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Weblog "Early Bird"

Steht Angela Merkel den USA im Weg?

9. Juli 2018 um 8:29

Die Schweiz muss daran interessiert sein, mit Deutschland gut auszukommen. Alleine die beiden benachbarten deutschen Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern sind, jedes für sich, für den Schweizer Aussenhandel wichtiger als das grosse China. Kloten ist heute de facto der Landesflughafen für Baden-Württemberg und die Schweiz. Viele der erfolgreichsten Schweizer Firmen stehen finanziell oder führungsmässig unter der Kontrolle von Deutschen.

Seit Jahren belehren die grossen und kleinen Schweizer Medien die deutsche Regierung in Berlin, wie sie es besser machen könnte. Es ist aber nicht bekannt, dass die Merkel-Regierungen jemals Wirkung gezeigt hätten. Das war schon bei Kanzler Helmut Kohl nicht anders.

Ein Medium, das in Teilen der Schweiz und Deutschlands als Leitmedium gilt, die „Neue Zürcher Zeitung“, schreibt seit Jahren gegen Angela Merkel oder lässt, oft auch drittklassige deutsche Autoren, gegen die deutsche Regierungschefin seitenlange Artikel schreiben.

NZZ-Chefredaktor Eric Gujer, der schon die Wiederwahl von Angela Merkel von seiner Redaktion bekämpfen liess, der dann auch einer Erneuerung der grossen Koalition kritisch gegenüber stand, beides aber ohne Erfolg, schreibt nun in der NZZ-Ausgabe vom 7. Juli persönlich von „Merkels Zermürbung“. Er nennt die Führung von CDU und CSU „ein Irrenhaus“, was der von der NZZ oft eingeforderten Zurückhaltung in anderen wichtigen Fragen nicht entspricht. Er verlangt von der Kanzlerin, sie müsse ihren „semipazifistischen Sonderweg“ aufgeben.

Ich habe die Vermutung, dass wir an dieser Stelle beim Kern des Problems angelangt sind, gehört Gujer doch zu jenen westeuropäischen Intellektuellen, die schon immer ganz nahe bei den Interessen der USA und speziell deren Militärs standen. Er setzt damit eine Linie fort, die schon von seinen Vorgängern verfolgt wurde, was in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts zu Berichten führte, die „Neue Zürcher Zeitung“ gehöre zu den „Einflussredaktionen des amerikanischen Auslandgeheimdienstes CIA“. Das ist harmloser, als es sich liest, war der CIA doch in der Zeit des Kalten Krieges immer bemüht, in jedem wichtigeren Land der Erde 2-3 Redaktionen zu haben, die er mit Informationen füttern und deren verständnisvolle Kommentare er im Gegenzug erwarten durfte.

Natürlich sind offizielle Bestätigungen in derlei Fällen nie zu erwarten. Es gehört zur Praxis, dies zu dementieren.

Die deutsche Kanzlerin scheint einigen Vertretern der US-Administration im Wege zu stehen. Sie war lange Zeit zurückhaltend mit Waffenlieferungen in NATO-nahe Staaten, sie übte auf Wladimir Putin, dessen Land einem US-Handelsembargo unterstellt ist, nicht jenen Druck aus, den man in Washington D.C. von ihr erwartete, und sie gilt als spröde, wenn seitens der US-Amerikaner Forderungen an die deutsche Regierung gestellt werden.

Sie ist für Deutschland mit Sicherheit eine Gewinn-Maximierungskanzlerin, die zwischen deutschem Volk, der deutschen Meinungselite, die einen starken linksliberalen Drall hat, und den deutschen Leitmedien, die ebenfalls meist politisch linksliberal-„fortschrittlich“ argumentieren, ihren Weg sucht.

Die NZZ Deutschlands ist die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die ebenfalls sehr stark gegen Merkel und deren Koalition argumentiert. Man darf annehmen, dass dies kein Zufall ist.

Die Kanzlerin sucht zweifellos den Weg ihres politischen Mentors, den sie dann auch zu stürzen half, Helmut Kohl in der Europapolitik fortzusetzen. Eric Gujer und andere zweifeln, ob dies angesichts schwacher EU-Strukturen möglich sein wird.

