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Weblog
Monatsarchiv für November 2006
Mittwoch, den 29. November 2006 um 15:01
Die Haushalte stehen weltweit erst an vierter Stelle unter den grossen Energieverbrauchern. Sie bezahlen, wie dies auch in der Schweiz der Fall ist, dafür auch die höchsten Energiepreise. Die grössten Energieverbraucher jetzt und in Zukunft sind die Stahlindustrie (Subventionen für Familie Mittal aus Indien), die Flugindustrie (Subventionen für billige und begünstigte Flugtarife) und die chemische Industrie als Wachstumsbranche. Alle diese Branchen haben besonders günstige Energietarife ausgehandelt, die ihr Wachstum weiter fördern. Wer nicht Billigenergie liefert, fällt aus dem Standortwettbewerb heraus.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Mittwoch, den 29. November 2006 um 11:02
Natürlich sind wir ein autonomes Land, das wie ein Igel im Herzen Europas ruht und sich streng weigert, in die EU einzutreten, deutsche Kultur zu übernehmen oder sich von deutschen Managern führen zu lassen. Natürlich sind wir reich genug, um die innere Sicherheit zu festigen und uns aussen- wie militärpolitisch alleine zu behaupten. Natürlich stimmt davon überhaupt nichts.
Die Schweiz nähert sich der EU mit Lichtgeschwindigkeit, indem sie seit Jahren deren Gesetze übernimmt, sich dem Europarat und dem Strassburger Gerichtshof unterwirft, an die EU Milliardenzahlungen leistet, die niemand ernsthaft aufaddiert, weil dies politisch peinlich sein könnte. In der Deutschen Schweiz ist die deutsche Kultur, sofern man diese akzeptiert, in der Literatur, in Radio und TV, in den Musiksälen und an den Opernhäusern wohl die am meisten verbreitete. Deutsche Manager führen die Swisscom, Novartis, die CS-Group, Kühne + Nagel, die Winterthur Versicherung und viele andere Unternehmen. Militärpolitisch sind wir fester denn je in die NATO eingebunden; daran wird sich auch auf Dauer nichts mehr ändern. Jetzt stellt sich heraus, dass wir aus eigener Kraft nicht einmal die Euro 08 sichern können. Die St. Galler Justizdirektorin Karin Keller-Suter vertritt die Meinung, wir müssten deutsche Polizisten ins Land rufen, um uns vor Hooligans zu schützen. Früher machten das die Innerschweizer und die Walliser. Diese jedoch sind heute erfolgreicher auf dem Finanzplatz tätig und erwirtschaften dort jenen Mehrwert, mit dem wir uns ausländische Polizeieinheiten für den Einsatz im eigenen Land leisten können.
Politik | 6 Kommentare »
Mittwoch, den 29. November 2006 um 9:55
Wenn er beklagt, die deutsche Politik ruiniere die deutsche Pharmaindustrie, kann sich darüber die Schweiz nur freuen: Daniel Vasella, 52jähriger Altlinker und heutiger Novartis-Chef, hat sich schon seit zehn Jahren Gedanken über seine Nachfolge gemacht, aber eingefallen ist ihm dazu – bei einem Jahressalär von Euro 13 Mio. – noch nichts. Wenn er mehr Geld ins Marketing steckt als in die Forschung meint er, die Konsumgüterindustrie tue dies noch einseitiger als Novartis. Er habe nicht genügend in den armen Ländern getan, auch zu wenig für Aids, gesteht er. Sein Konzern-Jahresgewinn beträgt USD 6,1 Mia.
Merke: Ich habe Phantasie, aber wozu braucht dieser bescheidene Mann soviel Geld?
