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Monatsarchiv für Februar 2007

Grossartig, aus Deutschland wird wieder DDR.

Dienstag, den 27. Februar 2007 um 11:16

Es ist unglaublich: Die besten Kindergärten Deutschlands haltet die alte, verteufelte DDR. Jetzt will die amtierende Bundesregierung die Kindergärten wieder fördern, damit die Frauen an den Arbeitsplatz gehen können. Die meisten Kinderkrippen, so heisst dies, haben die neuen Bundesländer, während die kapitalistischen alten Bundesländer kaum darüber verfügen. Jetzt will Angela Merkel dies ändern, die alten Ostmodelle haben wieder Konjunktur.

Schiestl ist tot

Dienstag, den 27. Februar 2007 um 9:24

Zuerst starb seine Frau bei einer rasenden Fahrt im Porsche. Dann, drei Wochen später, erschoss sich Schiestl, einer der zahllosen Erben einer grossen Tiroler Familie. Zwei Kinder unter zehn Jahren blieben zurück. Schon einmal, vor 13 Jahren, kam es zu einem solchen Eclat, als Schiestl erst seine Frau, dann sich selber schwer verletzte, beide sich aber erholten. Die Familie dachte, es sei ein Ausrutscher. Es war keiner, der Tod holte beide einige Zeit später. Fragt sich, ob es die Situation ist oder die Gene, die den Tod steuern. Er war ein netter Kerl, aber stets überfordert.

Das SRG-Problem: Die qualifizierte Minderheit

Dienstag, den 27. Februar 2007 um 8:23

Der staatsnahe Sender SRG SSR idée suisse (irgendwie fällt mir zu diesem Wortungetüm nur UdSSR ein) gibt sich alle Mühe, seine Erfolge hervorzuheben. Die Marktanteile entwickeln sich gut oder halten zumindest, aber leider nur bei den Alten. Man könnte mich von der Qualität der Sendungen auch dann nicht überzeugen, wenn nun die Jungen herbeiströmen, denn die SRG hat nur ein Problem: Die qualifizierte Minderheit unseres Landes. Für diese Minderheit hat die SRG keine Sendungen mehr. Der “Zitschtigs-Club” ist mehr geschwätzig als aufklärend. Die Moderatorin müsste wesentlich energischer führen. Die “Arena” ist eine Ruine und nur erträglich, wenn sonst wirklich absolut nichts los ist. Gelegentliche Glanzlichter in der “Rundschau” machen den Braten nicht fett. Der Rest sind Programme
für Menschen, die intellektuell lieber Bratwurst zu sich nehmen als Feinkost. Wer mehr will, muss abwandern.

Europa ohne Grenzen mit Kasachstan und Israel

Montag, den 26. Februar 2007 um 16:53

Wir Schweizer sehen uns – hie und da – als Europäer, aber nur selten als EU-Europäer. Im Innern der Schweiz sehen sich viele bedroht von Balkanvölkern, Deutschen und Moslems generell. Europa, ein eher junger Kontinent, hat bisher seine Grenzen noch nicht definiert. Ist es der Ural oder die Linie Finnland-Schwarzes Meer? Die UEFA sieht dies klarer, sie hat Kasachstan und Israel bereits aufgenommen.

Welches Trio: Alfred E. Schindler, Thomas Schmidheiny und Hubertus von Grünberg

Montag, den 26. Februar 2007 um 15:50

Der schweigsame Innerschweizer Alfred E. Schindler, der sich der Kommunikation konsequent verweigert, kommt unter internationalen Druck. Drei seiner Manager sind bereits “vorläufig beurlaubt”. Das ist auf die EU-Kartell-Busse zurückzuführen. Ein gleichartiger Skandal von Schindler ist auch in Österreich aufgeflogen. In Erinnerung ist der Unfall mit einem Schindler-Lift vom vergangenen Jahr in Japan, wo alle Verbeugungen nicht halfen; dort bleiben die Umsätze schwach. Das erinnert massiv an den Rücktritt von Thomas Schmidheiny bei Holderbank/Holcim. Erst der Aufbau eines verjüngten Topmanagements und die Übernahme der VR-Präsidentschaft durch Dr. Rolf Soiron brachten Holcim wieder in Schwung.
Wäre Hubertus von Grünberg der richtige Kandidat? Derzeit noch im VR von Schindler, wird er Jürgen Dormann bei ABB als VR-Präsident ablösen. Von Grünberg, den die Amerikaner gerne als “Weissen Hai” (“wegen seiner Unbarmherzigkeit”, Oli Stock) bezeichnen, könnte ein Klon von Dormann sein, würde er nicht noch schneller sprechen als sein Vorgänger. Eine neue Führungsgeneration zieht heran.

