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Weblog
Tagesarchiv für 12. März 2007
Montag, den 12. März 2007 um 17:27
Logtistiker waren in der Vergangenheit jene, welche die Ärmel aufkrempelten, um Container zu füllen. Das ist lange her. Heute sind Logistiker von Weltklasse Intellektuelle, die komplexe Prozesse führen, dazu Hunderte von Millionen Franken in die IT investieren, und sich Gedanken darüber machen, wie der Welthandel sich entwickelt. Seit ich Logistiker wie Klaus-Michael Kühne, Klaus Herms (CEO) oder Gerard van Kesteren (CFO) kenne, die den Weltkonzern Kühne + Nagel steuern, ist mein Glaube an den Fortbestand der Globalisierung gesichert. Dort erfährt man auch derart atemberaubende Dinge, wie die rasche Zunahme des innerasiatischen Verkehrs. Heisst dies nicht, dass Asien Europa und die USA auf Dauer immer weniger benötigt? Wir werden unwichtiger. Nicht unbedeutend ist auch die Beobachtung, dass Logistiker die Kunst der Improvisation beherrschen müssen. Offensichtlich misst man dieser Kunst grosse Bedeutung bei. Die Wachstumsaussichten sind offensichtlich bei den Logistikern ungebrochen, was bedeutet, dass Gross- und Detailhandel, Automobil- und IT-Branche von guten Zeiten ausgehen.
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Montag, den 12. März 2007 um 16:38
Jetzt liess Christoph der Grosse die Katze aus dem Sack: “Eine Kantonalbank, die zur Parteifinanzierung beiträgt, das war für die Berner (Anm. SVP) eine Selbstverständlichkeit.” Er sagte dann aber nicht, wer heute sonst die Wahlkämpfe finanziert. Auch fällt auf, wie er Prof. Dr. Christoph Mörgelis Rolle in der Partei seit einiger Zeit verkleinert: “Ein Intellektueller, kein richtiger Politiker.” Oder: “Zur Zeit der Opposition gegen den EWR spielte er eine Rolle.” Und heute? Das mag daran liegen, dass sich Blocher heute mehr denn je als Vertreter der Konzerne sieht; Mörgeli blieb auf der nationalen Stufe stehen. Schlüer wird von Blocher schon gar nicht mehr erwähnt, der kämpft weiter die alten Kulturkämpfe.
Merke: Vor 90 Jahren haben sich Freisinn und SVP getrennt, Es bleiben noch drei nationale Wahlen, um wieder eine geeinte Schweizerische Freiheitspartei (SFP) auf die Beine zu stellen. Das wäre ein Ziel für das hundertjährige Jubiläum.
Politik | Keine Kommentare »
Montag, den 12. März 2007 um 15:43
Ab Pfingsten ist es wieder so weit: In Salzburg richtet man der wirtschaftlichen und künstlerischen Weltelite die Festspiele an. Ihren Höhepunkt werden sie ab Ende Juli bis Ende August erleben. Intendant Jürgen Flimm liess in Zürich in Anwesenheit der Gross-Sponsoren Rainer E. Gut und Franz Humer den „Herrn Marquis“ ganz charmant singen und wies damit darauf hin, dass die Damen lieber zu den Herren aufschauen sollten als diesen Fragen zu stellen. Frau Baronin Daniela Pereira-de Sousa alias Dani von der Bar in Manaus war nicht anwesend, denn sie muss nun die Zürcher Festwochen vertreten. Wo die “Nachtseite der Vernunft” wohl ausgeprägter ist, ob in Salzburg oder in Zürich, wird sich noch zeigen.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
Montag, den 12. März 2007 um 15:22
Die Zürcher Accenture AG hat eine relativ kleine Broschüre vorgelegt, worin Managing Director Thomas D. Meyer die 500 grössten Schweizer Unternehmen rehabilitiert. Sie würden mehr als andere für Wachstum, Arbeitsplätze, Gewinne (und damit auch Steuern) sorgen. Indirekt lässt sich damit auch begründen, weshalb die “big bosses” mehr verdienen sollen als andere.