Den USA kann es nur gefallen, wenn in Frankreich und Italien die alten Zweiparteien-Systeme bereits zusammen gebrochen sind. Offen fördern sie den Brexit-Staat Grossbritannien und suchen in Osteuropa Koalitionen, um den Kreis um Russland enger zu schliessen. Eine starke Europäische Union mit starken Politikern, wie Angela Merkel oder Emanuel Macron, ist nicht wirklich im Interesse der USA. Politische Vasallenstaaten und wirtschaftliche Abhängigkeit nicht nur der Staaten Europas sind die Idealvorstellung in Washington.

Mit Angela Merkel und der starken deutschen Exportindustrie ist dies offensichtlich nicht zu haben.

Der Schweizer Eric Gujer, der nach eigener Aussage „Deutschland liebt“, also offensichtlich auch anderthalb oder sogar zwei Herzen in seiner Brust trägt, ein ganzes schweizerisches und ein halbes deutsches, investiert viel Geld des nicht sehr grossen Zürcher Verlags in sein Berliner Abenteuer.

Ich habe in Berlin nachgefragt: Angela Merkel schätzt solche Einflussnahmen wenig und nimmt sie nach Aussagen enger Mitarbeiter aus der CDU auch nicht zur Kenntnis.

Einer ihrer engsten Freunde als Parteistratege ist Volker Kauder, der gerade jenseits der Schweizer Landesgrenze im Südschwarzwald wohnt. Kauder kennt die Schweiz so gut wie jeder Schweizer Politiker. Ihn nicht zum Freund zu haben, wie die am Boden liegende Luftfahrtpolitik zwischen Deutschland und der Schweiz beweist, ist unserem Land wenig dienlich. Kauder hat noch im Frühjahr signalisiert: „Ich sehe keinen Verhandlungsbedarf.“

Womit ich sagen will: Sollten wir Schweizer uns nicht weniger als Frontisten in Berlin darstellen und mehr die Hand zur Freundschaft ausstrecken?

Unser Glück in der Nische

4. Juli 2018 um 16:36

Zwischen Grössenwahn und Bescheidenheit sind die Emotionen des durchschnittlichen Schweizers angesiedelt. Das ist hervorragend, denn die US-Amerikaner der Trump-Zeit sind nur grössenwahnsinnig, den Deutschen hat man die GröWa ausgetrieben, was sie nicht bescheidener gemacht hat, und die Liechtensteiner geben sich ganz bescheiden, weil sie reicher als die Schweizer sind.

Roger Federer stützt unseren Grössenwahn, die Fussball-Nationalmannschaft, sich auf dem gleichen Weg wähnend, holte uns in die Wirklichkeit zurück.

Unsere Politiker, vom Gemeindepräsidenten aufwärts, kultivieren die Bescheidenheit, wahrscheinlich, weil sie nach jenen aus Singapur zu den bestbezahlten der Welt gehören.

Unsere Künstler und Schriftsteller sind extrem bescheiden, weil sie sich selber nicht mehr zur Weltklasse zählen, Europaklasse wäre schon gut.

Sogar die Pfarrer sind extrem bescheiden geworden; si wagen sich kaum mehr auf die Strasse, weil die Mütter ihre Kinder vor ihnen in Sicherheit bringen.

In der Wirtschaft sind wir auch nicht so gross, wie einige unserer Medien dies gerne darstellen. Präsidenten und CEO’s gehören, nach jenen in den USA, zu den bestbezahlten der Welt. Aber sonst?

Die 23 reichsten Europäer weisen alle ein Vermögen von über 20 Mia. Euro aus. Das ist die finanzielle Oberklasse Europas. Weitere zehn können noch knapp mithalten, darunter auch die Basler Familien Hoffmann und Oeri mit 17,5 Mia; der Sturz der Roche-Aktie hat sie fünf Milliarden Euro gekostet.

Dann beginnt schon die Aminus-Elite. Prominentester Schweizer Vertreter ist die Familie Dr. Christoph Blocher mit 13,5 Mia. Euro.

Kein Wunder, dass der Preis für ein anständiges Haus mit Umschwung am Züri- wie am Genfer See bei Fr. 30 Mio. beginnt. Damit nähert man sich der Kasachstan-Klasse, die zusammen mit russischen, ägyptischen und saudischen Oligarchen die Oberklasse bildet.

Der Rest der Einwohner des Landes darf sich zu den Nischenbewohnern zählen, nicht unbedeutend, aber „négligéable“.

