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Tagesarchiv für 2. August 2006

La Suisse existe

Mittwoch, den 2. August 2006 um 16:02

Unser Land funktioniert einfach ganz wunderbar; nur wer dies nicht sieht und erlebt, kann das Gegenteil behaupten. War jetzt wieder drei Tage in Berlin, tief beeindruckt von den unendlichen Milliarden-Investitionen in diese sozial und kulturell tief zerrissene Stadt. Die meisten Menschen, sofern es keine Touristen sind, sehen aus wie knapp oberhalb der Armutsgrenze. Der berühmte Prenzlauer Berg, der gerade im Begriff ist, von Kreuzberg als schickes Viertel abgelöst zu werden, ist ein Wohlfühl-Viertel von bestürzend niedriger Dienstleistungs-Qualität. Mindestens den Hundedreck, der dort vorherrschte, hat man heute weitgehend unter Kontrolle. Westberlin ist gegenüber dem Osten deutlich langweiliger geworden. Die “Weisse Flotte” der Spree und der Seenlandschaft fährt durch ein Wasser von selten gesehenem braunem Dreck, das fürchterlich stinkt, wenn es von den Schiffsschrauben aufgewühlt wird. Zumindest die schlimmsten Ölflecke sind jedoch verschwunden. Traumhaft sind nur die Berliner Museen und Austellungen; dafür nimmt man den Rest hin.

Zurückgekommen nach Zürich, atmet man tief durch. Alles ist sauber und hoch kreativ. Ein Beispiel gefällig: “Le Temps” stellt Prof. Leo Schelbert vor, einen Schwyzer aus einer Melkerfamilie, der seit 30 Jahren in Illinois lehrt. Er nennt die USA seit ihrer Gründung “eine imperiale Kolonialmacht”. Das traut sich nicht einmal Micheline Calmy-Rey zu sagen. Sein Portrait in “Le Temps” wird gesponsert von einer Genfer Privatbank: Banque Piguet & Cie. SA. Kaum zu glauben, dass eine Genfer Privatbank solches unterstützt; aber es ist nur Piguet, nicht Pictet.

Peter Hasler, lieber Kollege

Mittwoch, den 2. August 2006 um 15:45

Natürlich freue ich mich, dass unsere PR-Branche in der Schweiz, die sich meist mehr mit Events als mit Intellekt beschäftigt, mit Dir ein neues Mitglied gefunden hat, das die schwerwiegenden Defizite unserer Branche auszugleichen vermag. Dein Übertritt in die PR-Branche symbolisiert auch in wunderbarer Art und Weise eine der wesentlichsten Konstituanten unseres Gewerbes, ist die moderne Öffentlichkeitsarbeit Ende des 19. Jahrhunderts doch aus den Konflikten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in den USA entstanden. Die damaligen “robber barons” brauchten dringend “Übersetzer”, die ihr Haifisch-Verhalten sozial verankerten. Mit Deinem Eintritt in unsere Branche – das kollegiale “du” ist hier angebracht – gibst Du hoffentlich kein Zeichen, dass solche Zeiten uns wieder bevorstehen. Als ehemaliger Direktor des Arbeitgeberverbandes müsstest Du bestens wissen, was die Arbeitgeber im Schilde haben.

Offen gesagt bedaure ich ein wenig, dass die Schweizer Wirtschaft Dir nichts Besseres zu bieten wusste. Wir sind schon lange nicht mehr das Land der Seligen, wo das Wort “Streik” ein Fremdwort ist. Jetzt ist Dein Spagat in der freien Marktwirtschaft gefragt. Willkommen im Club.

Was hat die “Glückskette” mit der Sharia zu tun?

Mittwoch, den 2. August 2006 um 15:25

Wie haben die Schweizer Medien getrommelt, um Geld für Aceh zu sammeln. Über diesen Sammelwahnsinn mit bisher schwer messbaren positiven Folgen haben wir schon einige Male an dieser Stelle berichtet. Die meisten Schweizer werden schon vergessen haben, wo Aceh liegt, im Westen Indonesiens, schwerstens getroffen von einer Tsunami. Die Hütten sind noch nicht wieder aufgebaut. Aber das Geld der “Glückskette” und vieler anderer hat nicht verhindern können, dass heute dort wieder das Gesetz der Sharia gilt. Die Prügelstrafe wird öffentlich zelebriert. Merke: Wenn vieles schief läuft, schweigt man am besten dazu.

