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Weblog "Early Bird"

Tschäppät, Rihs und Freunde: Lockender Griff in die Staatskasse

22. Juli 2016 um 11:23

Wenn der Hörgeräte-Milliardär Andy Rihs und Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät eine Sause anrichten, dann muss es krachen. Deshalb hat der Milliardär aus der staatlich geförderten Gesundheitsbranche die Tour de Suisse nach Bern gebracht und der Edel-Sozi erhält am Ende seiner Stapi-Karriere noch ein teures Abschiedsgeschenk.

Wie man am Rande erfährt, hätte der Bund, d.h. der Steuerzahler, dazu noch einen nennenswerten Beitrag zahlen sollen, was dieser glücklicherweise verweigerte. Wer Feste feiern will, soll diese selbst bezahlen.

Nicht anders unsere wunderbaren Sportler. 90% unserer Olympioniken leben von Staatsgeld, d.h. sie sind Staatssportler ganz wie einst in der DDR oder heute noch in Russland. Natürlich gilt dies auch für andere Länder, aber anders geht es nicht mehr, will man eine Medaille holen.

Wir leben in goldenen Zeiten.

Warum Hillary Clinton nicht wählbar ist

20. Juli 2016 um 8:42

Wie heisst die Mutter des Terrorismus in Libyen? Hillary Clinton. Sie setzte als Aussenministerin den Krieg gegen Ghaddafi durch, rief siegestrunken nach seinem Tod aus: „Wir kamen, wir sahen, er starb.“ Dann vergass sie, das Land auch zu sichern und überliess es den Terroristen und libyschen Stämmen. Seither herrscht dort das Chaos. Braucht die Welt solche „leaders of the free world“? Ich meine, nein.

Die USA haben seit John F. Kennedy, der ein brillanter Täuscher, aber vorsichtiger Aussenpolitiker war, weshalb er wohl vom eigenen Geheimdienst hingerichtet wurde, keinen hochwertigen Präsidenten mehr gehabt. Margaret Thatcher hat Englands Industrie und Gewerkschaften vernichtet, Gerhard Schröder als deutscher SP-Kanzler mit der Agenda 2010 die Massenarmut eingeführt und die Grundlagen für den Exportboom gelegt.

Sollen wir grossen Einzelnen oder Teams vertrauen? Mindestens für die Finanzmärkte ist dies klar: Gemäss dem „Financial Analysts Journal“ haben in den vergangenen Jahren grosse Einzelgänger in der Fonds-Industrie bessere Ergebnisse erzielt als Entscheider in Gruppen. Je grösser die Gruppe, desto schlechter die Ergebnisse.

Auf unseren Schweizer Bundesrat bezogen, heisst dies: Mit sieben gleichberechtigten Mitgliedern dürfen wir nur schlechte Entscheide erwarten. Dort entscheidet das untere Mittelmass. In der Krise braucht es die Führerfigur, die im Ernstfall ihr Können beweist. Darauf wartet Dr. Christoph Blocher schon lange, nur hat bisher in Bern niemand die Krise ausgerufen.

Der Untergang der Glasperlenspieler

18. Juli 2016 um 16:10

Mit Tony Blair ist ein englischer Glasperlenspieler untergegangen, gefolgt von David Cameron, der auf der Nagelspitze balancierte und verlor. François Hollande, der französische Präsident, wird beiden bald folgen. Nur Angela Merkel steht mit beiden Beinen fest auf der Berliner Bühne, die Wirren und Krisen zwischen Knien und Hüften sanft auswiegend.

Und in der Schweiz? Die beste Trapezkünstlerin ist Doris Leuthard, ihre politischen Karten bis zuletzt ausreizend. Didier Burkhalter ist längst „dead man walking“ und wird nur von seiner Partei, der FDP, gehalten. Johann Schneider-Ammann, der sich zum Bundespräsidenten wählen liess, lädt zu ungläubigem Staunen ein; solches hat die Schweiz nicht verdient.

Nun haben wir einen neuen Star auf der eidgenössischen Bühne: Jean-Michel Cina, abgehender Staatsrat aus dem Wallis, wo auch die besten Freunde nichts finden, das man als grossartige Leistung bezeichnen könnte. Den Walliser Tourismus hat er so wenig retten können wie die Walliser Wirtschaft. Wer sich erinnert: Schon als Jungstar der Schweizer CVP, wo er kurzzeitig als Präsident agierte, war von Niedergängen der Partei gekennzeichnet. Nun will er als Präsident der Konferenz der Kantonalregierungen den Bund um Anteile der Mehrwertsteuer erleichtern, die jährlich 20 Milliarden Franken einbringt. Verstehen wir dies richtig: Er will nicht neue Werte schaffen, sondern sich aus anderen Kassen bedienen.