Unter den 100 umsatzstärksten Unternehmen der Welt sind nur Glencore (13. Keine Glückszahl, wie das laufende US-Verfahren zeigt) und Nestlé (67) zu finden. Novartis und Roche, wenn auch nicht so gross, können aber an den Börsen bisher mithalten.

Wir müssen den Gedanken annehmen, ein Nischenland zu sein. Wir leben, mit mindestens 300 000 Millionären und 800 000 eher armen Menschen in einer historischen Nische. Noch die meisten unserer Grosseltern waren arm und sparsam. Den Luxus der heutigen Jugend konnte man sich vor 50 Jahren vielerorts nicht vorstellen. Wie lange der Traum noch währt, lässt sich nicht errechnen. Grosse Teile des Mittelstands leben in einer Blase.

Wir gehören zu Europa, denn mit acht Prozent der Weltbevölkerung, die laufend weniger werden, zählt auch Europa zu den Zwergen  dieser Welt. Unsere grosse Zeit ging mit den europäischen Empires vor siebzig Jahren zu ende. Als das Bankgeheimnis leichtfertig aufgegeben wurde und die Globalisierung die Schweiz voll ergriff, begann der Ausverkauf vieler Schweizer Firmen ins Ausland. Seither gilt: Wenn „Schweizer“ auf dem Türschild steht, ist dies immer öfter „fake news“.

Lasst uns den Spätsommer Europas und der Schweiz geniessen. Die Winter werden kälter. Schon zieht es an allen Ecken.

Der deutsche Bundespräsident bleibt ein Aussenminister

2. Juli 2018 um 10:44

Es ist unglaublich schwierig, aus einem Provinzpolitiker einen Staatsmann zu machen. Dölf Ogi hat dies –für das Volk- noch am besten gemacht, indem er den Schleim seines „Freude herrscht“ über alle Ereignisse goss, die er für gut befand.

Viel schwieriger hat es Frank-Walter Steinmeier, der seit einiger Zeit den deutschen Bundespräsidenten gibt, aber in Wirklichkeit ein Aussenminister geblieben ist. Wo er sich äussert, geschieht dies aussenpolitisch.

Heiko Maas, SPD, ist der wirkliche deutsche Ausseminister, aber niemand nimmt ihn zur Kenntnis?

Deutschland und die EU sind ein Scherbenhaufen, wo viele sich bemühen, aber wenige wirken.

Schade.

Um unsere Steuern, unsere Hoffnungen, unsere Zukunft.

Russland ist die heimliche Liebe, die USA die politisch bestimmte Ehefrau

29. Juni 2018 um 16:55

Als die USA noch ein reines Land waren, wo Cowboys über die Prairie rasten, um ihre Gegner mit einem kühlen Schuss nieder zu strecken, gingen wir nach diesen Filmen wie John Wayne aus den Kinos.

Später lernten wir, dass sie zur gleichen Zeit die Schwarzen („negros“) an die Bäume hängten oder verbrannten.

Im „Kalten Krieg“ kämpften wir gegen die russischen Unmenschen im Osten, bestens informiert durch Krimis, die uns die russischen Untermenschen vor Auge führten.

Dann kam die Wende.

„Chruschtschow war ein Ukrainer, weshalb er die Krim den Ukrainern schenkte, ohne Gesetz und ordentlichen Beschluss“, sagte S. E. Sergei Garmonin, Russlands Botschafter in der Schweiz, Ende Juni in Zürich bei einem Empfang. Gastgeber waren Dr. Ariel Goekmen und Dr. Wolfram Kuoni, die weit über 100 Gäste begrüssen durften.

Bei diesem überaus gut besuchten Anlass im Zürcher „Russen“-Hotel St. Gotthard, wo vor allem Vertreter der SVP sich offensichtlich wohl fühlten, beklagte Garmonin die Einseitigkeit der Berichterstattung der Schweizer Medien. Nur die „Weltwoche“ des ebenfalls anwesenden SVP-Nationalrats Roger Köppel berichte nicht unkritisch, aber anständig. Worauf Köppel sofort um ein Exklusivinterview mit Vladimir Putin anfragte.

Nicht erst seit General Suwarov gibt es eine tiefe Liebe der Schweiz zu Russland. Als die Waadt hungerte, war es der russische Zar, der den Schweizern Weizen aus der Ukraine lieferte. Viele Schweizer haben in St. Petersburg und andernorts bis in die Gegenwart ihre Spuren hinterlassen. Russland ist ihre heimliche Liebe, die USA ist die politisch bestimmte Ehefrau.

