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Tagesarchiv für 23. November 2006

Die Kunst der Wortklauberei ist einträglich

Donnerstag, den 23. November 2006 um 17:24

Wurden wir schon in der Holocaust-Affäre um Milliarden von Franken erleichtert, die heute oft in Kassen liegen, die sicher nichts mit Holocaust-Opfern zu tun haben, dann gefällt der neue Angriff auf Europas Kunstschätze um so mehr. Der amerikanische Milliardär Lauder, Religion unwichtig, möchte “die letzten Gefangenen” von Hitlers Weltkrieg befreien: Mehrere hundert Bilder aus europäischen Museen, die aus den Händen jüdischer Eigentümer in Museen gewandert sind. Hinter diesem Kalkül verbirgt sich, wie gehabt, moralische Erpressung. Ob damals normale Geschäfte gemacht wurden oder Hitlers Krieg eine Rolle spielte, wird nicht geprüft. Diese neue Art der “Gefangenen-Befreiung” verspricht Milliardengewinne.

Es gibt keinen Hunger mehr in der Welt

Donnerstag, den 23. November 2006 um 17:07

Diese Weltsensation hat noch keine Schweizer Zeitung gemeldet: Es gibt keinen Hunger mehr in der Welt. Das US-Landwirtschaftsministerium hat den Begriff des Hungers in seinen Dokumenten abgeschafft. Hiess es bisher noch “Nahrungsmittelunsicherheit mit Hunger”, gilt neu nur noch der Begriff “geringe Nahrungssicherheit”. Das Unwort Hunger ist verschwunden. Im letzten Jahr sollen alleine in den USA 10,8 Mio. Menschen von dieser speziellen “Nahrungsunsicherheit” betroffen gewesen sein.

Die Feigheit der Lektoren

Donnerstag, den 23. November 2006 um 17:03

Meine Freunde, die Buchautoren, bestätigen es unisono: Die Verlage senden ihre Manuskripte mit genormten Antworten zurück. Der Autor liest diesen Brief wie hinter einer Milchglasscheibe; er bleibt ratlos zurück, was der eigentliche Grund der Ablehnung sein mag. Diese Feigheit der Lektoren ist sträflich. Wer ein Urteil fällt, soll auch dazu stehen. Ich kann mir vorstellen, dass gerade die besseren Lektoren Angst davor haben, einmal ein Fehlurteil zu fällen. Sie stünden dann in der Gegenwart und vor der Geschichte als die Blamierten da. Jedoch, wer fair mit Autoren sprechen und verhandeln will, sollte diese auch ernst nehmen und diese schäbige Praxis der pauschalen Absage abschaffen.

Zürcher Kongresshaus: Rundum schwach

Donnerstag, den 23. November 2006 um 16:59

Das Zürcher Kongresshaus hat mich nie begeistert, auch wenn Pflichtbesuche unvermeidlich waren. Der Bau war einmal grosszügig, ist heute aber nur noch langweilig. Es riecht nach “alt”. Jetzt sendet mir Direktor Norbert Bolinger (kein Tippfehler) einen Prospekt seines Hauses von derart schlechter Qualität, dass alle meine Vermutungen bestätigt werden: Nicht nur die Form, auch der Inhalt stimmt nicht. Mit diesem Auftritt ist kein Staat mehr zu machen.

Frank A. Meyer im Glashaus

Donnerstag, den 23. November 2006 um 15:10

Man muss die “FAZ” lesen, um zu erfahren, dass unser SRG-Gefälligkeits-TV Frank A. Meyer in seinem “Vis-à-Vis” mit Gerhard Schröder plaudern liess. Dieser wies natürlich nicht darauf hin, dass er seinem Busenfreund Gerhard proletarisch und über den Ringier-Verlag eng verbunden ist. Die “FAZ” bemängelt, FAM habe kürzlich bei einem Vortrag in Deutschland die Freundschaftsdienste der Medienleute untereinander beklagt, womit man sich Prominenz verschaffe. Jetzt sitze er selber im Glashaus, sagen die Deutschen. Die Schweizer Medien schweigen dazu.

“Rocky tocky”-Flughafen Kloten

Donnerstag, den 23. November 2006 um 14:42

An unserem Flughafen geht es toll zu:

- Bundesrat Moritz Leuenberger will mit Wolfgang Tiefensee in Berlin verhandeln. Beide strecken die Heldenbrust heraus, obwohl nichts erreicht wurde. Tiefensee gilt als der schwächste deutsche Bundesminister; mit solchen Helden wird nie etwas erreicht. Moritz bleibt im Tiefflug.
- Expansionspläne werden von der Rekursinstanz gestoppt. Wenn dies so weiter geht, werden uns die afrikanischen Steppenflugplätze bald überrunden.
- Josef Felder, Flughafen-Chef, kauft sich ein Schlösschen auf die billige Art. Der Kanton macht’s möglich – natürlich ohne Fluglärm, damit seine Rösser nicht scheu werden.