Derlei CVP-Kunststücke wird er demnächst als Präsident der SRG von Doris Leuthards Gnaden weiter beweisen können. Eine bessere SRG dürfen wir von ihm keinesfalls erwarten, vielmehr eine staatliche Organisation, die ihre Autorität auch dann wahren muss, wenn die Qualität der Sendungen weiter absinkt. Derlei interessiert ihn, der vor allem am Fussball interessiert ist, wenig. Als perfekter Glasperlenspieler lebt er vom Steuerzahler, sei es hier oder andernorts.

Die Kunst der richtigen Medien-Interpretation

8. Juli 2016 um 13:17

Weil die neuen Medien, die sich merkwürdigerweise auch „soziale Medien“ nennen, was keine Institution der Sozialindustrie je zum Widerspruch gefordert hat, auch einen neuen Stil des Journalismus verlangen, dem unsere Medienhäuser eilig nachkommen, weil Gewinn wichtiger als Geist ist, bedarf die Kunst der Medieninterpretation neuer Aspekte.

Geboten wird in dieser neuen Welt ein Content, der zu unterhalten hat, bewegt und inspiriert. Knackige Erzählformen sind gefragt, was allerdings die besten Journalisten der letzten 180 Jahre ebenso gesehen haben. Es muss, der Zeitnot eingedenk, eilig informiert werden, ohne den roten Faden zu verlieren.

So ward uns jüngst geboten, allerdings nur in den streng katholischen Medien der Schweiz, dass der argentinische Papst Maria Magdalena, die Frau aus Magdala, die Jesus Christus die Füsse wusch und mit ihren Haaren trocknete, zur Apostolin ernannt hat. Ich nehme dies gefasst, denn für meine Eltern war sie, gemäss katholischer Volkslehre, noch eine Hure.

Zeitgenössische Gemüter wurden am 5. Juli aus der Schlaftrunkenheit geweckt mit der Information „Softwareriese Microsoft schwebt auf der Marihuana-Wolke“. Bill Gates will mit Sean Parker (Napster, Facebook) der grösste Rauschgiftproduzent der USA werden und damit die serbelnden Erlöse seines Konzerns verbessern. Als Vor-68er, der die Hippies in L.A. noch voll krass erlebte, weiss ich, dass „MaryJane“ höchst gefährlich ist. Sei’s drum.

Gleichzeitig erfahre ich, lesend: „Die digitale Jobwelt bedroht die soziale Marktwirtschaft“. Rund eine Million Internet-Tagelöhner seien alleine in Deutschland ohne sozialen Schutz der Ausbeutung ausgeliefert. Das kann stimmen, denn im „reichen Deutschland“, das Wirtschaftsflüchtlinge aus aller Welt anzieht, können 1,2 Millionen Menschen nicht von ihrem Salär leben. Im als reich geltenden Japan sind fast 40% aller Menschen prekär beschäftigt, weshalb die Regierung sich auch weigert, Wirtschaftsflüchtlinge aufzunehmen.

Natürlich fand ich derlei nicht in einer Zeitung, sondern es handelt sich um Informationen aus „Tagesanzeiger“, „Wirtschaftswoche“, „Walliser Bote“ und „Süddeutscher Zeitung“. Kein Schweizer Autor macht sich darauf einen Vers.

Diese merkwürdige Erschöpfung

6. Juli 2016 um 8:26

Zu jenen vielleicht zehntausend Menschen gehörend, die regelmässig den „Schweizer Monat“ zur Hand nehmen, freut mich im Juli das Gesicht von Hans Ulrich Gumbrecht auf dem Titel. Seinen Beitrag über die Zukunft der Freiheit sofort lesend, fällt mir darin sein intellektueller Schwebezustand auf, der Vergangenes scharf, Gegenwärtiges knapp und Zukünftiges nur verwischt ins Bild rückt.

