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Weblog
Tagesarchiv für 22. Mai 2006
Montag, den 22. Mai 2006 um 16:19
Christoph Keckeis, unser Friedensgeneral, gefällt mir. Er ist, was man sonst nur Christoph Blocher zuspricht, einer der schnellsten und präzisesten Topmanager der Schweiz. Und er schätzt die Klarheit der Aussage:
- Er hätte lieber einen männlichen VBS-Chef; das ist eine Warnung an die schöne Doris L.
- Er meint, zum Schutz wichtiger Fussballspiele bräuchte man künftig bis zu 13 000 Soldaten.
- Sagt: “Die moderne Gesellschaft kann innerhalb von Minuten in die Unruhe kippen.” So fragil sind wir geworden.
- Sagt, man dürfe in der Schweiz das Kürzel NATO nicht erwähnen, fühlt sich aber im Rat der 42 NATO-Generäle in Brüssel sehr wohl, weil dort Sicherheit geschaffen wird.
- Bedauert kühl, dass weltweit immer mehr “warlords” die Macht übernehmen. Das ist die von Kapuszinski beschriebene globale Destabilisierung, wo Randzonen aufgegeben werden wie jetzt auch in der Schweiz. Wer sind bei uns die künftigen “warlords”?
Merci, mon Général.
Allgemein, Politik | Keine Kommentare »
Montag, den 22. Mai 2006 um 15:57
Grandios, Bundesrat Blocher warnt vor einem sinkenden Lebensstandard der Schweizer Bevölkerung. Seit 30 Jahren hat er nichts getan, um ihn zu verbessern; seine heutige Politik hat eine weitere Verschlechterung unseres Lebensstandards zur Folge – mit Ausnahme derjenigen von Milliardären, wozu unser bescheidener Magistrat gehört. Ich habe schon vor zehn Jahren geschrieben (“Bedrohte Schweiz wohin”, “Schweiz im Blindflug”/Orell Füssli), dass der wirtschaftliche Niedergang des Schweizer Volks die Konsequenz des Zerfalls der Schweizer Eliten ist. Wer reich ist, geht schon lange “global”. Blocher kommt mir vor wie ein Brandstifter, der jetzt den Feuerwehrmann spielen will.
Politik | Keine Kommentare »
Montag, den 22. Mai 2006 um 15:52
Derzeit tobt ein Übernahmekampf in Kanada. Die Kanadier wehren sich dagegegen, dass der Schweizer Bergbaukonzern Xstrata ein dortiges Unternehmen übernimmt. Die Medien schiessen gegen den Standort Schweiz aus vollen Rohren. CEO Mick Davies will dennoch in der Schweiz bleiben, ist aber überrascht. Merke: Wenn wir uns, im Bild des Auslands, zu einem Gross-Liechtenstein entwickeln, wird dies unserer Industrie schaden. Der Ruf der Schweiz ist bei weitem nicht so gut, wie dies in Bern dargestellt wird.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Montag, den 22. Mai 2006 um 15:50
Der ADC, der Art Directors Club der Schweiz, hat einen Grufti engagiert, um seine Wiederbelebung in Gang zu setzen. Jean-Etienne Aebi, der vor längerer Zeit die letzten bemerkenswerten Werbeprodukte vorgelegt hat, will den ADC der werbetreibenden Wirtschaft öffnen. Ich meine, das gibt einige schöne Parties mehr.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Montag, den 22. Mai 2006 um 14:39
Sie tritt als Fraktionschefin der SP Schweiz zurück, um wieder erfolgreicher Sachpolitik machen zu können. Das kann nicht wahr sein; wer könnte besser Sachpolitik vorbereiten und entscheiden als der Fraktionschef? Die SP Schweiz hat, ein gutes Jahr vor den Wahlen ein Problem: Weder der Parteipräsident noch die jetzige Fraktionschefin sehen aus und reden wie Sozialdemokraten; es sind Schwachstrom-Bürgerliche. Jetzt wird für die tapfere Hildegard, die ich stets schätzte, ein Nachfolger gesucht. Ich sehe in der SP-Fraktion keinen; man muss tiefer graben.
