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Monatsarchiv für Mai 2005

Drei kreative Zeitschriften: “Trend”, “tachles” und “Das Goetheanum”

Montag, den 30. Mai 2005 um 9:27

Oft werde ich gefragt, was soll ich lesen? Heute möchte ich auf drei kreative Zeitschriften hinweisen, aus deren Lektüre ich viel Gewinn ziehe:

· “Trend” ist ein wunderbares österreichisches Magazin, das von Herausgeber Helmut Gansterer intelligent geschrieben und mit anregenden Themen zu einem Leckerbissen gemacht wurde.
· “tachles” ist die jüdische Wochenzeitschrift der Schweiz. Der junge Chefredaktor Yves Kugelmann ist ein brillianter Journalist, der von konservativen Juden deshalb nicht sehr geliebt wird. Wie er sein Establishment infrage stellt und durch Hinterfragung Wissen schafft, ist vorbildlich auch für andere Schweizer Kollegen von Kugelmann.
· “Das Goetheanum”, die Wochenzeitschrift der Anthroposophen, regt immer wieder mit aussergewöhnlichen Themen auf und an. Was mir darin gefällt, ist die Auseinandersetzung um die menschliche Persönlichkeit, deren Entwicklung und deren Gefährdungen.

Wenn Sie mehr wissen wollen als ein normaler “NZZ”- oder “Tagi”-Leser, dann müssen Sie sich solche Zeitschriften aussuchen. Es gibt noch mehr davon.

Klaus J. Stöhlker

Sind Marken die neuen Götter – oder Gott?

Montag, den 30. Mai 2005 um 8:20

Weil alles zur Marke werden muss, der US-Präsident, der Papst, die Schauspieler und Sportler ohnehin, darf die Frage gestellt werden: Sind Marken die neuen Götter oder Gott selber? Laufend begegnen mir Menschen, die sagen “Ich glaube …..” Sie meinen damit aber nicht die Religion, sondern sprechen von alltäglichen Vermutungen. Meine Antwort heisst regelmässig: Wissen Sie oder wissen Sie nicht?

Die Kinder jedenfalls werden jährlich Zehntausenden von Werbesendungen am Fernsehen ausgesetzt. Was immer sie dabei lernen, das Richtige ist es auf keinen Fall. Kommen sie in den Kindergarten und in die Schule, sind sie einem enormen sozialen Druck ausgesetzt, sich ebenfalls “chic” zu verhalten, anzuziehen, giftige Süssgetränke zu trinken etc. Wo bleibt da die Selbständigkeit?

Wer laufend, und schon in früher Jugend, dem Werbe- und Informationsdruck ausgesetzt wird, ohne dies verarbeiten zu können, wird ein Geisteskrüppel. Deshalb heulen die Jungen einem höchst fragwürdigen “Musicstar” zu, selbst ein Kind, selbst allen Risiken ausgesetzt.

Mir gefällt dies nicht. Wenn aber die Eltern selber keine guten Geschichten mehr kennen, wer soll dann die Kinder lehren? Es ist wie bei der Zeugung: Nur einer kommt durch.

Klaus J. Stöhlker

Die “Goldene Generation” wird kämpfen

Montag, den 30. Mai 2005 um 7:10

Wenn wir bis zum Jahr 2010 nicht wichtige innenpolitische Entscheide realisiert haben, wird es hart für den Bundesrat und die Parteien. Dann wird die jetzige “Goldene Generation”, die das beste Leben hatte, welches die Europäer je genossen haben, mit einer Mehrheit an der Macht sein – und alles blockieren, was ihren Einfluss und Reichtum mindert. Ab 2015 wird ohnehin eine gesellschaftliche Zeitenwende anbrechen, wenn dann viele Alte sterben und keine Jungen mehr nachfolgen. Erst dann wird der Kampf um die verbliebene Kasse wirklich hart; jetzt erleben wir eine Prä-Phase, wo viele sich schon zu bedienen suchen, Unternehmer, Manager, Politiker, ja, eigentlich alle.

Die “Goldene Generation”, zu welcher auch ich zähle, wird es niemandem leicht machen. Wir sind eine Vor-Pisa-Generation.

Klaus J. Stöhlker

Vor diesem Abstimmungs-Wochenende

Freitag, den 27. Mai 2005 um 15:42

Immer mehr Schweizer wollen Schengen nicht, immer mehr Europäer wollen die neue EU-Verfassung nicht. Die Bundes-Verwaltung in Bern will Schengen, die Europa-Verwaltung in Brüssel will die Verfassung. Was will ich? Staunen.

Klaus J. Stöhlker

Angst vor der Globalisierung

Freitag, den 27. Mai 2005 um 14:52

Viele kleine und mittlere Unternehmen werfen den EU-Behörden in Brüssel vor, sie seien Mitschuld an der Globalisierung, der Druck auf die Unternehmen des “alten” Europa nehme unnötig zu. Das ist nur die halbe Wahrheit. Die Globalisierung ist eine von den Europäern seit 500 Jahren ausgelöste Tendenz. Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus im Jahr 1989 breitet sie sich mit grosser Geschwindigkeit in ihrer us-amerikanischen Form über die ganze Welt aus. Dieser Vorgang wird durch die Erweiterung der EU innerhalb Europas zusätzlich beschleunigt.

