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Weblog
Monatsarchiv für November 2005
Dienstag, den 29. November 2005 um 10:50
Bundesrat Pascal Couchepin wirft Swisscom heute im Interview in “L’Agéfi” vor, Eircom sei überbewertet, nachdem das Gerücht, Swisscom interessiere sich für den irischen Telekomanbieter den Kurs habe hochjagen lassen. Im weiteren nimmt der den 3,3 Mrd.-Schaden bei Debitel als Beispiel, um zu unterstreichen, dass Swisscom im Ausland nicht zu investieren wisse:
1. Weiss Herr Couchepin, dass beim Kauf eines Unternehmens der Grösse von Eircom der Aktienkurs nur ein bestimmender Bestandteil von vielen für den Kaufpreis ist?
2. Ist sich Bundesrat Pascale Couchepin bewusst, dass er als Bundesrat/Mehrheitsaktionär und Parlamentarier wenig bis nichts unternommen hat, um Swisscom am Kauf von Debitel zu hindern?
3. Ist sich der Bundesrat bewusst, dass sein Entscheid, Swisscom nicht im Ausland grasen zu lassen, bereits nach zwei Börsentagen einen Verlust von CHF 1,5 Mrd. eingefahren hat? Also nahezu die Hälfte der Gesamtwertvernichtung, welche das kritisierte Debitel-Engagement gebracht hat
Beide Antworten sind schlechte Vorzeichen für die Tatsache, dass der Bundesrat mit seinem Entscheid zu Swisscom jetzt unternehmerische Führungsverantwortung für den Milliardenkonzern übernommen hat.
Stephan Oehen
Wirtschaft | 2 Kommentare »
Dienstag, den 29. November 2005 um 10:46
Wer heute im “Tages-Anzeiger” die Kurzfassung der Ansprache des ehemaligen Radiodirektors Andreas Blum liest, dem stehen die Haare zu Berge. Blum sprach vor der ultrakonservativen Stiftung “Wahrheit in den Medien” und nahm dies zum Anlass, einen Zerriss der SRG zu platzieren. Die Kritik mag inhaltlich durchaus berechtigt sein. Da zweifeln wenige.
Völlig rückwärtsgewandt ist Blum’s Warnung, den Service Public wieder ernst zu nehmen, da werde Inhalt und Sendungskraft der SRG wieder zu dem, was es sein müsste.
Mit Verlaub: Jeder Service Public ist heute tot, denn er hat seine Wirkungsberechtigung verloren. Die, welche ihn erhalten oder reanimieren wollen, stehen in der Nachfolge einer staatstragenden Medienpolitik, welche davon ausgeht, das der mündige Bürger, die mündige Bürgerin eine lenkende Informationshand braucht.
Nötig ist der Mut zur Realität, die im Parlament im Rahmen der Revision des RTV Gesetzes kaum diskutiert worden ist. Zwei Forderungen stehen im Zentrum:
1. Jedes Fernsehen, jedes Radio ist so gut wie sein Publikum. Der Service Public-Auftrag gehört gestrichen.
2. Der Markt bestimmt, welcher Informationsgehalt wann, wie und wo angeboten werden kann. Staatlich verordnete Radio- und Fernsehgebühren sind zu streichen.
Es schmerzt, Andreas Blum zu lesen. “Die Konsumenten können sich der suggestiven Manipulation durch Werbung kaum entziehen”, schreibt er. Welch einen Volksbegriff eines alt 68er, der meint, er sei noch in dieser Zeit!
Stephan Oehen
Kommunikation | 2 Kommentare »
Montag, den 28. November 2005 um 11:25
Michael Ringier sagt: “Gespräche unserer Redakteure mit ihm (Schröder) werden eine politische Volkshochschule sein.” Volkshochschule? Auf Universitätslevel sollten die Gespräche mindestens laufen, sonst lohnt sich das Schröder-Honorar nicht. Vielleicht wollen die Alt- und Jungsozis aber nur miteinander quatschen.
