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Weblog
Tagesarchiv für 15. August 2005
Montag, den 15. August 2005 um 16:07
Der englische Schriftsteller H. G. Wells hat in seinem Roman “Die Zeitmaschine” die Eloys geschildert, spielende, tanzende, fröhliche junge Menschen, die ihr Leben ohne Fragen nach Hintergründen – oberflächlich – geniessen. Die Eloys, wie sie jetzt wieder an der Zürcher Street Parade zu Hunderttausenden zu beobachten waren, werden später von den Morlocks, den Arbeitern unter der Erde, gefressen. Im Zürcher Fall waren die Morlocks jugoslawische Arbeiter, die nach Mitternacht 40 Tonnen Abfall abräumen mussten. Sie sind zweifellos tüchtiger und wichtiger für die Zukunft des Landes als die internationale Tanz-, Sex- und Rauschgiftliga, denen Zürich seit 14 Jahren Tür und Tor öffnet.
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Montag, den 15. August 2005 um 15:04
Hans J. Bär, deren Ehrenpräsident der Bank Bär, war ein legendärer Kommunikator. Mit ihm als CEO wurde die Bank gross, erfolgreich und angesehen. Dann kamen die Söhne und Neffen, und alles ging schief. Zuerst vermutete man, sie seien noch diskreter und noch erfolgreicher als Vater und Onkel. Dann stellte sich allmählich heraus, die Kommunikation klappte weder nach aussen noch nach innen. Was ist der Grund? Wahrscheinlich mangelnde Persönlichkeit in der Führung. Walter Knabenhans, der einspringen musste, um jetzt wieder elegant zur Seite geschoben zu werden, war auch kein toller Kommunikator.
Merke: Nicht jeder, der schweigt, ist wirklich ein Held.
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Montag, den 15. August 2005 um 15:02
Es gibt Menschen, die können es nicht: kommunizieren. Dazu gehört auch der Chef der bayerischen CSU, Edmund Stoiber. Zuerst verärgert er, fünf Wochen vor den Wahlen, seine ostdeutsche Wählerschaft. Dann bietet er Oskar Lafontaine die öffentliche Diskussion an, worauf dieser nur wartet, um aufgewertet zu werden. Stoiber tut offensichtlich alles, damit seine Freund-Feindin Angela Merkel die bevorstehenden Wahlen verliert. Erst dann rechnet er wieder mit einer Chance für sich.
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Montag, den 15. August 2005 um 15:00
Das Schweizer Fernsehen wollte die Street Parade in Zürich nur übertragen, wenn die Trägerschaft dafür Geld zahlt. Das ist ein gutes Prinzip, welches TV-Direktorin Ingrid Deltenre ausbauen sollte.
- Über die SVP wird nur noch berichtet, wenn die Bauern und Banken die Sendung sponsern.
- Über die FDP wird nur noch berichtet, wenn der Verband der Holdinggesellschaften das finanzielle Patronat übernimmt.
- Sendungen der CVP werden von den Casinobetreibern und der Bischofskonferenz finanziell unterstützt.
- Die SP lässt ihre TV-Auftritte von den Gewerkschaften, vor allem der “unia”, bezahlen.
Als langjähriger Gebührenzahler möchte ich jetzt wöchentlich eine saubere Aufstellung, wer welche Sendungen finanziert.
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Montag, den 15. August 2005 um 14:56
Nur wer von seiner Idee überzeugt ist, Widerstände überwindet und seinen Weg konsequent geht, wird in der Wirtschaft langfristig mit Erfolg belohnt. Ein solcher Überzeugungstäter ist der Aargauer Gemüsebauer Mäni Mahler. Bereits in den 60er Jahren stellte er, entgegen dem damaligen Trend, konsequent auf den biologischen Anbau um. Das Resultat seiner Beharrlichkeit: Heute ist seine Eichberg Bio AG der grösste Schweizer Biofachhändler. Jeden Tag verlassen 40 Tonnen Bioprodukte die Lagerhallen in Seon. Der Zürcher Journalist Marc Meschenmoser hat jetzt den Aufstieg vön Mäni Mahrer im Buch “Organisch gewachsen” nachgezeichnet und dokumentiert – es ist ein Muss für jeden Jungunternehmer.
Philippe Welti
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Montag, den 15. August 2005 um 7:53
Papst Benedikt XVI. hat seinen alten VW Golf verkauft für Euro 188 923. Wer hat das Geld eigentlich erhalten? Vielleicht wissen Sie es?
