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Tagesarchiv für 4. Mai 2006

Lesen Sie “1984″ von George Orwell wieder

Donnerstag, den 4. Mai 2006 um 16:19

Sie werden erstaunt sein, wenn Sie “1984″ von George Orwell wieder einmal lesen, wie viel davon heute Wirklichkeit ist:
- Mit “Newspeak” leben wir jeden Tag (Alles ist wahr, aber völlig verfremdet)
- Wieso heissen “Schurkenstaaten” Schurkenstaaten?
- Wieso foltern die USA nicht, tun aber Dinge, die einer Folter sehr ähnlich sehen?
- Der Dauerkrieg, wie dort beschrieben, ist von George W. Bush (“Krieg gegen den Terror”) realisiert
- Das “Ministry of Truth” heisst heute SRG
- Die “novel writing machines” heissen heute “soaps”.

Merke: Wir sind weit gekommen.

Wo Blumen keine Freude sind

Donnerstag, den 4. Mai 2006 um 16:16

Ich trainiere im Sportraum einer Altersresidenz mit meiner Freundin, einer über neunzigjährigen quicklebendigen Frau, die täglich trainiert. Plötzlich huscht ein Schatten über ihr Gesicht. Sie sagt: “Es sind Blumen gekommen.” Sie möchte leben; Blumen sind an diesem Ort kein gutes Signal.

Verband Schweizer Presse ohne Inspiration

Donnerstag, den 4. Mai 2006 um 15:15

Während die Schweizer Printmedien ihre grösste Krise seit dem 2. Weltkrieg erleben, bleibt der Verband Schweizer Presse ohne Inspiration. Der Jahreskongress 2006 wird mit der bedeutenden Schlagzeile angekündigt: “Interessante Referenten sorgen für Ein- und Aussichten”. Jeden Volontär müsste man nach einem solchen Titel unbedingt kündigen. Verantwortlich: Josefa Haas, die nach ihren Niederlagen bei der SRG dringend wieder eine neue Aufgabe brauchte. Ein gutes Beispiel dafür, wie soziale Netze auch jene tragen, die eigentlich durchfallen müssten.

Serge Gaillard ist nicht von dieser Welt

Donnerstag, den 4. Mai 2006 um 14:30

Wenn der Chefökonom des SGB die Saläre der Manager auf die Höhe eines Bundesratslohns begrenzen will, beweist der als klug gefeierte Ökonom, dass er nicht von dieser Welt ist. Künftig werden wir seine Urteile noch tiefer hängen müssen. Wir leben in der Zeit des sich vollendenden Kapitalismus und nicht im 20. Jahrhundert.

SVP-Ständerat This Jenny sieht die obere Salärgrenze bei CHF 4 Mio. pro Jahr, der Trybol-Fabrikant Thomas Minder bei CHF 1,2 Mio pro Jahr. Nein, meine Herren, die Schweiz von morgen wird ganz anders aussehen, als Sie sich das vorstellen.

Die Frau, die Rainer E. Gut geschlagen hat

Donnerstag, den 4. Mai 2006 um 13:36

Gigi Oeri, die Besitzerin des FC Basel 1893, meint, der Club sei jetzt so gut, dass man bald auf Mäzenatentum verzichten könne. Damit hat sie es geschafft, Rainer E. Gut und Fritz Gerber, die einstigen Sponsoren des GC Zürich, mit Abstand zu schlagen. Der Unterschied liegt meines Erachtens darin, dass sich die wilde Gigi (sie hat Augen wie Doris Leuthard)wirklich um ihren Verein gekümmert hat. Urs Lauffer, Zürcher FDP-Kantonsrat, der die beiden Zürcher Finanzkönige in das GC-Abenteuer gestürzt hat, widmet sich jetzt anderen sozialen Übungen.

