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Weblog "Early Bird"

Einhörner haben wir nicht, Kleinhörner gehen bereits. „Gewisse Eigenschaften“ gesucht

27. Juni 2016 um 16:41

Der Ruf nach Einhörnern erschallt im Land, während die Kleinhörner längst schon ex Zürich nach Berlin weiter ziehen. Niemand wagt es Zahlen vorzulegen, was KTI und andere staatliche Organisationen für Fintech-Firmen aus Steuermitteln aufwenden. Die Befürchtung ist berechtigt, dass viel Geld die Bäche der Schweiz hinab schwimmt.

Dies gilt in besonderem Masse am 1. Januar 2019, wenn die USR III in Kraft treten soll. Alleine die Stadt Zürich wird jährlich 90 Mio. Franken an Steuereinnahmen verlieren. Schon jetzt warnen Experten, die Individualsteuern dürfe man auf keinen Fall erhöhen, weil man rund um Zürich ohnehin billiger lebe. Die USR III begünstigt auch in erster Linie Biotech- und Pharmafirmen, weshalb andere Betriebe, wie die Zürcher Kreativwirtschaft, sich gleich gar keine Hoffnungen auf tiefere Steuern machen sollte. „Gewisse Eigenschaften“ waren bisher schon notwendig, um tiefere Steuern zu bezahlen; daran ändert sich nichts.

Die Alarmrufe linker Politiker, welche die Gefahr von weniger Staat kommen sehen, weil er so nicht mehr finanziert werden kann, häufen sich. Da kommt die Aussage von Mark Haefele recht. Der Global Chief Investment Officer für Vermögensmanagement schrieb am 22. Juni im UBS House View: „So leid es uns für die Politik auch tut – aber letztlich zählt nur die Wirtschaft.“

Derlei sollte sich jeder merken, der noch Illusionen hat, man könne eine ideal-idyllische Welt schaffen, wo jedem das Seine gegeben wird. Gegeben ja, aber was?

Mark Haefele hat Gewicht, aber Otmar Issing ist auch nicht zu unterschätzen. Der langjährige Chefvolkswirt der EZB hält ohnehin von (west-)europäischen Äusserungen zur Wirtschaftspolitik wenig. Er wertet: „Die Fachdebatte bestimmen die amerikanischen Zeitschriften und Ökonomen, und die Amerikaner haben Schwierigkeiten, sich in eine andere Welt als die ihre hineinzudenken.“

Da steh‘n wir nun ganz wie ein Tor und sind so klug als wie zuvor.

Dieser Tage wurde mir berichtet, wie Bundespräsident Johann Schneider-Ammann in internationalen Gremien auftritt. Ich erspare meinen Lesern, das Urteil weiter zu leiten. Es ist schlimm.

Dieser Tage wurde mir auch berichtet, wie Bundesrat Didier Burkhalter mit wolkigen Lauten, die man sonst überlegenes Sprechen nennt, den Zustand vernebelt, dass seine EU-Aussenpolitik gescheitert ist. Es ist kaum besser als JSA’s Brummelrede (was man sich kaum vorstellen will). Hat die einstige Staatspartei FDP kein international wettbewerbsfähiges staatsmännisches Potential mehr? Doris Leuthard sieht wenigstens gut aus.

Die Schweiz, in Europa nicht minder isoliert als jetzt Grossbritannien es ist, würde gut daran tun, eine entschlossene Landesregierung aufzustellen. Sie tut dies nicht, weil unsere politisch-wirtschaftlichen Eliten, die „Gewisse Eigenschaften“ haben, mit dem jetzigen Zustand ganz gut leben können.

Dalai Lama will keine Religionen mehr

10. Juni 2016 um 13:32

Jetzt hat es auch der bei uns vielfach verehrte Dalai Lama begriffen: Er zweifelt oft an der Notwendigkeit von Kirchen und meint in seinem neuen „Appell“-Buch, das im deutschen Spiegel-Verlag erschienen ist: „Ethik ist wichtiger als Religion“. Hans Küng würde sich freuen, dies zu hören.

Derweil sind bei uns im Land die christlichen Religionen immer rascher auf dem Rückzug. Die reformierte Kirche im Kanton Zürich verliert jedes Jahr 5000 Mitglieder. Was tut sie? Sie will die Zahl der Kirchengemeinden von 174 auf 40 verringern. Gleichzeitig nehmen die Kirchensteuern laufend zu, was den Kadern der Kirche weiterhin ein wunderbares Leben und viel finanzielle Sicherheit erlaubt.

