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Monatsarchiv für Juli 2005

Bären-Hysterie

Freitag, den 29. Juli 2005 um 14:50

Unglaublich, wie ein einzelner Bär eine solche Hysterie auslösen kann. Wie wir in der Schweiz nicht genug andere Probleme hätten. Wie „Le Temps“ heute schreibt, „La Suisse est en dépression“. Ich gehe noch weiter und sage: Die Schweiz ist in einer Apathie versunken, die besorgniserregend ist. Doch was machen wir? Wir regen uns ob einem Bär auf. Dieser Bär, der uns von Italien mal kurz besucht hat, bringt das sonst so gelähmte Land in Wallung. In anderen Regionen dieser Welt, und ich spreche hier von genauso entwickelten Ländern wie die Schweiz es ist, leben Menschen tagtäglich mit Bären in nächster Nähe und sogar dort kommt es höchstselten vor, dass Menschen von Bären bedroht oder gar angegriffen werden. Wie immer im Umgang mit Tieren gibt es ein paar Regeln, an die man sich halten muss, dann kann man selbst in dicht von Braunbären bevölkerten Regionen ohne Probleme leben und auch wandern. Ich habe in Kanada erlebt, wie Menschen Seite an Seite mit Bären leben und dort werden kaum mehr als fünf Menschen pro Jahr von einem Bären gefressen, dies aber meistens, weil sie leichtsinnig waren, und ein gewagtes Foto fürs Ferienalbum schiessen wollten. Und wir Schweizer geraten schon wegen einem einzigen Bären in Panik.

Mélanie J. Suter

Wer ist der Teufel – wer bringt das Weihwasser?

Freitag, den 29. Juli 2005 um 14:45

Hedge Funds, diese Funds, die nichts schützen oder abgrenzen (hedge), sondern, wie israelische Bagger dies in palästinensischen Dörfern tun, ganze Wirtschaftszonen umbaggern, scheuen die Öffentlichkeit wie der Teufel das Weihwasser. Dabei hätten sie gar keinen Grund dazu, werden sie doch massgeblich, wie unsere Fachleute dies mitteilen, von den Pensionskassen der Firmen gespeist, worin wir und Millionen anderer arbeiten und unsere Beiträge einzahlen. Hedge Funds sind demzufolge eine Art Ledernacken der Finanzwirtschaft, welche dies alles tun, damit unsere 2. oder 3., vielleicht auch die 4. Säule, wirklich Erträge abwirft.

In letzter Zeit haben „unsere“ Hedge Funds auch grosse Pakete von Schulden irgendwelcher Firmen übernommen, sodass sie in Zukunft auch über das Schicksal unserer Arbeitsplätze, mehr noch als dies heute schon der Fall ist, entscheiden können. Daraus ergibt sich: Wir füttern unsere Hedge Funds mit unserem Geld, die damit unsere Firmen übernehmen, in welchen wir arbeiten, damit wir dann noch besser arbeiten, um im Alter unsere Versicherungsleistungen zu erhalten. Gut, manchmal werden in diesem Prozess auch Mitarbeiter entlassen, aber das scheint mir gut so, denn es handelt sich ohne Zweifel doch nur um die Faulpelze im nächsten Raum, die weniger arbeiten als ich dies tue. Sie gefährden damit meine Pensionsansprüche. Wer sie feuert, sichert meine 2. Säule.

Dies klingt alles gut, aber ich habe meine Zweifel. Hie und da habe ich den Verdacht, dass es sich bei den Geldern der Hedge Funds eben nicht um meine Gelder handelt, sondern frei floatende Kapitalien, ähnlich wie der Eurodollar in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Diese, steuerlich begünstigt, haben Länder destabilisiert, Gross-Mergers möglich gemacht und den Trägern, den Banken, riesige Gewinne verschafft. Wieso soll es bei der Hedge Fund-Industrie nicht anders sein? Geld ist in der Welt in jeder Menge vorhanden. Dazu braucht es Gefässe, die es in Bewegung setzen. Vielleicht ist meine oder Ihre Pensionskasse mit dabei, aber eigentlich glaube ich es nicht.

Vor gut zehn Jahren hiess es auch, die Banken würden immer überflüssiger, denn die grossen Konzerne würden über derart grosse Finanzmittel verfügen, dass sie sich selber weitgehend refinanzieren können. Die gegenwärtigen Bilanzbewertungen geben diesem Argument eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Es könnte auch sein, dass die Firma Siemens, die einmal mehr als Bank denn als Industriekonzern betrachtet wurde, selber gross in Hedge Funds eingestiegen ist. Mein Siemens Handy SK 65 war offensichtlich nicht der Hit, weshalb sie die Produktion nach Taiwan verkaufte. Was Siemens als Finanzfirma kann, kann General Electric (GE) sicher noch besser – und viele andere auch.

„Schweigen“, schreibe ich in meinen Büchern, „ist die höchste Form der Kommunikation.“ Die Hedge Fund-Betreiber zeigen uns, dass dies funktioniert.