Woran liegt es, dass wir Europäer es nicht wagen, unsere Zukunft genauer zum bezeichnen, jetzt, wo das englische Trio Cameron, Johnson und Farage sich als Charade der englischen Upperclass herausstellt, auf dem Näherungshorizont mehr „Chasper“ als Churchill? Wo EU-Präsident Jean-Claude Juncker mit Angela Merkel, der deutschen Kanzlerin, gleichsam in Baudelaires „Trunkenem Schiff“ dahin fahren und kein neuer Bismarck sie zur Ordnung ruft.

Der „Schweizer Monat“, eine Zeitschrift für liberale Intellektuelle, widmet dem dümmsten Kulturanlass der heuer die Schweiz heimsucht, der Zürcher „Manifesta“ gleich zwölf Seiten. Damit wurde diese schwankende Organisation wohl vor dem erwarteten Untergang gerettet. Noch ist Zürich reich und kann sich neben einer fast  Fr.7 Mio-Manifesta ein dreitägiges Stadtfest mit gleich drei Feuerwerken leisten. Mit der USR III werden Steuererhöhungen unausweichlich, zumal die beiden Grossbanken kaum Steuern bezahlen. Was die Stadt bieten will, ist Sommertheater für Touristen, wo Zürich gut abschneidet. Stadtpräsidentin Corinne Mauch ist sich nicht zu schade, auf einer noch verpackten Kindergitarre zu klimpern, den Kopf schräg zu legen und ein „Yeah, yeah!“ anzudeuten.

Der im „bypack“ gelieferte „Literarische Monat“ macht unter dem hoch talentierten Michael Wiederstein, dem demnächst der ganze „Monat“ redaktionell unterstellt sein wird, den wiederholten Versuch, aus entweder jungen oder unbedeutenden Literaten in der Schweiz mindestens Hoffnungsträger zu machen. Zum wiederholten Male taucht die Zürcher Barfrau Stefanie Sourlier auf, deren Schreibcocktail kaum gewürzt ist. Urs Mannhart sinniert im Biwaksack im Fôret de Fontainebleau. Heinz Helle, der 2015 „einmal Aufsehen erregt“ haben soll, darf formulieren: „Es gab schöne Reaktionen, die mich berührt haben, weil sie ein sehr genaues, tiefes Verständnis meines Textes zum Ausdruck brachten.“ Welche Tante von Helle war dies? Derlei Schriftsteller produzieren eine Literatur, die ich als nicht mehr konkurrenzfähig betrachte. Weder die Schweiz noch die Welt werden uns durch derlei letzte Geistesblitze aus dem Dunkel näher gebracht.

Wenn der Philosoph Marc Atallah, dem Brillianz des Denkens nicht abgestritten werden soll, über Science Fiction-Autoren interviewt wird und Stanislaw Lem nicht einmal erwähnt wird, verliert auch der Rest an Bedeutung. Ich habe sogar den Verdacht, als könne gerade Lem ein Kronzeuge gegen die Atallah-These sein, bei Science Fiction gehe es „nicht um die Zukunft“, sondern „den Menschen in seiner Gegenwart.“

Diese lockere Unverbindlichkeit des „Monat“, dem in kurzer Zeit gleich zwei Chefredaktoren abhandengekommen sind,  soll künftig im Schweizer Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ nicht mehr vorkommen. Aus dem „bi-weekly“ wird im Herbst wieder ein Monatsmagazin, wie es einst von Beat Curti und Andreas Zgraggen angedacht war. Die aktuelle  Juli-Ausgabe ist von einer inhaltlichen Pechsträhne überschattet: Der Tesla, so heisst es, „treibt die grossen Autohersteller vor sich her.“ Der Kreuzungsunfall in den USA hat uns alle eines besseren belehrt. In England, denn wer will heute noch Grossbritannien sagen, soll gemäss „Bilanz“ Boris Johnson ein ganz besonders wichtiger Mann sein. Jetzt, wo der englische Mini-Trump von seiner eigenen Partei relegiert wurde, muss er, ganz ohne Job, erst einmal seine Wunden lecken. Mit der Titelzeile „Wer rettet die CS?“, vom Hausgrafiker derart gestaltet, dass der politische Schweizer darin zuerst „Wer rettet die CSP? sieht, stellt die „Bilanz“ immerhin eine gute Frage. Wer für CHF 9,80 eine Antwort erwartet, kauft sich besser einen Lottoschein.

Melancholie allerorten. Die ersten heissen Tage sind da. Gehen wir schwimmen, das hilft sicher.

