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Tagesarchiv für 10. Juni 2005

Atomkraftdebatte: KO programmiert

Freitag, den 10. Juni 2005 um 9:58

Die Axpo, “Weisser Ritter” eines neuen Atomkraftwerks in der Schweiz, läuft mit ihrem aktuellen Medienaktivismus Gefahr, die Atomkraftdebatte in ein KO zu lenken. Atel, BKW und EOS halten sich im Hintergrund und hoffen, dass ihr Mitbewerber einen PR-Fehler macht, von dem sie still profitieren können. Tatsache ist jedoch, dass heute die gesamte Branche gemeinsam die Atomkraftthematik politisch, aber auch in der Öffentlichkeit, vertreten müsste, um dereinst in einer Volksabstimmung zu bestehen.

Bundesrat Moritz Leuenberger und sein Bundesamt für Energie schauen dem hektischen Treiben in den Medien mit Gelassenheit zu. Sie wissen: Bis die Branche die Entsorgungsfrage nicht gelöst hat, ist ein neues Atomkraft nicht zu realisieren.

Anstatt auf der Atomkraftwerk-Trommel Lärm zu machen, sollte die Branche gemeinsam ein Tabu anpacken: Die Endlagerung im Ausland. Ein Endlager in der Schweiz lässt sich heute kaum mehr bauen, weil der Widerstand aus der Bevölkerung und den Kantonen im Umfeld des Standorts dies unmöglich macht. Ein Endlager im Ausland – nicht als Export von Atommüll, sondern als Schweizer Investition in einem strukturschwachen Land wie etwa Russland oder als Partnerschaft mit den erfahrenen Schweden – könnte innenpolitische Schweizer Fesseln lösen. Dass das Parlament diesen Schritt nicht wagt, liegt auf der Hand. Der Bundesrat jedoch kann den Anstoss dazu geben, wenn er will. Tut er es nicht, folgt er Kollege Leuenberger blind ins Verderben. Seine Absicht, die Atomkraft in der Schweiz zu strangulieren, wäre für das Land katastrophal.

Stephan Oehen

 
     
     
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