Politik | Keine Kommentare »
Montag, den 22. Mai 2006 um 13:41
Als ich kürzlich meinem Bankberater sagte, die Erträge der letzten vier Monate seien ungenügend, verwies er mich auf eine Bankstatistik, dass ich mit 1,89% Ertrag nur knapp unter dem Ziel meiner Anlageklasse von 2,11% liege (ich bin risikoscheu mindestens in diesem Bereich). Jetzt verstehe ich, wie UBS, CS und andere Geld verdienen. Sie sperren uns in Anlageklassen ein, können daraus die Kosten relativ einfach berechnen und verdienen gross mit dem Geld der Privatkunden. Irgendwie gefällt mir das nicht.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Montag, den 22. Mai 2006 um 13:21
Wem es auf der Erde nicht mehr gefällt, kann vielleicht doch auswandern. Astronomen haben 42 Lichtjahre entfernt ein Planetensystem entdeckt, das dem unseren gleicht. Die neue Erde ist 18-mal so gross wie die unsere und scheint bewohnbar zu sein.
Gesellschaft | 1 Kommentar »
Montag, den 22. Mai 2006 um 11:52
Seit Monaten hören wir vom Bundesrat, aus den Bundesämtern, von den Banken und Konzernen, die Schweiz blühe wieder auf. Wie es der Zufall will, bleibt das Schweizer Volk skeptisch. Es macht sich Sorgen um die Zukunft, der “Walliser Bote” schreibt: “Wir sind vorbereitet.” Auf die Krise?
Worauf beruht die unterschiedliche Beurteilung? Der Finanzplatz und die gut geführten global tätigen Firmen verdienen tatsächlich gutes Geld; die Grossaktionäre verdienen noch besser, die Kleinaktionäre weniger. Die angeschlossenen Dienstleister wie Treuhandfirmen, Anwälte, Gärtner und Unternehmensberater, die Autohändler und Spitzenhoteliers verdienen, sind sie gut geführt, auch recht.
Gleichzeitig findet der berufliche Abbau und die Einschränkung der Bewohner des Binnenmarktes statt. Das habe ich noch nie erlebt: Auf der jüngsten GV von Holcim beschwerte sich ein Schweizer Mitarbeiter, sein Einkommen sinke sogar. VR-Präsident Dr. Rolf Soiron lobt ihn für den Mut, bei dieser Gelegenheit aufzutreten. Ich schätze, diesen Job hat er nicht mehr lange.
Das Schweizer Volk hat mit recht Angst, denn es wird die Rechnung bezahlen müssen; das verrät nichts Gutes.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Montag, den 22. Mai 2006 um 10:07
Die Chefin der Basler Liberalen, Maria Iselin, ist die letzte wirkliche Hüterin der alt-liberalen Idee in der Schweiz. Sie lässt gerade die Klage an die FDP Schweiz vorbereiten, dass man den Basler Liberalen das Logo gestohlen habe. Nach meiner Erfahrung müsste dies, wenn es zur Verhandlung kommt, eine Verurteilung geben, denn Logos sind geschützt. Jedoch rechne ich mit einer Einigung spätestens im Juni. Das neue FDP-Logo findet ohnehin nicht überall im Land Anklang. Merke: Mit Logos alleine gewinnt man keine Stimmen; man kann sogar, wie Basel zeigt, welche verlieren.
Politik | 1 Kommentar »
Montag, den 22. Mai 2006 um 10:04
Das 100. Todesjahr von Henrik Ibsen wird derzeit in der ganzen Welt gefeiert, ganz ausgezeichnet in der “NZZ”-Literaturbeilage vom vergangenen Samstag, nur die Norweger schaffen es nicht, ihren wichtigsten Autor ganz ernst zu nehmen. Der Osloer Journalist Peter Normann Waage meint: “Wenn die Geschichte verschwindet oder sich die Nation in Sonderinteressen auflöst, geht auch die Kultur verloren.” Norwegen erlebt seit Jahren einen riesigen Ölboom; ein Ibsen passt nicht mehr zu dieser goldenen jungen Generation. Ein E.Y. Meyer in Bern hat das gleiche Problem. Der Autor von “Trubschachen” ragt wie ein Monolith in die Gegenwart. Die offizielle Berner literarische Dekadenz hat dies nur noch nicht gemerkt.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
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