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Weblog "Early Bird"

NZZ/Wanner – ein Merger of equals?

8. Dezember 2017 um 14:46

Viel wurde in den letzten 25 Jahren über „mergers of equals“ berichtet. Das stimmte nie, denn immer gab es einen Sieger.

Wenn nun der Aargauer Verleger Peter Wanner mit der NZZ eine Regionalmedien-Allianz schliesst, wo beide die Hälfte der Aktien halten, bedeutet dies zweierlei:

  • Das Ende der familiären Verleger-Ambitionen der Familie Wanner. Es gibt künftig keinen grossen, selbständigen Verleger Wanner mehr. Keinen Vater und keinen Sohn Wanner mehr, die ihr eigenes Verlagshaus leiten werden.
  • Das unternehmerische Gewicht ist derzeit gut balanciert, aber bei den „operations“ zeigt sich ein leichter Vorteil zugunsten der NZZ. Dieser kleine Vorteil kann genügen, künftig ausgebaut zu werden. Das ist typisch Etienne Jornod.

Verlierer sind unabhängige Meinungsbildner auf nationaler Ebene. Es wird einen gemeinsamen Mantel für die regionalen Redaktionen geben, also weniger Individualität, weniger Föderalismus, weniger regional sich aufbauende Meinungsbildung, mehr Zentralisierung.

Verlierer sind natürlich schwächere Journalisten, die jetzt grosszügig aussortiert werden. Wir leben in einem Wettbewerb, der den Schwachen, seien sie ganz oben oder weiter unten, keine Chancen mehr lässt. Sie können dann PR-Berater werden.

Höhlen Dividenden ganze Nationen aus?

8. Dezember 2017 um 8:48

Die EU ist stolz darauf, jedes Jahr Milliarden in die Staaten Osteuropas zu überweisen, um dort die Gesellschaft und die Wirtschaft zu entwickeln. Jetzt hat Andre J. Babis, der Ministerpräsident Tschechiens, darauf hingewiesen, dass aus seinem Land jährlich Dividenden in der Höhe von 10 Milliarden Euro in den Westen überwiesen werden. In Polen seien es sogar 25 Milliarden Euro jährlich.

Nichts ist gratis im Leben, nicht einmal der Tod. Mit dem EU-Finanzausgleich in andere Staaten werden die Voraussetzungen geschaffen, dass die EU-Konzerne dort überhaupt investieren und Dividenden beziehen können.

In der Schweiz ist es nicht anders. Seit Jahrzehnten wird nicht mehr publiziert, welche Dividenden ausländische Konzerne und Investoren aus der Schweiz beziehen. Es müssen jährlich hunderte von Milliarden Franken oder US-Dollars sein. Zuletzt, erinnere ich mich, war es vor dreissig Jahren, dass durch einen Irrtum publiziert wurde, was US-Konzerne aus der Schweiz jährlich beziehen. Es waren über 30 Milliarden Franken jährlich. Heute gehören die 150 grössten Schweizer Firmen mehrheitlich ausländischen Aktionären. Wer Zeit hat, möge ausrechnen, was die Erträge ihrer Investments sind.

Steuern runter, Schulden und Börsen rauf

6. Dezember 2017 um 16:01

Heute früh sind viele reicher geworden. Etwa jene 15% Schweizer, die Aktien besitzen oder über ihre drei Säulen am Börsenkurs partizipieren.

Wer Aktien hat, muss Donald Trump dankbar sein, denn seine knapp realisierte Steuersenkung für US-Firmen hat die Kurse, auch in der Schweiz, nach oben getrieben.

Die Schulden der USA werden gut 1,3 Trillionen USD steigen. Da sie schon gut 2 Trillionen USD betragen, sollte niemand nervös werden. Oder doch?

Es gibt zwei wichtige Argumente, weshalb ich kurzfristig nicht an einen ernsthaften Zusammenbruch der westlichen Börsen glaube:

 

  1. Die Schulden, siehe oben, wird der Mittelstand übernehmen. Schon heute geht es ihm nicht speziell gut und Amerikas Männer sterben heute früher als vor 50 Jahren. Ihre Lebenszeit gleicht sich derjenigen der Russen an.

