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Monatsarchiv für Juni 2007

Monolog statt Dialog.

Freitag, den 29. Juni 2007 um 16:05

Auch Du, Thomas Hürlimann. In der jüngsten Aufführung des „Einsiedler Welttheaters“ bekennst Du Dich zum Mythos und der Religion. Es wird nicht mehr dialogisiert, sondern Monologe vereinsamter Menschen, die durch die zerstörte Welt irren, verstören die Zuschauer. Damit stehst Du ganz nahe bei Bundesrat Dr. Christoph Blocher, der sich von Michael Ackeret feiern lässt mit der Aussage: „Untergebenen gebe ich Weisungen und diskutiere diese nicht“. Keine Sorge, das „Welttheater“ ist gut gebucht und Ackeret’s „Blocher Prinzip“ soll sich auch gut verkaufen. Abt Martin wird beiden den Segen geben, denn das Gute gibt es nur im Jenseits.

Von chocolat zu cocholat.

Freitag, den 29. Juni 2007 um 15:15

Die EU erlaubt bereits, unserer industriellen Schokolade Kunstmittel im Umfang von bis zu 5% beizumischen. Diese schmecken fast wie Schokolade, sind aber keine und werden daher in Frankreich schon „cocholat“ genannt, ein einigermassen sinniger Begriff. Bei der FDA sind jetzt auch Bemühungen im Gange, die „cocholat“ weltweit zu erlauben: Künftig wird „farm-fresh“ heissen, was gentechnisch verändert, wird „home-baked“ heissen, was chemisch aufbereitet wurde. Wir können nur hoffen, dass Barry Callebaut und Nestlé sich hier einigermassen ethisch verhalten. Wer wettet darauf?

Schwache Regierung – starke Private.

Freitag, den 29. Juni 2007 um 14:45

Als Peter Brabeck-Letmathé in der Schweiz-Ausgabe des „Spiegel“ unser Land wegen seiner „schwachen Regierung“ lobte, wusste er – wieder einmal – nicht, was er tat. Immerhin ist er bescheiden: Mit knapp 9 Mio. Euro Jahreseinkommen liegt er weit hinter unseren Bankchefs zurück. Nestlé zahlte seinen KL-Mitgliedern im letzten Jahr total Euro 28,5 Mio. Die GD’s der CS Group erhielten total 96,2 Mio. Euro, die der UBS stattliche 155 Mio. Euro Entschädigng. Damit erzielen die Schweizer Konzernchefs mit Abstand die höchsten Jahreseinkommen in ganz Europa. Immerhin wird im „Spiegel“ auch gelobt, die Schweizer Arbeitskräfte seien ganz besonders fleissig und zuverlässig.

Kloten: Flughafenausbau-Gegner im Tiefschlaf.

Freitag, den 29. Juni 2007 um 14:34

Weil ich jeden Tag um 06.02 Uhr vom ersten Flugzeug aus dem Süden geweckt werde, habe ich viel Zeit gewonnen, um über den Flughafen Kloten nachzudenken, der jetzt fest in deutscher Hand ist, während wir Schweizer den Lärm und den Dreck, als dessen Abfallprodukte, ertragen müssen. Die Flughafenausbau-Gegner sind dagegen in den politischen Tiefschlaf gefallen, was auch gar nicht erstaunlich ist, denn der Grundentscheid ist längst klar: Kloten muss zum Vorteil der Exportwirtschaft und des Tourismus ausgebaut werden, denn die Globalisierung der Schweiz erfordert einen voll funktionsfähigen und uneingeschränkter als bisher nutzbaren Airport. Wer nun behauptet, mit Koordinationssitzungen zwischen den betroffenen Kantonen, Verhandlungen mit Josef Felder und dessen Oberen, mit Briefen und Leserbriefen an die Adressen von Regierungs- und Kantonsräten, liesse sich dies ändern, liegt falsch. Weil die Schweiz von der Globalisierung überproportional profitiert, braucht sie genau diesen Flughafen. Wer ihn abschnüren will, bringt unsere Wirtschaft in Atemnot. Die wachsende Zahl von Privatfliegern, die sich zum Wochenende hin diesem Chaos entzieht, trifft eine rationale Entscheidung: Wer Lärm und Dreck nicht erträgt, soll sich eine ruhige Zone suchen. Wenn jetzt die im Süden betroffenen 200 000 Menschen diesem Beispiel folgen, muss die nächste Ausbaustufe in Kloten sofort angegangen werden.

Höflich oder entschlusskräftig?

Freitag, den 29. Juni 2007 um 13:43

Deutsche gelten in der Schweiz als aggressiv, weil sie weniger höflich, dafür aber entschlusskräftiger sind. Das gilt als „stürmihaft“ und manchmal unpassend. Es würde uns Schweizern jedoch gut tun, nicht jedermann für eine schwache Leistung höflich zu danken, sondern zu sagen „Diesen Mist akzeptiere ich nicht mehr“. Wir wären dann wesentlich erfolgreicher und müssten nicht ausländischen Führungskräften Platz machen, die unter einem Schweizer VRP die notwendige Drecksarbeit erledigen.

Kirschen: Verboten und geliebt.

