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Monatsarchiv für April 2007

Adieu Affichage, gratuliere Christian Kauter.

Mittwoch, den 25. April 2007 um 10:06

Christian Kauter hat während vieler Jahre als CEO einen glänzenden Job gemacht. Deshalb ist JC Decaux seit langem mit 30% eingestiegen; jetzt gefolgt vom berühmten belgischen exkommunistischen Investor Albert Frère, der 25,3% erworben hat. Jetzt ist Affichage definitiv in ausländischen Händen. Die relativ kleine Affichage, Älteren als APG bekannt, hat dies offen deklariert. Weniger bekannt ist bei anderen grossen Schweizer Firmen, wie den beiden Grossbanken, wer wirklich die Eigentümer sind. Bei einem free float von 30-40%, wo die Eigentümer nicht wirklich bekannt sind, ist heute alles möglich. Sulzer und die Zürcher Kantonalbank haben den Weg aufgezeigt.

Deutschland geht es besser – den Deutschen schlechter.

Mittwoch, den 25. April 2007 um 9:18

Der deutsche Aufschwung, von dem auch wir Schweizer stark profitieren, hat erkennbare Wurzeln: Deutschland ist jetzt mit 1500 Mia. Euro verschuldet, gleichzeitig ist die Zahl der Arbeitslosen von 5 Mio. auf 3,8 Mio. Menschen gesunken. Das neue deutsche Prekariat, aber auch der Mittelstand, haben seit 1999 auf viel Geld verzichtet: Die Arbeitskosten sind seither um 10% gesunken gegenüber einem Anstieg von 15% in Grossbritannien in der gleichen Zeit. Die reichen Deutschen fliehen in immer grösserer Zahl mit ihrem Geld in die Schweiz (derzeit ca. 30 000 Konti bei Schweizer Banken), wofür wir Deutschland Millionen an Zinsen zuurückzahlen. Das ist der Kreislauf der Globalisierung, aus dem zu lernen ist: Wer sich nicht bewegt, verliert.

Kurt Felix-Interviews werden stilbildend

Mittwoch, den 25. April 2007 um 8:02

Wie Kurt Felix in der “SI” Silvio und Christoph Blocher befragte, ganz im Stil der englischen oder monegassischen Hofberichterstattung, ist stilbildend geworden. “Roschee” Schwawinski hat im Hoffnungsblatt der konservativen Zürcher Schickeria, der “Weltwoche”, dann gleich ein Interview mit Christoph Blocher nachgeliefert, das vielfach als “schleimig” empfunden wurde. Nun hat dies Patrick Rohr im “Blick” nochmals gesteigert, indem er Beat Schlatter, den nur ein begrenztes Publikum als grossen Komiker empfindet, fragte: “Geben Sie gerne Interviews?” Weil derlei unkonventionelle Fragen als eher leselahm empfunden werden könnten, liess sich Patrick Rohr, dynamisiert, in einem Art Spreizschritt abbilden, wo er im Zürcher Niederdorf auf den armen Schlatter loshochtete, der ihm einigermassen fassungslos ins Auge blickte. Solcher Starjournalismus ist wirklich sauglatt, oder?

Wie funktioniert verhüllende Kommunikation?

Dienstag, den 24. April 2007 um 15:42

Häufig werde ich gefragt, wie verhüllende Kommunikation eigentlich funktioniere. Ganz aktuell kann ich auf Gina Thomas in der FAZ vom 24. April 07 verweisen, die auf S. 40 über den englischen Adel am Beispiel von Kate Middleton und Prinz William schreibt “Endlich ein Gesellschaftsspiel für alle Schichten”.