Energiesparen ist ein weites Feld

Montag, den 26. Februar 2007 um 15:04

Bei uns im Land herrscht fast schon ein Energiespar-Terror: Die Medien suchen Energiesparer; auf jeder Party wird davon gesprochen, rauchen wir, was trinken wir, sparen wir Energie? Es gibt nur einen Politiker, der bisher etwas bewirkt hat, Arnold Schwarzenegger, der in Kalifornien einen steigenden Lebensstandard mit sinkendem individuellem Energieverbrauch und stagnierendem CO2-Ausstoss verbunden hat. Er setzte Elektrogeräte mit besserer Energieeffizienz durch und änderte die Besteuerung der Energiekonzerne. Die Kalifornier verbrauchen ein Drittel weniger Energie als die anderen Amerikaner.
In China, das auf dem besten Weg ist, die USA als weltweit grösster CO2-Emittent 2009 zu überholen, ist Energiesparen bis heute kein Thema.

Zürcher Schauspielhaus-Krise ohne Ende

Montag, den 26. Februar 2007 um 8:11

Der Marthaler-Krise folgte die Hartmann-Krise. Dem kreativen Wirrkopf aus Küsnacht, von dem heute in ganz Europa niemand mehr spricht, folgte der Seevilla-Bewohner (mit freundlichen Grüssen von Elmar Ledergerber), der ein kulturelles Environment aufbauen wollte und damit eine günstige Miete legitimierte. Jetzt flieht Hartmann vorzeitig nach Wien. Das Team Ledergerber-Hoby sucht mit dem Schauspieler Sven-Eric Bechtolf einen genialischen Nachfolger aufzubauen. Das Theater um das Zürcher Theater ist viel schöner als die Aufführungen selber. Bechtolf, ein Hamburger Bankierssohn, passt natürlich gut in die Limmat-Bankenmetropole. Er gilt als eitel, arrogant und schwierig, Na dann, viel Spass.

Klimaverschmutzer halten sich bedeckt

Freitag, den 23. Februar 2007 um 17:20

Der Verbrauch der Schweiz an CO2 liegt derzeit jährlich vier Mio. Tonnen über dem Verbrauchsziel, das sich unser Land durch die Unterschrift zum Kyoto-Vertrag gesetzt hat. Kommt das Walliser Gaskraftwerk dazu, wird unsere Energiebilanz weitere 0,8 Mio. Tonnen jährlich schlechter. Dies gilt es einzusparen. Wir können nicht davon ausgehen, dass der Flugverkehr stärker belastet wird, der zehn Prozent des CO2 in der Schweiz erzeugt. Die deutschen Politiker (nur Berlin und Bonn) pusten jährlich 100 000 Tonnen Kohlendioxyd in die Luft, dann werden es bei uns auch 10 000 Tonnen sein, die der politische Reiseverkehr in der Luft und auf der Strasse verursacht. Auch gepanzerte Fahrzeuge sind mit fast 500 Gramm pro hundert Kilometer gewaltige Giftstoff-Schleudern, mehr noch als die viel bescholtenen Offroader. Ist ein Dienstwagen pro Jahr 90 000 km unterwegs, produziert er 22 Tonnen Umweltgift.

Das Rätsel Moritz Leuenberger entschlüsselt

Freitag, den 23. Februar 2007 um 16:43

Wenn wir ihn so sehen, die Mundwinkel schmerzhaft nach unten gezogen, leiden wir mit unserem Bundesrat Moritz Leuenberger. Viele im Land verstehen nicht, weshalb man ihn derart schätzt; das Rätsel sei hiermit entschlüsselt. Moritz L. spielt den Leidenden, den an seiner undankbaren Aufgabe verzweifelnden, den aufrechten Staatsdiener, der sich nichts gönnen mag, auf keinen Fall ein Schnitzel-Pommes. Schon als er zum Bundesrat gewählt wurde (Kopp-Affäre, Fichen-Affäre) tat er dies eigentlich widerwillig, als Herakles contre-coeur. Sein grösstes politisches Jahr war ein Jahr des Leidens: Brand im Gotthard-Tunnel, Attentat in Zug, Flugzeugabsturz. Damals lief Moritz L. zur Spitzenform auf; er litt für das ganze Volk. Jeder Psychologe weiss, das Dienen ist die Strategie des Cleveren. Die öffentliche Meinung sympathisiert mit dem Leiden an der Macht. Je schlechter es den Menschen geht, umso strahlender tritt unser allseits gelieber Moritz im Morgenrot daher.

Nestlé: Keine Milch mehr, dafür Kernenergie?

Freitag, den 23. Februar 2007 um 15:58

Peter Brabeck war, gemessen an seinem Vorgänger Helmut Maucher, nur wenige Jahre CEO des Weltkonzerns. Er hat die 100 Mia.-Umsatzgrenze, die sich schon Helmut Maucher vorgenommen hatte, knapp erreicht. Wie sehr Nestlé sich unter seinem Nachfolger verändern wird, kann ansatzweise vermutet werden: Der Rückzug aus dem heute wenig rentablen Milchgeschäft ist wahrscheinlich; FDP-Nationalrat Werner Messmer sieht Nestlé schon als Kernkraftwerk-Financier, da die UBS sich eher zurückhaltend gezeigt hat. Henri Nesté würde sich wundern, aber Henry Ford würde dies auch, wenn er seine heutigen Erben sehen würde.

 
     
     
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