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Weblog "Early Bird"
12. March 2010 um 9:42
Gerade bei sehr aufrechten Katholiken erlebe ich derzeit, wie sie von der eigenen Kirche abrücken. Mit völligem Unverständnis nehmen sie zur Kenntnis, wie man dort mit jungen Menschen verfahren ist. Die Dunkelkammer bleibt weiterhin gross, lässt doch der Umgang mit Jugendlichen ahnen, wie dort die Erwachsenen miteinander verfahren sind. Dazu passt das Geständnis von Papst-Bruder Georg Ratzinger, auch er habe seine “Regensburger Domspatzen” gelegentlich geohrfeigt. Von den Prügeleien der ihm Unterstellten habe er seinerzeit gehört, dies aber nicht ernst genommen. Jetzt stelle ich mir vor, wie die “Domspatzen” Angst gehabt haben müssen vor ihren kirchlichen Aufsehern. Es liesse sich sagen, wer als Kind innerhalb der katholischen Kirche nur verprügelt und nicht vergewaltigt wurde, hatte Glück. Konservative Katholiken bestehen darauf, die Kirche müsse künftig den Gläubigen mehr “Harmonie und Trost” bieten. Genau auf dieser Argumentationslinie wird sie noch mehr Gläubige verlieren. Eine wenig harmonisch handelnde katholische Kirche, die innerlich zerrissen ist, kann nicht glaubwürdig “Harmonie” als Dienstleistung anbieten. Trost verkauft sie den Gläubigen rund um die Uhr, aber das ist eine billige Währung. Die Idee, innerhalb der katholischen Kirche ein Kernchristentum zu sammeln, eine Art “katholischer Garde”, ist nicht neu. Ob in Westeuropa die jüngeren Christen sich dafür zu gewinnen lassen, bezweifle ich zutiefst. Wir leben in einer globalisierten Welt mit einem Grossangebot an Harmonie und Trost. Den Schock der Sex- und Prügelpriester, der sich nun wie Wellen in der Gesellschaft ausbreitet und noch lange laufen wird, überwindet die Kirche nur mit einem Reinigungsprozess, der Jahre in Anspruch nehmen wird.
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12. March 2010 um 9:14
Mia Brunner-Schwer aus dem reichen Küsnacht bei Zürich, eine ehemalige Sekundarlehrerin, die gut heiratete, flog früher mit dem Heli vom Zürisee in den Südschwarzwald, wo ihr Mann eine TV-Fabrikation besass. Heute führt sie als Präsidentin einen Club zur Rettung von Eseln, der in der Schweiz immerhin 300 Mitglieder hat. Der Name dieses Clubs fasziniert mich: Wieso nur Tiere retten? Es gibt auch Menschen, denen man dieses tierische Attribut zusprechen könnte.
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12. March 2010 um 9:01
Eine Reihe von Zürcher FDP-Politikern haben den über 20jährigen Niedergang ihrer Partei selbst verschuldet: Martin Vollenwyder, heute FDP-Stadtrat in Zürich, und Urs Lauffer, konservativer FDP-Kantonsrat, zuständig für Sozialkontrolle. Jetzt sagt Lauffer, es dürfe keine Tabus mehr geben, um seine Partei wieder aufzurichten. Er weiss natürlich auch nicht, wie man die Zürcher FDP wieder aufbaut, denn dies müsste mit einer Kehrtwendung erfolgen, die zusammen mit der SVP ein starkes bürgerliches Lager ermöglicht. Laufer war stets ein FDP-Verbindungsmann zu den Grossbanken; es ist kaum verständlich, dass diese das Wirken ihrer langjährigen politischen Transmissionsriemen derart falsch einschätzten. Das Ergebnis dieser Politik ist eine gestärkte Linke, an der niemand Freude haben kann.
