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Tagesarchiv für 30. September 2005

Wenn alle aufstehen, was dann?

Freitag, den 30. September 2005 um 12:48

Als Dölf Ogi stramm stand und General Keckeis salutierte, standen auch alle anderen Teilnehmer jener berühmten TV-Show auf, wo die Nationalhymne veralbert wurde. Der Hotelier Art Furrer, ein eher selbständig denkender Mensch, beschrieb den Vorgang: “Man bleibt ja nicht sitzen, wenn alles rundherum aufsteht.”

Genau dieser Effekt ist es, der den Menschen zur Masse macht. Wir können es beobachten im Fussballstadion, wenn die Masse die Welle macht. Wir können es in reformierten Kirchen beobachten, wenn alle aufstehen; in katholischen Kirchen, wenn alle knien. Kaum jemand wagt es, dem Massendruck zu widerstehen.

So leicht ist es, das Hirn auszuschalten. Merke: Wenn alle in die gleiche Richtung rennen, sollte man zuerst wissen, warum.

Cablecom: Scheinheilige Kommunikation

Freitag, den 30. September 2005 um 11:46

Der Blitzverkauf von Cablecom an den US-Investor Liberty Global wirft ein unfreundliches Licht auf das Kommunikationsgebahren der Cablecom. Das Unternehmen, das Wettbewerbsteilnehmer regelmässig mit Vorwürfen eindeckt, zelebriert seit Wochen nach allen Regeln der Investor Relations die Vorbereitungen zum Börsengang. Und offensichtlich in dieser Nacht legt sich das Unternehmen ins Bett mit einem US-Investor, der unter dem geschätzten Börsenwert das Unternehmen übernimmt.

Ist es eine ethische Frage, ob die täuschende Kommunikationskampagne für das IPO zu rechtfertigen ist? Nein. Aber Management und Verwaltungsrat müssen sich Fragen stellen lassen. Wie behält die Unternehmensführung intern und extern seine Glaubwürdigkeit, wenn so scheinheilig kommuniziert worden ist. Zumindest Zurückhaltung wäre angebracht gewesen. We will see.

Stephan Oehen

Berner Notare als Krösusse

Freitag, den 30. September 2005 um 10:25

Sterben kann teuer werden. Vor allem, wenn man im falschen Kanton gelebt hat. Im Kanton Bern muss nach dem Tod von Amtes wegen ein Steuerinventar erstellt werden. Dafür zuständig sind die Notare. Sie kassien tüchtig ab. Was mich beschäftigt: Wie lässt es sich rechtfertigen, dass die Notare – unabhängig von ihren Aufwand – proportional am zu verurkundenden Betrag partizipieren? Alle Vorstösse, die private Monopol- und damit Machtstellung der Berner Notare aufzuweichen, sind bisher gescheitert. Die etablierten Parteien sind heute so verfilzt, dass man sich gegenseitig schützt, das Berner Volk hat dabei das Nachsehen. Der EVP-Grossrat Heinz Dätwyler aus Langenthal hat einen neuen Anlauf zur Senkung der Notariatsgebühren genommen. Das Berner Volk – ausgenommen die Notare – würden es ihm danken, wenn sein Vorstoss in das überarbeitete Notariatsgesetz einflösse.

Philippe Welti

 
     
     
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