 

Die Wurzeln der Schweiz sind tief

30. Juni 2016 um 14:51

Immer wieder wird die Frage gestellt, ob der Ruf der Schweiz durch die Banken, die Pharmafirmen, die Waffen- und Zigarettenindustrie gefährdet sei. Keinesfalls, denn die Wurzeln der Schweiz sind tief, wie folgendes Beispiel beweist.

Das Volk und dessen intellektuelle Vertreter sind in Deutschland der Auffassung, Goethes „Faust I“ sei das meistgelesene Buch der Deutschen, nicht einmal Karl May habe mit Winnetou und Old Shatterhand daran etwas ändern können.

Falsch. Das beliebteste Buch der Deutschen ist „Wilhelm Tell“ von Friedrich Schiller. Mit 5,5 Mio. verkauften Exemplaren seit 1948, sagen Vertreter des massgeblichen Reklam-Verlages, wurde Goethes „Faust“ um 300 000 Exemplare geschlagen. Nach Lessings „Nathan der Weise“ kommt schon Gottfried Keller mit 4,5 Mio. verkauften „Kleider machen Leute“.

Warum Wilhelm Tell? Das Lied der Freiheit, wie Friedrich Schiller es vorgetragen hat, lebt tief in eines jeden Menschen Seele. Wirtschaftliche und soziale Zwänge mögen es für einige Zeit verdrängen, aber wie die jüngsten Beispiele in England und den USA gezeigt haben, kommt der Ruf nach Freiheit und Selbstbestimmung immer wieder.

Die Schweiz ist noch ein weitgehend freies Land, wenn die Zwänge auch laufend zugenommen haben. Die Schweizerin, der Schweizer, gemessen an anderen Völkern, sind immer noch die freiesten Menschen der Welt. Wenn unsere Eliten Fehler machen, weil sie nur an den eigenen Vorteil denken, wird dies tief unten vermerkt. Dann kommt Gottfried Keller ins Spiel, auch ein Sänger der Freiheit, welcher der Dummheit ins Auge blicken musste.

Deshalb bleiben wir attraktiv für Ausländer, die unsere Klugheit ebenso schätzen wie unsere Dummheit, ihnen unsere Firmen und unser Land billig zu verkaufen. Die Reichen und Fleissigen müssen wir aufnehmen, die anderen nicht. Diese bleibt die Aufgabe, ihre eigenen Staaten aufzubauen.

Arabische und andere östliche Herausforderungen

30. Juni 2016 um 14:49

Obwohl ich stolzer Besitzer von gleich zwei Ausgaben von „Tausend und einer Nacht“ bin, die ich seit meinem 14. Lebensjahr immer wieder lese, das Bagdad des grossen Kalifen Harun al Raschid wie dessen westliche Provinzen Al Andalus (Andalusien) und Al Gharb (Algarve) hoch schätze, auch die Leistung Saladins, eines Kurden, wie er bei den Hügeln von Hittin die christlichen Kreuzfahrer schlug, durchaus bewundere, sind mir die späteren Araber fremd geblieben.

Aus Genf mehr noch als aus Zürich und Basel pilgern unsere Banker und anderen Geld- wie Industriespezialisten gerne und oft mit Gewinn in diese sandig-heissen Wüstenstaaten, die gegen alle Natur Häuser bauen, die reichen Gewinn in die europäischen Kassen spülen.

„Sie haben keine Kultur, nur Öl“, flüstern mir schlimme Menschen ins Ohr. Dies abwehrend, greife ich zu Joseph O’Neills „Der Hund“, wo der Londoner Anwalt seine Erfahrung aus jenen Regionen romanhaft glänzend verarbeitet hat. Neill ist glaubwürdig, weil schon sein „Niederland“ über die Bankenkrise 2008 die Welt bis hin zum US-Präsidenten begeistert hat.

Sein neuer Roman heisst „Der Hund“. Warum? In den Augen der arabischen „Global Masters“ sind wir Europäer, die dort arbeiten, nur „räudige Hunde“. Das gilt auch dann, wenn sie uns gut füttern.

Ich habe es geahnt. Auch Lawrence von Arabien war nur ein englischer Spätromantiker, dessen Werk misslang.

Und weiter östlich von Arabien? Inder, Chinesen, Japaner? Eigentlich sollten wir sie kennen. Mein schlimmes Gefühl im Magen lässt nicht nach.

