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Tagesarchiv für 25. Juni 2007

Sascha W.: Gefahr für die Regionalzeitungen.

Montag, den 25. Juni 2007 um 14:47

Er ist ein cooler Typ, der keine Gnade gibt, ganz Gringo in Mexiko (“mechico” auszusprechen). Zuerst wurde Sascha Wigdorowits von Kari Lüönd entdeckt, der ihn vom “Landbote” zur “Züri Woche” holte. Dann floh der flotte Sascha zum “Tagi”, wo Peter Studer ihm einen Korrespondentenjob in den USA versprach (Studers Versprechungen, na ja, nicht immer etwas wert). Deshalb floh er weiter zur “SonntagsZeitung”, die ihn prompt in die USA sandte, obwohl sie dort gar keinen Korrespondenten brauchte. Als Chefredaktor des “Blick” hielt es ihn nur ein Jahr, dann musste er ein wenig Luft holen. Ich holte ihn aus der toten Ecke und machte ihn zum Chef von “20 Minuten”. Ein anderer kam für mich nicht infrage, denn die Norweger bezahlten mich für den Erfolg des Gratisanzeigers. Jetzt greift Sascha, er will endlich Geld verdienen, denn Mitte 50 wird die Zeit knapp, die Regionalredaktionen mit “.ch” an; andere “freaks”, wie Andy Rihs, finanzieren ihn.

Merke: Wir leben wieder in der Zeit des Wilden Westens. Sascha kann nicht danke sagen; er ist gewohnt, sich den Weg freizuschiessen. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, entweder überlebt er als erfolgreicher Haudegen oder er stirbt verarmt. Warten wir’s ab.

Noch ein Wort zu den Regionalzeitungen, die keine gemeinsame Strategie haben, sondern einzeln auf den Abschuss warten. “Der Bund” hat nur noch eine begrenzte Laufzeit, denn Chefredaktor Arthur K. Vogel spart auf Teufel komm raus. Der “Tagi” wird wohl die “Berner Zeitung” wieder mit einem Mantelaufrüsten und demnächst auch den “Walliser Bote” übernehmen. Die “NZZ” (FPH Holding) hat keine Regionalzeitungs-Strategie, sondern jeder Chefredaktor kann tun und lassen, was er will. Die Gratiszeitungen werden von unten her angreifen und sie alle, eine nach der anderen, aufreiben. Der “Bannwald der Demokratie” wird durch den “Bannwald der Marktwirtschaft” abgelöst.

Von Ai Weiwei zu O weiowei.

Montag, den 25. Juni 2007 um 14:14

Als Ai Weiwei die Schweiz besuchte, traf ich ihn das erste Mal: Ein untersetzter Chinese, sehr handfest, eine Art chinesischer Hodler. Jetzt erst beginne ich, ihn zu bewundern, bringt er doch 1001 (“Tausend und eine Nacht?”) Festlandchinesen an die Documenta nach Kassel und lässt sie einfach durch Deutschland laufen. Wer zahlt das? Hat er drei Grossraum-Flugzeuge gemietet? Ai Weiwei passt in die globale Landschaft, sagt er doch: “Ich verlasse mich ungern auf den Staat.” Und “Viele Grenzen existieren heute nur noch in unserer Vorstellung.” Damit ist er Liebkind bei allen Konzernen, die Grenzen nur dann mögen, wenn Steuervorteile damit verbunden sind. O weiowei, haben wir viel von ihm zu lernen.

Wir haben ein Weltwunder: Nicolas G. Hayek.

Montag, den 25. Juni 2007 um 12:10

Ernst Thomke ist immer schlechter Laune, wenn ich Nicolas G. Hayek lobe. Jedoch, Thomke bleibt ein ex-Arzt und talentierter Unternehmer auf KMU-Ebene; Hayek ist ein Weltwunder. Der 79jährige amüsiert sich, wo andere krampfen. Er investiert gerade in seine Breguet Fr. 150 Mio, wird uns aber nie sagen, ob sich dies einmal lohnen wird. Mag sein, dass er mit 90 Jahren noch erfolgreich ist, zumal die tägliche Schwimmstunde ihn fit hält, aber eine Ausnahmeerscheinung ist der Ehrenbürger des Kantons Bern auf alle Fälle. Weitere Ehren haben wir nicht zu vergeben, denn Schriftsteller will er nicht werden.
Wenn wir schon bei alten Unternehmen sind: Winterthur hat gleich zwei davon, die aus dem Rahmen fallen. Bruno Stefanini, 83, vernachlässigt seine Immobilien, die er nicht renoviert, und zeigt dafür seine Kunstsammlung. Sein Nachbar Röbi Heuberger, 85, investiert immer noch in gut erhaltene Immobilien, hat dafür aber weniger Kunst.