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Mittwoch, den 29. November 2006 um 8:45
Mindestens ein Dutzend Dilpomarbeiten zum Thema Kommunikation stehen zwischen meinen Büchern; irgendwie sind sie in Vergessenheit geraten. Das dürfte für die meisten Diplomarbeiten gelten, die in unserem Land geschrieben werden. Sie dienen als Leistungsnachweis für den geplanten Aufstieg; der Rest ist Vergangenheit. Wenn unsere Hochschulen sich einmal bemühen würden, diese Schätze systematisch auszugraben, hätten wir Innovationspotential in jeder Menge. Jetzt sind es Millionenwerte, die in den Archiven ruhen.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Dienstag, den 28. November 2006 um 16:28
Kürzlich, in einem Zürcher Edelrestaurant, das der CS Group gehört: Ein kleiner alter Amerikaner tauchte mit einer schicken Riesenfrau an seiner Seite auf. Das ist die allerjüngste Mode: Je kleiner der Mann, desto grösser die Frau. Mick Jagger tut es (15 Zentimeter Unterschied), Bernie Ecclestone (25 cm), Rod Stewart (17 cm). Dank der “SI” sind wir bestens im Bild. Ich frage mich nur, wer hat bei diesen Pärchen wen im Griff. Ecclestone und Stewart gelingt der Griff um die Taille der weiblichen Prunkstücke jedenfalls nicht mehr. Apropos SI: Die Kurt Felix-Interviews sind eine besonders unmögliche Art des Schweizer Journalismus. Wer sich als Fragender derart anbiedert, ist medial nicht ernst zu nehmen; wer sich derart befragen lässt und dies auch noch autorisiert, lebt geistig mehr im 18. Jahrhundert als im 21.
Sorry, Marc Walder.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
Dienstag, den 28. November 2006 um 16:14
Energie I
Während AHV und 2. Säule laufend an Wert verlieren, ist spätestens ab 2010 mit einem sprunghaften Anstieg der Energiekosten zu rechnen. Die Schweizer Energielücke wird offiziell ab 2012 eine Realität sein; die Energielieferanten werden mit Sicherheit schon zuvor den Schweizer Konsumenten an die neue Realität anpassen. Das bedeutet ein sinkendes Lebenshaltungs-Niveau. Da auch andere Kosten weiter steigen werden, dürfen wir auf die Ergebnisse gespannt sein.
Energie II
Einen Verlierer haben wir schon: Im Wallis ist es die Lonza, die dort 2 700 Menschen beschäftigt. Heute sagt Lonza-Chef Borgas’ Stellvertreter Kalbermatten, der damals nicht mit dabei war, der Verkauf der Energieproduktion unter dem Einfluss von Dr. Christoph Blocher sei ein strategischer Irrtum und Fehler gewesen. Liefersicherheit und Qualität der Energie seien nicht mehr im gleichen Masse gewährleistet. Bei Alcan Steg kam es zu 140 Entlassungen, weil der Energiepreis ein Rappen zu hoch war für jene, die das Werk übernehmen wollten.
Energie III
Unsere KVA’s, die drei Prozent der Schweizer Energie erzeugen, haben zu wenig Abfälle; deshalb importieren wir diese aus dem Ausland. Unser Altholz wird jedoch ins Ausland exportiert und fehlt damit für die Energieproduktion. Die Ausländer zahlen höhere Entsorgungsgebühren, weshalb wir Holz exportieren und Müll importieren. Das ist höhere Weisheit oder Marktwirtschaft. In Oesterreich funktioniert die Holzverstromung ausgezeichnet; uns will dies nicht gelingen. Wir verbilligen das Holz, damit es im Ausland verbrannt wird. Dafür gibt es nur einen Grund: Die kleinen Einheiten von Privaten und Gemeinden suchen ihren individuellen Gewinn; das grössere Ganze kann warten.
Energie IV
Einen Oelpreis von USD 100 kann von grossen Teilen unserer Wirtschaft jederzeit verkraftet werden; derart gross ist die Energieeffizienz geworden. Wir sollten daher auf unsere Techniker und Ingenieure stolz sein, die solches möglich machen.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
Dienstag, den 28. November 2006 um 15:33
Weil der ADC Deutschland die Schweizer Topkreativen nach Berlin zum Wettbewerb eingeladen hat, haben Schweizer Werber Angst. ADC-Präsident Jean-Etienne Aebi will sich nicht von “Grossdeutschland” vereinnehmen lassen. Warum nicht? Was als Schweizer Sonderfall oder Eigenart bei uns vermarktet wird, ist meist international nicht wettbewerbsfähig. Hinter der Abschottung der Schweizer Werber steckt die nackte Angst, man könne im echten Wettbewerb auf den hinteren Rängen landen.
