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Monatsarchiv für September 2005

Patrick Frey – Augen auf, Maul zu

Montag, den 26. September 2005 um 12:57

Bellenden Hunden legt man den Maulkorb an. Das erinnert mich sehr an die Vorgehensweisen in der Schweizer Armee. Oh wie seltsam, gleiche Methoden in staatlichen Einrichtungen.

Innovation und Mut können wir vom Schweizer Fernsehen sicher nicht erwarten. Bis auf die “Rundschau”, “10 vor 10″, “Kassensturz” und “Cashtv” sind viele Programme von SFDRS den modernen Menschen gar nicht mehr zu zumuten. Patrick Freys harmlose und mässig witzige Hymne auf Ogi war zwar lustig aber zeigt ganz deutlich, dass man grosse Angst vor Neuem hat. Ich erinnere mich an den Tag im tpc, wo es um künftige Formate im Schweizer Fernsehen ging. Peter Schellenberg wehrte sich gegen Sendungen wie “Popstars” und wir lachten im Publikum herzhaft, weil wir wussten, dass die Generation Schellenberg für solche Formate viel zu alt war. Einschaltquoten entscheiden immer noch über Erfolg oder Misserfolg von Sendungen. Denn… ohne Werbung keine Sendung. Sendungen von hoher emotionaler Qualität hat das Schweizer Fernsehen noch viel zu wenige entwickelt.

Die heutigen Fotos im “Blick” sind zum schreien. Frey mit seiner “ich halte meinen Finger in die Steckdose-Frisur”, seinem entsetzten Blick und dem Pflaster auf dem Mund, könnte als verwirrter Professor durchgehen, Deltenre als Mutter-Courage und General Keckeis salutiert vor einer Hymne, die er in deutscher Sprache vermutlich nicht versteht.

Vielen Dank für dieses Schauspiel liebes Schweizer Fernsehen. Seit heute habe ich die Hoffnung, dass die Hunde weiter bellen und sich von ihren Haltern nicht an einer zu kurzen Leine führen lassen.

Gute Besserung Patrick Frey!

Fidel S. Stöhlker

Göläs Berner Schaukel

Freitag, den 23. September 2005 um 10:15

Ehrlich, ein Gölä-Fan war ich nie, denn die Berner Troubadoure waren mir lieber. Die Büezer des Landes liebten den Berner Rocker, weil er für sie ausdrucksstark war – ein Symbol. Jetzt wollte er in die Weltliga mit englischen Songs; da verliessen ihn die Berner Büezer. Das war ein wenig Landesverrat, denn die Globalisierung gelingt nicht allen.

Auch das ein Hinweis für viele: Wenn stets gesagt wird, die Globalisierung bietet allen Chancen, stimmt das nicht. Mehr als die Hälfte aller Beteiligten wird den Klimmzug nicht schaffen, so wie Gölä. Damit müssen wir fertig werden.

Abgang durch die Hintertür

Freitag, den 23. September 2005 um 8:51

An der letzten Swiss-GV liquidierte Pieter Bouw die letzten Aktionäre und liess den neuen VR mit deutscher Mehrheit wählen. Das Management war nicht sichtbar. Dennoch rief er aus: “Die Swiss soll eine Airline sein, mit der sich jeder Schweizer identifizieren soll.” So wirklich nicht.

Worüber schreibt, worüber schweigt die “NZZ”.

Dienstag, den 20. September 2005 um 8:53

Chefredaktor Hugo Bütler sagte mir einmal: “Wir entscheiden darüber, worüber wir schreiben und worüber nicht.” Ein gutes Beispiel dafür war der kürzliche Eidg. Dank-, Buss- und Bettag. Die “Neue Zürcher Zeitung” liess bei dieser Gelegenheit über “Arbeit und menschliche Würde” schreiben. Käthi La Roche, die Pfarrerin am Zürcher Grossmünster, machte deutlich: “Bei aller Wertschätzung der produktiven Arbeit ist es ein bleibender Auftrag der Kirche, Menschen die Botschaft zu verkünden, dass nicht Leistung und Verdienst, sondern Gott allein ihr Leben rechtfertigt und erhält.” Ich kenne keinen Redaktor der “NZZ”, der solches aus eigener Kraft zu schreiben wagte. Solche Themen werden delegiert.

