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Tagesarchiv für 26. Juli 2005

Macht und Sensibilität: Nicolas G. Hayek

Dienstag, den 26. Juli 2005 um 17:19

Friedemann Bartu von der “Neue Zürcher Zeitung” hat mit Nicolas G. Hayek ein Gespräch geführt und daraus ein Buch gemacht, das bei der ersten Lesung enttäuscht, bei der zweiten Lesung aber dennoch einiges über den nach Marc Rich sicher merkwürdigsten Unternehmer der gegenwärtigen Schweiz enthüllt. Wer ist Nicolas G. Hayek?

Vor Friedemann Bartu hat er sich in vielem verstecken können, weil dem Autor offensichtlich wenig daran lag, die Vorhänge weiter als erlaubt zurückzuziehen. Hayek, mit Sicherheit geschmeichelt, im Verlag der Neue Zürcher Zeitung ein Buch über sich herauszubringen, hat sich auch in diesem Buch versteckt, musste aber doch einige Zugeständnisse machen, die einen tieferen Blick in seine Persönlichkeit erlauben.

Sein Erfolg beruht auf der ungewöhnlichen Fähigkeit, sich um Details ebenso zu kümmern wie diese einer grossen Vision unterzuordnen. Marc Rich, dessen Söhne im Geist heute die grösste Schweizer Firma, Glencore, führen, ist nicht geringer einzustufen, auch nicht Franz Humer, der HoffRoche in die Gegenwart geführt hat. Otto Beisheim, der von Zug aus seine Metro-Gruppe regierte, ist sicher bedeutender. Helmut Maucher, der den Nestlé-Konzern für die Schweiz rettete, ist einige Kategorien grösser als alle bisher genannten.
Einen gebürtigen Schweizer, der in dieser Generation gleiches geleistet hat, haben wir nicht. Auch Daniel Vasella nicht, der für Novartis Grosses geleistet hat, auch Peter Wuffli nicht, der zusammen mit Marcel Ospel den UBS-Konzern wieder an die Weltspitze geführt hat.

Was Nicolas G. Hayek einzigartig macht, ist die Tatsache, dass er eine ganze Schweizer (Prestige-)Industrie rettete und auf ein neues Fundament stellte. Er war Libanese, hat aber jeglichen Kontakt zum Libanon offensichtlich gescheut, nicht einmal einen Ehrendoktor der Beiruter Amerikanischen Universität abgeholt. Ich nehme an, er liebt die Amerikaner nicht, vernebelt dies aber, wie vieles, um seinem US-Geschäft nicht zu schaden.

Wer in einem fremden Land oder sogar Kontinent aufwächst, kann nur erfolgreich sein, wenn er besonders sensibel ist. Dieses Gefühl der dauernden Gefährdung macht aus talentierten Menschen Unternehmer der Spitzenklasse. Vor Stephan Schmidheiny hat Nicolas G. Hayek keinen Respekt mehr. Dieser liess ihn, zusammen mit seinem Berater “Röbi” Jeker im Stich, indem sie gegen alle Absprachen Aktien der Hayek-Firma verkauften und durch die Verkäufe die Aktien zu einer jahrelangen Stagnation verdammten. Vor Branco Weiss, der ihn auf meine Empfehlung hin zum „Unternehmer des Jahrzehnts“ machte, hat er Respekt. Branco Weiss hat eine ähnliche unglaubliche Karriere in der Schweiz erlebt. Beide sind Sensibelchen der Hyperklasse.

Nicolas G. Hayek, wie jeder grosse Unternehmer und Politiker, hat viele seiner Freunde vergessen, vor allem Journalisten, die ihn aus dem Nichts zu jemand gemacht haben. Zuerst ist Franz Glinz vom “Blick” zu nennen, der ihn auf meine Empfehlung hin ernst nahm, in der “grössten Schweizer Tageszeitung” erstmals richtig vorstellte und während Jahren wohlwollend betreute. Auch Jacques Pilet hat er vergessen, auch Frank A. Meyer, den er einmal seinen Freund nannte. Offensichtlich alles regionale Grössen, die seinem heutigen napoleonischen Anspruch nicht mehr entsprechen. Endlich hat ihn die “NZZ” rehabilitiert, aber auf welchem Niveau? Ohne festen Einband, sondern im Billigverfahren.

Den Traum vom Smart konnte er nicht verwirklichen; wahrscheinlich waren die Manager von Daimler-Chrysler wirklich zu wenig daran interessiert, diesem Modell zum Durchbruch zu verhelfen. Ich habe noch eine Uhr des Patriarchen, die er in wenigen hundert Exemplaren mit Signatur zum “Unternehmer des Jahrzehnts” anfertigen liess; vielleicht kaufe ich mir aus Nostalgie noch einen Smart, denn das Auto ist nicht ohne Chic.

