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Weblog
Monatsarchiv für Januar 2006
Montag, den 30. Januar 2006 um 10:01
Die Verwaltung des Kantons Zürich kauft fleissig Kunst; manchmal erfasst sie auch, was sie gekauft hat. Jüngst fiel auf, dass 2052 Kunstwerke einfach verschwunden waren. Nur die fünfzig Wertvollsten sucht man jetzt, die anderen 2002 sind dies nicht wert. Frage: Wer stiehlt in der Kantonalen Verwaltung 2000 Kunstwerke? Die Besucher? Höchstens im Ausnahmefall. Es müssen die Beamten und Angestellten gewesen sein, die damit ihre jämmerlichen Saläre heimlich aufbesserten. Ist dies Mundraub?
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Montag, den 30. Januar 2006 um 9:39
Der berühmte jüdische Philosoph Hans Jonas, von dem viele Unternehmer und Spitzenmanager sagen, er sei ihr wahrer Nachttisch-Liebling, wurde erst kürzlich ausgezeichnet. Die Stadt Mönchengladbach, über die man sonst nichts wissen muss, weil dort absolut nichts los ist, gab einem ihrer Parks seinen Namen. Jetzt soll darauf ein Einkaufszentrum gebaut werden, möglicherweise von einem Manager, der fleissiger Jonas-Leser ist. Am besten wird sein, man integriert den Jonas-Park in das Einkaufszentrum.
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Montag, den 30. Januar 2006 um 8:43
Bundesrat Joseph Deiss weiss, was die Aufgabe der Journalisten ist. Er sagt: “Sie sollen den Leuten Freude vermitteln und Erfolge mitteilen, sonst wird unser Land immer griesgrämiger.” Diese Forderung lässt sich vielfältig geniessen:
1. “Den Leuten” soll etwas vermittelt werden, das sind in den 1.August-Reden die eigentlichen Herren des Landes, die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Bei Deiss gerinnt dieser Begriff zu “Leuten”; das ist noch weniger als das “Volk”, das sind Irgendwelche, Hinzugezogene, Biomasse.
2. Diesen Leuten, das sind wir, sollen die Journalisten “Freude” vermitteln. Ich verbitte mir das von den Medien, denn ich bezahle nicht jährlich tausende von Franken für Zeitungs- und SRG-Abonnement, damit ich einen geistigen Wellness-Parcours absolvieren kann. Ich will wissen, wer tut was und warum? Die Freude hole ich mir andernorts.
3. Die Medien sollen “Erfolge” mitteilen. Ja, da würden wir uns wirklich freuen, wenn wir von Herrn Joseph Deiss und seinen Mitstreitern im Bundesrat mehr davon hören würden. Hiermit kann ich einen Erfolg melden: Ich habe bereits derart viele, meist wenig fähige Bundesräte überlebt, die ich zudem mit den Steuergeldern finanzieren musste (einschl. Renten), dass ich mich darob wirklich freue.
Merke: Bundesrat Joseph Deiss hat keine Ahnung, was die Rolle der Medien ist. Ich habe den ernsthaften Verdacht, seine Kollegen wissen es auch nicht.
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Freitag, den 27. Januar 2006 um 12:25
Unsere beliebte Grossbank Nr. 2, die Crédit Suisse, hat sich unter Anleitung einer Londoner Agentur ein neues Signet zugelegt, zwei flotte Segel hinter dem Namen. Noch niemand ist aufgefallen, dass die Londoner Firma Thames River Capital unter den beiden ziemlich gleichen Segeln unterwegs ist. Merke: Wer Agenturen in London für kreativer hält, als solche zuhause, muss im Windschatten bleiben. Die UBS segelt der CS flott voraus und hat auch noch das bessere Schiff.