 

  1. Wenn die Börsen und die Schulden gehypt werden, was etwa 15% der Bevölkerung in besonderem Masse zugutekommt, muss dieser Hype aufrechterhalten werden. Solange der Mittelstand noch Reserven hat oder schuldfähig ist, gibt es keinen Grund, daran etwas zu ändern.

 

Steuern runter, Schulden und Börsen rauf ist keine Spezialität der Amerikaner. Ich sehe Licht am Horizont auch für die Europäer.

 

Warum „tachles“ für die Schweiz wertvoll ist

4. Dezember 2017 um 10:57

Das mutigste Magazin der Schweiz ist nicht dasjenige des „Tagesanzeiger“ und auch nicht der „Schweizer Monat“, sondern „tachles“, das jüdische Wochenmagazin in der Schweiz, wo Chefredaktor Yves Kugelmann die Verantwortung trägt.

„tachles“, das seinen liberalen Charakter zum Ärger der konservativen Juden in der Schweiz nicht verbirgt, informiert besser über Israel als alle anderen Schweizer Medien. Diesen fehlt zumeist der Sachverstand wie der Mut, sich mit „jüdischen Fragen“ ernsthaft zu beschäftigen. Yves Kugelmann hat dies mit seinem Team während Jahren geleistet. Nun wollen die Gerüchte nicht verstummen, dass seine jüdischen Sponsoren unter grossem Druck das Feld verlassen wollen.

Schade, denn wie wüsste ich sonst, dass Israels Premier Binyamin Netanya sich mit allen gesetzlichen Tricks an der Macht halten will, schreibt in „tachles“ Richard C. Schneider, vormals ARD. Und Jacques Ungar, ein brillanter Journalist, wirft dem gleichen Premier vor, er betreibe „mit Gesetzen Schindluder“.

Dort lese ich auch, wie Kolumbien einen Israeli ausweist, weil er illegalen Tourismus betrieb, mit Drogen handelte und Sex mit Minderjährigen anbot.

Wie wüsste ich sonst, dass Yossi Levi Sfari, Israels Konsul in Istanbul, von der eigenen jüdischen Gemeinde geschnitten wird, weil er dort, als Homosexueller, mit seinem Partner geschnitten wird.

Wie wüsste ich sonst, dass Israels Präsident Reuven Rivlin sich geweigert hat, jenen jüdischen Soldaten zu begnadigen, der einen schwer verletzten Terroristen exekutierte. Dafür wird er als Nazi beschimpft. Netanyahu mag ihn ohnehin nicht, weshalb Israels Identität fraglich ist, schreibt Zvi Barel in „tachles“.

Die einst berühmt-berüchtigten „Cambridge Five“, ein in England erfolgreicher Spionage-Ring, gehörten zu einem Kreis, „der stark jüdisch geprägt war“, schreibt Shai Holer, den Film „Auf Ediths Spuren“ besprechend.

„tachles“ freut sich auch darüber, dass unter den 20 Bewerberinnen zur „Miss Germany“ die 21jährige Tamar Morali ist. Sie freut sich darüber, dass „trotz der dunklen Vergangenheit Deutschlands“ dort die jüdische Gemeinde blühe.

Ich wünsche mir, dass auch „tachles“ weiter blüht. Mutige Redaktionen werden immer seltener.

Wie sehen reiche US-Republikaner die Welt?

1. Dezember 2017 um 8:42

Wer in den USA als reicher und einflussreicher Republikaner lebt, sieht eine Welt voller Überfluss auf sich und uns zukommen.

Zu essen gibt es reichlich und es wird auch immer billiger. Meerwasser wird in Süsswasser umgewandelt und kann überall verteilt werden. Es gibt keinen Durst mehr.

Google und Facebook überziehen die Welt mit Gratiskommunikation. Jeder kann mit jedem Kontakt aufnehmen.

Einige Hindernisse müssen überwunden werden:

Die Politik funktioniert nicht richtig. Donald Trump ist der Vorbote dessen, was kommen wird.

Die Lebenserwartung 45-55jähriger weisser Männer sinkt, weil sie sich, ohne Arbeit zu Tode saufen oder Drogen nehmen. Andere erschiessen sich gegenseitig.

Die Staatsschulden sind zu gross. Es wird 20 Jahre dauern, bis das wachsende BIP sie wieder zu 50% abgebaut sein wird.