Merke: Was die Werber ängstigt, gilt auch für viele andere.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Freitag, den 24. November 2006 um 10:24
Etwas haben sie gemeinsam – sie polarisieren wie die Weltmeister und beide amüsieren uns. Mörgeli mit etwas weniger Witz, sonst würde er ja nicht zur unsinnigen Klage gegen den Film “Borat” aufrufen. Borat alias Sacha Cohen hält im Film den Menschen einen Spiegel vor und zeigt damit wie rassistisch, antisemitisch, sexistisch, chauvinistisch sie sind. Ich fand den Film amüsant aber ich würde ihn mir nie ein zweites Mal ansehen. Aber was will Mörgeli jetzt schon wieder? Unser nationaler Super-Kolumnist und SVP-Trompeter Christoph Mörgeli wittert wie Ed Fagen eine Chance: sich und an zweiter Stelle die SVP wieder ins Gespräch zu bringen, weil gerade dieses Thema in der Schweiz gewissen Zündstoff liefert. Die EKR interessiert es nicht und wenn ich mit anderen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in der Schweiz spreche, lachen viele nur über Mörgelis Vorstoss, weil er sich um solch lächerliche Dinge kümmert. Ich finde es bedenklich, wenn ein Nationalrat sich auf ein solches Niveau runter manövriert nur um in den Medien Stimmung zu machen. Solche Übungen führen zur Boulevardisierung in der Politik und ich meine, wir haben viel wichtigere Themen in unserem Land zu lösen. Christoph Mörgeli soll bitte weiterhin seine Kolumnen, die ich übrigens klasse finde, schreiben, aber Finger weg von Filmkritiken, dafür gibt’s Experten.
Fidel Stöhlker
Kultur | Keine Kommentare »
Freitag, den 24. November 2006 um 10:23
Kantonale Grenzen sind ein Relikt der Vergangenheit, das nur noch dazu dient, alte gesellschaftliche Formen zu finanzieren, nicht zuletzt zehntausende von Politikern und Beamten. Sehr deutlich wird dies am Beispiel des Gesundheitsmarktes, wo längst über die kantonalen Grenzen hinaus gedacht werden muss. Es gibt nur noch einen schweizerischen Gesundheitsmarkt und keinen kantonalen mehr. Seit einiger Zeit deutlich wird dies am Beispiel der Hochschulpolitik. Ähnlich wie im Gesundheitsmarkt, ist eine kantonale Hochschulpolitik einfach lächerlich. Jetzt greift dies auch auf die Kantonalbanken über. Richtigerweise will die Glarner Kantonalbank mit CEO Bernt Arpagaus eine starke Regionalbank bilden, indem sie die Bank Linth übernimmt. Sollte dies nicht klappen, werden sich alleine die Grossbanken freuen und ein Schnäppchen mehr schlucken. Der Sturm gegen die kantonalen Grenzen ist im Gange. Jeden Tag fahren 10 000 Luzerner nach Zürich zur Arbeit. Für sie ist ihr Kanton nur noch ein Vergnügen für den Feierabend und das Wochenende.
Politik | 2 Kommentare »
Freitag, den 24. November 2006 um 9:40
Daniel Craig kann weder gut Auto fahren noch selber die tollen Stunts realisieren. Dafür kann er sich betrinken: Sechs Tage lang, wie er selber sagt, nachdem er die Rolle erhielt, mit Wodka und Vermouth. Dieser Mann soll unserer Jugend ein Vorbild sein und alle Gleichaltrigen aufmuntern – zu was eigentlich?
Gesellschaft | 1 Kommentar »
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