Gemäss Meyer machen die Top 500 in der Schweiz 70% der Umsätze im Binnenmarkt gegenüber 37% in Deutschland und 40% in Österreich. Sie beschäftigen in der Schweiz 59% aller Arbeitnehmer gegenüber 13% in Deutschland und 26% in Österreich. Damit ist die Schweiz mehr als Deutschland und Österreich das Land der Konzerne. Bewiesen wird auch, wer im Ausland expandiert, schafft Arbeitsplätze im Inland, hier vor allem die Industrie, während die Finanzdienstleister zwischen 2001 und 2005 2,7% aller Arbeitsplätze im Inland abbauten. Danke, Thomas.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Montag, den 12. März 2007 um 14:24
Wer glaubt, die Flugzeuge der Swiss seien in deren Besitz, irrt sich gewaltig. Sie sind auf den Bermudas angemeldet, wo die Steuern tief sind, die Swiss ist nur Mieter. Ebenso machen es die berühmten Tessiner Familien und deren Anwälte. Deren Firmen, Hunderte, sind in Panama angemeldet, wo man Gewinne auch gut verstecken kann. Kein Wunder, dass auch die schwäbische Grossmutter, der mancher Basler und Zürcher seine Herkunft verdankt, nicht mehr gefragt ist. Die Girls aus Manaus und Rio, aus Riga und Prag, aus Bangkok und Djakarta haben die biederen Schwäbinnen längst abgehängt.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Montag, den 12. März 2007 um 13:35
Wie Kurt Felix das Ehepaar Blocher in der “SI” befragt hat, ist offensichtlich stilbildend. Man lege sich vor dem Befragten auf den Bauch, nicht ganz unähnlich wie Alexander Pereira vor seinem Grosssponsor Franz Humer (Fusskuss, Tiefstverbeugung wie zur Zeit der Aristokratie), und stelle allerhöflichst Fragen nach dem Wohlergehen der Frau Gemahlin und des Befindens des gnädigen Hausherrn. Kaum haben die anderen Redaktionen begriffen, dass dies eine neue journalistische Technik ist, bietet Roger Köppel, Herr der “Weltwoche” und rechtsliberaler Neigungen nicht ganz unverdächtig, unseren Gross-Journalisten Dr. Roger Schawinski auf, um ebenfalls Dr. Christoph Blocher zu befragen, nun aber im Stil “Wir sind uns ja so ähnlich, ist es nicht so, Herr Bundesrat?” Worauf “Sie + Er”, ein eigentlich hoffnungsloses Blatt, Johannes von Dohnanyi für ein Interview mit Dölf Ogi bereitstellt, um die Ehre des Schweizer Journalismus wieder herzustellen und diesen fragen lässt: “Was kann der Sport, was andere Instrumente nicht können?” Schlagfertig antwortet Ogi: “Sport ist mehr als Freude. Sport ist auch Disziplin.” Das tut gut, denn der englische und italienische Fussball ist durch Hooligans doch recht in Verruf geraten. Einem Ogi stellt man solche Fragen nicht. Das nenne ich Kurt Felix-Journalismus mit Tomaten auf den Augen.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Montag, den 12. März 2007 um 12:44
Wenn unsere Gebirgslandschaften, vielleicht mit Ausnahme des Wallis, demnächst kaum noch richtigen Schnee haben, muss der Wanderurlaub in den Bergen gefördert werden. Dies wird zum grossen Teil schon getan, weshalb Zermatt mehr Wandergäste als Skifahrer hat.
Diesem Wandertourismus-Boom steht entgegen, dass Dr. Reinhard Schnidrig, Sektionschef im Bundesamt für Umwelt, sagt: “Die Option der Ausrottung beim Wolf gibt es nicht mehr.” Ausserdem kündigt er an, wir hätten auch bald die ersten Wolfsrudel in der Schweiz zu erwarten.