Das erinnert an den Niedergang der dänischen Kolonien auf Grönland im 11. Jahrhundert. Während die armen Siedler langsam verhungerten, wurden die reichen Siedler immer reicher – bis auch sie das unausweichliche Schicksal des Aussterbens erreichte. Ihre Frauen flohen derweil mit den Kindern auf das Hochlandeis zu den Inuit, wo man zu überleben wusste.

Wer kennt noch reformierte Geistliche? Peter Siegrist, der Grossmünster-Pfarrer, ist eine wohltuende Ausnahme, der Rest taugt zur Erneuerung der Kirche und des Glaubens wohl so viel wie ein Angler ohne Rute.

Von der rk Kirche vernimmt man kaum Besseres. Die oberen Kirchenkader kämpfen um den Zieldurchlauf in die Pension, die ihnen Unterstellten um die eigene Karriere. Es tun sich neue Bischofssitze auf; hoffentlich vergibt sie der Papst nicht an „Römer“ oder sogar Ausländer, wie der Schweizer Nuntius einer ist. Bei diesem Grad an Überfremdung, der dem in den Grossbanken gleicht, hat ein Schweizer Kandidat immer weniger Karrierechancen.

Was mir an Predigern begegnet, wird immer älter, aber kaum weiser. Kürzlich lief mir bei einer Predigt Pater Ziegler über den Weg, den früher alle Schweizer Manager kannten. Ihm, der sein Alter nicht leugnet, ist das Charisma geblieben, aber die Uhr tickt. Leider.

Es steht ziemlich trostlos um unsere Staatskirchen. Die Freikirchen sind kein wirklicher Trost, denn die dort verlangte Art der Gymnastik und des lauten Bekennens sind nicht meine Sache. Bleibt die Flucht ins Lassalle-Haus oberhalb von Zug, wo Roshi-Pater Niklaus Brantschen, schon fast selig um sich blickend, noch immer den Weg ins Innere sucht.

Dies erfahrend, packt mich eine Art von Fröhlichkeit. Ist unser Glaubensleben nicht sehr vielfältig? Jetzt packen wir die Juden mit ihren brillanten Ritualen und die Moslems mit ihrem „inschallah“ und einer Gebetshaltung, die schon unser Rücken nicht zulässt, in den Topf, dann sehen wir, wie in der Schweiz „Zehntausend Blumen“ blühen. Wenn einige verwelken, tut dies wenig zur Sache.

Dem Verstorbenen die Ehre geben….

8. Juni 2016 um 9:28

Beerdigungen sind stets eine heikle Angelegenheit, weshalb ich jede Gelegenheit wahrgenommen habe, nicht daran teilzunehmen. Einerseits befindet sich der Verstorbene auf dem Weg in den Himmel, sofern er vom rechten Glauben erfüllt war, wie dies im Falle von Martin Senn sicher zugetroffen ist; anderseits ist der Selbstmord dem rechten Christen verboten, was den Eintritt durch die Paradiespforte etwas verzögern könnte.

Martin Senn, den vormaligen Chef der Zürich Versicherungen, könnte man als Opfer des Kapitalismus bezeichnen, rief ihm sein Freund Marwan Shakarchi bei der Trauerzeremonie doch nach: „Konzerne haben keine Seele.“ Anderseits hat Senn als CEO nicht jene Leistungen erbracht, welche Verwaltungsrat und Aktionäre von ihm erwartet haben, die Mehrung des Gewinns.

Die Trauerzeremonie selber war von den üblichen Eitelkeiten und Besonderheiten angereichert. Marwan Shakarchi, während er die Trauernden umarmte, vergass nicht, dabei auch in die Kameras der Medien zu blicken. Carolina Müller-Möhl, im Gesicht irgendwie wieder einmal anders aussehend, hatte das Handy am Ohr. Philipp Hildebrand, Vize-Chairman von Blackrock, kam gleich mit drei Frauen: Seiner neuen Partnerin Margarita Louis-Dreyfus, seiner Ex Kashya und deren erwachsener Tochter. Er, elegant wie immer, die Frauen in Mini-Röcken, die oberhalb der Knie endeten. Wie man Kirchen besucht, haben viele der jüngeren Generation schon verlernt.

Martin Senn hat mit 59 Jahren den Zieleinlauf verpasst; das ist immer schade. Im Krieg nennt man dies Kollateralschäden.