Gewinner dieses Prozesses sind in erster Linie die best geführten Konzerne, hoch spezialisierte KMU und die Dienstleistungsbranche.

Klaus J. Stöhlker

Neuer Star: Swiss Economic Forum

Freitag, den 27. Mai 2005 um 14:20

Zu Beginn wollte niemand glauben, dass ein Swiss Economic Forum in Thun Sinn macht. Den Veranstaltern ist jetzt der Gegenbeweis gelungen: Mit viel internationaler Prominenz wurden über tausend Teilnehmer ins Berner Oberland gelockt. Jedoch, fast die Hälfte der Teilnehmer kam aus Zürich, nur ein gutes Viertel aus dem Espace Mittelland. Nur jeder 20. Teilnehmer kam aus der Region Thun, die man mit diesem Anlass eigentlich fördern wollte. Die Lehre: Der Bedarf an Foren für die “chattering classes” ist nicht unbeschränkt, aber immer noch anwachsend. Die Schweiz ist ein sicheres Land, wo bisher kein Terrorismus droht. Die Reichen und Mächtigen kommen gerne zu uns.

Klaus J. Stöhlker

In Basel Karriere machen

Freitag, den 27. Mai 2005 um 12:53

Wer in Basel Karriere machen will, sollte sich an folgende Spielregeln halten:

- Wer freisinnig gestimmt ist, muss in die Zunft zur Weinleuten
- Bei den Liberalen steigen Sie auf in den Zünften zum Schlüssel und zu den Hausgenossen.
- Sicher gewählt werden Sie bei gleichzeitiger Mitgliedschaft in den drei Ehrengesellschaften, als Trommler und Pfeifer bei den Vereinigten Kleinbaslern und als Mitglied des Turnvereins Kleinbasel.

Ein Risiko müssen Sie im Auge behalten: Die Koalition zwischen Hochfinanz und Schickimicki-Sozialisten (z.B. Anita Fetz, Ständerätin) spielt häufig gut.

Klaus J. Stöhlker

Jeder Elfte geht schon

Freitag, den 27. Mai 2005 um 12:29

Die OECD hat erhoben, wie viel Prozent der Hochgebildeten eines Landes bereits im Ausland leben. In der Schweiz sind es 9,2 Prozent, jeder Elfte, der das Land verlassen hat. Vielleicht sind es gerade jene 9,2 Prozent, die wir dringend bräuchten, um die Schweiz einer Totalrenovation zu unterziehen.

Klaus J. Stöhlker

Wenn Merkel kommt

Freitag, den 27. Mai 2005 um 11:36

Natürlich sind wir Schweizer, im Beiboot Deutschlands sitzend, fasziniert vom Chaos in unserem nördlichen Nachbarland. Wenn Merkel kommt, was dann? Es zeichnet sich ab, dass Angela Merkel das aussenpolitische Ruder Deutschlands herumwerfen wird und sich vorbehaltlos zu den USA bekennen wird. Der atlantische Graben zwischen beiden Staaten soll wieder politisch aufgefüllt werden. Was das bedeutet? Eine Stärkung des US-Dollars in einer Zeit, wo er es dringend nötig hat. Die Übernahme zusätzlicher Leistungen, sei es militärischer Kosten oder anderer Hilfsmassnahmen. Damit wird auch die EU etwas unwichtiger, denn die Handelsbeziehungen zu den USA werden aufgewertet, ganz wie Micheline Calmy-Rey dies nun auch tun muss. Wenn Merkel kommt, sind die USA der grosse Sieger. Nach Merkel sollen die USA und Deutschland wieder “Partner im Wohlstand” werden.

Schröder setzt auf sein Charisma, um dies zu verhindern. Wie sagt Prof. Fredmund Malik: “Charismatische Führer waren selten gute Unternehmer.” Das scheint auch für die Politik zu gelten. Merkel hat soviel Charisma wie eine Hutschachtel; vielleicht schafft sie es gerade deshalb. Die Deutschen haben vielleicht genug von den Charismatikern. Jedoch, zu viele “vielleichts” – warten wir es ab.

Klaus J. Stöhlker

Fortschritt für wen?

Freitag, den 27. Mai 2005 um 10:23

Wenn Ihnen Beweise vorgelegt werden, der Schweiz gehe es besser, sie wachse wieder, dann glauben Sie kein Wort. Fragen Sie zurück: “Wem geht es besser, wer wächst wieder?” Allgemein-pauschale Aussagen, wie “wir” oder “die Schweiz” oder “die EU” sind völlig wertlos geworden; es handelt sich um Propaganda. Stellen Sie immer die Zusatzfrage: Für wen trifft dies zu?

Klaus J. Stöhlker

 
     
     
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