Merke: Die Herren der Lüfte waren immer schon anspruchsvoller als die Anführer anderer Eliteeinheiten, die Marine einmal ausgenommen. Die haben wir Gott sei Dank nicht.

Gewerkschafter: gekauft und verkauft

Donnerstag, den 23. November 2006 um 13:39

Serge Gaillard, Chefökonom des Schweiz. Gewerkschaftsbundes, hat die Nase voll von seinen Arbeitnehmer-Freunden. Er wechselt, gelockt von Mitte-Links-Bundesrätin Doris Leuthard, ins seco. Dieser Abschied ist ein Zeichen, denn die Gewerkschaften sind tatsächlich kaum mehr nötig. Billige Arbeitskräfte gibt es zur Genüge in der Welt; die “brain worker” der Schweiz kann man mit individuellen Zulagen besser bei der Stange halten. In Deutschland hat man die Spitzengewerkschafter, siehe VW, immer schon lieber bestochen; dann sind die Verhältnisse klar. Die Betriebsräte sind gekauft; nur wollte dies zuvor niemand wissen. Old Europe hat einfach Klasse.

SBB wirbt für SVP

Donnerstag, den 23. November 2006 um 11:38

HB Zürich: Vier Schalter geöffnet, davon drei für Auslandreisen. Eine ältere Schweizerin am Schalter für “domestic trains” sagt: “Haben wir Schweizer jetzt nur noch einen Schalter für uns?” Wenn die SVP sie nicht schon für sich gewonnen hatte, dann geschah dies in diesem Augenblick. Die Globalisierung Zürichs bringt die Alteinwohner zur Weissglut, denn sie sind im Begriff, ihr Land zu verlieren, sei es an Spekulanten, Zuhälter oder Dirnen. Kurze Zeit darauf im Zug nach Zug und Luzern als Zeuge eines Telefons in hochdeutscher Sprache:
- “Ich habe Ihnen doch gesagt, ich will nur diese bestimmte Anlage in meinem Haus. Wenn Sie diese Anlage nicht bis heute Abend liefern, werde ich gegen Sie Klage erheben.”
- Der Gleiche weiter: “Wo ist Natascha? Ist sie in Moskau oder in London? Sagen Sie ihr, ich will sie morgen sehen.”
Alle Zugpassagiere hörten, mehr oder weniger belustigt, zu. Schweiz im Ausverkauf. Viel Geld und viel Unglück.

Sozialabbau unausweichlich

Donnerstag, den 23. November 2006 um 11:06

Wie weit darf der Staat beim Rückbau des Sozialstaats gehen? Der Gesetzgeber hat einen weiten Gestaltungsspielraum. Er kann, wenn das Geld da ist, neue Sozialleistungen einführen, wie das in der Vergangenheit immer wieder geschehen ist. Er kann aber auch Leistungen kürzen, wenn die Umstände sich ändern. Und die Umstände haben sich geändert? Das liegt auf der Hand. Bedroht sind AHV und IV, auch die 2. Säule. Das Gesundheitssystem wird ohne Reformen unfinanzierbar (aus einem Gespräch mit einem Richter).

“Weltwoche”: Kampf- oder Weltblatt

Donnerstag, den 23. November 2006 um 10:41

Der Blick in die jüngste Ausgabe der geköppelten “Weltwoche” ergibt: 6 Seiten stehen dem Brutalokämpfer James Bond zur Verfügung, weitere 6 Seiten den Balkan-Brutalos in der Schweiz. Das nennt man ausgeglichene Berichterstattung. Natürlich darf ein Kniefall des Jungverlegers vor “dem faszinierendsten Intellektuellen” Henry Kissinger nicht fehlen. Köppel vergisst, dass Brutalo-Henry als ehemaliger US-Aussenminister in Asien wie in Lateinamerika jede Massenmord-Diktatur unterstützt hat, die ihm nur ein wenig diente. Milton Friedmann wird natürlich, passend, als “Prophet des freien Marktes” gefeiert. Tito Tettamanti und Gerry Isler werden zufrieden sein. Was ist die neue “Weltwoche”? Ein Kampf- oder ein Weltblatt? Merke: Diese Ausgabe enthält auch ein ganzseitiges Inserat der SVP. Der grosse Sponsor Christoph B. lässt seinen Schützling nicht alleine.

 
     
     
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