Die Renten können nicht mehr bezahlt werden

Sechs Millionen Taxi- und Lastwagenfahrer werden arbeitslos werden.

Eine Rezession wird demnächst kommen und sich rasch global ausbreiten.

Was soll getan werden?

. Der Wandel (KI) muss angenommen werden. Wir sind aber auf dessen Geschwindigkeit nicht vorbereitet.

. Die Immigration muss verstärkt werden, damit Wachstum entsteht.

. Eine Grundbeschäftigung wie zur Zeit des „New Deals“ zum Bau von Strassen und Brücken muss wieder geschaffen werden, um Arbeitslosigkeit einzuschränken.

. Wer Geld angelegt hat, soll es absichern, um grosse Verluste zu vermeiden.

Westeuropa und die EU unter Druck

29. November 2017 um 11:36

Wladimir Putin tritt nicht ohne Grund als Sieger im Syrienkrieg auf, während die NATO-Strategen ganz leise geworden sind. Die Chinesen marschieren mit ihren Milliarden-Investitionen, dort hoch willkommen, in Mittel- und Osteuropa ein. Die osteuropäischen Visegrad-Staaten, meist Mitglieder der EU, laufen noch so gerne zu den Chinesen über.

Der „freie Westen“, die EU allen voran, zieht sich vom türkischen Staatschef Erdogan zurück; er findet auch Wladimir Putin nicht mehr standesgemäss. Vom Süden her kommen immer höhere Forderungen der afrikanischen Regierungen, sich mit Milliarden zu engagieren, aber dafür möglichst nichts zu verlangen.

Westeuropa und die EU sind unter Druck. Sie klammern sich an den „grossen Bruder“ USA, der allerdings nichts tut, um die Lage der Europäer zu verbessern. Im Gegenteil: Seine NATO-Truppen sollen jetzt frei und ungehindert durch Europa ziehen dürfen. Ziel: Russland.

Die Trump’sche USA, das weiss man zu genüge, sind ein unsicherer Partner geworden. Jetzt regiert „der erste weisse Präsident“ sagen die schwarzen US-Intellektuellen, weil Trump keine Anzeichen erkennen lässt, er wolle für die Minderheiten in seinem Land etwas tun. Und was kommt nach Trump und dessen Nachfolger?

Die Zeit der von Europäern und deren Enkeln dominierten WASP-USA geht in einer Generation ihrem Ende zu. Dann bleibt den weissen Bewohnern des Ostens und des Mittleren Westens nur eine Israel-Lösung, um ihre Macht zu bewahren: Das Land muss derart aufgeteilt werden, dass keine farbige Mehrheit jemals wieder in Washington die Macht erobern kann. Dann gibt es ein Amerika der reichen Weissen und eines der ärmeren Latinos, Asiaten/Chinesen und dunkelhäutigen Amerikaner.

Die EU schliesst sich nach Osten (Russland und China) ab oder bleibt auf Distanz. Im Süden (Afrika) besteht keine Aussicht auf Beruhigung.

Die Uhr tickt für die Welt der wenigen reichen und vielen ärmeren Weissen Europas. Sie sind alt, überschuldet, haben kaum noch Kinder und sind demnächst global unbedeutend. Haben wir die richtigen Verbündeten?

100 000 Schuss und einmal nachladen

17. November 2017 um 16:07

Wer in den Tälern rund um den Simplon wandert, wo einst Schweizer Soldaten bereit waren, die aus Italien kommenden Faschisten vom Übertritt in die Schweiz abzuhalten, hört oft noch folgenden Witz:

„100 000 deutsche Soldaten marschieren in der Schweiz ein. Was tun wir? Wir feuern eine Salve, 100 000 Schuss. Und wenn nochmals 100 000 Deutsche kommen? Wir laden nach.“

Dieses Schweizer Selbstvertrauen wurde jetzt ernsthaft getrübt. Die Treffsicherheit der Schweizer Soldaten sinkt seit Jahren, denn die ausserdienstliche Schiesspflicht wird nicht mehr ernst genommen. Der Chef des Militärdepartementes, im Hauptberuf ein Winzer, hat jetzt neun Milliarden Franken angefordert, um die Schweizer Armee wieder aufzurüsten.

USA, die Macht des Guten?