Israel: Schweizer Airline-Kunden bluten

Freitag, den 29. Juli 2005 um 14:44

Ob Sie, in der Schweiz buchend, mit der El Al oder der Swiss nach einer Destination in Israel fliegen wollen, spielt finanziell keine Rolle: Das Kartell spielt mit überhöhten Flugpreisen. Im Ausland, das war schon bei der Swissair so, werden die Flugtickets verschachert; Schweizer zahlen dafür einen höheren Preis. Schlimmerweise haben wir auch noch den Fluglärm, den die beiden Airlines mit ihren Transitpassagieren verursachen.

Schweizer Krise schlimmer als die japanische

Freitag, den 29. Juli 2005 um 14:43

Nun haben wir den Salat: Die beiden US-Wirtschaftsforscher Timothy Kohoe und Kum Ruhl haben in der „Review of Economic Dynamics“ festgestellt, dass die Wirtschaftskrise der Schweiz (seit 1970) schlimmere Ausmasse angenommen hat als die Japans. Eine Verbesserung sei nicht absehbar.

Menschen als Maska

Freitag, den 29. Juli 2005 um 14:41

Seit Jahren sammle ich Holzmasken und bestätige gerne: Sie können sehr menschlich sein. Spannender aber sind Menschen, die sich in Masken verwandeln oder mindestens eine aufsetzen.
Nehmen wir Dieter Zetsche, den neuen Chef von DaimlerChrysler. Er hat, jedoch mit ausgeprägt hoher Stirn, eines jener Kindergesichter, die man im Topmanagement heute oft antrifft (Peter Wuffli, Klaus Esser etc.). Damit man dies aber übersieht, hat er sich einen der schlimmsten Schnurrbärte wachsen lassen, wie man sie früher sonst nur in Mazedonien sah. Manchmal hängt sein Bart, manchmal ist er horizontal gebürstet (oder geklebt?) Zetsche, Zetsche, wir sind gespannt auf Dein neues Firmenstyling.

Keine Maske aufgesetzt, dafür eine übernommen, hat Heidi Klum, die jetzt als TopStar auf ProSieben zu sehen ist. Wahrscheinlich ist wenig an ihr echt, mindestens aber vieles ideal korrigiert: die Augen mandelförmig, die Zähne ein strahlendes Raubtiergebiss, die erblondeten Haare tief über die Schultern sich kringelnd – eine smarte Linie.

Das wäre nicht weiter interessant, weil jede Miss Schweiz ihr zu folgen versucht, aber der schönen Heidi kommt die schöne Repliee Q1 entgegen, die schönste Roboterin aus Japan. Q1 wirkt weniger aggressiv, strahlt fast schon etwas Mütterliches aus, ist aber halb schon Mensch im Ausdruck wie unsere westliche Heidi fast schon einem Roboter gleicht. Irgendwann demnächst werden sich die Entwicklungskurven kreuzen.

Adieu, Berner Oberland

Freitag, den 29. Juli 2005 um 14:29

Unter dem Einfluss eines deutschen wie eines Berner Tourismusprofessors hat die Berner Regierung das „Berner Oberland“ vor einiger Zeit kurzerhand abgeschafft. Das ist ungefähr so, als würde man im Bündnerland das Engadin abschaffen oder den Begriff Zentralschweiz der Innerschweizer Kantone. Offensichtlich fügte sich die Berner Regierung dem Druck der beiden Professoren ebenso wie den streitbaren Berner Touristikern, die sich unter der Decke des Begriffs „Berner Oberland“ nicht mehr einig wurden.

So wurde das „Berner Oberland“ eingeschläfert und in Destinationen eingeteilt, die jetzt auch wieder unzufrieden sind; dies mit Ausnahme der Destination „Jungfrau“, die es zur Weltmarke geschafft hat, ganz ähnlich wie das Matterhorn, aber die Bündner Bernina, auch eine solche Kunstfigur, wird sicher auch bald wieder beerdigt.

So wurde im Kanton Bern viel Energie verschlissen. Im Wettbewerb der Schweizer Grossregionen ging das stolze „Berner Oberland“ verloren. Das ist, als hätte man meine Grosstante umgebracht. Die Engländer liebten es, die Deutschen, die Holländer, die Skandinavier und viele mehr.

Also, meine lieben Berner, holt Euer Oberland wieder aus dem Sarg heraus, wo ihr es notdürftig verborgen habt. Tourismus überlebt nur mit starken Destinationen. Wer klein denkt, wird klein bleiben.

Die US-Amerikaner von heute waren die Serben von gestern

Freitag, den 29. Juli 2005 um 8:07

George W. Bush sollte sich an der Nase fassen, denn die US-Amerikaner von heute waren die Serben von gestern. 1713 rotteten die Amerikaner auf dem Gebiet des heutigen New Brunswick und Nova Scotia die französischsprechende Siedlung der „Acadians“ aus. Die männlichen Siedler wurden in die amerikanischen Forts gelockt und in unbekannte Gegenden verschickt. Frauen und Kinder mussten ohne die Männer flüchten. Fast 10 000 Menschen kamen ums Leben.