Botschafter Garmonin beschrieb ein wirtschaftlich wachsendes Russland, wo seit der Blockade durch die USA die Staaten Asiens und Lateinamerikas die Gewinner seien. Auch die US-Firmen, von denen sich viele nicht an die Blockade-Vorschriften von Donald Trump halten würden.

Womit sich die Frage stellt: Ist Trump noch Herr der USA oder tut er nur so? Gibt es eine Trump-Politik und eine andere US-Wirklichkeit?

600 Schweizer Firmen mit 60 000 Mitarbeitern sind in Russland tätig.

SVP-Europaabgeordneter Alfred Heer, gerade aus Strassburg zurück, bestätigt: „Wir setzen uns dafür ein, dass Russland wieder in den Europarat aufgenommen wird.“

 

Alle unsere Weltuntergänge….

22. Juni 2018 um 14:50

Als ich ein Jugendlicher war, hiess es, unsere Welt werde in zwei Milliarden Jahren von der sich ausdehnenden Sonne verbrannt werden.

Als ich 20 Jahre älter war, lernte ich, dass die Sonne sich langsam ausdehne und wir vielleicht schon in 500 Millionen Jahren ersticken würden.

Als mit dem Club of Rome die Umweltbewegung aufkam, sprach man von 100 Millionen Jahren, die uns noch zur Verfügung stehen.

Jetzt lässt die „Neue Zürcher Zeitung“ in ihrer Weisheit, vertreten durch René Scheu, ihren Feuilletonchef, Hans Widmer zu Wort kommen, den härtesten McKinsey-Chef in der Schweiz des letzten Jahrhunderts. Er stellt sich aber als Unternehmer vor, was er auch einmal gewesen ist.

Hans Widmer, ein Nuklearphysiker, gibt uns noch 500 Jahre bis zum Weltuntergang. Entweder würden wir gescheiter oder der Menschheit sei nicht mehr zu helfen.

Mag sein, dass er Recht hat. Physiker haben immer Recht, meinen kluge Köpfe. Mit Ausnahme von Friedrich Dürrenmatt, der sie eher als Wirrköpfe auf die Bühne brachte.

Ich glaube nicht an Weltuntergänge in ferner Zukunft.

Ich sehe derart viele Weltuntergänge in der Gegenwart, dass mich die fernen nur wenig interessieren.

Ich sehe die Weltuntergänge in vielen Familien, sei dies durch Krankheit oder durch Exit und seine Schwestern verursacht.

Ich sehe Weltuntergänge in den Millionen Kindern, die jährlich abgetrieben, missbraucht oder misshandelt werden.

Ich sehe Weltuntergänge in Europa, wo einst stolze Nationen, wie Griechenland oder Italien, langsam verkümmern.

Ich sehe einen Weltuntergang für das einstige weisse Herrenvolk in den USA kommen, wo man einen Caligula zum Präsidenten machte.

Ich sehe den Untergang des über 2000jährigen Europas kommen, wenn wir uns nicht von den USA lösen und Osteuropa mit Russland zu unserem Partner machen.

Ich sehe in der Schweiz keine Elite mehr, denn die „Neue Zürcher Zeitung“ publiziert derart dumme und hoch spekulative Artikel, dass man das Vertrauen in die letzte Schweizer Elitezeitung verlieren könnte; aber es ist ja nur die Zeitung der alten Elite, die in Kürze abgestorben sein wird.

Warum sind die Bürgerlichen schwach?

6. Juni 2018 um 14:47

Wenn Christian Lévrat, der SP-Präsident, der einzige Politiker sein soll, der im Berner Parlament mit seiner Leistung zufrieden sein darf, zeigt dies nur die Schwäche der bürgerlichen Politiker, vor allem von SVP und FDP.

Die CVP präsentiert sich als einst dicker Fisch, der heute kaum noch Wasser unter den Flossen hat; kein Wunder, dass Parteipräsident Gerhard Pfister alle Mühe hat, ihn auf Kurs zu halten. Was nach Erfolg aussieht, ist mehr Gezappel.

SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi, der sich schon als Bundesrat sah, weil Christoph Blocher ihn angeschoben hatte, muss nun als Fraktionschef seiner Partei erst einmal Politik lernen. Deshalb ist aufschlussreich, wie er sich ausdrückt:

. „Weil wir die zwei besten Bundesräte stellen und noch zwei Helfer bei der FDP haben…..“ Seine Aussage von den „zwei besten Bundesräten“ ist Propaganda einer tieferen Stufe. Die beiden FDP-Bundesräte Cassis und Schneider-Ammann als „Helfer der SVP“ zu bezeichnen, zwingt diese zur Distanzierung.

