EU befinden.” Was Couchepin nie sagen wird, aber ich mir herausnehme: Es wird Christoph Blocher sein, der diese Mitteilung machen und dann für den EU-Beitritt weibeln wird. Denn es ist nicht die Frage, ob wir EU-Mitglied sind oder nicht, sondern richtig ist die Frage wie folgt zu stellen: In welchen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen, juristischen und kulturellen Bereichen sind wir zu wie viel Prozent EU-integriert? Diese Rechnung aufzustellen hat noch niemand gewagt.

Basel ist rätselhaft

Freitag, den 29. Juni 2007 um 7:15

Wer durch Basels Zentrum spaziert, kann sich nur wundern. Einige Häuser und Geschäfte sehen wie Ruinen aus; die Menschen sind auch deutlich ärmer als die Zürcher. Nur in Bern und Genf sieht man ähnlich IV-verdächtige Gestalten, die sich am Rande des Existenzminimums bewegen, in den Innenstädten. Basel hat aber auch die üblichen Gucci- und Max Mara-Boutiquen, die heute in einer reichen Stadt nicht fehlen dürfen. Was geht hier vor? Kernbasler bestätigen, dass die Kaufkraft der Basler Innenstadt laufend absinkt. Basel hat zwar die bestverdienenden Supermanager (Vasella, Ospel und Humer), aber gleichzeitig einen stagnierenden Mittelstand, der vorzugsweise in Frankreich und Deutschland einkauft. Im Grossen Rat sitzen zu viele Politiker, die von der Verwaltung abhängig sind. Diese rotgrüne Allianz hat sich mit den Konzernen arrangiert; die Leidtragenden sind die KMU und die einfachen Stadtbewohner. Das sieht man Basel an.

Stapi Ledergerber ist besorgt: Deutsche Besatzer in Kloten.

Freitag, den 29. Juni 2007 um 7:15

Kollege Alex Tschäppät, Stadtpräsident von Bern, ist politisch bereits im Tiefflug, will aber nochmals für vier Jahre kandidieren. Seine wichtigen Dossiers kleben fest, das Verkehrschaos auf dem Berner Bahnhofplatz ist grösser als erwartet. Nicht deshalb ist Elmar Ledergerber, Stapi von Zürich besorgt. Mit dem Zürcher Schauspielhaus hat er sich total im Dickicht der Interessen verfahren und fühlt sich von seinem heftig umworbenen deutschen Kultintendanten betrogen. Jetzt sucht er durch vorsichtiges Rückwärtsfahren die Gefahrenzone zu verlassen. Kulturchef Hoby, ein begnadeter Taktiker, hält sich ganz ruhig, denn bei diesem Dossier kann niemand gewinnen. Ganz gefährlich wird für Zürichs Stapi aber das Flughafen-Dossier. Die deutschen Flughafenbesatzer in Kloten. Lufthansa und Air Berlin, melden ungeniert ihre Hausherren-Rechte an und fordern absolut freien Flugverkehr. Sehr konsequent agieren einige Südgemeinden, die sich vom recht eingeschlafenen Fluglärmforum Süd distanzieren, das Verhandlungen mit dem Aargau sucht. Die wirklichen Vertreter des lärmgeplagten Volks im Süden sehen auch im gekröpften Nordanflug keine gute Lösung, bleiben die frühen Morgenstunden und die Wochenenden doch weiterhin gestört. Seit Jahren lobt er Zürich als “attraktivste Stadt der Welt”. Wird der Fluglärm um die Stadt nicht entscheidend verringert (oder würde er sogar noch zunehmen, wie Lufthansa und Flughafendirektion wünschen), dann würde dies Zürich gewaltig schaden. Noch niemand hat es gewagt, die Kosten dieser Imageverluste zu errechnen. Mancher reibt sich aber heimlich vor Freude die Hände: Wird Zürich weniger attraktiv, rechnen andere Regionen mit Zulauf. Dies ist wahrscheinlich der Grund, weshalb Elmar Ledergerber sich in dieser Frage immer deutlicher zu Wort meldet. Er will nicht derjenige sein, dem Zürichs Erfolg zum Opfer fällt. Die Kantonsregierung, vor allem Rita Fuhrer, schweigt in vielen Worten. Sie ist zuerst der Wirtschaft verpflichtet, die auf mehr Spielraum am Flughafen drängt.

Echte Hoteliers haben wir nur noch wenige.

Freitag, den 29. Juni 2007 um 7:14

Wenn jeder dritte Gastro-Mitarbeiter nach der Lehre die Branche verlassen möchte, wirft dies ein schlechtes Licht auf unsere Hoteliers und Gastronomen. Da ich deren Leistungen seit Jahrzehnten gut kenne, kann ich nur bestätigen, dass in dieser Branche die Führungskompetenz der Chefs meist eine Katastrophe ist. Sie weichen daher aus auf billige ausländische Mitarbeiter, die keinen Widerspruch wagen. Es sind die Ausnahmehoteliers und Gastronomen, die auch ihre Mitarbeiter anständig behandeln und weiterbilden. Einer davon ist Beat Anthamatten in Saas Fee, in dessen 5 Sterne-Ferienart Resort & Spa im Ortskern von Saas Fee ich wirklich viele freundliche und sogar vergnügte Mitarbeiter getroffen habe. Dort macht das Gastsein Spass.

Niklaus Schneider-Ammann auf Kriegszug

Donnerstag, den 28. Juni 2007 um 16:14

Zuerst hat er die 1. August-Feier auf der Rütli-Wiese gerettet. Nun macht sich Niklaus Schneider-Ammann auf den Weg, der Schweizer Industrie ein neues, mutigeres Profil als bisher zu geben. Swissmem-Direktor Hans-Ulrich Bigler hat dazu ein “Industrie Manifesto” verfasst, dessen sprachlich ungewohnter Titel die Spannung zeigt, unter welcher der Spitzenverband der Schweizer Wirtschaft steht. Vor über 1400 meist prominenten Gästen aus dem In- und Ausland bedauerte Swissmem-Präsident Schneider-Ammann, offensiv wie immer, die Nichtanwesenheit der führenden Schweizer Bankiers. Ganz offensichtlich ist der Krieg zwischen den Schweizer Banken und der Schweizer Industrie noch nicht zuende. Der Präsenzstreik wichtiger Schweizer Bankiers wurde ausgeglichen durch den gewohnt souveränen Auftritt von “Joe” Ackermann, der zum Dank dafür als “führendster Schweizer Bankier im Ausland” bezeichnet wurde. Schneider-Ammanns Landsgemeinde, die unter dem Titel “Swissness” ausgerichtet wurde, fand bei den Teilnehmern grossen Anklang. Dazu trug auch der deutsche Bischof Dr. Wolfgang Huber bei, der die Schweizer belehrte “Gewinn entsteht durch die Kunst des Verzichts”. Jeder Bankier hätte an dieser Stelle laut lachen müssen, aber die Industriellen verstanden die Botschaft. Wer am frühen Abend den Anlass verliess, fand sein Auto manchmal abgeschleppt, denn die Zürcher Polizei kennt keine Gnade und keinen Heimatschutz. The fighting goes on.

 
     
     
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