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12. March 2010 um 8:53
Manfred Manser, den langjährigen CEO der Helsana-Gruppe, habe ich stets geschätzt: Eine offensive Strategie, ein bodenständiger Appenzeller Topmanager, alles sehr realistisch. Jetzt ist die Billigkassen-Strategie Mansers zusammen gebrochen; hunderte von Mitarbeiter werden im ersten Anlauf entlassen. Manser war stets ein stilles Wasser, dem seine Mitarbeiter grosse Intelligenz zusprachen. Wie hätten wir widersprechen sollen? Hellhörig hätten wir werden sollen, als ein starkes Helsana-Team zur Visana abwanderte, um diese, seither erfolgreich, neu aufzubauen. Hinter etlichen “stillen Wassern” im Schweizer Topmanagement verbirgt sich meistens weniger als erwartet. Der stille Hugo Bütler warf die NZZ-Gruppe in entscheidenden Jahren weit zurück. Wohin der stille Walter Kielholz seine Finanzfirmen geführt hat, liegt auf der Hand. Rolf Dörig muss noch beweisen, wohin er den SwissLife-Konzern wirklich führen wird; er klagt schon heute, sein Grossaktionär Carsten Maschmeyer sitze ihm im Nacken. Meist geben die geschätzten “stillen Unternehmer” noch stiller auf, zerstörte Felder hinterlassend.
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12. March 2010 um 8:08
Es gibt keinen Ort in der Schweiz, wo sich die „gute Gesellschaft“ zu einem gemeinsamen Ball trifft. Den jüngsten Beweis dafür liefert der Zürcher Opernball, wo die Auto- und Airline-Industrie sich mit den Vertretern der Hoteliers-, Mode- und Coiffeurbranche traf, durchmischt von Herstellern von Pralinen, gescheiterten Altunternehmern, Altsportlern und Profi-Geldsammlern. Es fehlten die Intellektuellen, die Vertreter der Universitäten, die Politiker, die Bankiers und die Verleger, die ihre Showmeister delegiert hatten. Nach Zürich kamen keine Basler, keine Berner, keine St. Galler und keine Westschweizer, was doppelt deutlich macht, dass es eine “Schweizer Gesellschaft” nicht gibt. In Genf sind meist abenteuernde Fürstenfamilien und arabisch-lateinamerikanische Stars unter sich, während die Basler, ausser der Fasnacht, schon gar nicht den Versuch machen, sich zu treffen. Man begegnet sich höchstens vermittels einer Larve. In St. Gallen richtet unterdessen der Hausbankier der Ostschweiz, Dr. Konrad Hummler (Wegelin & Co.), den schönsten und elegantesten Ball für die ganze Deutsche Schweiz an. Die Hotels in der weiteren Umgebung St. Gallens sind dann meistens ausgebucht, weil bis in den frühen Morgen getanzt werden darf. Das KKL und der Zürcher Presseball sind Ansatzpunkte, um eine “gute Schweizer Gesellschaft” zu zeigen, wobei das KKL sicher die Nase vorn hat, während der Zürcher Presseball, dem Opernball nicht ganz unähnlich, eine Veranstaltung ist, wo sich Insider vorzeitig ihre Tische reservieren lassen, um niemand Unbekanntem zu begegnen. Die äusserst ungemütlich angerichtete Schweizer Filmpreisverleihung im KKL in Luzern war eine Mischung von schlechter Kleidung, mässigen Filmen, demonstriertem Altsozialismus und billiger Unterhaltung, wohl einzig die österreichische Ehefrau Friedrun von Bundesrat Didier Burkhalter glanz- und stilvoll auftrat. Ausländische Führungskräfte der A-Liga sind bei solchen Anlässen höchstens im KKL gerne gesehen, das ohne die Unterstützung der Zuger Finanz- und Handelsstars kaum überleben könnte. Heute ist es wahrscheinlicher, die gute Schweizer Gesellschaft im “Goldenen Hirschen” in Salzburg, im Reid’s auf Madeira oder im “St. George” in Paris als im “Dolder” in Zürich zu treffen.