Dass McKinsey die einst starke Hayek Engineering ohne Mühe in den Schatten stellte, was “Quince” Hunsicker schaffte, der Amerikaner Aargauer Abstammung, steht auch nicht im Buch. Um Ernst Thomke und Elmar Mock legt Hayek eine grosse Wolke, lässt sich aber bestätigen, dass im Marketing der Swatch er der grosse Meister war, was niemand bestreitet.

Und? Ich bin der Meinung, dass Friedemann Bartu ein nützliches Stichwortverzeichnis für eine echte Hayek-Biografie geliefert hat, indem er viele Zeitungsartikel zusammenfasste und vom Jubilar kommentieren liess. Das wirkliche Hayek-Buch ist uns allen zu wünschen, aber kennen Sie Biografien von libanesischen Unternehmern? Schweizer Unternehmer haben dies geschafft.

Was mir an Ariel Scharon auffällt

Dienstag, den 26. Juli 2005 um 17:11

Üblicherweise begegnet uns Ariel Scharon als ein Napoleon in Übergrösse, ziemlich fett, um es direkt zu sagen. Jetzt kam mir ein AP-Foto vor die Augen, das sein Bild bei mir völlig verändert hat. Was sehe ich? Einen Mann mit sehr harmonischem Eierkopf, gut gerundet, tiefen Nasen-Mund-Falten, die zu einem ausdrucksstarken Kinn führen. Eine Nase, kräftig aber wohlgeformt, darunter ein Mund mit schmaler Ober- und sinnlicher Unterlippe (ganz ähnlich wie übrigens derjenige von Divisionär Gustav Däniker, dem letzten grossen Militärstrategen der alten Schweizer Armee), zusammengehalten von zwei grossen Ohren, wie sie auf den Bildern und Skulpturen asiatischer Weiser zu sehen sind. Dann die Augen, extrem aufmerksam, konzentriert, hinter einen runden Intellektuellen-Hornbrille. Erst seit diesem Bild weiss ich, weshalb der schlaue Arafat keine Chance gegen diesen Staatschef hatte. Scharon ist der menschliche Ausdruck des Gotthard-Massivs, gleichzeitig von ungeheurer Geschwindigkeit und Präzision. Auch Gnade ist ihm nur Zweck.

Christoph oder Anna

Dienstag, den 26. Juli 2005 um 17:09

Traf es den Falschen? In Bayreuth wurde soeben Christoph Marthaler ausgebuht, der dort “Tristan und Isolde” inszenierte. Meines Erachtens war Christoph Marthaler immer schon, auch am Zürcher Schauspielhaus, nur einer der Künstlernamen von Anna Viebrock, die für ihn jene Bilder arrangiert, die eine Minderheit verzaubern, eine Mehrheit aber langweilen. Marthaler redet nicht gerne; wahrscheinlich hat er sehr wenig zu sagen.

Neues von Daniel Vasella

Dienstag, den 26. Juli 2005 um 17:07

Der Basler Grossindustrielle Daniel Vasella ist immer für einige gute Aussagen zu haben. In Cambridge/USA investiert er derzeit vier Milliarden USD in die Arbeit seiner dortigen 700 Forscher. Gleichzeitig gibt er zu bedenken: “Historisch gesehen, verdienen 70% der Medikamente ihre Investitionen nicht zurück.” Welches Gamble um unsere Zukunft; wahrscheinlich geht es nicht anders.

Terrorismus als Attraktion

Dienstag, den 26. Juli 2005 um 17:05

Nach den Attentaten in Sharm el Sheik fiel mir besonders auf, dass die Touristen mit Lust, lächelnd, selbstbewusst, vor den Schauplätzen des Terrors posierten und sich fotografieren liessen. Terrorismus als Attraktion sollte nicht unterschätzt werden. Die weinenden Rückkehrer, die Care Teams, da ist viel Show dabei; man kann doch nicht lachen, wenn man vorzeitig aus den Ferien zurückkehrt. Auch die Folgen der Killer-Tsunami im Indischen Ozean sind bei uns weitgehend vergessen; die Verteilung unserer Spenden ist ohnehin fragwürdig und nicht mehr kontrollierbar.

Die „Neo-Croms“ und „Neo-Zwingli-Calvins“ sind da

Dienstag, den 26. Juli 2005 um 17:04

Wir dürfen eine ganze Menge nicht mehr: Nicht mehr rauchen, wo wir wollen, nicht mehr trinken, wo und wie viel wir wollen, nicht mehr zügig Auto fahren, werden von Grünen am Bordstein verwarnt, wenn wir den Automotor laufen lassen und vieles mehr. Warum? Die “Neo-Croms” und “Neo-Zwingli-Calvinisten” sind wieder da. In England nennt man dies “Neo-Cromwellisten”, weil der Heerführer Oliver Cromwell (1599-1658) nach seinem Sieg in England ein puritanisches Regime einführte. Cromwell pflegte beste Beziehungen zu den eidg. Reformierten und unterstützte sie sogar finanziell. Wen wundert es, dass bei uns ein “Neo-zwianglianisch-calvinistisches Zeitalter” auszubrechen droht? Die neue Einfachheit ist Ausdruck dieser depressiven Kultur, wo Menschen lieber auf Holzbänken sitzen als an schönen Tischen, wo ein Bundesrat sich als Bähnler verkleidet, wo die Formen verfallen und Häuser gebaut werden, die Scheunen gleichen. Die neue Kultur der Armut und Beschränkung ist Ausdruck einer wirtschaftlichen Entwicklung, wo echter Reichtum sich hinter 2-Meter-Zäunen zu verbergen beginnt.