Merke: Unternehmer sind erratisch, besonders die alten.

Waren “Cash” und “Facts” notwendig?

Montag, den 25. Juni 2007 um 10:15

Wir dürfen uns in Kürze von ihnen verabschieden: “Cash” und “Facts” waren Kinder des Hype der 90er Jahre. Mit dem Niedergang der nur national ausgerichteten Wirtschaft, an deren Stelle heute die Globalwirtschaft steht, braucht es beide nicht mehr. “Facts” war nie eine notwendige Publikation, eher hysterisch in der Textformulierung. Vor zehn Jahren hat “Facts” einmal geschrieben “Stöhlker ist tot”; nun ist “Facts” vor mir gestorben. “Cash” war eher besser gemacht, hatte aber unter dem deutschen Chefredaktor Dirk Schütz eine kapitalkritische Linie eingeschlagen, die sicher zu seinem Untergang mit beigetragen hat. Man kann von den gut verdienenden Schweizer Supermanagern nicht eine Reduktion der Saläre und gleichzeitig ihre Inserate verlangen. Kurz, wir brauchen kein Schweizer Wochenmagazin mehr. Die wirklich wichtigen Dinge spielen sich in den Konzernen auf globaler Ebene ab; dazu haben Schweizer Journalisten keinen Zugang. “FTI” und “WSJ” sind bessere Informationsquellen und zeitgemässer. “La Suisse profonde” sinkt ab zu einem Drittklass-Journalismus der Gratisanzeiger. Wir sind Vorort geworden; das wichtige spielt sich andernorts ab.

Seldwyla II: Der Nationalrat spinnt.

Montag, den 25. Juni 2007 um 9:29

Bei Orell Füssli habe ich unlängst ein Buch herausgebracht “Adieu la Suisse – Good Morning Switzerland”, in welchem aufgezeigt wird, wer künftig zu den Verlierern und wer zu den Gewinnern im Land zählen wird. Der Entscheid des Nationalrats, dem Französischen in der Deutschen Schweiz den Vorzug zu geben vor dem Englischen, macht den Nationalrat in corpore zum Verlierer. Es gibt eine retardierende Schweiz, die am liebsten Wilhelm Tell in den Bundesrat wählen würde, und es gibt eine reale Schweiz, die mit ihren Englischkenntnissen jenes Geld verdient, das die “alte Schweiz” konsumiert. Die St. Galler und die Zürcher lassen sich von ihrem richtigen Weg – english first – nicht abbringen. Das ist die wirkliche Solidarität, denn sie sichert unsere Zukunftsfähigkeit.

Brauchen Zürcher eine eigene Bibel?

Montag, den 25. Juni 2007 um 8:29

In den reformierten Zürcher Kirchen sitzen bald mehr Ausländer als echte Zürcher in den Bänken; dies gilt auch für die Zürcher Katholiken. Jedoch, die Zürcher Reformierten leisten sich eine eigene Bibelversion, die echter sein soll als die neun anderen Bibelversionen. Dies nenne ich echten Luxus. Ob er wirklich Sinn macht oder nur ein Beharren auf alten Gewohnheiten ist, ist eine andere Frage.

Wer Start-ups fördert, hilft Ausländern.

Montag, den 25. Juni 2007 um 7:45

Die Uni St. Gallen lässt wissen: Wer Start-ups fördert, hilft vor allem Ausländern in der Schweiz. Jede dritte Firma, die in der Schweiz gegründet wird, liegt in den Händen eines Ausländers. Bei den Tech-Firmen sind es sogar 40% Ausländer, die dort die Nase vorn haben. Dies ist wie bei der Kinderförderung: Mehr Geld für den Nachwuchs, den die Schweizer Frauen nicht mehr produzieren, heisst mehr Geld für Osteuropäer, Türken und Afrikaner. Die Schweiz wird hybrid und damit wettbewerbsfähiger.

 
     
     
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