. Während die FDP-Bundesräte für Aeschi Helfer sind, nennt er CVP-Ständeräte, die mit der SP stimmen, deren „Gehilfen“. Macht auch keine gute Stimmung.

Die politische Unerfahrenheit, die aus solchen Aussagen hervor tritt, ist kennzeichnend für unsere bürgerlichen Politiker. Lebendige Politik ist nicht nur eine Sache von Taktik und Strategie; bekanntlich läuft dann meist vieles schief. Lebendige Politik drückt sich vor allem über Sprache aus.

Lévrat ist wesentlich erfahrener als die meisten bürgerlichen Politiker und weiss daher, wie man sein politisches Gewicht sorgsam mehrt.

 

Schleichwege zur Qualität

4. Juni 2018 um 12:18

Schon vor Agassiz wussten Unterwalliser Jäger vor 200 Jahren, dass ihr Tal einst von Gletschern bedeckt war, denn die grossen Steine im Talgrund konnten nicht vom Himmel gefallen sein.

Schon vor Charles Darwin gab es Wissenschaftler, die den Menschen nicht auf Gottes paradiesisches Schaffen zurückführten, sondern ihn als Teil der natürlichen Selektion verstanden.

Wie Qualität in der Beobachtung sich auf Schleichwegen durchsetzt, konnte man am 4. Juni 2018, S. 10, der „Neue Zürcher Zeitung“ entnehmen, wo die Titelzeile „Freuden und Leiden des Premium-Mittelmasses“ den Blick gefangen nahm. Von der Annahme ausgehend, es handle sich um die Premium Economy-Klasse der Swiss, machte uns der Verfasser, ein pensionierter deutscher Hochschullehrer, der zuletzt an einer politisch links stehenden deutschen Hochschule tätig gewesen ist, jedoch mit dem Gedanken vertraut, die Menschen versuchten auf neue Art, ihrer eigenen Spiessigkeit zu entkommen.

War es sein eigener Gedanke? Nein. Vielmehr bezog er sich auf das Buch eines indisch-amerikanischen Journalisten, V. Rao, der die „premium mediocrity“ auf seinem Blog „Ribbonfarm“ bewirtschaftet, was nun mich veranlasst, diesen Schleichweg der NZZ zur Qualität offen zu legen.

Es ist sehr häufig der Fall, dass unsere Medien Artikel von Star-Autoren publizieren, die dort weniger einen eigenen Gedanken vortragen, sondern sich vorzugsweise auf andere Autoren berufen. Der technische Trick, der eigene Originalität vortäuscht, liegt darin, dass man erst nach 3-5 Absätzen oder noch später auf den eigentlichen Auslöser dieser „Original“-Arbeit verweist.

Solche Abkürzungen gibt es auch in der Politik auf höchster Stufe. Die SVP Schweiz wird am 22. Juni den Juristen Dominique Steiner zum neuen Generalsekretär wählen. Steiner liess sich im vergangenen November auf Antrag der SVP dort vom Landrat zum Richter ans Kantonsgericht wählen, ohne seine beruflichen Perspektiven offen zu legen. Die FDP meldete Vorbehalte an, da Steiner über keinerlei Gerichtspraxis verfüge. Sie werde ihn nur wählen, weil die SVP keinen geeigneten Kandidaten für den ihr zustehenden Richterstuhl habe. Steiner war nach Aussage seines kantonalen Parteipräsidenten auch erst „etwa ein Jahr“ Mitglied der SVP.

Jetzt, vielleicht ein gutes Jahr nach seinem Beitritt zur SVP, wird er deren Generalsekretär. Als unsere bürgerlichen Parteien noch stabiles Führungspersonal hatten, als vor einer Generation, hiess es: Eine Partei kann sich dann einen schwachen Präsidenten leisten, wenn sie einen starken Parteisekretär hat – oder umgekehrt.

Die Qualität der politischen Führung der Schweiz ist unbestritten gut, sagen unsere Eliten in Bern.

Wer stirbt früher?

4. Juni 2018 um 10:57

Wenn die Russen sich seit Jelzin und Gorbatschov zu Tode gesoffen haben, blieben wir Schweizer eher zurückhaltend. Selbst Schuld.