Wenn ich nun mit meiner Familie über die Schattenberge ins Turtmanntal absteige, muss ich künftig damit rechnen, einem oder mehreren Wölfen zu begegnen, mögen sie auch noch so scheu sein. Ich muss auch damit rechnen, dass sie in kalten Wintern, dies ist nicht ausgeschlossen, auch in die Nähe der Häuser kommen. Zudem: Die Zahl der 60 riesigen Hirtenhunde, welche die Herden bewachen sollen, soll vergrössert werden. Wer künftig Schafherden begegnet, muss mit einem grimmig bellenden Untier auf dem Weg rechnen. Soll man dann umkehren, die Wanderung abbrechen oder den Hund mit einem Stock verjagen? Nicht jeder wird daran Spass haben.
Also schlage ich vor:
1.Der Nationalrat möge das Thema wieder traktandieren.
2. In jeder Berggemeinde und an jedem Taleingang wie grösseren Parkplatz müssen Warnschilder stehen:
Grün = keine Wolfsgefahr; gelb = Wolf im Gelände möglich; rot = Begehen nur auf eigene Gefahr.
Dr. Reinhard Schnidrig lebt sicher hinter der nationalen Gesetzgebung und internationalen Vereinbarungen. Als Jäger kennt er den Umgang mit den Grosswildtieren. Den Touristen ist solches nicht zuzumuten.
Gesellschaft | 1 Kommentar »
Montag, den 12. März 2007 um 11:18
Die Amerikaner lassen ihre verletzt aus dem Irak heimgekehrten Soldaten in baufälligen Häusern, die sich Spitäler nennen, nahezu verrecken. Es gab dazu mindestens Aufruhr im US-Senat. Ins russische Murmansk bringen deutsche Studenten einmal jährlich absolut notwendige Güter, damit die Menschen dort im hohen Norden nicht zugrunde gehen. Weder der russische Staat noch die neuen Reichen in Russland kümmern sich um ihr ländliches Proletariat. Die reichen Russen feiern in die den Alpenresorts; sie sind den Amerikanern nicht unähnlich, trinken aber meistens mehr und sind oft jünger.
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Montag, den 12. März 2007 um 10:33
Einer meiner Freunde, ein jüngerer Schweizer Hochschullehrer, wollte sich unlängst bei einer deutschen Hochschule eher konservativer Natur bewerben. Ich durfte einen Blick auf die Bewerbung werfen, die mit Beilagen dick war wie ein kleines Handbuch. Ich warnte, denn wir sollten uns über das Leseverhalten unserer Uni-Chefs nichts vormachen. Alarm läutete es bei mir aber, als mein demokratischer Schweizer das Anschreiben mit “Sehr geehrter ……” versah. Um Himmelswillen, in Deutschland heisst ein Rektor an bestimmten Hochschulen immer noch Magnifizenz, ein Dekan wird dort mit “Spectabilis” angeschrieben. Bei allem Fortschritt sollten wir die Revolution nicht übertreiben.
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Montag, den 12. März 2007 um 10:10
Wir sind ein Land der feinen Unterschiede. Wie aus unserem Bankgeheimnis das Bankkunden-Geheimnis wurde, müssen wir uns fragen, was bedeuten die Inflationsraten, die uns heute präsentiert werden: Schweiz mit Null-Inflation. Das stimmt natürlich nicht, denn wir messen damit nur ausgewählte Preiskosten, nicht aber die Lebens(-haltungs)kosten. Der offizielle Warenkorb mag eine Null-Inflation ausweisen, das ist wichtig für Salärverhandlungen, aber die Lebenskosten, wo auch Gebühren für Krankenkassen eine Rolle spielen, sind dies nicht. Sie sind höher. Zudem leben wir vielfach auf Kosten des Auslands, wo die Kosten laufend sinken, womit wir im Inland Spielraum haben, unsere Kosten zu steigern. Die Realität ist komplizierter als die Zahlen.
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