Schweizer TV-Qualität genügt nicht mehr

7. Juni 2016 um 10:59

Weil der Vorgang typisch ist für unsere ungenügenden Qualitätsbegriffe, nehme ich dieses Beispiel: Beatrice Eglis TV-Show wurde im ARD-Fernsehen nach zwei Sendungen abgesetzt, weil die Einschaltquoten zu tief waren. Gleichzeitig jubelt unser SRF-Unterhaltungschef Christoph Gebel, der auch die Dauer-Niederlagen der Schweiz am European Song Contest zu verantworten hat, er wolle eine eigene Show für die herzige, wenn auch etwas füllige Beatrice Egli prüfen.

Da haben wir es: Was im Ausland nicht genügt, reicht bei uns immer noch für den heimischen TV-Zuschauer. Das ist ein grosser Irrtum. Abgesehen von Ramba-Zamba-Provinzlern und Altersheim-Bewohnern will nämlich kaum jemand „die Egli“ sehen. Ich hatte einmal – in Rapperswil – das Missvergnügen sie zu hören und fand, das genüge für die nächsten zwanzig Jahre. Anschliessend kann sie als Deutschweizer Version von Nella Martinetti immer noch an den Stammtischen tingeln.

Weil unsere Bevölkerung immer internationaler und damit anspruchsvoller wird, muss unser teuer bezahltes Staats-TV auf jeden Fall europäisches Niveau haben. Weil dies für viele SRF-Kader nicht zutrifft, müssen wir uns nicht wundern, wenn die Einschaltquoten sinken. Beatrice Egli zieht den Begriff „Schweizer Qualität“ nach unten; die SRG macht sich trotz rekordverdächtiger Zwangsabonnements auf europäischem Niveau zu einem Regionalsender. Mit dieser neuen Situation müssen wir uns zufrieden geben.

Wer keine Steuern zahlt, soll nicht mitreden dürfen

19. Mai 2016 um 10:58

Der Fall des Berner Malermeisters Roland Jakob ist kein Einzelfall. Als SVP-Fraktionschef im Stadtberner Parlament will er für das Volk arbeiten; gleichzeitig versäumt er seine erste Bürgerpflicht, seine Steuern zu bezahlen.

Sind der Handwerker Jakob und der Politiker Jakob zwei verschiedene Menschen? Ich sage nein. Wir haben zu viele Politiker, Bundesrat Parmelin ist nur ein weiteres Beispiel, die es locker nehmen, wenn es um persönliche Verantwortung geht. Genau das ist es aber, was die  Bürgerinnen und Bürger von ihnen erwarten.

Viele unserer Politiker treten offensichtlich gewaltig in Erscheinung, aber an Substanz fehlt es intellektuell wie materiell. Darunter leiden die ehrlichen Steuerzahler, die ehrlichen Schweizerinnen und Schweizer. Sie sind machthungrigen Lobbyisten ausgeliefert, die das Volk nicht wirklich vertreten.

 

Köppels historischer Moment

27. April 2016 um 13:33

Für einen Augenblick wurde im Nationalrat wieder Politik gemacht. Anstelle politischer Lobbyisten, die im Bundeshaus den Alltag bestimmen, trat der Verleger und SVP-Nationalrat Roger Köppel ans Pult und beschuldigte Bundesrätin Simonetta Sommaruga, Sie wolle das Schweizer Volk enteignen zugunsten afrikanischer Zuwanderer. Sie setze sich über die Verfassung hinweg und gebe dem Druck der EU-Behörden in Brüssel nach. Sommaruga flüchtete aus dem Saal, zögerlich gefolgt von SP-Nationalräten und einigen bürgerlichen Parlamentariern.

Es war Köppels historischer Moment, zeigte in diesem Augenblick doch der in Zürich glanzvoll gewählte Jungparlamentarier, dass im Rat wieder diskutiert wird. Es war aber mehr als das: Zum Schrecken vieler reihte sich die Schweiz damit in die politische Normalität unserer Nachbarstaaten ein, wo knochenhart diskutiert und gestritten wird. Keinem Minister würde es dort einfallen, die politische Bühne fluchtartig zu verlassen.