Michael Ringiers Bild vom Journalisten

Dienstag, den 26. Juli 2005 um 13:25

Im NZZ-Buch über Nicolas G. Hayek, übrigens in einer Billigausführung vorgelegt, welche die Dauerhaftigkeit infrage stellt, finde ich den Satz von Michael Ringier, des grössten Schweizer Verlegers: “Denn der Journalist ist nicht in erster Linie Spezialist für ein bestimmtes Wissen, sondern ein Spezialist für Kommunikation.” Falsch, Herr Verleger. Die besten Journalisten waren immer herausragende Fachleute für Politik, Gesellschaft, Wirtschaft oder Kultur. Deshalb sind das “Wall Street Journal”, die “Financial Times”, die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” und viele andere mehr hervorragende Publikationen. Ich erinnere mich auch daran, dass die “Neue Zürcher Zeitung” in ihrer Anstellungspraxis früher immer den Fachmann für ein Thema auswählte und ihn dann das Schreiben, in Ihrer Sprache das Kommunizieren, lehrte.
Natürlich, kein Fachmann erwartet von Ihren Publikationen wirklich eine fachmännische Berichterstattung. Journalisten, welche dies wagten, haben Ihre Redaktionen oft vorzeitig verlassen. Ringier ist demzufolge kein Verlag, sondern ein Haus der Kommunikation, wo Menschen im Vordergrund stehen, Kommunikationskampagnen gefahren und Emotionen gepflegt werden. Schade, die Schweiz bräuchte mehr gute Journalisten, soll sie politisch und wirtschaftlich gesunden.

Ob die Freizügigkeit auch Freundschaft bringt?

Dienstag, den 26. Juli 2005 um 13:21

Sozialdemokraten sagen gerne, die Personenfreizügigkeit werde auch die Freundschaft zwischen den Völkern fördern. Ich halte dies für einen Irrtum: Intellektuelle, die auf staatlich geförderten Seminaren Theorien austauschen, mögen dies so erleben, wohl kaum aber die polnischen Wanderarbeiter, die von deutschen Bauern gnadenlos ausgebeutet werden. Mag sein, dass sie im Westen mehr verdienen als im eigenen Land, dies aber zu Bedingungen, die niemand im Westen akzeptieren würde. Klar, die Polen halten die westlichen Arbeitslose für staatlich subventionierte Faulpelze, “verdienen” diese doch für Nichtstun mehr als die Polen für harte Arbeit.

Angela Merkel wie Königin Beatrix

Dienstag, den 26. Juli 2005 um 13:19

Wer Kanzlerkandidatin Angela Merkel in Bayreuth beobachtete, sah sie in Rosa über den roten Teppich schweben (?); nein, das kann sie wirklich nicht. Sie sah eher aus wie Königin Beatrix der Niederlande, jünger als die Monarchin wirkend, aber fast schüchtern. Bringen CDU-CSU nach Deutschland die Monarchie zurück? Das wäre ein Hammer.

SVP im Strudel

Dienstag, den 26. Juli 2005 um 9:08

Wer ist die SVP wirklich? Schauen wir uns das einmal genauer an:
- Bundesrat Dr. Christoph Blocher war immer ein Neoliberaler mit einem Wirtschafts-, Steuer- und Sozialprogramm, das mehr an Margeret Thatcher als an Tony Blair ausgerichtet war. Er ist für Personenfreizügigkeit; seine Parteigenossen, die einst an ihn glaubten, sind es meist nicht.
- Der Agrarflügel war immer eine Stütze der Partei. Jetzt wird er vom nämlichen Bundesrat geopfert, denn die Forderungen von Industrie und Finanzplatz gehen vor.
- Der KMU-Binnenwirtschaftsflügel ist meist nationalkonservativ. Er gab sich stets der Illusion hin, sein Bundesrat würde ihn unterstützen. Irrtum, Blocher hat bisher nichts in diese Richtung getan. Gut, er will das Land sanieren, aber wer will das nicht?

Die Unterschiede in den SVP-Flügeln werden sich wohl verschärfen. Die amtierende Parteileitung hat bisher nicht die Kraft bewiesen, die SVP weiter zu beschleunigen. Geht sie mit dem Fortschritt, der Globalisierung, den Ansprüchen des Bundesrats, muss sie ihre bisherigen Prinzipien und Mitglieder verraten. Tut sie dies nicht, wird der Abstand zwischen Christoph Blocher und seiner Partei immer grösser.

 
     
     
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