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Tagesarchiv für 11. August 2005

Weltwoche wohin?

Donnerstag, den 11. August 2005 um 11:37

Jürg Wildberger leitet ab September als Chefredaktor die Geschicke der Weltwoche. Wird er das seit dem Abgang von Roger Köppel schlingernde Schiff wieder auf Kurs bringen? Ich wage es zu bezweifeln. Wildberger mag zwar ein erfolgreicher Gründer und Anreisser von Medienprodukten wie „Facts“, „10vor10“ und „TV3“ gewesen sein, hat sich aber als Journalist noch nie als Visionär erwiesen, der politisch, gesellschaftlich oder wirtschaftlich etwas bewegte. Zu nahe bewegte er sich immer am Boulevard. Was der Schweizer Medienlandschaft gut anstehen würde und wonach sich ein intellektuelles Publikum sehnt, ist eine Publikation, die querdenkt und verkrustete Denkweisen aufbricht. Anspruchsvolle Leser sind der Infotainment-Beliebigkeit überdrüssig. Ist das der Weg, den die Weltwoche beschreiten will?

Philippe Welti

Hilfswerke im Erklärungsnotstand

Donnerstag, den 11. August 2005 um 11:35

Das Vertrauen in die Hilfswerke bröckelt: Die Spendenfreudigkeit der Schweizer Bevölkerung geht zurück. Der Trend – das einmalige Ereignis des Tsunamis ausgeschlossen – hält seit der Katastrophe von Gondo im Jahr 2000 an. Dies stellte die Schweizerische Gesellschaft für praktische Sozialforschung in einer Studie fest. Was läuft schief, bei den Schweizer Hilfswerken? Das Problem: Im Hilfswerkkuchen bleibt man gerne unter sich. Es wird gewurstelt und Vetternwirtschaft betrieben. Durch naive und ungeschickte Kommunikation haben viele Organisationen an Glaubwürdigkeit verloren. Oder konnten die ratlosen und überforderten Hilfswerke Ihnen klar machen, wohin die Gondo- und Tsunami-Millionen versickert sind?

Philippe Welti

„Cheap Chic“ – ein böser Trend

Donnerstag, den 11. August 2005 um 8:29

Ich kenne überhaupt niemanden mehr, der nicht chic sein will. Am schönsten ist der natürliche Chic einer guten Figur, die sich harmonisch bewegt. Den teuersten Chic können wir bewundern in „How to spend it“, der Beilage der „Financial Times“ . Jedoch, stärker ist der „Cheap Chic“, der nun als Thema aus allen Ecken kriecht. Er funktioniert nach dem Motto „Ich will chic sein, kann es mir allerdings nicht leisten.“ Dieser Second Hand-Chic ist ein böser Trend, zeigt er doch auf, dass sich wirklich Gutes und Schönes immer weniger Menschen leisten können.

Dazu kommt „Die Kunst des stilvollen Verarmens“, das Erfolgsbuch eines Cheap Chic-Adeligen Alexander von Schönburg. Für ihn ist der beste Fluchtweg die „innere Bescheidenheit“. Alle Puritaner, die den Pelz nach innen tragen, werden sich daran erfreuen.

Wer mit seinem Schicksal hadert, ist ohnehin mega-out. Viele hätten guten Grund dazu, aber es wird zumindest verlangt, die Form zu wahren. Das sind die armen Füsiliere der Marktwirtschaft, die ganz still von der Bühne verschwinden. Sie werden nicht durch einen Schuss erledigt, sondern sind Opfer ihrer unbezahlten Mahnungen.

Unter dem eleganten Schal verbirgt sich die Billig-Unterwäsche. Die Schuhe sind von Bata (übrigens gar nicht so schlecht), aber die Socken haben schicke Löcher, wenn man nicht ohnehin auf Socken verzichtet, was der „Cheap Chic“ schon lange empfiehlt.

„Zur Eigenverantwortung gehört die Gefahr des Scheiterns“, dämpft der Tübinger Ökonomieprofessor Joachim Starbatty die Emotionen. Starbatty, jeder, der ihn kennt, wird ihn einen Snob nennen, empfiehlt uns allen (in der „NZZ“ übrigens) das Beispiel eines unheilbar kranken Kindes, das mutig sagt: „Ich fühle mich topfit.“ Ja, so müssen Sie es machen: Ich bin topfit, Du bist topfit, wir alle sind topfit. Wer nicht topfit ist, muss einfach einen schlechten Charakter haben.