Es war auch der Beginn des Übergangs von einer Blocher-SVP zu einer Köppel-SVP. Die Partei der oft grobschlächtigen Polterer verwandelte sich in diesem Augenblick, ohne ihre Position zu verändern, in die Partei scharfzüngiger bürgerlicher Intellektueller. Von nun wird man sich nicht mehr fragen „Was sagt Blocher?“ sondern „Was sagt Köppel?“

Untergräbt Roger Köppel das Vertrauen in die Politik, wie FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann es formulierte? Nein, das Vertrauen in eine seit Jahren dominierende Scheinpolitik ist schon lange in weiten Kreisen des Volkes verloren gegangen. Köppel, das zeigen sein Wahlergebnis und die übervollen Auditorien, wo er spricht, bringt das Vertrauen in die Politik wieder zurück. Man muss ihm nicht zustimmen, aber man darf der Diskussion nicht ausweichen.

Schürt er bewusst die Wut in der Bevölkerung, wie Portmann, der Zürcher Banker in liechtensteinischen Diensten meint? Nein, denn längst ist der bewusste und liberale Teil der Schweizer Bevölkerung wütend über den Missbrauch, der in Bern mit dem Volkswillen getrieben wird.

Simonetta Sommaruga ist aus dem Nationalrats-Saal geflüchtet. Jetzt kann man sich vorstellen, wie sie und ihre Kollegen im Bundesrat mit ausländischen Spitzenpolitikern verhandeln. Kniend wohl.

Die Schweiz hat in Köppels historischem Moment ein wenig ihre Unschuld als Land der Seligen und Gerechten verloren. Auch dafür dürfen wir dankbar sein, denn die globale Normalität holt uns ein, rascher als sich viele es wünschen.

Schweizer Medien im Verteilkampf

25. April 2016 um 9:09

Die Schweizer „hard core“-Liberalen der gehobenen Einkommensklassen trafen sich im Zürcher Edelhotel Savoy Baur en Ville. Sie wollten SRG-Generaldirektor Roger de Weck, der die Auseinandersetzung nicht scheute, erneut zur Einsicht bewegen, er habe zu viel das Staatsgeldes vulgo „Staatsknete“, während die privaten Sender, angeführt vom erfahrenen Markus Gilli mehr davon bedürften.

Es blieb, auf höchstem Niveau, eine undankbare Diskussion, denn Prof. Otfried Jarren, Präsident der Medienkommission EMEK, konnte in seiner Zwischenbilanz nicht recht nachweisen, dass er wirkliche Veränderungen wollte, wie es ihm auch nicht gelang, das politische Erfolgspotential seiner Kommission zu definieren. Ronnie Grob, einem Multifunktions-Journalisten, der von Berlin aus arbeitet, blieb es vorbehalten, den EMEK-Bericht zu zerreissen, wobei ihm niemand wirklich zu widersprechen suchte. Catherine Mühlemann, VR der Swisscom und vorwiegend im Ausland tätig, gab sich auch eher resigniert. Gerhard Pfister, neuer Präsident der CVP Schweiz, gab, noch in seiner Funktion als Nationalrat, deutliche Zeichen, einer teilweisen Entstaatlichung der Medienlandschaft geneigt zu sein. Rainer Stadler, Medienredaktor der NZZ, suchte eine Diskussion zu lenken zwischen blockierender Defensive (de Weck) und routiniert schwacher Offensive (Gilli).

Die artifizielle Problematisierung der Schweizer Medienlandschaft, wo ein Stellungskrieg zwischen Privaten und dem Staat herrscht, den meisten Privaten aber keine gute Perspektive zu geben ist, liess die Teilnehmer bei qualitativ hochstehenden Häppchen ratlos zurück.

Als höchst intensiver Nutzer der Schweizer Medienszene halte ich fest: Die Vielfalt der Schweizer Medien ist weiterhin derart gross, dass 99% der Bevölkerung diese gar nicht nutzen können. Die SRG bietet, seit Jahren zunehmend, ein volkstümlich-einfaches Programm, das anspruchsvollen Landesbewohnern nicht zugemutet werden kann. Sie will damit einen Damm gegen die zunehmend erfolgreicheren Auslandsender befestigen.

Für die Privaten gibt es also nur ein Problem: Wie kommen wir an mehr Geld aus Bern, um unsere ohne Subventionen in den roten Zahlen befindlichen Sender am Leben zu halten? Die staatliche Begünstigung der SRG ist fraglos eine Tatsache; sie dient dem nationalen Zusammenhalt, mehr noch aber der Erhaltung der fragilen politischen Balance, die man landesweit Stabilität nennt.

Den Schweizer Mediennutzer soll dies nicht berühren. Genügen die Inlandmedien nicht zur guten Information, haben wir ausländische Medien zu Genüge, der nationalen Enge zu entkommen.