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11. March 2010 um 12:40
Die FDP-Parlamentarier Fiala, Lüscher, Schweiger und Leutenegger haben offensichtlich nicht begriffen, dass die UBS im Sommer die Zustimmung der linken Politiker braucht, damit das Parlament der UBS-Vereinbarung mit den USA zustimmt. Fulvio Pellis Schwenk in Sachen Bankgeheimnis dient zu nichts anderem, als dafür eine parlamentarische Grundlage zu schaffen. Wenn nun die Fiala-Truppe der FDP den Eindruck erwecken muss, an alten Fronten zu kämpfen, gewissermassen den Rückzug zu decken, dann zeigt dies nur, wie wenig die FDP noch Politik macht, denn dieser Spagat öffnet den FDP-Reissverschluss wieder einige Zentimeter mehr. Am Ende stehen das freisinnige Chaos und die Restpartei, ein dunkler Stern, nach 160 Jahren ausgebrannt.
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11. March 2010 um 11:06
Die European Science Foundation in Strassburg stösst einen Alarmruf aus. Wir werden in den kommenden Jahren an unseren Universitäten in Europa weniger Studenten und daher auch weniger Wissenschaftler haben. Die ESF stellt für 30 europäische Staaten Finanzmittel zur Verfügung und sollte dies wissen. Junge Wissenschaftler würden bei uns zu schlecht bezahlt, die Aufstiegschancen an europäischen Universitäten wären unklar definiert und wenig attraktiv. Klar, wenn bei uns jeder einfache Bankberater einer Grossbank, wie UBS oder CS, Sfr. 300′000 verdient, bleibt für Wissenschaftler wenig übrig.
- James Watson war 25, als er die DNA-Struktur entschlüsselte.
- Isaac Newton war 22, als er seine ersten Arbeiten vorlegte.
- Einstein war 26, als er siene wichtigsten Arbeiten schrieb.
- Werner Heisenberg war 25, Marie Curie 29, Galileo 22, Robert Oppenheimer 23, als sie an ihren entscheidenden Werken arbeiteten.
Unsere Hochschulen in der Schweiz haben noch nie vergleichbare Daten geliefert.
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11. March 2010 um 8:27
Als Menschen sind mir die Grünliberalen nicht unsympathisch, sind es doch Freisinnige, die sich einen grünen Anstrich verpasst haben, oder Abkömmlinge von Sozialdemokraten, die mit Gewerkschaften und Sozialismus nichts mehr anzufangen wissen. Technisch gesehen sind die Grünliberalen eine Abspaltung der Grünen, Realos gewissermassen, die zur Schwächung der noch überflüssigeren Grünen beigetragen haben, die, gemessen an ihrem Anspruch, im Amt überhaupt nichts zu leisten vermögen, wie die Grüne Ruth Genner im Zürcher Stadtrat bisher bewiesen hat. Die Grünliberalen wollen KMU und Greentech-Firmen fördern, um Zürich von der Abhängigkeit der Banken zu befreien. So etwas Verrücktes habe ich schon lange nicht mehr gehört. Der Niedergang der in St. Gallen dominierenden Textilindustrie hat der Stadt während 20 Jahren eine Stagnation beschert; erst dann kam es zu einem neuen Aufschwung, getragen von Firmen wie Abacus, Akris, Wegelin, Malik Management Zentrum, der St. Galler Kantonalbank und dem Kantonsspital. Es waren stockbürgerliche Menschen, wie es auch die Vertreter der Uni St. Gallen waren, die der Ostschweizer Metropole einen neuen Aufschwung brachten, nicht Grünliberale Politiker, die sich, wie Zora Ledergerber in Zürich, davon ernähren, dass sie als Berater zur Einführung “interner Meldesysteme zur Meldung von Missständen” durch das Leben schlagen.