Diese Kultur der Lebenslüge kann nur relativiert werden, indem wir uns sagen: Uns geht es schlecht, aber den Ugandern, den Bolivianern und den Turkmenen geht es noch viel schlechter. Erst aus dieser Sicht begreifen wir, dass wir das Prinzip Armut an uns gerissen haben und damit die wirklich Armen diskreditieren. Jedoch, auch für solche Empfehlungen ist die Quelle wichtig: Es handelt sich um die „Süddeutsche Zeitung“, auch kein Blatt für die ärmere Bevölkerung.

Die korrekte Argumentation lautet: Unsere Gesellschaft ist derart reich, dass es angesichts der Unglücksfälle rund um den Globus bei uns gar keine Armut geben kann. Wer sich den Einkauf bei Migros und Coop nicht leisten will, dem stehen demnächst Aldi und Lidl zur Verfügung.

Für Aufmerksamere: Der Begriff „Unsere Gesellschaft“ ist immer falsch; es gibt diese geschlossene Gesellschaft nicht mehr. Wer am Züriberg wohnt, wie Bundesrat Moritz Leuenberger, ist sich der Realitäten der mazedonischen Arbeiter, die sich auf unseren Baustellen die Füsse verbrennen mit dem Lötkolben, nicht mehr bewusst. Achtung, in diesem Augenblick war ich politisch nicht korrekt, denn wenn wir von möglicher Armut sprechen, dann sind natürlich nur gefährdete Einheimische gemeint, denn die Ausländer, die zu uns kommen, denen geht es auf jeden Fall bei uns viel besser als zuhause. Auch sie können nicht arm und gefährdet sein.

Das Glück der Armut liegt im Satz verborgen „Wir alle müssen den Gürtel enger schnallen.“ Dieser Satz ist schon deshalb ohne Inhalt, weil Wohlstand auch eine sportive Figur verlangt. Der Gürtel wird dann enger geschnallt, weil die antrainierte Linie stimmt, nicht wegen der Rindsfilets, auf welche verzichtet wurde.

„Cheap Chic“ ist schon deshalb unverständlich, weil Ausländer jährlich Milliarden bei uns investieren. Sie kaufen Villen in St. Moritz und in Nyon. Sie retten Unaxis vor dem Versagen einheimischer Unternehmer. Sie kaufen sich in jedes bessere Schweizer Unternehmen ein, weil sie wissen, dass wir nicht arm, sondern reich sind. Sie stellen uns auch die schönsten Hotels hin. Wenn wir dort nicht einziehen wollen, dann sollen es doch die Russen tun.

Im nächsten Jahr wird Bundespräsident Moritz Leuenberger wieder die schönsten Reden halten, weil er dann in seinem Departement noch weniger tun wird als dies heute schon der Fall ist. Bin gespannt, ob er das Thema „Cheap Chic“ aufgreift, ist er selber doch die beste Verkörperung dieses legasthenischen Geisteszustands, der die Müdigkeit zum Prinzip macht. Das wäre es, ein Bundespräsident „Cheap Chic“. Schon aus Verantwortung der Dritten Welt gegenüber.

Martin Sorrell’s Steinzeit-Kommunikation

Donnerstag, den 11. August 2005 um 8:09

Sir Martin Sorrell, ein genialer Finanzmanager, der sich auch für den grössten Werbemanager der Welt hält, lässt uns wissen, was er unter der Kommunikation der Zukunft versteht: „In der Tat verwischen sich die Grenzen zwischen Werbung und Redaktion – und diese Entwicklung wird sich noch verstärken. Die Kommunikationsträger müssen enger mit ihren Werbekunden zusammenarbeiten – ob ihnen das gefällt oder nicht.“ Gemäss Sir Martin betrifft dieser Prozess vor allem die schwachen Medienmarken, die umso kooperativer sein müssen.

Das ist Steinzeit-Kommunikation, Sir. Solches hatten wir schon in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Gerne ergänzen wir Ihr Wissen: Nur schlecht kommunizierende Unternehmen werden sich dieser Technik zuwenden. Überlegen kommunizierende Firmen haben solche Primitivtechniken nicht nötig.

Immerhin, viel Geld kann mit der Dummheit der Kunden verdient werden, Sir Martin.

 
     
     
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