Nun stellt sich heraus, dass die Lebenserwartung der US-Amerikaner unter Präsident Donald Trump noch schneller sinkt. Schuld ist der staatlich geförderte Rauschgiftkonsum, wo viele sterben, um die Steuern zu steigern.

Wer in der Schweiz die USA verteidigt, sollte sich auch dessen bewusst sein. Es ist eine Gesellschaft, die Vietnam, den Irak und viele andere Gesellschaften überfallen hat.

Jetzt wird dort die eigene Jugend vernichtet. Wer sich davon eigene Vorteile verspricht, wird sich täuschen.

Dumme Sprüche wirken nachhaltig

7. Mai 2018 um 15:36

Jetzt, wo Alexander Tschäppät, Tschäppät II. als Berner Stadtpräsident, mit 66 Jahren zu früh verstorben ist, fällt auf, wie die Medien ihn kennzeichnen: „Mit Tschäppät verliert Bern seinen grössten Fan.“ Sonst gab es nicht viel über ihn zu sagen; zuletzt entschied sich das Berner Stimmvolk gegen die von ihm vorgeschlagene Nachfolgerin.

Tschäppät nannte sich gerne selber den grössten Fan der Bundesstadt, die er einmal „die schönste der Welt nannte.“ Letzteres stimmt sicher nicht, obwohl der Stadtkern im Aarebogen sicher von grossem mittelalterlichem Reiz ist.

Der Ausdruck „grösster Fan“ gehört zu jener Kindersprache, die Mode geworden ist. Hinter ihm versteckt sich keinerlei messbare Qualität, denn Fan kann man von allem sein.

Noch schlimmer sind jene Politiker und sogar Unternehmer, die „mit Herzblut“ für etwas arbeiten. Ganz so, als sei Herzblut etwas ganz besonderes, was nicht der Fall ist. Diese oft zu hörende Aussage ist völlig bedeutungslos; schlimmer ist nur der Walliser Werbeslogan „Wallis – ins Herz g’meisselt“. Man muss sich derlei nur einmal vorstellen und wird sofort davon Abstand nehmen, denn die Sache kann nur blutig enden.

Natürlich trifft diese Befindlichkeit auf manche Walliserinnen und Walliser zu, die tatsächlich in einem sehr schönen Kanton von besonderer Eigenart leben. Wer zur Emigration gezwungen wurde, wird immer „hemveh“ ins Wallis haben.

Aber ihn ins einzelne Herz zu meisseln, ist eine Aussage, die sich mehr an die Walliser richtet als an jene Touristen, die man anzusprechen sucht. Solche Inserate und TV-Spots werden meist deshalb von den Verantwortlichen bewilligt, weil man sich damit seiner eigenen Würde bewusst werden will. In der Schule würde man sagen: „Thema verfehlt, aber lustig.“

Warum ich Juden spannend finde

4. Mai 2018 um 15:47

Niemand in Europa, und in der
Schweiz schon gar nicht, wagt es, mit den Juden auf Augenhöhe zu diskutieren. Diese, wie ich seit Jahren beobachte, schenken sich selber gar nichts, dies aber mit einer Eleganz, die ich bei Westeuropäern vermisse.

Jüngstes Beispiel: Die amerikanischen Diaspora-Juden distanzieren sich von der Politik Netanyahus, weshalb Naftali Bennett, auch kein kleines Kaliber, der israelische Bildungsminister, nach New York eilte.

Als wichtigste Herausforderung nannte er „die Masse von Juden, die sich vom Judentum und Israel distanzieren“. 75 % der amerikanischen Juden seien so wenig engagiert, um nicht einmal eine Wut auf Israel zu haben.

Es sei nun an Israel, nachdem die Diaspora-Juden Israel 70 Jahre lang geholfen haben, dass Israel den Diaspora-Juden hilft, so Bennett. Die Gemeinden in Israel und der Welt müssten zusammen arbeiten, „um das jüdische Schicksal zu erfüllen – das Gute tun und eine gebrochene Welt reparieren“.

Die Art, wie der Vorsitzende der rechtsnationalen Partei „Das jüdische Haus“ die Diaspora-Juden aufs Kreuz legt, die sich von Netanyahus Politik distanziert haben, ist anspruchsvoll.

Wir können nur davon lernen.

 
     
     
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