Warum Sepp Blatter ein Mythos bleibt

22. April 2016 um 9:03

Ein zum Kampf bereiter Sepp Blatter stellte vor einer guten Hundertschaft internationaler Journalisten und Freunde sein Buch „Sepp Blatter – Mission & Passion Fussball“, Werd Verlag, vor. Nach Monaten des Schwankens bekannte er sich erneut zur FIFA und zu jener Sportart, welcher er Weltgeltung verschafft hat. Blatter bestätigte, es sei ein Komplott aus den USA gewesen, das ihn die FIFA-Präsidentschaft gekostet habe. Wäre die Fussball-WM 2022, wie von ihm geplant, in die USA gegangen, wären die FIFA und er von dort nie angegriffen worden.

Blatter bestätigte, dass wohl die 209 Mitgliedsländer in der finanziellen Abwicklung kontrolliert worden seien; dies sei aber bei den sechs länderübergreifenden Konföderationen nicht möglich gewesen. Blatter: „Die UEFA ist reicher als die FIFA.“ In Lateinamerika sei Jeffrey Webb als Regionalpräsident seine grösste Enttäuschung gewesen, stellte sich der angebliche Saubermann dann doch als hoch belastet heraus.

Seinen Rücktritt als FIFA-Präsident Anfang Juni 2015 erklärte mit der Darstellung der FIFA als „mafiöse Organisation“ durch die US-Justizministerin Loretta Lynch.

Was bleibt von Sepp Blatter? Er ist nur noch angeklagt, ein „unpassendes Geschenk“ an Michel Platini gemacht zu haben; Ende April erwartet er seinen Freispruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne.

 

Was sicher bleibt, ist der Mythos Blatter, dessen Werk, die grösste Sportorganisation der Welt, weiter wächst. Als grösster Walliser aller Zeiten bleibt er Teil nicht nur der Fussball-, sondern auch der Schweizer und Walliser Geschichte.

Seine Enkelin, die wegen des Mobbyings die Schule wechseln musste, wird eines Tages auf diesen Grossvater sehr stolz sein.

Gerhard Schröder punktet an der Uni Zürich

22. April 2016 um 8:55

Der deutsche alt Bundeskanzler und „Sozi der Bosse“, Gerhard Schröder punktete in der überfüllten Aula der Universität Zürich vor über 100 Angehörigen der Schweizer Wirtschaftselite mit einem launigen Vortrag zur Zukunft Europas und der Schweiz. Begrüsst und geleitet von Martin Meyer, dem Präsidenten des Schweizerischen Instituts für Auslandforschung, der jetzt auch als Präsident des Publizistischen Beirats der NZZ neues Gewicht erhalten hat, entfaltete „der Gerd“ ein Portrait des entstehenden Europas, „wo die Türkei und Russland eine sichere Perspektive für den Beitritt zur EU brauchen“.

Schröder verlängerte am Ort der Churchill-Rede „Let Europe arise“ diese Forderung mit der Fortsetzung „Let’s fight for Europe“. Der Provokationen kein Ende, sagte er: „Eine Kooperation mit dem Assad Regime ist notwendig.“

Europas Nationalstaaten, womit er auch die Schweiz meinte, müsste auf eigene Hoheitsrechte verzichten, weil sonst ein Kerneuropa mit einem Randeuropa entstünde. Deutschland alleine sei zu schwach, um Europa in der Welt neben den Grossmächten zu vertreten.

Martin Meyer, wie üblich Herr der Szene, nannte Gerhard Schröders Rede „behutsam idealistisch“. Schröder, von Meyer wie den begeisterten Teilnehmern angefeuert, legte sich auf den BREXIT-Ausgang fest: 55:45 für das Verbleiben in der EU. Gleichzeitig empfahl er der Schweiz den Beitritt zur EU.

Dr. Christoph Blocher sass schweigend in der Reihe 2 und gab dem Referenten auch keinen Beifall. Auch für die „Neue Zürcher Zeitung“ war es kein perfekter Tag: Schröder, einen aktuellen Aufsatz von NZZ-Chefredaktor Eric Gujer zitierend, nannte diesen einen Feuilletonisten, der nichts von Wirtschaft versteht.

Sage niemand, die Elite sei langweilig.