13. November 2017 um 15:03

Mit Rührung lese ich im „Economist“ vom 11. November 2017: „Trotz aller Schwächen war Amerika lange Zeit die grösste Macht der Welt, um viel Gutes zu erreichen, indem es die liberale Ordnung aufrecht hielt und beispielhaft zeigte, wie die Demokratie funktioniert.“

Soll ich lachen? Zuerst ein Kontinent erobert und Millionen einheimischer Indianer ermordet, dann das Erbe des spanischen Imperiums angetreten und seit 1890 von Kuba bis zu den Philippinen viele Völker unterjocht. Vietnam und Kambodscha überfallen, die afghanischen Stämme unterdrückt, dann Jugoslawien zerstört. Schliesslich den Irak gleich zweimal überfallen und die Franzosen unterstützt, Libyen zum „failed state“ zu machen. Die Liste ist bei weitem nicht vollständig.

Trumps USA sind geführt von einer Regierung der Milliardäre und Generäle, die über die marode Ukraine am liebsten in Russland einmarschieren möchten. Wir Europäer haben von dieser „Macht des Guten“ nichts zu erwarten.

Und der Marshall-Plan, war das nichts? Die USA hatten Angst vor einer kommunistischen Revolution und wollten die Deutschen und andere Europäer prophylaktisch davon abhalten, um „griechische Zustände“ zu vermeiden.

„Macht des Guten“? Zum Lachen.

Die globale Schuldenkrise zahlt der Mittelstand

19. Oktober 2017 um 16:11

Die Angst vor der globalen Schuldenkrise, die sich in einem unerwarteten Börsencrash entlädt, steigt seit Wochen. Wie unrealistisch sie ist, zeigt das jüngste Jahrestreffen des Internationalen Währungsfonds.

Dort hat Mohamed El-Erian, der ökonomische Chefberater des deutschen Allianz-Versicherungskonzerns, die Forderung aufgestellt: „Die Politik muss den Notenbanken einen Teil der Verantwortung abnehmen.“

Hinter solchen für Laien unverständlichen Formulierungen verbergen sich:

  • Der Ruf nach Strukturreformen nach dem Modell Agenda 2010. El-Erian nennt sie vorbildlich. In Deutschland hatten sie eine breit angelegte Verarmung mit Hartz IV-Modellen zur Folge.
  • Der Ruf nach mehr fiskalischem Stimulus, d.h. Steuererleichterung für Unternehmen und sehr Wohlhabende.
  • Die Streichung von Staatsschulden (Griechenland!) zu Lasten der Steuerzahler.

El-Erian sagt selbst: „Ich weiss, das ist sehr unpopulär und unfair, aber man muss die Realitäten anerkennen.“ Der Abbau von Studentendarlehen, die in den USA in die Milliarden gehen, wird dazu führen, dass einfache Leute ihre Kinder nicht mehr auf die Universitäten und Business Schulen senden können.

Für den Mittelstand heisst dies: Eine kurze Börsenkrise wird nicht ausgeschlossen, um den Politikern und dem Wahl- wie Stimmvolk der westlichen Welt klar zu machen, dass nur ein ernsthafter Konsumverzicht die Welt vor der grossen Krise retten kann.

UBS-Ermotti und NZZ im Klartext

4. Oktober 2017 um 10:51

Es gibt Tage, die zum Staunen sind.

Wer sich alleine für Attentäter in den USA oder Naturkatastrophen interessiert, übersieht meist die wirklich wichtigen Vorgänge, die unser Leben in der Schweiz bestimmen. UBS-Chef Sergio Ermotti gibt im Ausland bekannt, die Schweiz dürfe nicht damit rechnen, dass die grösste Schweizer Bank auf ewig im Land bleibe. Sie sei im Besitz von Ausländern, worunter der Tessiner vor allem US-Amerikaner versteht.

Gleichentags lässt die „Neue Zürcher Zeitung“ im Wirtschaftsteil wissen, der Schweizer Mittelstand sei, weil hoch verschuldet, eigentlich pleite. Sowie die Zinsen anziehen würden, könnten viele ihre Hypothek nicht mehr bezahlen.

In der gleichen NZZ-Ausgabe kommentiert das bürgerliche Schweizer Leitmedium: „Heuchelei gehört zum Kerngeschäft in der Politik.“

 
     
     
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