Freitag, den 29. Juni 2007 um 11:22

Die katholische Kirche, die schon manche Merkwürdigkeit verlangte und deckte, hatte einst die Kirsche auf den Index gesetzt, weil diese Frucht zur Sinneslust anstachle. Die aus dem kleinasiatischen Kerasos stammende Kirsche ist heute nicht mehr klerikal gebannt, wozu auch?, sondern erfreut uns als Edelfrucht, vom echten „Kirsch“ nicht zu sprechen. Derzeit kommen auch die Walliser Aprikosen auf den Markt, die wesentlich leckerer sind als die EU-Standardfrüchte aus Südspanien.
Wie komme ich, ein ernsthafter Mensch, auf Kirschen? Auf meinen historischen Exkursionen durch die Schweiz gelang es mir unlängst, im Fricktal halt zu machen, wo die Kirsche ein wichtiges Produkt ist. Im alten Gerichtssaal in Laufenburg stach mir allerdings ins Auge, dass dort immer noch unter dem Portrait von Maria Theresia prozessiert wird, wo auch ihr Sohn, der „Klappsarg-Peppi“ noch zu bewundern ist. Wer nicht weiss, wie dieser zu seinem Übernamen kam, darf mich fragen.

Saubere Schweiz nicht ohne Risiken

Freitag, den 29. Juni 2007 um 11:01

Während es um die Bären und Wölfe in unseren Alpen wieder stiller geworden ist, was aber wohl kaum auf Dauer so bleiben wird, machen neue Angreifer die Schafzüchter nervös: Aas fressende Vögel, wie Raben, stürzen sich neuerdings auf die Schafe. Die Bauern meinen, es gebe vielerorts zu wenig Aas, weil dies sofort abgeräumt werden müsse, sodass die Vögel auf andere Nahrungsquellen ausweichen müssen.

Merke: Etwas Schmutz tut der Gesundheit gut, das wussten wir früher noch.

Pharma und Banken: Keine Geschenke mehr.

Freitag, den 29. Juni 2007 um 10:23

Die Pharmafirmen, einst grosszügige Gastgeber der Ärzte, mussten ihre Praxis in vielen Ländern, auch in der Schweiz, einschränken, weil die Aufsichtsbehörden die Praxis von Arbeitsferien im Piemont oder Ausflügen nach San Antonio massiv einschränkte. Jetzt hat es auch die UBS in Massachusetts getroffen: Sie ist angeklagt, Hedge Fund-Manager zu sehr verwöhnt zu haben mit tiefen Büromieten, günstigen Darlehen oder teuren Ausflügen zu Baselball-Spielen. Die Welt wird langweiliger.

Sanfter Schweizer Rassismus

Freitag, den 29. Juni 2007 um 9:14

Offener Rassismus ist erstaunlich oft in unserem Land anzutreffen; solche Dummheiten, die sich nicht nur auf einfache Menschen beschränken, sind wahrscheinlich unvermeidlich und auch in anderen Staaten anzutreffen. Viel gefährlicher ist der „sanfte Rassismus“, dem man als aufmerksamer Beobachter häufig begegnet. Wie funktioniert dies? Zwei Beispiele:

– Den in der Schweiz aufgewachsenen kroatischen und serbischen Fussballspielern der Nationalmannschaft wirft man nun vor, sie hätten sich gegen die Schweiz und für ihre Heimatstaaten entschieden. Vorwurfsvoll wird gesagt, man sei ja so hilfreich für sie gewesen. Das ist nur die halbe Wahrheit. Ich habe bei vielen ex-Jugoslawen eine tiefe Verbitterung festgestellt, wie sie in der Schweiz betrachtet und behandelt werden. Dass sie sich dann im Ernstfall nicht für unser Land entscheiden, ist nur logisch.
– Eine Studentin aus Kolumbien, die sich an der Uni Zürich ernsthaft auf ihre erste Schweizer Prüfung vorbereitet hatte, verliess sich auf das Wort ihres Professors, sie könne studieren und die Prüfung ablegen. Weil sie die Schweizer Sitten nicht kannte und eine Anmeldung auf einer Website versäumte, wurde sie dann zur Prüfung, die sie spielend bestanden hätte, nicht zugelassen.

Im Gegensatz dazu: Bewähren sich Ausländer, sei es im Sport oder in anderen Tätigkeiten, wie Mark Forster, der „Schweizer“ Starregisseur, der eigentlich ein Deutscher ist, findet die mentale Einbürgerung sofort statt, ob der Betroffene will oder nicht.

Daraus ist zu lernen: Man gibt Ausländern weniger Spielraum als Schweizern. Sie unterliegen einer härteren Aufsicht und Beurteilung als eingeborene Eidgenossen. Ex-Jugos und andere Osteuropäer, Afrikaner und Lateinamerikaner leiden darunter besonders. Der sich liberal gebende „Tagi“ nennt den Fussballer-Entscheid sogar „Die Rache der Jugos“. Das nenne ich „sanften Rassismus“, der so sanft gar nicht ist.

Neue italienische Sitten

Freitag, den 29. Juni 2007 um 7:42

Mein jüngster Italienaufenthalt brachte Klarheit: Die italienischen Händler werden seriöser. Als ich einen schicken Laden nach einem Einkauf verliess, drückten mir die Verkäufer die Quittung in die Einkaufstasche, obwohl ich früher nie eine Quittung mitgenommen habe. Als ich sagte, ich brauche sie nicht, wurde gestenreich erklärt, ich müsse sie mindestens für die nächsten hundert Meter mitnehmen. Des Rätsels Lösung: Die italienische Finanzpolizei kontrolliert, ob ihre Ladenbesitzer schwarz, ohne Quittung, verkaufen. Als grösste Steuerhinterzieher gelten Schönheitssalons, Nachtclubs und Juwelen- wie Uhrengeschäfte. Ich warf meine Quittung dann hundert Meter weiter weg.

Lustiger sind nur die Amerikaner. Dort warten seit kurzem „Verkaufsberater“ in den Shops, die den Einkauf beschleunigen sollen. Es soll vermieden werden, dass man gesuchte Waren nicht findet oder untätig die Einkaufswege verstopft.

 
     
     
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