Einhörner haben wir nicht, Kleinhörner gehen bereits. „Gewisse Eigenschaften“ gesucht

27. Juni 2016 um 16:41

Der Ruf nach Einhörnern erschallt im Land, während die Kleinhörner längst schon ex Zürich nach Berlin weiter ziehen. Niemand wagt es Zahlen vorzulegen, was KTI und andere staatliche Organisationen für Fintech-Firmen aus Steuermitteln aufwenden. Die Befürchtung ist berechtigt, dass viel Geld die Bäche der Schweiz hinab schwimmt.

Dies gilt in besonderem Masse am 1. Januar 2019, wenn die USR III in Kraft treten soll. Alleine die Stadt Zürich wird jährlich 90 Mio. Franken an Steuereinnahmen verlieren. Schon jetzt warnen Experten, die Individualsteuern dürfe man auf keinen Fall erhöhen, weil man rund um Zürich ohnehin billiger lebe. Die USR III begünstigt auch in erster Linie Biotech- und Pharmafirmen, weshalb andere Betriebe, wie die Zürcher Kreativwirtschaft, sich gleich gar keine Hoffnungen auf tiefere Steuern machen sollte. „Gewisse Eigenschaften“ waren bisher schon notwendig, um tiefere Steuern zu bezahlen; daran ändert sich nichts.

Die Alarmrufe linker Politiker, welche die Gefahr von weniger Staat kommen sehen, weil er so nicht mehr finanziert werden kann, häufen sich. Da kommt die Aussage von Mark Haefele recht. Der Global Chief Investment Officer für Vermögensmanagement schrieb am 22. Juni im UBS House View: „So leid es uns für die Politik auch tut – aber letztlich zählt nur die Wirtschaft.“

Derlei sollte sich jeder merken, der noch Illusionen hat, man könne eine ideal-idyllische Welt schaffen, wo jedem das Seine gegeben wird. Gegeben ja, aber was?

Mark Haefele hat Gewicht, aber Otmar Issing ist auch nicht zu unterschätzen. Der langjährige Chefvolkswirt der EZB hält ohnehin von (west-)europäischen Äusserungen zur Wirtschaftspolitik wenig. Er wertet: „Die Fachdebatte bestimmen die amerikanischen Zeitschriften und Ökonomen, und die Amerikaner haben Schwierigkeiten, sich in eine andere Welt als die ihre hineinzudenken.“

Da steh‘n wir nun ganz wie ein Tor und sind so klug als wie zuvor.

Dieser Tage wurde mir berichtet, wie Bundespräsident Johann Schneider-Ammann in internationalen Gremien auftritt. Ich erspare meinen Lesern, das Urteil weiter zu leiten. Es ist schlimm.

Dieser Tage wurde mir auch berichtet, wie Bundesrat Didier Burkhalter mit wolkigen Lauten, die man sonst überlegenes Sprechen nennt, den Zustand vernebelt, dass seine EU-Aussenpolitik gescheitert ist. Es ist kaum besser als JSA’s Brummelrede (was man sich kaum vorstellen will). Hat die einstige Staatspartei FDP kein international wettbewerbsfähiges staatsmännisches Potential mehr? Doris Leuthard sieht wenigstens gut aus.

Die Schweiz, in Europa nicht minder isoliert als jetzt Grossbritannien es ist, würde gut daran tun, eine entschlossene Landesregierung aufzustellen. Sie tut dies nicht, weil unsere politisch-wirtschaftlichen Eliten, die „Gewisse Eigenschaften“ haben, mit dem jetzigen Zustand ganz gut leben können.

Dalai Lama will keine Religionen mehr

10. Juni 2016 um 13:32

Jetzt hat es auch der bei uns vielfach verehrte Dalai Lama begriffen: Er zweifelt oft an der Notwendigkeit von Kirchen und meint in seinem neuen „Appell“-Buch, das im deutschen Spiegel-Verlag erschienen ist: „Ethik ist wichtiger als Religion“. Hans Küng würde sich freuen, dies zu hören.

Derweil sind bei uns im Land die christlichen Religionen immer rascher auf dem Rückzug. Die reformierte Kirche im Kanton Zürich verliert jedes Jahr 5000 Mitglieder. Was tut sie? Sie will die Zahl der Kirchengemeinden von 174 auf 40 verringern. Gleichzeitig nehmen die Kirchensteuern laufend zu, was den Kadern der Kirche weiterhin ein wunderbares Leben und viel finanzielle Sicherheit erlaubt.

