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Monatsarchiv für Juli 2006

Christians United – ein merkwürdiges Volk

Freitag, den 28. Juli 2006 um 8:39

Als römisch-katholischer Christ kann ich mich nur wundern über den Gang der Dinge. Rom war nie sehr nett zu den Juden, das mag falsch gewesen sein. Dafür haben wir jetzt in den USA die “Christians United for Israel”. Sie sehen Armageddon, den Weltuntergang, kommen und sagen, Israel erfülle mit dem jüngsten Krieg Gottes Wille. George W. Bush gratulierte, Olmi ebenso. Vielleicht leben wir Europäer/Schweizer doch hinter dem Mond.

Tsunami-Hilfe eine Pleite

Donnerstag, den 27. Juli 2006 um 16:12

Gerne wüsste ich, was die Schweizer Tsunami-Hilfe in Aceh bisher geleistet hat: Sie erinnern sich: Frau Calmy-Rey im Charterflug unterwegs, verspricht sehr viel. Was die Grosswetterlage dort angeht, weiss ich, dass anstelle von 120 000 Häusern, die gebraucht wurden, 25 000 erstellt wurden. Von USD 8,5 Mia., die versprochen wurden, sind bis heute USD 1,5 Mia. eingezahlt worden. Jetzt hätte ich gerne eine volle Ergebnis-Recherche – die freie Presse ist uns Lesern und Spendern dies schuldig.

Die Wirtschaft ankurbeln – Beispiel Libanon

Donnerstag, den 27. Juli 2006 um 15:38

Als 1990 der Bürgerkrieg im Libanon zu Ende ging, musste das Land wieder aufgebaut werden. Begleitet von heftigster Korruption, wurde der staatliche Sektor ausgeweitet bis die Staatsschulden USD 40 Mia. betrugen. Erst 2005 kamen dann die internationalen Konzerne wieder zurück. Die Touristen flogen wieder ein; sechs Prozent Wachstum war angesagt. Jetzt wird das Land schon wieder zusammengeschossen. Es macht einfach keinen Sinn.

Oder doch? Die USA wollen mit ihrer Middle East Offensive, die von Marokko bis Afghanistan reicht, den ganzen Raum befrieden. Wenn Israel jetzt im stillen Einverständnis mit den USA die Hizbollah abräumt, kommt Syrien unter Druck, Jordanien hat weniger denn je eine Alternative. So könnte der Iran eingekreist werden, mindestens aus der Sicht des Grössten Staatsmanns aller Zeiten, Georgieboy.

Das erinnert fatal an einen portugiesischen König, Sebastião, der 12 000 seiner Ritter aufbot, um einen Kreuzzeug nach Nordafrika zu tragen. Seine Ritter wurden erschlagen, er nie wieder gesehen. Portugal wurde von Spanien übernommen, weil die Elite weg war.

Grosse Ideen – kein Schweizer dabei.

Donnerstag, den 27. Juli 2006 um 15:30

Manchmal glaube ich, wir leben in der Schweiz auf einem isolierten Kontinent. Als “FORTUNE” zum “Brainstorm 2006″ einlud, nahmen wichtige Amerikaner, Asiaten und Afrikaner teil; total 271. Vertreter Europas war Mustafa Ceric, der Grossmufti von Bosnien. Immerhin stellte man fest, bereits jedes achte US-Ehepaar habe sich online kennen gelernt. Biodiesel sei es auch nicht, denn zur Herstellung sei der Wasserverbrauch zum gross. Der Biosprit sei damit eine Konkurrenz zur Ernährung, die auch das Wasser brauche.

Wir verkaufen die Schweiz schlecht.

Donnerstag, den 27. Juli 2006 um 10:22

Mindestens zweimal in der Woche erhalte ich Informationen oder Angebote über wunderbare Ferien- und Trainingswochen in den USA. Vor mir liegt ein Bild von den “perfect grounds of the Aspen Institute”. Oh je, das sieht aus wie unsere Voralpen, wie das Appenzell, die Gegend um Thun oder das Unterwallis. Wieso haben wir es verlernt, unsere “perfekten” Landschaften so gekonnt wie die Amerikaner zu verkaufen? Warum sollte ich in die Rocky Mountains? Unsere Walliser und Berner Alpen sind unendlich viel schöner und dramatischer. Und Florida? Das ist kein Platz mehr für vernünftige Menschen: zu heiss, zu viele Stürme, zu viele Krokodile, zu viele alte Leute, zu viel Abriss. Offensichtlich weiss bei unseren Touristikern niemand mehr, wie schön die Schweiz wirklich ist – und das Wallis ganz speziell.