Ausgangspunkt ist die erlebbare Tatsache, dass die englische Oberschicht sich in hohem Masse vom Volk abgrenzt, sei dies durch Geld, Umgang oder Sprache (“oxbridge”). Gina Thomas will nachweisen, dass das Königshaus keineswegs so überheblich ist, wie es wahrgenommen wird, und bedient sich folgender Argumentationslinie:

- Titel: “Endlich ein Gesellschaftsspiel für alle Schichten”. Sie anerkennt damit den nach sozialen Schichten erfolgten Aufbau der englischen Gesellschaft, spielt aber das Problem als “Endlich ein Gesellschaftsspiel….” herab.
- Behauptung 1: “Die Gazetten stricken schon lange an solchen Geschichten.” Stricken heisst künstlich zu formen, also unecht.
- Behauptung 2: “George Orwell behauptete, England sei das von Klassensystemen geplagteste Land der Erde.”

Entlastung 1:
- Disraeli war Jude und Sohn italienischer Einwanderer
- Lloyd George war Waisenkind, wurde von einem Schuster aufgezogen
- Ramsay McDonald war unehelicher Sohn eines Landarbeiters und eines Dienstmädchens
- Heath und Thatcher kamen aus dem Kleinbürgertum
- Nur Tony Blair besuchte in Schottland eine Privatschule, was er zu verbergen suchte.

Entlastung 2:
- Eton sei nicht mehr elitär.

Entlastung 3:
- Die Königin sei nicht versnobt, sondern esse aus Tupperware.

Wenn schon die berühmte FAZ derlei “human stories” vor falschem Hintergrund publiziert, was dürfen wir dann von anderen Redaktionen erwarten?

Automanagern fehlt der Schick der Autofahrer

Dienstag, den 24. April 2007 um 14:06

Betrachten wir, männliche wie weibliche, Autofahrer genauer, finden wir darunter sehr viele gut aussehende und elegante Menschen. Dies ganz im Gegenteil zu den Automanagern oder Autopolitikern selber. Derzeit liegt der Basler TCS-Präsident Bruno Muggli im Gefecht mit Mitgliedern und Medien, weil er seine TCS-Budgets nicht eingehalten hat. Wer ihn sieht, kann ihn wegen überhöhter Kalorienzufuhr nicht attraktiv finden. Das gilt aber für die ganze Branche: Ob Manager oder Politiker, wer sich für den Autoverkehr einsetzt, wirkt meist rustikal und oft auch brutal. Ich kann es mir nur so erklären, dass die Vertreter der Schweizer Autobranche eigentlich nur aus dem Vertrieb kommen. In den internationalen Konzernzentralen geht es wieder sehr elegant zu, siehe Marchionne, Piech, Wiedeking oder Zetsche. Merke: Am Stil erkennt man die Marke.

Südanflug: Erster Fastabsturz steigert Unruhe

Dienstag, den 24. April 2007 um 11:56

Nun ist eingetreten, was früher oder später erwartet werden durfte: Ein Airbus verfehlte am frühen Morgen nur knapp die Kuppe des Pfannenstils. Mehrere Augenzeugen bestätigen diesen Vorgang. Die geforderte “lückenlose Abklärung des Vorgangs” wird von Skyguide abgelehnt mit dem Vermerk, es handle sich um keinen besonderen Vorgang. Jedermann weiss nun, wie schon im Norden mehrmals der Fall, ein Absturz im Einzugsgebiet der Südanflug-Gemeinden ist nur eine Frage der Zeit; der jetzige Gefahrenmoment, ausgelöst durch einen Airbus mit zu wenig Kerosin, kam früher als erwartet.
Wie aus dem Winterschlaf verspätet erwacht, melden sich auch die Verteidigungsorganisationen der 200 000 betroffenen Menschen zu Wort. Der kurzfristige Lärm wird wieder vergehen, so meinen Flughafen und Skyguide. Dies ist möglich, aber man muss betroffen sein von der Null-Glaubwürdigkeit von Flughafen und Skyguide. Was immer von dort verlautet, entspricht nicht der erlebten Wirklichkeit der betroffenen Bevölkerung.
Das politische Manöver “Fliegen um jeden Preis” ist erfolgreich im Gang. Es wird gedeckt von der Zürcher Regierung, dem Zürcher Kantonsrat und Bundesrat Moritz Leuenberger mit seinem Beamtenapparat. Wer vernünftig ist, zieht jetzt weg wie Flughafenchef Josef Felder, der Küsnacht gegen eine absturzsichere Reitfarm im Osten Zürichs aufgegeben hat. Alle anderen werden es eines Tages krachen hören – hoffentlich nicht in ihrem Schlafzimmer morgens um 5.58 Uhr.

