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Pierre Mirabaud übertreibt

15. September 2006 um 10:05

Der amtierende Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung, der Genfer Pierre Mirabaud, ist noch nie wegen übertriebener Intelligenz seiner Rede, mehr wegen der ausgesuchten Qualität seiner englischen Stoffe aufgefallen. Jetzt hat er sich zum Bankiertag eine Rede schreiben lassen, die man, wäre sie von links gekommen, eine Unverschämtheit genannt hätte, wäre sie von rechts gekommen, eine Blocheriade genannt worden wäre. Jetzt kommt sie jedoch “von oben”, dort, wo das Geld sitzt. Was ist das für eine Rede?
Mirabaud zitiert seine Gegner selbst, die ihn und seine Freunde “Anarcho-Kapitalisten” nennen. Das habe ich zwar in der Deutschen Schweiz noch nie vernommen, aber die Region Genf mag dies anders sehen, wo mehr reiche Ausländer wohnen als irgendwo sonst. Mirabaud greift seriöse bürgerliche Politiker an wie FDP-Nationalrat Niklaus Schneider-Ammann, der zu den erfolgreichsten Schweizer Unternehmern gehört. Schneider-Ammann, auch Präsident von Swissmen, empfiehlt eine zurückhaltendere Salärpolitik der Spitzenbankiers, mit ihm Dutzende anderer Parlamentarier und Schweizer Unternehmer der A-Klasse.
Mirabaud fordert mehr Freiheit für “seine Anarcho-Kapitalisten”, die keine Lust mehr hätten, die anderen 7 Mio. “Sozialschmarotzer” des Landes, Ausländer inkl., zu finanzieren. Ich gehe dabei davon aus, dass etwa 200 000-300 000 Schweizer zu einer Einkommensklasse gehören, denen man dieses Attribut aus Genf nicht zuordnen möchte. Auch meint er, die Topsaläre seien “Früchte der Anstrengung”. Es fragt sich nur, der Anstrengung von wem.
Tatsache ist, und hier hatte Karl Marx recht, gerade in der Schweiz ist das Finanzkapital im Begriff, das industrielle Kapital zu übernehmen. Die Banken müssen wachsen, wie Haifische schwimmen müssen. Ist dies nicht möglich, sterben die Haie. Dieser Prozess ist unaufhaltsam. Deshalb, blicken wir 20 Jahre in die Zukunft, werden Genossenschafts- oder Kantonalbanken nur noch geduldete Relikte der Vergangenheit sein, wenn sie überhaupt noch existieren dürfen. Wer als Unternehmer nicht über genügend Cashflow verfügt, wird den Mirabaudschen “Anarcho-Kapitalisten”, die aufgrund dieser Leistung ihre Hocheinkommen auch verdienen, ganz einfach ausgeliefert sein.
Ich finde, Mirabaud hat wieder einmal die falsche Rede gehalten. Er warf die Fackel in das Benzinfass. Wenn die bürgerlichen Politiker, von den Gewerkschaften nicht zu sprechen, nun dagegen Sturm laufen, offen oder verdeckt, dann hat er sich dies zuzuschreiben.
Lieber Ghostwriter, denn Dein Präsident hätte solches nie alleine formuliert, Du bist über das Ziel hinausgeschossen. Dein Präsident hätte etwas sagen sollen über den Zusammenhalt der Schweiz, über Leistungsträger, die man gut bezahlen soll, auch Fr. 30 Mio. im Jahr ist nichts gegen die Verschwendung und Unfähigkeit bei SBB, Suva, IV und vielem mehr. Schade, dass “Anarcho-Kapitalisten” so dumm sind; das bringt sie letztlich zu Fall.

2 Kommentare zu “Pierre Mirabaud übertreibt”

  1. Gast

    Ein mutiger Mann, der auch mal ausspricht wie die Sache ist !

  2. Andrew Waters

    Eine ungute Kombination von Geld und Dummheit!

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