 

„This country is not for turning.“

20. April 2016 um 15:23

Fünfhundert Meter vor der Gemeindegrenze Zollikons, wo einst die Täufer revoltierten, um dann verbrannt oder in der Limmat ersäuft zu werden, lud ein hochrangiges Komitee dazu ein, gleichsam in einem Doppelschlag zweierlei zu bewirken :

  • Einmal ein Ja für das bedingungslose Grundeinkommen, worüber wir am 5. Juni abstimmen sollen.
  • Dann eine Anstiftung zu einer neuen Lebensform, deren genauere Definition nicht erfolgte.

In Miller’s Theater am Stadtrand von Zürich, wo nur wenige Wochen zuvor auch die Expedition des Theaters am Neumarkt scheiterte, um Weltwoche-Verleger Roger Köppel den Teufel aus dem Leib zu treiben, liess sich Prof. Dr. Hans Ruh als Schweizer Pionier für das Grundeinkommen feiern. „Es ist meine letzte Tat für die Jugend der Schweiz“, liess der fröhliche Emeritus verlauten, der unterdessen in der Wohlstandsgemeinde Zollikon, wie viele Sozialdemokraten auch, Unterkunft gefunden hat. Ruh wünscht sich „eine selbstbewusste und lustbetonte Schweizer Gesellschaft“, was die zahlreich anwesenden „Ladies“ mittleren Alters nicht einmal zu einem Beifall bewegte. Männer reagieren ohnehin nicht auf derlei öffentliche Aufforderungen. Als bekannter Theologe distanzierte sich Ruh von Apostel Paulus und dessen in den Thessalonicher-Briefen zu findende Formulierung: „Wer nicht arbeitet, soll nicht essen.“ Es sei vor allem die untere Mittelschicht, die mehr Geld brauche, um frei leben zu können.

Oswald Sigg, ehemaliger Sprecher von Bundesrat Kaspar Villiger und des Bundesrates, sprach sich als Mitglied des Initiativkomitees für ein Grundeinkommen „wider die heutige Masslosigkeit“ aus und verlangte gleichzeitig die Verwirklichung einer „konkreten Utopie“. Derlei Dialektik, die zu einem neuen, der AHV vergleichbaren Sozialwerk führen soll, fand im vielhundertköpfigen Theaterpublikum viel Beifall. Sogar ein Unternehmer sprach sich dafür aus, wobei sich später herausstellte, dass er einmal Unternehmer war, heute aber arbeitslos. Einen Tag später traf ich an der Universität Zürich alt Bundesrat Kaspar Villiger, der, als ich ihn zu Oswald Siggs Haltung zum Grundeinkommen fragte, nur ratlos den Kopf schüttelte und sagte: „Unverständlich.“

Der Wirtschaftspublizist Werner Vontobel distanzierte sich markant von derlei Utopien. Oswald Sigg, nachdoppelnd, kündigte aber eine neue Initiative für eine Mikrosteuer auf Finanzgeschäften an, mit der 2017 zu rechnen sei. Vontobels Meinung, wir würden alle mehr arbeiten, als die Natur es ertrage, wurde vom Publikum wohlwollend zur Kenntnis genommen, das im Anschluss an die vom Aargauer Ethiker Thomas Gröbly souverän geführte Diskussion zu einem ausgezeichneten Rot- und Weisswein überging und Käseplatten, die jede Flüchtlingsfamilie an Europas Grenzen neidisch gemacht hätten.

Der gut besuchte Abend verfehlte sein Ziel, denn das Initiativkomitee plädiert für 2500 Franken pro erwachsene Person monatlich, dazu CHF 600.— für jedes Kind. Oswald Sigg präzisierte: „Das gilt für jede Familie, die rechtmässig in der Schweiz lebt.“ Einige Teilnehmer befürchteten darauf, es würden derart viele Flüchtlinge und andere Ausländer in unser Land stürmen, dass es bald 50 Mio. Einwohner haben werde. Sie wurden am darauffolgenden Morgen vom Bundesrat beruhigt, der 2000 Soldaten an die Grenze stellen will, um derlei Unfug zu verhindern.

Meine Konklusion, Margeret Thatcher folgend: „This country is not for turning.“ Prof. Ruh sagte besänftigtend, Fr. 1 500.— würden es pro Monat auch tun; aus dem Publikum kamen Stimmen: „1000 genügen auch.“

Ach ja, die Anstiftung zu einer neuen Lebensform geriet an diesem Abend in Vergessenheit. Die kommende Abstimmung vom 5. Juni zugunsten eines bedingungslosen Grundeinkommens gilt als längst gescheitert.

 
     
     
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