Das erinnert an den Niedergang der dänischen Kolonien auf Grönland im 11. Jahrhundert. Während die armen Siedler langsam verhungerten, wurden die reichen Siedler immer reicher – bis auch sie das unausweichliche Schicksal des Aussterbens erreichte. Ihre Frauen flohen derweil mit den Kindern auf das Hochlandeis zu den Inuit, wo man zu überleben wusste.

Wer kennt noch reformierte Geistliche? Peter Siegrist, der Grossmünster-Pfarrer, ist eine wohltuende Ausnahme, der Rest taugt zur Erneuerung der Kirche und des Glaubens wohl so viel wie ein Angler ohne Rute.

Von der rk Kirche vernimmt man kaum Besseres. Die oberen Kirchenkader kämpfen um den Zieldurchlauf in die Pension, die ihnen Unterstellten um die eigene Karriere. Es tun sich neue Bischofssitze auf; hoffentlich vergibt sie der Papst nicht an „Römer“ oder sogar Ausländer, wie der Schweizer Nuntius einer ist. Bei diesem Grad an Überfremdung, der dem in den Grossbanken gleicht, hat ein Schweizer Kandidat immer weniger Karrierechancen.

Was mir an Predigern begegnet, wird immer älter, aber kaum weiser. Kürzlich lief mir bei einer Predigt Pater Ziegler über den Weg, den früher alle Schweizer Manager kannten. Ihm, der sein Alter nicht leugnet, ist das Charisma geblieben, aber die Uhr tickt. Leider.

Es steht ziemlich trostlos um unsere Staatskirchen. Die Freikirchen sind kein wirklicher Trost, denn die dort verlangte Art der Gymnastik und des lauten Bekennens sind nicht meine Sache. Bleibt die Flucht ins Lassalle-Haus oberhalb von Zug, wo Roshi-Pater Niklaus Brantschen, schon fast selig um sich blickend, noch immer den Weg ins Innere sucht.

Dies erfahrend, packt mich eine Art von Fröhlichkeit. Ist unser Glaubensleben nicht sehr vielfältig? Jetzt packen wir die Juden mit ihren brillanten Ritualen und die Moslems mit ihrem „inschallah“ und einer Gebetshaltung, die schon unser Rücken nicht zulässt, in den Topf, dann sehen wir, wie in der Schweiz „Zehntausend Blumen“ blühen. Wenn einige verwelken, tut dies wenig zur Sache.

Dem Verstorbenen die Ehre geben….

8. Juni 2016 um 9:28

Beerdigungen sind stets eine heikle Angelegenheit, weshalb ich jede Gelegenheit wahrgenommen habe, nicht daran teilzunehmen. Einerseits befindet sich der Verstorbene auf dem Weg in den Himmel, sofern er vom rechten Glauben erfüllt war, wie dies im Falle von Martin Senn sicher zugetroffen ist; anderseits ist der Selbstmord dem rechten Christen verboten, was den Eintritt durch die Paradiespforte etwas verzögern könnte.

Martin Senn, den vormaligen Chef der Zürich Versicherungen, könnte man als Opfer des Kapitalismus bezeichnen, rief ihm sein Freund Marwan Shakarchi bei der Trauerzeremonie doch nach: „Konzerne haben keine Seele.“ Anderseits hat Senn als CEO nicht jene Leistungen erbracht, welche Verwaltungsrat und Aktionäre von ihm erwartet haben, die Mehrung des Gewinns.

Die Trauerzeremonie selber war von den üblichen Eitelkeiten und Besonderheiten angereichert. Marwan Shakarchi, während er die Trauernden umarmte, vergass nicht, dabei auch in die Kameras der Medien zu blicken. Carolina Müller-Möhl, im Gesicht irgendwie wieder einmal anders aussehend, hatte das Handy am Ohr. Philipp Hildebrand, Vize-Chairman von Blackrock, kam gleich mit drei Frauen: Seiner neuen Partnerin Margarita Louis-Dreyfus, seiner Ex Kashya und deren erwachsener Tochter. Er, elegant wie immer, die Frauen in Mini-Röcken, die oberhalb der Knie endeten. Wie man Kirchen besucht, haben viele der jüngeren Generation schon verlernt.

Martin Senn hat mit 59 Jahren den Zieleinlauf verpasst; das ist immer schade. Im Krieg nennt man dies Kollateralschäden.

 
     
     
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