Diese ethnische Reinigung der demokratischen Amerikaner führte zur Einwanderung der Cajuns (französischsprechend) im Mississippi-Delta. Die kanadische Regierung hat sich entschuldigt; von Washington war noch nichts zu vernehmen. I apologize, Mr. President.

München hebt ab und Zürich klemmt ab

Freitag, den 29. Juli 2005 um 8:01

Als bekennender Fluglärmgegner, der jeden Morgen um 06.00 Uhr auf dem Zollikerberg geweckt wird (und dies auch samstags und sonntags), vernehme ich, wie unsere neue nationale Airline, die Lufthansa-Swiss, den Hub München ausbaut, womit München definitiv abheben soll.

Zürich-Kloten – hiess es nicht einmal „unique“? – wird abgeklemmt, solange die Menschen, die unter dem Regime Moritz Leuenbergers um ihre Eigentumsrechte betrogen wurden, nicht wieder in diese Rechte eingesetzt werden. Die Südgemeinden des Zürcher Flughafens stehen geschlossener denn je gegen alle Versuche, ihre 300 000 Einwohner, das ist fast soviel wie die ganze Stadt Zürich, sie ihres Ruheschlafs und ihres Besitzes zu berauben. Flughafendirektor Josef Felder, ohnehin ein Mensch der scheuen Art, lässt sich kaum mehr in der Öffentlichkeit sehen und sein VR-Präsident Andreas Schmid ist an derart vielen Fronten hinter den Kulissen tätig, dass er für Diskussionen mit den Leidtragenden ohnehin keine Zeit mehr hat; einmal davon abgesehen, dass das Diskutieren immer weniger seine Stärke war als das Befehlen.

München hebt ab und Zürich-Kloten wird, gegen alle anderen Behauptungen, zum Zubringer-Flughafen der LuftSwiss. Die Berner fliegen heute schon ab Belp direkt nach München und brauchen Zürich bald nicht mehr Obwohl ich einmal Deutscher war, ist mir die Lufthansa so gleichgültig wie Air Lingus. Wer mir und 300 000 weiteren Bürgern dieses Landes Ruhe verschafft, hat meine Stimme.

Zum 1. August: Die richtige Regel

Donnerstag, den 28. Juli 2005 um 15:48

Jetzt werden wir wieder überschüttet von allerlei Anweisungen, Empfehlungen, Warnungen, Hilferufen. Der 1. August 2005 ist da.

Für mich heisst die richtige Regel: Tun Sie alles, was Sie tun, ganz zum Vorteil Ihrer persönlichen Sache. Die alten Schweizer, wer immer dies gewesen ist, waren schreckliche Egoisten. Sie wollten nur eines: Ihre Freiheit, ihr Land. Aus dieser Haltung heraus ist die schöne Schweiz entstanden, die jeder vernünftige Mensch pflegt, weil er sie nur gerne haben kann.

Wenn nun viele Schweizer ihr Land freiwillig zerstören, weil sie ihre Firmen ins Ausland verkaufen und selber nach Monaco und auf die Bahamas ziehen, weil Konzernsprecher Dr. Thomas Held fordert, die Bergtäler wegen mangelnder Rentabilität zu schliessen und die kantonalen Tierheger mehr für die Bären tun als für die Menschen in diesen Tälern, dann ist die Zeit gekommen, wo man an der Vernunft der Gegenwärtigen zweifeln muss.

Volksheld Dr. Christoph Blocher hat dies alles schon früh kommen sehen. Er lebt in Rhäzuns hoch oben auf einer Burg, wo er – ohne Bärengefahr – ausgesuchte Freunde empfängt. Das Volk besucht er ab und zu in den tiefer gelegenen Tälern, um ihm Mut zuzusprechen, wofür das Volk auch dankbar ist.

Ich wünsche Ihnen einen frommen 1. August, den ich mit den Innerschweizern in Berlin verbringen werde. Wir wollen viele davon als Touristen und Geschäftsleute in die Zentralschweiz bringen. Die ist bärenfrei und wird es wohl bleiben.

Doppelgesichtige SBB

Donnerstag, den 28. Juli 2005 um 14:23

Die Schweizerischen Bundesbahnen haben im Zug, auf den Schiffen und in den Bussen das Rauchen verboten. Bundesrat Moritz Leuenberger setzt mit allen Mitteln seine neo-zwinglianische Verzichtskultur durch. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass SBB-Chef Benedikt Weibel jetzt eine „Exklusive Gourmetfahrt mit Whisky und Cigarren“ anbietet, wo während der Fahrt von Basel über Zürich nach Basel nach Lust und Laune gesoffen und geraucht werden darf. Das ist ein lustiges Bild: Das steuerzahlende und die SBB mit Milliarden Franken subventionierende Volk – davon raucht gut ein Drittel regelmässig – muss gefrustet über die Schienen fahren, während ein Luxuszug der SBB mit einem Elitepublikum (maximal 48 Personen) alles das tun darf, was SBB und Bundesrat dem Volk sonst verbieten. Das ist die sozialdemokratische Frustkultur: Das Volk leidet und die Elite lässt feiern.

 
     
     
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