Papst Benedikt XVI. besucht in diesen Tagen die Stadt Köln. Das kostet Euro 100 Mio. Die deutschen Bistümer, praktisch pleite alle, zahlen daran Euro 26 Mio. Die EU zahlt Euro 1,5 Mio – wieso eigentlich? 12 Mio Euro kommen von der deutschen, der nordrhein-westfälischen und der Kölner Stadtregierung, also alles vom Steuerzahler.
Wer verdient? Die Baufirmen, die Sicherheitsfirmen, die Lieferanten von 10 000 Dixie-Klos (wer ist das?), die Kölner Bauern, die Entschädigung für den Ernteausfall wollen.
Lieber Papst, ob das die katholische Kirche rettet? Der Dalai Lama hat mit seiner Veranstaltung in Zürich wenigstens Gewinn gemacht. Mir ist nicht bekannt, dass der Zürcher Steuerzahler nennenswert belastet wurde.
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Montag, den 15. August 2005 um 7:51
Es war nicht der Absolvent einer Banking School, es war nicht ein Master of Business Administration, es war nicht einmal ein Bankier, der die Hedge Funds erfunden hat. Es war vielmehr der us-amerikanische Journalist Alfred Winslow Jones, der 1966 in “Fortune” den Artikel veröffentlichte “The Jones that nobody can keep up with”. Darin legte er aufgrund seines persönlichen Portfolios dar, wie man bei Aktienkäufen verliert und bei Aktien-Leerverkäufen gewinnt. Heute ahmen ihn alle Banken nach. Der von Jones vorgeschlagene “hedge” machte Weltkarriere und brachte den Banken, die gratis auf den Zug aufstiegen, riesige Gewinne.
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Montag, den 15. August 2005 um 7:49
Früher hiess es, nur wer sein Geld in der Schweiz hat, lebt sicher. Zu ergänzen ist: Die Besitzer der grossen Gelder sind auch da. So unauffällig wie er gelebt hat, ist er gestorben: François Dalle, der grosse alte Mann, Präsident des Verwaltungsrates von L’Oréal von 1957-84. Keiner Schweizer Redaktion war sein Tod eine Notiz wert. Er starb dort, wo er lebte, in Genf.
Schon vor einiger Zeit gekommen ist dafür Rolf Gerling, 50, Erbe eines grossen deutschen Versicherungskonzerns, den er jetzt definitiv verkauft hat. Rolf Gerling hat unternehmerisch nichts von Bedeutung geleistet; seine Rente verzehrt er in unserem Land.
Gesellschaft | Keine Kommentare »
Montag, den 15. August 2005 um 7:47
FDP-Präsident Fulvio Pelli hat wissen lassen, wohin er seine FDP führen möchte. Es fällt auf, dass er genau dort ansetzt, wo vor 20 Jahren die FDP den Faden verloren hat, beim Programm von alt Nationalrat Ueli Bremi, Zollikon/ZH. Damit bestätigt Pelli meine Auffassung, dass die ganze “Ära Steinegger” für die FDP ein Flop war.
Pelli sieht die Zukunft der FDP in den Städten und Agglomerationen. Dort war die FDP schon einmal, Ende der Siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit einem Stimmenanteil von 24% (heute 14%, gut gerechnet). Pelli will Wachstum und Bildung. Das ist reinstes Bremi-Programm. Pelli will Öffnungspolitik gegen innen und aussen, das ist 75% Bremi, 25% Sozialdemokratie. Pelli will Gerechtigkeit bei den Sozialversicherungen. Das wollte Bremi nie, denn er war von der Gerechtigkeit des Systems Schweiz noch voll überzeugt.
Die betonte Öffnung nach aussen und das Thema Gerechtigkeit machen Pelli zu einem Mitte Links-Politiker der FDP. Damit gibt er der SVP wieder Schub, aber das Maurer-Team ist erschöpft. Es fragt sich, wer dort diese Chance aufnimmt, wenn im Spielfeld “Wirtschaft und Finanzen” der FDP der Goali fehlt.
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Montag, den 15. August 2005 um 7:44
Der “Sonntagsblick” wirft UBS-Chef Peter Wuffli vor, er trage in Bezug auf die Arbeitslosigkeit in der Schweiz eine “rosa Brille”. Warum liegt der “SoBli” ebenso richtig wie falsch? Aus nationalkonservativer Sicht, wie sie der “SoBli” in dieser Frage vertritt, sind 3,5% offizielle Arbeitslose viel. Aus globalkonservativer Sicht, wie sie Wuffli vertritt, sind 3,5% Arbeitslose wenig. Dann geht es uns immer noch viel besser als den Lateinamerikanern, Asiaten und Afrikanern.
Der “SoBli” verteidigt die Errungenschaften der “alten” Schweiz, Wuffli meint, es ginge vielen im Land noch viel zu gut.
Wirtschaft | 1 Kommentar »
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