Nicolas G. Hayek schweigt

Donnerstag, den 27. Juli 2006 um 10:06

Er ist einer der berühmtesten Libanesen in der Schweiz: Nicolas G. Hayek, der Swatch-Boss, der Retter der Schweizer Uhrenindustrie. In den letzten Jahren hat er massiv in seine Ur-Heimat investiert und gilt dort als ein wirtschaftlicher Nationalheld. Jetzt schweigt er zum Libanon. Der libanesische Schriftsteller Charles Chahwan hat sich geäussert. Er schrieb: “Zumeist sind wir ein Volk aus egoistischen Händlern.” Weit weg von der Wahrheit dürfte er nicht liegen.

Lobet den Herren – in China

Mittwoch, den 26. Juli 2006 um 15:46

Auf dem Weg zur “harmonischen Gesellschaft”, den die KPCH beschreitet, hat sie auch den Religionen ihre Aufgabe zugewiesen. Das ist reizvoll:
- Der Aufbau der protestantischen Theologie ist erwünscht.
- Die katholische Kirche brauche eine demokratische Verwaltung; d.h. die Bischöfe werden dort national bestimmt und später von Rom bestätigt. Ganz wie im Bistum Chur.
- Der Buddhismus müsse menschenzentriert interpretiert werden.
- Was den Islam betreffe, dürfe Dschihad nicht Angriffskrieg heissen, sondern Kampf um Gerechtigkeit und gegen eine Invasion.

Merke: Hier kommen völlig neue Perspektiven auf uns zu.

Condi und Olmi

Mittwoch, den 26. Juli 2006 um 15:20

Condi Rice möchte ich nachts nicht alleine im Wald begegnen. Sie hat oft einen Blick und eine Kieferstellung, die einen Ausserirdischen zu Eis erstarren lassen würden. So geschehen bei “Olmi” Olmert, ihrem israelischen Partner bei der Zerstörung des Gaza-Streifens und des südlichen Libanons. “Olmi” gelingt es, ihr gegenüber absolut locker zu bleiben. Seine Augen halten sie fest unter Kontrolle; um seine Mundwinkel meint man ein sanftes Lächeln zu entdecken. Wer ist hier wessen Gefangener?

Geld spenden für den Libanon?

Mittwoch, den 26. Juli 2006 um 13:39

Ich habe meine Mühe mit der Idee, für den Libanon jetzt Geld zu spenden. Was die Israeli zerstört haben, soll nun mit meinem Geld wieder aufgebaut werden? Das geht doch nach der üblichen USA-Regel: “Wir kämpfen, Ihr zahlt den Wiederaufbau.”

Zudem, im christlichen Norden Beiruts herrscht Friede und weiterhin Partystimmung. Dort wird gefeiert wie eh und je. Warum zahlen die reichen Beiruter ihre “casualities” nicht selber? Wenn nun der maronitische Erzbischof uns Schweizer zum Spenden auffordert mit dem Hinweis, wir seien das Land der Humanität und der Menschenrechte, dann darf dies nicht zu einem globalen Freibrief werden, die Dummheiten und Aggressionen irgendwelcher Lokalpolitiker auszubügeln.

Schweiz: Die Rechtsprechung ist nicht unabhängig

Mittwoch, den 26. Juli 2006 um 12:41

Sicher gehören Sie zu den vielen, die sich bei unserer Rechtsprechung schon häufig an den Kopf gegriffen haben und sich fragten: “Das kann doch nicht stimmen.” Offiziell ist in der Schweiz die Judikative frei und unabhängig von der gesetzgebenden und ausführenden Gewalt. In Wirklichkeit werden bei uns immer wieder haarsträubende Urteile gefällt, die jegliches Augenmass vermissen lassen. Ich sehe schon lange den Grund darin, dass es unsere Parteien sind, welche die Richter auswählen dürfen. Man wählt jemand, der “passt”.

Umso schöner ist daher die Aussage eines der dienstältesten Gerichtsschreiber am Bundesgericht in Lausanne. Peter Uebersax bestätigt: “Die Gerichtstätigkeit ist nicht politikfrei.” Das Gesetz lasse stets Spielraum, “bei dessen Ausschöpfung zwangsläufig politische Überzeugungen mit einfliessen.” Peter Uebersax ist SP-Politiker in Cheseaux/VD.

 
     
     
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