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Adieu, Dr. Hugo Bütler

5. Februar 2007 um 11:45

Noch nie wurde ein Chefredaktor der “Neue Zürcher Zeitung” so glanzlos verabschiedet wie Dr. Hugo Bütler. Der Vorsitzende der Gruppenleitung und Leiter Publizistik musste nach nur einem Jahr überstürzt zurücktreten. Kaum jemand in den Schweizer Medien weinte ihm eine Träne nach; die Nachrufe (es gab kaum welche) waren dünn. Bütler tut mir leid, denn diesen schmachvollen Abschied hat er nicht verdient.
Wir beide waren keine Freunde, denn von seinem hohen Olymp herunter, den seine Vorgänger ihm aufgebaut hatten, fühlte er sich durch jede, auch verdiente Kritik angepinkelt. Indigniert hob er knapp seine Augen und versank dann wieder ein jenes brütende Schweigen, das man nur in seinen ersten drei Jahren als Chefredaktor des “Weltblattes NZZ” als Intelligenz interpretieren konnte. Seine Leistung war es, dass die “Neue Zürcher Zeitung” in seinen Jahren als Chefredaktor seit 1985 den Ruf des Weltblattes verlor. Nennenswerte journalistische Beiträge aus seiner Feder, die das Land oder die Welt bewegten, sind nicht bekannt.
Der Krise der “NZZ” vorausgegangen ist der Untergang der liberalen “Basler Nachrichten”, die von der Basler Oligarchie aus dem Wettbewerb gekippt wurde. Kein Wunder, dass nun auch die “Basler Zeitung vor dem Untergang steht, weil sich intern die “P” und die Familie Hagemann bekämpfen. Verkauft “P” ihren Anteil, ist die Ära Hagemann auch vorbei. Tamedia würde gerne zuschlagen, aber die “P” wird dafür etwas verlangen, ganz wie bei der “NZZ” auch. Das liberale “Journal de Genève” fiel den geizigen Genfer Privatbanquiers zum Opfer, die lieber Golf spielen als den Geist zu pflegen. Eine Neuauflage ist verjüngter Form ist geplant. Bleibt die “Neue Zürcher Zeitung”, die einen etwas altväterlichen Liberalismus vertritt, wo die Leitmacht USA, das Zürcher Finanzkapital und das Fürstenhaus derer von und zu Liechtenstein die Fixsterne sind. Die Stimmung in der Redaktion ist eher gedämpft bis verwirrt. Bütler ist nun weg; ein europäisch-globaler intellektueller Aufschwung unseres ex-Weltblatts ist nicht in Sicht. Entweder gelingt dieser Klimmzug oder aus der “NZZ” wird ein GröMaZ, das rund um den ZüriSee die Szene beherrscht. Das entspricht der Entwicklung des Binnenmarktes: Entweder sind wir global oder nichts. Warum nicht Dr. Christoph Blocher zum Herren des Hauses an der Dufourstrasse machen? Nur dies könnte für ihn ein Grund sein, frühzeitig auf einen Sitz im Bundesrat zu verzichten.

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