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11. March 2010 um 8:26
Die jüngsten Niederlagen des Altfreisinns im Kanton Zürich, der nun definitiv zu einem Schrumpf-Freisinn geworden ist, haben nur die Freisinnigen überrascht. Niemand will die Niederlagen geahnt oder auch nur verschuldet haben. Deshalb sei an dieser Stelle an einige Tabuzonen gerührt, die in Stadt und Kanton Zürich matchentscheidend waren:
1. Der Freisinn kann seine Botschaften nicht mehr kommunizieren, weil in den Vorständen und in den Wahlkampfleitungen niemand sitzt, der von politischer Kommunikation etwas versteht.
2. Das zwanghafte Bekenntnis des Zürcher Freisinns zu linken Postulaten (in Zürich vertreten durch Stadtrat Martin Vollenwyder, in Winterthur durch Alt-Stadtrat Peter Arbenz) führt zu gar nichts als Niederlagen, sind die freisinnigen Wähler doch bürgerlich.
3. Die seit 20 Jahren dauernde ebenso verkrampfte Abwehr einer Zusammenarbeit mit der kantonalen FDP schadet dem Freisinn wie der Blocher-SVP. Beide Parteien haben in der Folge Politiker zu den Wahlen aufgeboten, die man nur zweit- bis drittklassig nennen kann.
4. Der noch vor 20 Jahren grosse innere Abstand zwischen nationaler und kantonal-lokaler Politik ist aufgrund der veränderten Medienlandschaft auf nahezu Null geschmolzen. Die Fehler des Steinegger-Langenberger-Schweiger-Pelli-Freisinns haben direkte negative Auswirkungen auf die lokalen Wähler.
Weil die um ihre Glaubwürdigkeit kämpfenden FDP-Spitzen kantonal wie national ratlos sind, fahren sie einen politischen Kurs (Steuern, Bankgeheimnis im Inland, Weissgeld-Politik, Gesundheitspolitik), der dem eines Betrunkenen gleicht. Deshalb siegen die Stammwähler-Parteien, wie die SP und die SVP, oder die neuen Splitterparteien der Grünen und Grünliberalen. Wir sind definitiv bei einer Italianisierung der Schweizer Parteienlandschaft angelegt, an welcher der freisinnig-liberale Fulvio Pelli keine geringe Schuld trägt.
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10. March 2010 um 15:26
Die Franzosen und die Liebe. Das Präsidentenpaar befindet sich in einem Strudel der Spekulationen. Gehen die beiden fremd? Natürlich ist die Ehe von Nicolas Sarkozy und Carla Bruni eine Art Scheinehe. Wer etwas anderes glaubt, ist ganz schön naiv. Er, ein kleiner machtgieriger Ehrgeizling, schmückt sich mit einer schönen, landesweit bekannten Sängerin. Durch die Ehe mit Nicolas hat sie hat den Olymp der Bekanntheit erreicht. Eigentlich könnte sie ihn jetzt abschiessen, denn ihr Ziel ist erreicht. Sie will berühmt und beliebt sein, und er wünscht sich ein Image als Polit-Held und echter Hengst. Lassen wir den beiden ihre Freuden, denn in Deutschland und der Schweiz ist es nicht anders. Hier ein paar Beispiele von “Scheinehen” Prominenter: Lothar Matthäus und seine Liliana, Boris Becker und all seine Frauen, Sarah Kern und ihr Goran, Thomas Borer-Fielding und seine Shawne und der Unterhaltsamste von allen – Dieter Bohlen. Dort geht’s weniger um die Ehe, denn da ziert sich der blonde super Macho ja gerne mal. Aber seine Beziehungen nützen eigentlich nur den Damen an seiner Seite. Also, nennt man solche Ehe-Beziehungen wirklich Scheinehen? Nein, der korrekte Ausdruck ist Nutzehe.
Fidel Stöhlker
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