Von Walter Kielholz lernen

Dienstag, den 20. September 2005 um 8:49

Er ist einer der mächtigsten der Schweizer Wirtschaft, Walter Kielholz, VR-Präsident der Credit Suisse-Gruppe. Deshalb lohnt es sich, ihm genau zuzuhören, z.Bp.

- Die Rechten in der Schweiz sind in den letzten zehn Jahren aus Menschen zusammengesetzt, die als Verlierer der Globaliserung betrachtet werden können.

- Unter den Linken finden sich viele qualifizierte Mitarbeiter, darunter aber viele Ausländer, die nicht stimmen dürfen. (Die kleinen Schweizer Unternehmer und die unabhängigen Berufe nimmt er nicht zur Kenntnis.)

- Wer mehr Mut braucht, solle den “Kleinen Prinzen” lesen, der von der Schönheit der Welt erzähle.

Angst vor Polen

Dienstag, den 20. September 2005 um 8:45

Marie Curie war der erste polnische Klempner, der für Frankreich einen Nobelpreis holte. Der Pole Patek gründete eine berühmte Schweizer Uhrenmarke, der Pole Kudelski ein bedeutendes Industrieunternehmen. Vielleicht haben die Polen den Fehler gemacht, sich mehr in der Westschweiz aufzuhalten, wie Bochenski, ein berühmter Theologe und Philosoph an der Universität Fribourg.

Eine Frage zum 25. September

Montag, den 19. September 2005 um 12:47

Es wird uns gesagt, die Völker Osteuropas würden es uns verübeln, würden wir Nein sagen zu ihrer freien Zuwanderung. Wer sagt den Völkern Osteuropas, dass auch sie nein sagen würden, müssten sie ihre Staaten der Zuwanderung aus dem weiteren Osten öffnen.

Wir werden von den Parteien “ausgeschöpft”.

Montag, den 19. September 2005 um 12:45

Immer wieder ist die Rede davon, eine Partei schöpfe ihr Wählerreservoir besser aus, die andere schlechter. Eine solche Ausdrucksweise finde ich erschöpfend, weil sie nicht ausschöpfend genug klar macht, dass wir Wähler von den Parteien nicht ausgeschöpft, sondern diesen Aufträge erteilen möchten. Darin sehe ich einen wesentlichen Unterschied.

Doris Leuthard und die virtuelle Politik

Montag, den 19. September 2005 um 9:20

Die Forderung der CVP-Präsidentin Doris Leuthard, CVP und FDP zu fusionieren, ist nicht dumm. Sie ist jedoch eine Halluzination und Symptom einer Krankheit, welche die bürgerlichen Bundesratsparteien zum Siechtum verdammt: Die Virtualisierung der Parteibasis.

Die Parteizentralen und Vorstände dürften einer Fusionsdebatte spätestens nach den nächsten Eidg. Wahlen nicht verschlossen sein. Bei der ländlichen Parteibasis der CVP und der FDP – beide machen die Mehrheiten innerhalb der Parteien aus – dürfte der Vorschlag auf blanke Ablehnung stossen. Denn in ihnen leben die historischen Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Land, zwischen Katholik und Protestant fort. Für sie wäre eine Fusion undenkbar.

Die CVP-Parteipräsidentin Doris Leuthard ist intelligent genug, dass sie dies weiss.

Stephan Oehen

Die Schuldigen an der EWR-Niederlage nicht vergessen

Montag, den 19. September 2005 um 8:53

Die EWR-Abstimmung ging 1992 verloren, weil

- einige SP-Politiker wie Andreas Gross und die Grünen nationalkonservativ dagegen waren

- Dölf Ogi und die SP den EU-Beitritt forcierten und eine entsprechende Absichtserklärung im Bundesrat durchdrückten

- und die Befürworter mit Prof. Dr. Franz Blankart, Ernst Mühlemann und Edwin Somm zu schwach und zu intellektuell waren, um Dr. Christoph Blocher paroli bieten zu können.

Das führte zu einem Abstimmungsergebnis, das die Bevölkerung seither ärmer macht.

 
     
     
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