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Monatsarchiv für April 2006

Velofahrende Sozis

Mittwoch, den 26. April 2006 um 15:26

Bürger laufen, Sozis fahren Velo. Stimmt das? Rudolf Scharping auf dem Rennrad bis hin zum Absturz im Pool mit seiner Gräfin ist uns allen noch in Erinnerung. Auch Kurt Beck zeigt sich auf dem Velo, aber fast bürgerlich, steif aufgerichtet. Elmar Ledergerber, der Zürcher Stapi, ist für seine tollkühnen Velo-Abfahrten bekannt, die gelegentlich mit einem Sturz enden. Prof. Georg Kreis sah ich kürzlich in Basel auf dem Velo eine flach ansteigende Strasse hinaufkeuchen. Und Prof. Peter Nobel, ex-Sozi und Staranwalt, hält sich weiter tapfer an seiner Lenkstange fest, wenn er durch das Zürcher Seefeld radelt. Das Velo bleibt ein Bekenntnis. Kaspar Villiger fuhr Velo, sein Bruder Heinrich verkaufte die Velofirma und blieb beim schweren Töff.

Facelifting ist nicht neu

Mittwoch, den 26. April 2006 um 15:19

Wenn heute in den USA 30-jährige Männer (oder sollten wir besser Kinder sagen?) sich liften lassen, damit ihr Gesicht mehr “business like” wirkt, dann ist dies nichts Neues. Seit Anbruch der Neuzeit gilt: Erst über das Bild wird man zur öffentlichen Person. Seither ist die Physiognomie zum gesellschaftlichen Ritual geworden. Wir glauben den Gesichtern unserer Politiker mehr als deren politischen Inhalten und Taten. Auch das ist nicht neu.

Blairs Dritter Weg war eine Sackgasse

Mittwoch, den 26. April 2006 um 15:14

Tony Blair, von seinen Partei- und intellektuellen Freunden verlassen, muss demnächst eingestehen: Sein dritter Weg war eine Sackgasse. Wer jemals an diese politische Blase glaubte, ist selbst daran schuld, zum Beispiel die Wähler von Blair. Nun suchen aber die deutschen Sozis wie versprengte Schweizer immer noch nach diesem dritten Weg. Ob sie im Gotthard-Tunnel fündig werden?

Berner Stapi will Gross-Bern

Mittwoch, den 26. April 2006 um 14:59

Nachdem der Espace Mittelland gescheitert ist und mit ihm auch grosse Teile der Ambitionen von Charles von Graffenried, dem Berner Star-Unternehmer, will der Berner Stapi Alexander Tschäppät nun mindestens ein Gross-Bern. Das zu einer grossen Stadt fusionierende Luzern ist ihm ein Vorbild. Aus Worb winkt man ab.

Grosskapital uneinig

Mittwoch, den 26. April 2006 um 14:04

Markus Rauh ist mehrfach geschlagen: Leica musste er an internationale Investoren abgeben, bei Unaxis verlor er den Kampf gegen “Heuschrecken” aus Österreich, bei der Swisscom servierte ihn Bundesrat Christoph Blocher ab, den man auch zu den globalen Investoren zählen muss. Jetzt tritt er an gegen die Auflösung unserer humanitären Traditionen. Mit ihm Johann N. Schneider-Ammann, FDP-Nationalrat, Peter Hasler, langjähriger Direktor des Schweiz. Arbeitgeberverbandes, Adrian Schmassmann, VR-Präsident der Katadyn AG und Peter Forster, Präsident des Arbeitgeberverbandes wie Textilunternehmer mit Produktion in Tschechien. Viele sind mit ihnen.

Sie stehen, mindestens teilweise, im Widerspruch zu den Grossbanken und deren Spitzenverdienern, indem sie auf die schweizerische Kompromisskultur nicht verzichten wollen. Keine Kompromisse wollen Oswald Grübel, CS Gruppe, Marcel Ospel, UBS Konzern, Franz Humer, HoffRoche, Daniel Vasella, Novartis, und Peter Brabeck, Nestlé. Dies ist ein spannender Match, der an Bedeutung viel wichtiger ist als Euro 08 oder die Fussball-WM.

