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Weblog
Tagesarchiv für 6. September 2005
Dienstag, den 6. September 2005 um 15:57
Vielerorts zählt, was am Abend in der Kasse ist; das ist Marktwirtschaft. Dem entsprechen die Boulevard-Journalisten, die sich in Deutschland wie in der Schweiz als Medienberater wie Helden vorkommen. Michael Spreng, Peter Boenisch und Klaus-Hermann Tiedje, alle von der deutschen BILD-Zeitung, sind intelligente, erfahrene und schnelle Männer, aber sie verbraten die Politiker wie ein Konsumgut. Sie empfehlen deshalb auch, man könne sich den Wahlkampf sparen bis auf die letzten vier Wochen. Versagt ihr Kandidat, gehen sie zum nächsten.
In der Schweiz ist ihr Pendant Frank A. Meyer, der im Schatten von Gerhard Schröder zur transnationalen Höchstleistung aufläuft. Sacha Wigdorovits, ebenfalls von Ringier geprägt, ist seine Volksausgabe. Was sie verkaufen, ist keine dauerhafte Substanz, sondern sektorielle Erregung. Ihr Ruf nach mehr Substanz bedeutet nicht mehr als der Ruf des Toreros nach einem besseren Stier. Er tötet auch den nächstbesten und reisst dann die Arme hoch in Erwartung einer neuen Bestie. Ok friends, that’s business. The show must go on.
Kommunikation | 1 Kommentar »
Dienstag, den 6. September 2005 um 14:45
“Eure Arbeit macht einen grossen Teil Eures Lebens aus, und der einzige Weg, wirklich zufrieden zu sein, ist das zu tun, was ihr für grossartige Arbeit haltet. Der einzige Weg, grossartige Arbeit abzuliefern, ist, das zu lieben, was man tut. Habt den Mut, Eurem Herzen und Eurem Gefühl zu folgen. Denn die wissen schon, was ihr wirklich werden wollt. Alles andere ist nebensächlich… Bleibt hungrig. Bleibt töricht.”
Recht hat er. Apple-Vorstandschef Steve Jobs gibt den Absolventen der Standford Universität Tipps für das Leben.
Stephan Oehen
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Dienstag, den 6. September 2005 um 13:49
Dr. Beat Curti, mehr Philosoph denn Händler und Verleger, ist nun definitiv gescheitert. Seinen Verlag, die Jean Frey AG, musste er schon lange verkaufen. Jetzt gehen auch die Reste seines Handels-Imperiums, mit welchem er einst Migros und Coop als “Dritte Kraft” angreifen wollte, an Denner. Ausgerechnet an Denner.
Dem immer noch eleganten Luzerner Erben bleibt genügend zum Leben. Er ist aber ein Beispiel, wie unsere “ruling class” allmählich Abstand nimmt von wirtschaftlicher Aktivität und übergeht zum Rentiers-Dasein. Dass damit unsere Arbeitsplätze verschwinden und immer mehr Ausländer an die Stelle der Schweizer Rentiers treten, ist sonnenklar. Die Luzerner Redaktionen haben dies wortlos hingenommen.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Dienstag, den 6. September 2005 um 13:47
Oswald Sigg lernt Italienisch. Jetzt sind wir an der Reihe. SF DRS wird die Miss Schweiz-Gala am 17. September in italienischer Sprache ausstrahlen. Ich freue mich schon auf die erste Abendsendung auf Romantsch. Noch mehr tolle Ideen, Ingrid Deltenre?
Beim Einsatz des HDTV-Fernsehens stehen wir auch am Schwanz. 2010 soll bei uns kommen, was die grossen Staaten schon lange haben.
Kommunikation | Keine Kommentare »
Dienstag, den 6. September 2005 um 13:46
Waren es 50 Tote, wie die sowjetische Regierung immer behauptete. Nein, es waren über 4000 Tote, wie jetzt eine UN-Studie ergab. Von den 200 000 Helfern, die in Tschernobyl aufräumten, werden weitere 2200 sterben.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Dienstag, den 6. September 2005 um 10:20
Was die UBS mit der Bank Bär jetzt hat, ist ein veritabler Parallel-Konzern. Die Bank Bär ist im Verwaltungsrat und, erst recht, in der Konzernleitung kontrolliert durch hochrangige UBS-Manager, bei dem ich mir von keinem vorstellen kann, er liesse sich von einem der zwei letzten Vertreter der Familie Bär beeindrucken. Mit einem Parallelkonzern lässt sich in der Vermögensverwaltung ganz ausgezeichnet kutschieren; dies bleibt nicht nur Industriekonzernen vorbehalten.
Wirtschaft | Keine Kommentare »
Dienstag, den 6. September 2005 um 10:16
Erfolgreiche Künstler verfügen meist auch über das Talent, sich zu vermarkten. Nicht gesagt werden kann dies über die Organisatoren der Wahl eines Kulturministers im Internet. Sinn und Zweck eines zu wählenden Schattenkulturministers sind unklar; ebenso seine Aufgaben. Das Wahlprozedere ist zudem kompliziert und undurchschaubar.
Trotzdem: Offenbar wird das Projekt von mehreren Kunstverbänden und öffentlichen Kulturförderungen als Partner unterstützt. Grund genug für den kulturellen Nobody Berner Christian P. Leu, sich mit einer Wahlkampagne im Internet als Kandidat zu empfehlen.
Abgestimmt werden kann noch bis zum 8. September. Leus Motto: “Keine Ahnung von Kultur”. Das passt hervorragend zur ganzen Wahl.
Philippe Welti
Kultur | 1 Kommentar »
Dienstag, den 6. September 2005 um 8:13
Kirchensteuern für juristische Personen sind versteckte Subventionen für die Landeskirchen. Dies hat der Zürcher Kantonsrat Claudio Zanetti, Zollikon, richtig erkannt. Nicht verwunderlich ist, dass er mit seiner Auffassung ausserhalb seiner SVP-Fraktion, nicht einmal im Zürcher Freisinn Unterstützung gefunden hat. Die Freisinnigen waren es einst, welche sich für die Trennung zwischen Kirche und Staat stark gemacht hatten. Schade, dass hier kein Schulterschluss der Vernunft möglich geworden ist.
Denn, im Ernst: Warum sollen Unternehmen Kirchensteuern zahlen? Um den Landeskirchen das finanzielle Überleben zu sichern, weil sie nicht mehr in der Lage sind, ihre “Schäfchen” als Kirchenmitglieder und Steuerzahler zu halten? Sicher nicht. Die Kirchen müssen ihren Job machen wie alle anderen auch. Wer seinen Job nicht macht, darf nicht vom Staat ausgehalten werden. Das gilt auch für die Landeskirchen.
Stephan Oehen
Politik | 1 Kommentar »
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