Ich bin ein Fan von Armin Walpen. Dieses Gommer CVP-Urgestein ist die Schweizer Version eines alt-chinesischen Bonzen. Nein, das ist kein schlechter Mensch, sondern ein Topmanager von hoher Weisheit, der seinen guten Ruf erst im Laufe der Jahrhunderte verlor.
Aber, stimmt mit der SRG wirklich alles? Im Tessin, einem Landesteil, welcher der Schweiz nach Marignano per Zufall verblieb, ist die SRG mit über tausend Mitarbeitern der grösste Arbeitgeber. Wenn dies so weitergeht, gibt es dort bald mehr Nachrichten- und Musikproduzenten als Zuhörer und Zuschauer.
Die SRG hat zwar Pia Schellenberg, ein kreatives Talent von grosser Hingabe, gekündigt, baut dafür aber einen Chefbeamten-Wasserkopf auf, der seinesgleichen sucht. Daniel Eckmann, vormals Vordenker des heutigen Nestlé-Verwaltungsrats Kaspar Villiger, als Walpen-Stellvertreter, ist mit dieser neuen Aufgabe der Frühpensionierung ausgewichen. Achille Casanova, vormals Vizekanzler, wurde zum Ombudsmann der SRG gewählt. Jetzt erhält er auch noch einen Stellvertreter in der Person von Prof. Roger Blum, dessen Lehrstuhl als Medienprofessor an der Universität Bern aufgehoben wurde. Alte Freunde lässt man nicht fallen. Wer spricht hier von Filz?
Dazu passt, dass die Programm-Leistungen des Schweizer Fernsehens, vor allem im kritischen Informationsbereich, weit davon entfernt sind, im Land Entzücken auszulösen. Was Ingrid Deltenre als Programmdirektorin bisher geboten hat, weist mehr Richtung Konsum als Kultur. Schliesslich war sie es auch, die unsere staatlichen TV-Programme mit Werbespots und Sponsoring durchsetzt hat.
Der Staat greift nicht nur immer tiefer in unsere Taschen als Steuer- und Gebührenzahler. Er baut auch die staatlich gelenkte Information aus, um die Staatsbürger mit gelenkter Information bei der Stange zu halten.
Dazu passt folgende Beobachtung: Die US-Verfassung ist auf elf Manuskriptseiten lesbar; sie stärkt die Rechte des Einzelnen. Die neue EU-Verfassung stärkt die Rechte des Staates und braucht 438 Seiten, um dies zu begründen. Auch die neue Zürcher Verfassung stärkt den Staat mehr als den Einzelnen. Das Zürcher Volk hat sie angenommen, wohl aus geistiger Müdigkeit und in Ermangelung nützlicher Alternativen.
Klaus J. Stöhlker