Die Ringier-Kommunikation in dieser Angelegenheit ist ohnehin verwirrlich. Hat jetzt Manfred Bissinger “Michi und Schrödi” zusammengebracht oder war es FAM? Keiner wird uns die Wahrheit sagen.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Montag, den 28. November 2005 um 11:08
Selten war das Chaos der bundesrätlichen Kommunikation grösser als in den letzten Tagen. Alle reden kreuz und quer; keiner im Volk versteht mehr, was Sache ist. Wo bleibt eigentlich Oswald Sigg, unser genialer Bundesrats-Sprecher? Lernt er noch Italienisch oder denkt er nur nach? Ich erinnere mich: Einst bewarb sich eine der rechten Hände eines unserer Bundesräte bei mir als Berater. Er sass am Tisch wie Rodins Denker, den Kopf schwer in die Hand gestützt. Nach längerem gegenseitigem Nachdenken sagte ich ihm, bei uns müssen sie aber arbeiten. Wir kamen nicht zusammen; seither geistert er als One-man-Thinktank durch die Lande. Reiches Land, das sich solches leisten kann.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Montag, den 28. November 2005 um 11:06
Natürlich hat sie das. Sie ist ein guter Performer, ökologisch recht fortschrittlich, sozial weitgehend kohärent, rechtsstaatlich und mit Bürgerfreiheiten ausgestattet, von denen die US-Amerikaner nur träumen können. Die USA erlauben eine enorme Zuwanderung, gehen verschwenderisch mit ihren Ressourcen um (deshalb Einfall in den Irak, um dort Ressourcen zu sichern), sparen nicht und konsumieren viel, haben eine niedrige Sozialquote, schlechte Infrastruktur für den normalen Menschen, ein schlechtes Gesundheitswesen, an dem gerade GM zugrunde geht, und ein wenig breites Bildungsangebot.
Auch das berühmte China, vor dem viele Angst haben, hat gerade ein Bruttoinlandprodukt, das viermal grösser ist als das der Schweiz.
Politik | Keine Kommentare »
Montag, den 28. November 2005 um 10:50
Die amerikanische Finanzindustrie hat in diesem Jahr über 2,5 Mia. USD für Direct Mail ausgegeben. Die Rücklaufquote ist in den vergangenen drei Jahren von über zwei Prozent auf heute 0,7% zurückgefallen. Unsere Direct Mailer sind nicht klüger und werfen ihr Geld zum Fenster hinaus. Der bessere Weg?
Siehe “Denken Reden Handeln”, Orell Füssli 2004.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Montag, den 28. November 2005 um 10:03
Es ist richtig, dass Zürich und die Schweiz einen guten Flughafen brauchen. Wie kommen wir dazu?
- Die Geschädigten in den An- und Abflugbereichen sind effizient zu entschädigen; keine halben Sachen.
- Die Süddeutschen haben ihren Teil der Lasten wieder zu übernehmen; jetzt kommen sie zu gut davon.
- Der Flughafen, das BAZL und andere Mitwirkende haben wirklich offen und perfekt zu kommunizieren.
Es ist einfach, wenn man nicht mit faulen Tricks spielen will.
Wirtschaft | 2 Kommentare »
Montag, den 28. November 2005 um 8:50
“20 Minuten” ist eine hübsche Sache; was wir aber bräuchten, wäre eine Gratiszeitung für die wohlhabenden Kreise. Eine Zeitung mit Meinung, mit Stil, mit Konsequenz. Die “NZZ” schafft das nicht, die “Weltwoche” schon gar nicht, auch nicht die “Bilanz”. Wer beginnt?
Kommunikation | 2 Kommentare »
Montag, den 28. November 2005 um 8:47
Die rhetorischen Tricks der klügsten Berater sind grenzenlos: Gertrud Höhler, die immer bereit war, für ein sehr hohes Honorar in der Schweiz aufzutreten, schreibt nun in ihrem neuen Buch gegen die Gier. Das ist schön. Vielleicht ist Frau Prof. Höhler, die ich für eine kluge Frau halte, bereits satt.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Montag, den 28. November 2005 um 8:44
Alle im KanzlerInnenamt in Berlin lachen: Die Minister und anderen Gäste üben den Handkuss. In Wien übt man diese merkwürdige Praxis immer weniger; aber in Berlin tobt die Nostalgie. Schlimm ist, dass Angela Merkel dies mit sich geschehen lässt – und vielleicht sogar liebt.
Kommunikation | Keine Kommentare »
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