Landesmuseum: Doch Machtkampf

Donnerstag, den 4. Mai 2006 um 13:02

Jean-Frédéric Jauslin, Direktor des Bundesamtes für Kultur, hat jetzt die Katze aus dem Sack gelassen: “Ich will im Bundesamt für Kultur eine strategische Zelle kreieren, welche die Museumspolitik in ihrer Gesamtheit betrachtet.” Dem stand Andreas Furger vom Landesmuseum im Weg. Jauslin legt auch Wert darauf, dass der Mathematik studiert und eine Prüfungin Statistik abgelegt hat. Aus dieser Sicht bezweifelt er die Besucherstatistiken von Furger. Dass dieser Leben in die alte Bude gebracht hat, will dem Edel-Mathematiker aus dem Jura nicht in den Kopf. Heiliger Bürokratius, ist das weniger Staat?

Ende der Parteien?

Donnerstag, den 4. Mai 2006 um 10:07

In den USA fragt man sich längst, ob man Parteien überhaupt noch brauche. Anstelle der Demokraten und Republikaner sei es doch besser, unabhängige Einzelne zu wählen, meint Paul Johnson, der immer schon die Stimme der Superreichen war.

In Europa haben wir jede Menge Skandale wegen des Fundraisings für die Parteien. Blair verkaufte Oberhaussitze (vergl. Ständerat), mindestens 100 von über 700 Sitzen sind gekauft. Oft floss nicht einmal Cash netto, sondern es war nur ein günstiger Kredit, der Einsitz in die Kammer der Edlen öffnete. Ob Kohl, Berlusconi, Chirac oder Aznar, alle haben sie ihre Finanzierungsskandale.

Jetzt sondieren die sehr reichen Amerikaner, ob man nicht das ganze Parteiensystem abschaffen könne. Sogar in Israel würden die Parteien nur für unstabile Regierungen sorgen.

In der Schweiz sind wir noch lange nicht soweit. Es hängen zehntausende von Jobs in Bund, Kantonen und Gemeinden vom Parteiensystem ab. Bisher hatten wir immer genügend Geld, um dies zu finanzieren. Die Schwächezeichen gehen von den Gemeinden aus, wo Zusammenschlüsse immer dringlicher werden. Die Lust, kantonale Parteien zu unterstützen, liegt nur bei traditionellen Kräften vor. Die grossen Konzerne setzen sich meist nur auf Bundesebene ein.

Wollen Sie nach Hyderabad?

Donnerstag, den 4. Mai 2006 um 9:16

Ein normaler Schweizer tut sich schon schwer, von Bern nach Zürich zu zügeln. Jetzt verlagert die UBS ihr Recherche- und Analysezentrum nach Hyderabad. Die billigen Inder, die zudem oft wesentlich intelligenter als unsere jungen Schweizer sind, werden dort Jobs ausüben, die früher unsere Jungen wollten. Merke: Wir stehen erst am Anfang der Globalisierung.

Big Money: Jetzt ist der Graben aufgerissen

Donnerstag, den 4. Mai 2006 um 9:03

Sogar der treueste Ritter des Schweizer Grosskapitals, die “NZZ”, verlangt jetzt mehr Wohltätigkeit von den Spitzenverdienern der Schweizer Wirtschaft. Die unglückliche Verteidigung der Mond-Einkommen durch Marcel Ospel, Walter Kielholz und Oswald Grübel riss den Graben zwischen reich und arm im Land vollends auf. Jetzt wissen wir, dass 4,8% Kleinaktionäre nichts ausrichten können. Natürlich wussten wir dies schon früher, aber jetzt ist es offiziell. Wir leben – erstmals in der Schweizer Geschichte – wieder in einer Klassengesellschaft. Es gibt die neuen globalen Renaissancefürsten der Grossverdiener, übrigens mit schlechterem Kunstgeschmack als die Renaissancepäpste, einige Diener derselben, und das Volk.
Klug hat sich bisher nur Peter Wuffli verhalten; er schweigt.

Der Schweizer Film ist “in”

Donnerstag, den 4. Mai 2006 um 9:01

Alle reden und schreiben davon, dass der Schweizer Film wieder “in” sei. Dabei haben 51% aller Befragten gemäss einer aktuellen Umfrage der Uni Lausanne keine gute Meinung vom Schweizer Film. Der erfolgreichste Film der letzten zehn Jahre war “Titanic”, gefolgt von “Finding Nemo”. Das sagt alles.

 
     
     
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