Advanced Management-Programme – wozu?

Mittwoch, den 2. August 2006 um 15:08

Gerade deshalb, weil ich Dutzende von Alumni führender US-Hochschulen kenne, frage ich mich manchmal, was sie dort eigentlich gelernt haben. Sie fallen im Allgemeinen nicht positiver auf als andere, die solche Weihen versäumt haben. Deshalb lese ich intensiv Berichte solcher Alumni über deren AMP’s und komme zum Schluss: Wichtiger als die Inhalte der Trainings sind die Formen, die Art des Umgangs miteinander, die Erweiterung der sozialen Horizonts. Viele unserer Führungskräfte stecken in einer Karriere-Röhre, wo sie nur Gleichgeartete kennen lernen. Dies führt zu bekannten Formen der Dekadenz, wo einige Leithirsche das Tempo, die Richtung und den Erfolg bestimmen. Solange diese alles richtig machen, ist dies kein Problem. Immer häufiger aber stimmt die Richtung nicht, woraus die bekannten Personalwechsel resultieren. Bei den AMP’s kann man den Röhrenblick verlieren, so man die Kraft dazu hat.

Dummheit als Trend unterschätzt

Mittwoch, den 2. August 2006 um 14:27

Kleine Privathochschulen, die dem wachsenden Bedarf der Unternehmen nach wirklich qualifizierten Kommunikatoren Rechnung tragen, wollen wieder gebildete Menschen heranziehen. Nur mit einer Vorqualifikation, wie sie früher üblich war (Theologen, Germanisten, Philosophen) wird diesen dann das notwendige Fachwissen vermittelt. Der Grund ist die zunehmende Ausdrucksschwäche vieler Marketing- und Kommunikationsmanager, die keinen richtigen Satz mehr zustande bringen. Angesichts des Chaos’ in der deutschen Sprache, das auch die Dialekte viel zum hoch bewertet, sagen viele junge Kandidaten bei Stellenantritt: “Ist doch egal, wie es geschrieben ist, wenn man es nur versteht.” Dieser Irrtum kommt die Unternehmen teuer zu stehen. Pech ist es, wie vielerorts anzutreffen, dass auch die Chefs ausser BWL nicht viel mehr gelernt haben. Solche Künstler verstecken sich hinter der Nichtkommunikation (die es bekanntlich nicht gibt).

Attraktiv für “abgelegte” Frauen

Mittwoch, den 2. August 2006 um 12:58

Schon bei der jüngsten WM fiel mir auf, wie wenig selbstbewusst die Schweizer Touristiker um die Frauen der mit dem Ballspiel beschäftigten Fussballer warben. Im Wallis, im Berner Oberland oder im Bündnerland ist die Luft frischer als in den Niederungen Mailands oder Frankfurts. Nun aber die echte Überraschung: Schon zum zweiten Mal sind mir Deutsche aufgefallen, ein bedeutender Unternehmer und ein nicht minder bedeutender Politiker, die ihre Ex-Frauen in Schweizer Seegütern oder Bergchalets unterbringen. Die Frauen flüchten mit den Kindern in die Schweiz, werden meist vernünftig finanziert, während die revitalisierten Ehemänner in Deutschland neuen Röcken folgen. Es wäre angebracht, diese Lösung einmal breiter zu kommunizieren, damit aus “kalten Betten” heisse werden. Umgekehrt funktioniert es auch: An der Liguria, wenn gegen 18.00 Uhr die Züge aus der Lombardei eintreffen, werden diese “treni degli cornuti” genannt. Der Geschlechterkampf als Marketinginstrument?

Deutschland im Herbst 2006

Mittwoch, den 2. August 2006 um 11:54

Henryk M. Broder, ein Deutscher Jude und Journalist den ich sehr schätze, bringt es auf den Punkt : Sollten die Israeli mit Sitzblockaden an der Grenze den Raketenbeschuss aus dem Libanon stoppen? In Deutschland feiert nach dem Scheitern einer ähnlichen Haltung vor ein paar Jahren im Kosovo der blinde Pazifismus seit 60 Jahren Urständ. Bei aller Last der deutschen Geschichte: Es ist an der Zeit, endlich in der Realität anzukommen.

Philippe Welti

 
     
     
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