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Freitag, den 27. Januar 2006 um 11:26
Kaum jemand will davon Kenntnis nehmen, dass unsere Flugsicherung, die gerade nach Dübendorf umzieht, in diesem Jahr 75 Jahre alt wird. Ich tue dies hiermit. Das mangelnde Interesse ist weniger auf den schweren Absturz in Süddeutschland zurückzuführen, der russischen Kindern mit Begleitern das Leben kostete. Es beruht auf der schlechten Kommunikationsleistung von FS-Direktor Rossier, die er an den Tag gelegt hat.
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Freitag, den 27. Januar 2006 um 8:48
Wieso verkaufen unsere Banken und Versicherungen in den arabischen Ländern Policen und andere Angebote “ohne Zins und Wucher”. Ohne Zins, das gilt auch für den Schweizer Anleger, aber ohne Wucher? Ich bin nicht sicher. Ich werde jetzt auch bei uns um “arabische Angebote” bitten.
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Mittwoch, den 25. Januar 2006 um 16:29
Nicht nur Familie Masoni hat sich im Kanton Schwyz mindestens steuerlich niedergelassen; viele andere freisinnige und andere Schweizer auch. Beispiele gefällig:
- Mark Ineichen, Sohn des freisinnigen Nationalrats Otto Ineichen, Geschäftsführer von “Otto’s”, wohnt und steuert in Küsnacht/SZ
- Peter Pfister, Bruder des Luzerner Wirtschaftsdirektors, wohnt in Fürigen/NW
- Leichtathlet André Bucher ist aus Neudorf/LU nach Baar/ZG gezügelt, wo er Preisgelder von über Fr. 750 000 verwaltet.
Eine neue Schweiz entsteht: Luzern, Obwalden und Zürich werden ärmer an Reichen; Zug, Schwyz und Nidwalden werden reicher. Luzern senkt jetzt die Steuern, um den Rest der Reichen zu halten.
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Mittwoch, den 25. Januar 2006 um 15:54
Die US-Wirtschaft und die Verwaltung geben in den USA jährlich USD 3,8 Mia. für PR aus. Das ist in meinen Augen vorsichtig geschätzt und bezieht sich alleine auf klassische Medienarbeit, Veranstaltungen, Sponsoring etc. In der Schweiz, habe ich schon 1978 geschrieben, lagen schon damals die wirklichen Gesamtkosten bei über einer Milliarde Franken. Gehen wir von den Kosten einer professionellen Gesamtkommunikation aus (alleine die US-Regierung dürfte dafür jährlich weit über USD 1 Mia. ausgeben), dürften die USA heute in PR bereits über 5 Mia. USD investieren und in der Schweiz liegen wir mit über Fr. 2 Mia. p.a. auch nicht schlecht. Bei uns war der Anstieg nur deshalb nicht grösser, weil die private Binnenwirtschaft seit 15 Jahren weitgehend stagniert; dagegen haben die Verwaltungen von Bund, Kantonen und Gemeinden ihren Kommunikationsaufwand überproportional gesteigert. Daran erkennt man, wer sich als Herr im Haus fühlt.
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Mittwoch, den 25. Januar 2006 um 15:38
Jede dritte Seminararbeit soll in Deutschland und Italien bereits gegoogelt, d.h. herabgeladen sein. Professoren schützen sich, indem sie die Themen besonders sorgfältig auswählen, z.B. solche von regionaler Bedeutung. Umberto Eco meint, die talentiertesten Kopisten solle man dennoch auszeichnen.
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Mittwoch, den 25. Januar 2006 um 13:54
Nein, man kann nicht, wie das Beispiel des Betriebsratsvorsitzenden des VW-Konzerns, Klaus Volkert, beweist. Der Konzern finanzierte ihm für über eine Mio. Euro eine langjährige brasilianische Geliebte. Dafür verkaufte er seine Arbeiter zu unvorteilhaften Verträgen an den Konzern. Andernorts werden die Zahlen kleiner sein, aber kaum anders. Sozialdemokraten sind “neue Bürgerliche”, die jetzt auch “ernsthaft Geld verdienen wollen” (Gerhard Schröder).
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