PR Report, 8. April 2005: Authentisch wahr
Freitag, den 8. April 2005 um 15:56Die von PR-Machern vielbeschworene Authenzität wird gern bemüht, um Marken, Unternehmen und Personen zu definieren. Es wird viel dafür getan, dass Vorstandsvorsitzende, PR-Aussagen und Produkte ‘echt’ und ‘glaubwürdig wirken’.
Deswegen entdecken derzeit PR-Veratwortliche Weblogs neu. Denn sie gelten als authentisch, da unzensiert. Vielleicht steht in den Weblogs nicht immer die Wahrheit – aber dafür sind sie ‘echt’.
Und so entstehen nach und nach immer mehr so genannte PR-Blogs. Damit sind nicht Blogs gemeint, die sich mit PR beschäftigen, sondern solche, die als PR-Instrument wirken sollen. Aber kann das gut gehen? Nein. Denn PR zeichnet sich gerade durch strategische und taktische Ausrichtug von Kommunikation aus. Ein Blog ist aber nun mal das Gegenteil davon.
Selbst bei PR-Adressen wie der Klaus J. Stöhlker AG, die kürzlich im Rahmen eines Relaunches ihrer Website ein Blog eingerichtet hat, schlagen die Kommentare sogleich aus dem Ruder. Zwar verstecken sich ernsthafte Rubriken wie’Politik’, ‘Wirtschaft’, ‘Gesellschaft’ und ‘Kommunikation’ hinter dem Weblog-Link ganz unten auf der Seite. Aber schon in der zweiten Ebene schreibt eine ‘miss kitty’: ‘Interessanter Relaunch – versteht nur kein Mensch’. Solch ‘konstruktive’ Kritik kann wohl kaum im Sinne des Erfinders sein.
Es wird daher nicht lange dauern, bis in solchen Blogs Unliebsames herausgestrichen wird. Das bedeutet zwar nicht, dass etwas Unwahres im Weblog stehen würde, aber vollständig im Sinne von authentisch ist es dann nicht mehr.
Und damit ist es ein PR-Instrument, das nur oberflächlich wirken kann. Denn der Rezipient wird dadurch dazu gezwungen, sich zu fragen: ‘Was ist denn sonst noch retuschiert?’ Und das schadet mehr, als es nutzt, da sich niemand mehr auf die Authentizität verlassen kann.