Zwei deutsche Starökonomen in der Schweiz

Dienstag, den 24. April 2007 um 11:40

Unter den 25 Starökonomen, welche Deutschland verlassen haben, sind zwei auch in die Schweiz übergesiedelt: Auf Platz 4 Thomas von Ungern-Sternberg, der in Lausanne lehrt und den ich seit Jahren mit Begeisterung lese. Andernorts sind seine Thesen und Erfahrungen weniger willkommen; manche Schweizer meinen sogar, er hätte auch in Deutschland bleiben können. Gottseidank ist er geblieben. Hans Thorsten, der an der Uni Zürich Finanzökonomie lehrt, ist bisher weniger aufgefallen; erliegt auf Platz 23 der Besten.

Ségolène, eine rhetorische Enttäuschung

Dienstag, den 24. April 2007 um 9:43

Ich musste ins französische Fernsehen gehen, um Ségo endlich einmal reden zu hören. Welche Enttäuschung: Sie liest vom Blatt ab, immer nur fünf Wörter hintereinander, ganz so wie George W. Bush. Daran zeigt sich, wir kennen in der Schweiz eigentlich nur ihre Lachen, ihre Haare, ihren Hals, der von Doris Leuthard’scher Länge ist. Was sie sagt, klingt zudem eher konservativ, ganz darauf ausgerichtet auch den Mittelstand zu gewinnen. Im Gegensatz dazu Nicolas Sarkozy, der seinen Wählern die Angst vor der Zukunft nehmen will, also die linken Wähler Frankreichs zu erreichen sucht. Sarko hörte ich noch nie sprechen.

Merke: Es ist die übliche Farce, einmal gewählt, geschieht nichts mehr.

Starke Institutschefs sperren sich gegen Rückkehrer

Dienstag, den 24. April 2007 um 8:14

Jetzt haben wir die Wahrheit, endlich, deutsche Professoren, die in grosser Zahl in die Schweiz und in die USA abgewandert sind, kämen gerne in die Heimat zurück. Es werden ihnen in den grossen Instituten deutscher Hochschulen keine guten Jobs angeboten, weil die “grossen Professoren” dies zu verhindern wissen. Es geht, wie üblich, um Konkurrenz innerhalb des eigenen Hauses. Wie wehrt man talentierte Bewerber ab? Antwort an diese: Mit 35 Jahren sind Sie zu jung, ab 45 sind Sie zu alt.

Unter den Top-Brands nur UBS und Rolex

Montag, den 23. April 2007 um 15:22

Die 100 wichtigsten Brands der Welt sind wieder einmal erhoben worden. UBS liegt auf Platz 51, Rolex auf Platz 100. Von CS, Novartis und Nestlé ist nichts zu sehen. Dafür liegt die Deutsche Bank auf Platz 41, sicher wegen “Deutsche” und weniger wegen “Bank”. Bewiesen wird damit wieder einmal die Markenschwäche der Schweizer Firmen; dies ist mit ein Grund, weshalb sie leicht zu übernehmen sind. Unaxis hatte eine absolute Schwäche des Brands zu verzeichnen, bis es als Oerlikon unter den neuen Eigentümern wieder Gewicht zulegt. Sulzer ist ebenfalls ein markenschwaches Unternehmen; kein Wunder, dass die Raider sich nähern.

 
     
     
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