Bahnhofstrasse Bonus-geil

Mittwoch, den 26. April 2006 um 13:15

Ein Auslandbanker stöhnte: Will ich an der Bahnhofstrasse Geschäfte machen, muss ich in Zürich einen Direktor einsetzen, der die harten Jungs der Grossbanken versteht. Diese sind absolut Bonus-geil und machen nur dann Geschäfte, wenn ihr Bonus damit nach oben geht.

Ein gutes Beispiel dafür ist David Solo, der Leiter des Asset Management von Julius Bär. Der 41-jährige Ferrari-Fahrer ist ein Ziehsohn von Marcel Ospel. Er führt die ehemalige Zürcher Traditionsbank heute nach den Prinzipien des Global Bankings: Wer nicht performt, wird perforiert.

Iwan Rickenbacher will Bundesrat Deiss stürzen

Mittwoch, den 26. April 2006 um 9:59

Mein gescheiter Kollege Iwan Rickenbacher, ehemaliger CVP-Generalsekretär, kann das Mausen nicht lassen. Jetzt verlangt er öffentlich den Rücktritt des letzten CVP-Bundesrats Joseph Deiss. Die Gründe: kein Kaliber, kein Charisma. Gewinnerin soll Parteipräsidentin Doris Leuthard werden, die nachrücken soll. Sie muss das wirklich rasch tun, sonst merken die Bürger, dass Doris als Parteipräsidentin eine politische Mogelpackung war. Da gibt es nur die Flucht auf den Bundesrats-Sitz, wie ich dies schon lange vorausgesagt habe.

Auf nach Indien

Mittwoch, den 26. April 2006 um 9:51

Sogar Bundsrat Merz empfiehlt: Auf nach Indien, dort locken Umsätze und Geld. Jetzt sagte mir “an old India hand”: Wir Schweizer sind viel zu nett, um uns in Indien durchzusetzen. In Indien gewinnt immer der Stärkere. Wer zu langsam ist, sich mit Kleinigkeiten abgibt und laufend Kompromisse sucht, hat in Indien keine Chance. Solche Worte habe ich von unserer Bundesverwaltung noch nie gehört.

Wasser predigen und Wein trinken

Mittwoch, den 26. April 2006 um 8:06

Der Präsident von Zürich Tourismus, Paul Nussbaumer, hielt an der
Generalversammlung von Unique eine blühende Rede. Arbeitsplätze,
Direktverbindungen, Wertschöpfung und Tourismus; alles verdanken wir dem
Flughafen. Der Applaus war ihm sicher am Treffen der Fluglärmlobby.

Nun, Herr Nussbaumer predigt Wasser und trinkt Wein. Wenn es ums eigene Geld
geht, sind die Arbeitsplätze in der Schweiz nur zweitrangig. Zürich Tourismus
lässt das offizielle Souvenir der Stadt Zürich in China produzieren. Wenn die
(chinesischen?) Touristen die Zürcher Trinkflasche nach Hause nehmen, ist dies
nicht Schweizer Handwerkkunst sondern chinesische Billigproduktion. So billig,
dass der Verkauf seit heute gestoppt wurde. Der Grund: die Flasche rostet.

Wir wollen Herrn Nussbaumer nicht vorschreiben, wo er dieses Stück “Schweizer
Heimat” produzieren lässt. Er soll uns aber auch nicht verurteilen, wenn wir
eine Nachtruhe bis 07:00 Uhr fordern. Denn kein Tourist verlangt bereits um
06:00 Uhr in Zürich zu landen; es sei denn, er steigt nur um. Aber dann ist er
ja auch kein Kunde von Zürich Tourismus; ganz im Gegenteil!

Urs Dumermuth

US-Regierung hat nach Osten taube Ohren

Dienstag, den 25. April 2006 um 16:24

Thomas von Randow, einer von Europas bekanntesten Wissenschaftsjournalisten, hat in seinem neuen Buch festgestellt: “Der Iran ist derzeit keine Gefahr für den Westen.” Dennoch lässt die US-Regierung gemäss Seymour Hersh prüfen, ob die tiefen iranischen Bunker mit Atomwaffen ausgelöscht werden können. Wenn dies so weitergeht, wird das 21. Jahrhundert noch aufregender als das 20ste. Ich bin sehr froh, in der Schweiz zu leben. Aus dem gleichen Grund strömt auch seit drei Monaten wieder sehr viel ausländisches Kapital ins Land. Wir bieten Sicherheit.

 
     
     
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